Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1959
- Issue
- Heft 112 (April 1959)
- Date
- 1959-04-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE STIMME 3 Gustav Leitncr, Präsident der Zion. Föderation Aufgaben des Zionismus Die Polemik über das Problem, ob der Zionismus in der Diaspora heute noch eine Existenzberechtigung hat, beschränkt sich keinesfalls auf eine Diskussion zwischen Israels Ministerpräsidenten David Pen Gurion und dem Präsidenten der Zionistischen Weltexekutive Dr. Nachum Goldmann, sondern beschäftigt in höchstem Maße alle Juden der Well, insbesondere' aber die von dieser Frage unmittelbar betroffenen, das heißt die in der Diaspora lebenden. Wir in der Diaspora, die wir uns nach wie vor Zionisten nennen und als solche fühlen, stehen selbstverständlich auf dem Standpunkt, daß mit der Idee des jüdischen nationalen Gedankens das Judentum in der Welt außerhalb Israels steht und fällt, diese darüber hinaus aber auch den Grund-* pfeiler für eine bedingungslose Solidarisierung mit dein Staate Israel bildet. Der grundlegende Irrtum, der von denen, die heute den Zionismus in der Diaspora negieren, gemacht wird, besteht in der Behauptung, daß heute alle — oder zumindest fast alle — Juden für Israel sind. Gewiß, das mag für heute stimmen und vielleicht auch noch morgen seine Geltung behalten. Es ist heute im gleichen Maße bequem wie angenehm, proisraelisch zu sein, namentlich, solange der Staat Israel Objekt der Sympathien und des Wohlwollens der ganzen Welt ist und solange er — abgesehen von gelegentlichen Spenden oder philantropischen Beiträgen — weder die Privatinteressen stört, noch lokalpatriotischen Parteiinteressen im Wege steht. Und hier liegt der springende Punkt, jener Punkt, der den Unterschied zwischen dem Nichtzionisten und dem Zionisten ausmacht. Es müßte nicht die Lage in Israel schwierig werden, es ist' nicht einmal notwendig, daß sich das Interesse der Welt für unser Land verringert; es genügt, daß dieses oder jenes Vorkomm iis in jener Linie liegt, die sich mit seiner Part'eirichtung oder politischen Einstellung in der Golah nicht in Einklang bringen läßt und schon wird zwangsläufig die Loyalität des Nichtzionisten zu Israel, wenn nicht ganz schwinden, so zumindest eine starke Schwächung erleiden. Nur der bewußte Idealist und der bedingungslose Zionist wird der Medinah unter allen Umständen und Bedingungen treu und ergeben bleiben, gleichgültig, ob er sich bei seiner Umwelt beliebt oder unbeliebt macht, ob er dadurch Freunde erwirbt, oder ihm Feindschaft droht. Nach der Dezimierung des europäischen Judentums ist es vielleicht sogar bequemer, sich zu assimilieren und sich nur noch auf sympathische Beziehungen zu Israel zu beschränken. Der wahre Zionist lehnt aber eine solche Lösung kategorisch ab. Fiir ihn bleibt Israel, auch aus der Ferne, seine einzige Heimat, sein einziges ideales Ziel und sein einziges geistiges und kulturelles Zentrum. Und sei es nur aus diesen Erwägungen heraus — ohne auf andere Motive einzugehen — stehen wir hier in Wien, der Geburtsstätte der jüdisch-i nationalen Renaissance, auf dem Standpunkt, daß der Zionismus in der Diaspora heute nicht nur existenzberechtigt, sondern geradezu lebensnotwendig ist. Es soll nicht bestritten werden, daß die Alijah das oberste Prinzip des Zionismus bleiben muß, aber, verschiedenen zwingenden Gründen Rechnung tragend, läßt sich dieses Prinzip, zumindest von heute auf morgen, nicht verwirklichen. Solange es aber noch national-bewußte Juden in der Golah gibt, haben diese wichtige Aufgaben zu erfüllen, sei es finanzieller, sei es erzieherischer Natur. Sicherlich erfüllen die zionistischen Organisationen eine wichtige Aufgabe in der Arbeit für die Fonds, aber nicht minder wichtig ist ihre Tätigkeit auf dem Gebiet des Kampfes gegen die Assimilation, der Förderung jüdischer Kultur und des zionistischen Bewußtseins. Die Zionistische Föderation in Österreich hat in Erfüllung ihrer Aufgaben im Laufe des letzten Jahres versucht auf a'ljen Gebieten ihre Pflicht zu erfüllen; sie ist den Fonden mit Rat und Tat zur Seite gestanden, sie hat die Jugendorganisationen gestützt und gefördert und eine Reihe von Veranstaltungen durchgeführt, und zwar: 1. Hebräisch - Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene. 2. Jom Hazmaut Feier. 3. Seminar von Herrn Prof. Dr. Kurt Schubert über das Thema: Hauptprobleme der mittelalterlichen jüdischen Religionsphilosophie untergeteilt in a) Gottesbegriff b) Schöpfungsbegriff c) Glaube und Wissen 4. Lichtbildervortrag des Herrn Hans Jörg Nissen: „Ein deutscher Student sieht Israel." 5. Ausstellung israelischer Briefmarken mit Sonderpsotamt und Sonderstempel. 6. Alexander Reiter: Israel und sein Verhältnis zu seinen Nachbarn und Europa. 7. Raw Prof. Mirski von der hebräischen Universität in New York: Herzl und sein Werk. 8. Komponist Noel Walbe mit Tonbandwiedergaben: Moderne Musik in Israel. 9. S. J. Kreutner, Jerusalem: Weizmann und sein Werk im zehnten Jahr Israels. 10. Oberrabbiner Dr. Akiba Eisenberg: Gedenkrede für Zwi Perez Chajes. 11. Dr. Victor E, Pordes: UNO Deklaration. 12. Große Chanukka-Feier für die jüdische Jugend. 13. Empfang für den Gesandten des Staates Israel Herrn Minister Jecheskel Sahar. 14. Empfang für Minister Dr. Josef Burg. 15. Die hebräischen Kurse werden auch weiter fortgesetzt. Die Zionistische Föderation in Österreich wird •hre kulturelle und propagandistische Tätigkeit für den Staat Israel entfaltien und die Bekämpfung von Antisemitismus und Assimilation in verstärktem Maße fortsetzen und eine weitaus breitere Basis für ihre Pflichten schaffen.