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Die Stimme · 1959-03-01 · Heft 111 (März 1959) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1959
Issue
Heft 111 (März 1959)
Date
1959-03-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2 DIE STIMME Die Alijah (Heimbringung) und Einordnung eines jeden neuen Einwanderers kostet ungefähr 3000 ins 3.500 Dollar. Es ist klar, daß diese Kosten nicht durch das kleine Israel allein aufgebracht werden können. Die Steuert-,elastung in Israel ist gewaltig. Es gibt kein Land, das eine ähnlich hohe Besteuerung kennt, trotzdem haben sich die 2 Millionen Israeli freiwillig zur Aufbringung eines Sonderbetrages von 20 Milk isr. Pfunden verpflichte!, die der Aufnahme der neuen Alijah aus den Oststaaten dienen. Die Rettung von Juden ist eine Aufgabe des ganzen jüdischen Volkes, wo immer ©s leben mag; sie kann den Juden Israels allein nicht aufgebiirdet werden. Die jüdischen Brüder und Schwestern sind in Not und müssen in ihre Heimat. Auf fremde Hilfe können wir nicht rechnen! Als die traurigen Verhältnisse in Ungarn die Welt erschütterten, half die ganze Welt mit, das Problem dieser Flüchtlinge zu lösen. Hier, da es sich um 100.000 Juden handelt, die nach Israel müssen, ist das jüdische Volk auf sich allein gestellt. Die neue Alijah und der Staat Israel erwarten von uns Juden in rhu (iolah eine gioßzügige SHIbstbestouerung, ähnlich don Heuern und freiwilligen zusätzlichen Leistungen der Israelis. Wir appe11ioi en daher an die Juden Österreichs, das Cie hot der Stunde zu erkennen und die Campaign 1050 der Venunigton Aktion für Israel nach Kräften zu fördern. Wir lütten aber nicht nur um Seibstbesteuorung, sondern auch um Mitarbeit, damit die Aktion 1050 ein voller Erfolg werde. Alijah aus dem Osten tn der nächsten Zeit wird ein Teil der 146.000 Juden aus Rumänien und Polen, die sich um die Ausreise beworben haben, über Österreich nach Israel reisen. Bereits im Januar 1050 sind mehr als 1500 Juden aus Rumänien nach Wien gekommen und ha Bern in den von der Jcwish Agency zugewiesenen Hotels auf Weiterreise gewartet. In der nächsten Zeit werden rund 6000 Personen erwartet. Für sie werden min Durchgangslager eingerichtet. Wien, clas Tor des Ostens In unverkennbarer Gruppe erwarten die österreichischen Kriminalbeamten die Einfahrt des Warschauer Schnellzuges. Funktionäre der Israelischen Wanderungsorganisation bilden eine ebenso klare Gruppe. Dann der Amerikaner, der gekommen ist, um zu berichten, welche Mittel die Transitstello in Wien erfordert, die Frau des amerikanischen Journalisten, der mit dem Transport aus Warschau kommt, endlich, in splendid isolation, der Ostblockdiplomat, welcher hier noch einen letzten Blick auf die Auswanderer zu werfen hat. Der Zug fährt ein, und die Ankunft der wandernden Juden wickelt sich in wohlgeübter Routine ab. Die Karren der Gepäckträger fahren unter den Fenstern des Waggons vor, an dessen Türen die Kriminalbeamten stehen. Nachdem unbeschreiblich vielfältiges, aber keineswegs armseliges Handgepäck abtransportiert ist, wird das Aussteigen gestattet. Wie brave Schäferhunde eskortieren die Zivilpoiizisten, entschieden aber freund ich, die Ankömmlinge zu dem wartenden Autobus. Die Auswanderer sind einfach, aber ordentlich angezogenc Leute des kleinen Mittelstandes mit aufiaiiend vie len rotbackigen und erstaunlich braven Kindein. Ls sind alles polnische Juden. „Mit dem Wanderstab in der Hand“ In einem Wandererheim des zweiten Bezirkes wird die Gruppe abgefüttert. Ler Lindruck ist stark und unverkennbar, daß diese Menschen ihr e/sles Mahl als freie Menschen feiern, die erst jetzt wirklich daran glauben, daß ihr lebenslanger Traum in Erfüllung gehen wird. Es ist etwa die Stimmung jenes Mahles vor dem Auszug aus Ägypten, das die Bibel beschreibt ,,. . . mit dem Wanderstab in der Eland und zurückgelehnt im Stuhl als freie Menschen“. Juden aus Polen treffen in Wien in organisierten Gruppen mit Dokumenten ein, die vollkommen in Ordnung sind. Sie können derart noch am Abend des Ankunftstages nach Neapel auf den Weg gebracht werden, wo sie das nächste Schiff nach Israel erwartet. Ganz anders ist es vorläufig um die rumänischen Auswanderer bestellt, die als Einzelreisende an der österreichischen Grenz© in Bruck-Hegyeshalom eint reffen und von dort nach Wien gebracht werden. Ihre Papiere sind, wie man in der Sicherheitsabteilung des österreichischen Innenministeriums beklagt, keineswegs in Ordnung. Es gehört wirklich eine Portion altösterreichischen Entgegenkommens dazu, diese armen Menschen zu Tausenden über die Grenze zu lassen. Die Italiener denken viel bürokratischer. Deshalb muß jeder rumänische Transport durch ein paar Tage in Wien sortiert, untersucht, dokumentiert werden, bis er den Anforderungen der italienischen Eremdenpolizei entspricht. Das Schwarze Meer gesperrt Alle Transporte werden von Beamten der Staatspolizei durch Oster, eich eskortiert und in Wien beaufsichtig!. Es ist klar, daß dieser Transitverkehr den österreichischen Behörden eine Menge zusätzlicher Arbeit und zusätzlicher Kosten verursacht. Um arabische Sentiments nicht zu verletzen, lehnen es die Ostbleckländer kategorisch ab, auswandernde Juden in ihren eigenen Schiffen aut dem Schwarzen Meer zu transportieren oder durch israelische Schifte abholen zu lassen. Jugoslawien und Griechenland verweigern Visa aus ähnlichen Gründen. Das österreichische DurchieisesyMem bewährt sich j oder,falls, denn von 8500 rumänischen Juden, die Wien im letzten Halbjahr passiert haben, sind nur 35, und diese mit offizieller Bewilligung, in Österreich geblieben. Es könnte sogar argumentiert werden, daß diese Wanderung einem Te;l des österreichischen Gastgewerbes, der vom normalen Fiemdenverkehr kaum profitiert, bedeutende Einnahmen sichert: Schließlich wird pro Übernachtung im Hotel Nord und in acht anderen Hotels der Nachbarschaft 35 Schilling bezahlt und das Ver- (Fortsetzung Seite 6)

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