Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1958
- Issue
- Heft 109 (Dezember 1958)
- Date
- 1958-12-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 DIE STIMME (jCinz Deutlich, daß sich dort, zwischen den Bergen Galiläas und dem schmalen Küstensf reifen am Roten Meer, eine ,,i' raelisch * Nahen bildef. die etwas anderes sein wird als nur ein besonders organisierter Ableger der Dudenheit in der Weh. Diese israelische Nation wird zwar nie verqessen, woher ihre Stifter gekommen sind; sie wird nie vergessen, daß es überall in der Welt verstreut Duden gibt, für die Israel das Heilige Land ist und bleiben wird, aber sie wird sich davon ablösen, wie sich einst die preußische Nation zu einem eigenen Gebilde mit eigenen Blutkreislauf aus dem Strom;- der Gesamtgeschichte des deutschen Volkes abdifferenziert hat, so daß von Preußen aus der enrscheidende Stoß gegen das politische Gebilde geführt werden konnte, in dom der Universalismus der deutschen Volkheit Gestalt geworden war — damit wiederum andere Glieder dieses Volkes zwingend, zu eigenen Staatsvölkern zu werden. Was sich einst bei uns in den Begriffspaaren ,.großdeutsch ,,kleindeutsch” — und das hieß doch auch Weltbürgertum und Nationalstaat — vollzogen hat, vollzi eht sich jetzt in der Gegenüberstellung Israeli und Sude. Freilich werden die Israelis immer wissen — mit einem stolzen Wissen —, daß sie Duden sind, und die Duden der ganzen Welt werden weiter nach Derusalem blicken und viel tun, um dem neuen Staat das Leben leichter zu machen. Aber nichtsdestoweniger wird in israel mehr und mehr ein Volk heranwachsen, worin die Duden in der Zerstreuung sich nicht mehr ganz wiedererkennen werden und das diese wiederum kaum mehr ganz für seinesgleichen ansehen wird. Das ist der Preis, der für die Volkwerdung in der Beschränkung auf ein begrenztes Stück Erde bezahlt werden muß. Man ist in Deulschland gelegentlich stolz gewesen auf etwas, was man die Idee des Preußentums nannte, jenes karge, sich in der Bewältigung der Aufgabe erfüllende Pathos und jenes Ethos, in dem der einzelne zur Person beranreift, indem er sich im Dienst an der Gemeinschaft verzehrt. Es gibt diese Tugenden sicherlich an manchen Orten der Erde; in Israel habe ich dieses ..Preußische” — auch in seinen Humboldtschen Komponenten — mancherorts angetroffen, und von den vielen Dungen und Mädchen, die ich sah, hätten manch einer und manch eine vor vierundvicrzig Dahren auf dem Hohen Meißner stehen können. Als mich einer meiner Gastfreunde auf dem Flugplatz fragte, was denn für mich selber der größte Nutzen meiner Reise gewesen sei, überlegte ich lange. Dann gab ich ihm zur Antwort; Ich wisse nunmehr, daß es nicht erlaubt ist, am Menschen zu verzweifeln. ,frankfurter Neue Presse” ,,Süddeutsche Zeitung” Ben Gurior. und Deutschland Israels Ministerpräsident bezeichnet ,politische Freundschaft” als wertvoll. In New Yorks größter und meistgelesenen jiddischen Zeitung ,,7he Duy” erschien dieser Tage ein Artikel aus der Feder des israelischen Ministerpräsidenten Ben Gurion, in der er zum erstenmal in aller Oeffentlichkeit Deutschlands ,.politische Freundschaft” als wertvoll anerkennt. Im Rahmen seiner im ,,Day” wöchentlich publizierten Kommentare zu kulturellen und politischen Problemen Israels befaßte sich Ben Gurion mit den Auswirkungen des Sinai - Feldzuges auf Israels Position in der Welt. Der Ministerpräsident gelangt zu der Feslsfellung, daß heute — zwei Dahre nach dem Feldzug — Israel als wichtiger Faklor im internui.onalen Leben betrachtet wird. Davon ausgehend untersucht Ben Gurion kritisch das Verhalten der Großmächte während und nach dem Sinai - Feldzug in Bezug auf Israel und findet in diesem Zusammenhang warme Worte der Anerkennung für die deutsche Bundesrepublik. ,.Obwohl Israel und Deutschland keine diplomatischen Beziehungen unterhalten”, heißt es in dem Kommentar, ,,ist die Unterstützung und politische Freundschaft Deutschlands für uns von großem Wert gewesen”. Ben Gurion erklärt dann weiter, daß die Bundesrepublik nach seiner Ansicht in Amerika das meiste Ansehen von allen europäischen Staaten genießt und durch ihre feste Haltung während des Sinai-Feldzuges Israel wertvollen Beistand gegeben hat. Weiterhin unterstreicht der israelische Ministerpräsident, daß die beiden großen Parteien der Bundesrepublik in ihrer politischen Haltung zu Israel einig sind. Die wärmsten Worfe findet Ministerpräsident Ben Gurion für Bundeskanzler Adenauer, von dem er erklärt, daß selbst seine Gegner, die ihm sonst Opportunismus in vielen Fragen vorwürfen, zugeben, daß ,,seine Haltung gegenüber Israel eine Gewissensfrage ist, die aus seiner tiefen religiösen Ueberzeugung kommt’ . M. H Wolff Einwanderungsanleihe Die Dewish-Agency wird eine besondere Einwanderungsanleihe in Höhe von 20 Mill. Israel-Pfund auflegen- Dieser Beschluß wurde von Vertretern der Dewish Agency und der israelischen Regierung gefaßt, die ursprünglich die Anleihe aurnehmen wollte. Die Anleihe soll auf Dollarbasis gestellt werden und wird mit einer Prämienauslosung verbunden sein. Sie soll für die Einordnung der Neueinwanderer in das isarelische Wirtschaftsleben verwendet werden. Kunst bulgarischer Juden Im Beth Chaluzioth in Tel Aviv fand eine Ausstellung statt, die zeigen sollte, welchen Beitrag Einwanderer aus Bulgarien zur israelischen Kunst geleistet haben. Die Ausstellung wurde anläßlich des 10. Dahrestages der fast vollständigen Auflösung der bulgarischen Diaspora veranstaltet, die eine Folge der Massenauswanderung war. Auf der Ausstellung wurden Oelgemälde, Aquarelle, Skizzen und Skulpturen von 30 aus Bulgarien stammenden Künstlern gezeigt, darunter Boris Schatz, der Gründer des .,Bozalel” in Derusalem, der vor 55 Dahren nach Palästina kam. Mehr Menschen in Obergaliläa In den letzten zehn Dahren ist die Zahl der Einsamer in Obergaliäa von 9000 auf 27.000 gestiegen- In diesem Landstrich werden heute 140.000 Dunam bebaut, duvon stehen 80.000 unter Bewässerung. Der Wasserverbrauch Obergaliäas betrug im vergangenen Dahr 70 Millionen Kubikmeter. Israels erstes U - Boot Mit der ,,Tanin” — zu deutsch Krokodil — erhielt Israel sein erstes U-JBoot. Das Boot wurde für etwa 2,2 Mill. Mark von der britischen Admiralität angekauft. Die Bereitschaft Londons zum Verkauf von zwei U-Booten wurde in Israel mit Befriedigung aufgenommen. Man sieht darin einen wichtigen Schritt zur Wiederherstellung des Rüstungsgleichgewichts im Nahen Osten und zugleich eine freundlichere englische Israel-Politik.