Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1958
- Issue
- Heft 109 (Dezember 1958)
- Date
- 1958-12-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 DIE STIMME eino imperialistische ,,Igelstellung” im Zentrum des arabischen Lebensraumes; wenn es dort, theoretisch und praktisch, keinen Widerspruch dagegen geben darf; wenn es Hoch- und Landes Verrat bedeutet, nicht nur andere an die diametral entgegengesetzte frühere Wahrheit zu erinnern, sondern sogar sich selbst daran erinnern zu wollen: — ist es umso notwendiger, uns selbst und die gesamte Weltöffentlichkeit in den noch freien Ländern an die frühere Stellungnahme der Sowjetunion zu den gleichen Fragen zu erinnern, damit man die Inkonsequenz und den bösen Willen des dortigen Regimes und seiner ,,wissenschaftlichen” Schreiberlinge klar erkenne und auf diese Weise die tieferen Ursachen aufdecken könne. Denn selbst bei uns, und nicht nur auf der äußersten Linken, gibt es Menschen, die leicht vergessen und sehr bald auf diese Art von Propaganda und roßfäuscherische ,,Ideologie” hineinfallen. Zwei Dokumente liegen vor, die man, zumindest außerhalb des Ostblocks, mit keinem Dreh aus der Welt schaffen kann: In der „Prawda” vom 16. Mai 1947 ist Gromykcs oben angeführte Rede wörtlich abgedruckt. Dort heißt es: daß „das jüdische Volk im letzten Krieg unsagbares Leid und Elend erlitten hat, das ohne Uebertreibung jeder Beschreibung spottet”, daß ,,die jüdischen Massen noch dem Krieg plötzlich einer furchtbar schweren Situation gegenüberstanden”; daß „das Bestreben des jüdischen Volkes nach Bildung eines eigenen Staates verständlich und vollauf berechtigt ist”; daß „das jüdische Volk seine historischen Wurzeln in Palästina hat, und es daher ungerecht wäre, dies alles nicht zu berücksichtigen und dem jüdischen Volk die Verwirklichung dieser seiner nationalstaatlichen Bestrebungen abzusprechen.” Er schlug im Anschluß daran „die Bildung eines unabhängigen, zweieinheitlichen demokratischen arabisch-jüdischen Staates” vor, alternativ jedoch, ,-in Anbetracht der verschärften Beziehungen zwischen Duden und Arabern, die Teilung Palästinas in zwei selbständige, unabhängige Staaten — einen jüdischen und einen arabischen — zu vollziehen.” Eine Woche später, in der Nummer der ,,Neuen Zeit” vom 23. Mai 1947, wurde in einem Aufsatz unter dem Titel „Die Palästinafrage vor der UNO” nicht nur diese Rede Gromykos wiederholt, sondern auch ausgeführt, daß die Engländer und Amerikaner das Mandat nicht aufgeben wollen, während die Vertreter der Sowjetunion allein für die gerechte Lösung der Palästinafrage — durch Schaffung zweier unabhängiger Nationalstaaten — eintreten und sich deshalb auch dafür eingesetzt haben, daß man die Vertreter der .Jüdischen Agentur” zur Darlegung ihrer Auffassungen zulasse, was die anderen verhindert haben. Wiederum wurde betont, daß ,,das jüdische Volk seine historischen Wurzeln in Palästina habe und seine legitimen Interessen nur dann gebührend verteidigt werden könnte, wenn ihm endlich in der alten Heimat die staatliche Unabhängigkeit bewilligt werde.” Es wurde noch hinzugefügt, daß diese positive Erklärung Gromykos namens der Sowjetunion — gegen die unversöhnliche Stellungnahme Englands und der USA — in allen jüdischen Kreisen sowohl in Palästina als auch im Ausland lebhaften Widerhall gefunden hat. Wenn man nun unentwegten Anhängern einer prosowjetischen Politik oder sonstigen Nörglern, die unterallen Umständen stets der eigenen Regierung Unrecht geben, derartig eindeutige, dokumentarische Nachweise erbringt, dann nehmen sie ihre Zuflucht zur Ausrede, daß die Regierungen Israels weder in der Periode der „Nichtidentifizierung” noch auch nachher im Ost-WestKonflikt neutral gewesen seien, sodaß die Russen zur araberfreundlichen und israelfeindlichen Politik „provoziert” worden wären. Demgegenüber stellen seit längerer Zeit bereits die besten Sachkenner der russischen Nahostpolitik fest, daß es hier den Kommunisten ausschließlich um einen wichtigen Teil ihrer weltpolitischen Ziele geht: den Westen aus allen seinen Positionen in dieser strategisch, politisch und ökonomisch hochwichtigen Region gänzlich zu verdrängen und von hier aus den Vormarsch nach Afrika anzutreten. Den Haß der Araber gegenüber Israel auf jede Art und mit allen denkbaren Mitteln zu schüren, erscheint ihnen als das beste Mittel für diesen, ihren eigenen Zweck. Sympathien oder Antipathien sind ohne jede Bedeutung,, ebenso wie die Frage der Regierungssysteme in den verschiedenen Ländern der Region oder die eigene Außenpolitik der Regierungen derselben. Selbst eine vollkommen sowjetische Regierung in Israel könnte daran nichts ändern. Denn die Araber wollen die Vernichtung Israels und sehen in den Weststaaten das bisher absolute Hindernis auf dem Wege zu diesem Ziel. Zionismus und Imperialismus sind im arabischen Sprachgebrauch fast synonyme Begriffe geworden. Die Russen wissen, daß sämtliche arabische Staaten, auch die noch scheinbar prowestlichen, die Weststaaten nur unter der einzigen Bedingung als Freunde und Partner akzeptieren können, wenn diese bereit wären, ihnen Israel zu opfern. Deshalb hat während des Aufenthaltes Nassers in den UdSSR die Israel-Frage in den Reden und Erklärungen der Vertreter beider Staaten einen ungebührlich großen Platz eingenommen. Aus dem gleichen Grunde unterstützte Chrusfschew mit äußerster Energie die These der arabischen Ultranationalisten, daß ,.die Schaffung des Staates Israel bereits ein westlicher Aggressionsakt gegen die Araber” gewesen sei. Der schlaue rote Zar weiß zugleich, daß die Westmächte bei diesem Wettbewerb um die Sympathien der Araber verlieren müssen. Denn sie können Israel nicht preisgeben, ohne sich selber zu verraten und der eigenen polititischen Moral und Weltanschauung ins Gesicht zu schlagen. Es wäre auch — nicht weniger als in Berlin oder Formosa — der erste Schritt auf dem Wege zum Verzicht auf die eigene Freiheit und zum Zusammenbruch der gesamten freien Welt. In Deutschland I i Westdeutschlands höchstes Gericht in Karlsruhe bestätigt das Urteil eines Offenburger Gerichtes gegen den Lehrer Ludwig Zind wegen seiner schweren antisemitischen Aeußerungen. Zind wurde im April dieses Dahres zu 12 Monaten Gefängnis verurteilt, legte aber gegen diesen Spruch Revision ein, die jetzt verworfen wurde. Zind, der durch diesen Urteilsspruch seine Beamtenrechte verliert, hatte im Frühjahr 1957 während eines Wirtshausgespräches mit dem halbjüdischen Kaufmann Kurt Lieser die Schändung jüdischer Friedhöfe gebilligt und außerdem erklärt, es seien in der Nazizeit ..zuwenig Duden vergast worden”. Er hatte auch gesagt „Israel wird ausradiert", und sich damit gebrüstet, daß er und seine Männer im Osten Hunderte von Duden mit dem Spaten erschlagen habe.