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Die Stimme · 1958-12-01 · Heft 109 (Dezember 1958) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1958
Issue
Heft 109 (Dezember 1958)
Date
1958-12-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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limm e Otfyan dec Üardsteh, in ÖsitmioU r'"HNr“ Preis 2 Schilling Dezember 1958 Zionistischer Landesverband Wien Nr. 109 Israel zwischen Ost und Am 14. Mai 1947 hielt der damalige und jetzige Aussenminister der Sowjetunion, Andreij A. Gromyko, vor der Vollversammlung der UNO seine berühmte Rede zur Palästinafrage, deren Wiederholung heute den gleichen Redner den Kopf kosten würde. In den Bibliotheken und Archiven aller kommunistischen Länder gibt es drei Arten von Büchern und Dokumenten: solche, die zur allgemeinen Einsicht offen liegen; andere die man nur mit einer Spezialautorisation des Leitungslunktioni'rs lesen darf; und schließlich die besondere Gruppe, welche den Vermerk ..streng geheim” trägt, sich un ter besonderer Sperre befindet und ausschließlich von den Mitgliedern des Politbüros auch nur in die Hand genommen werden kann. Die Einteilung;st keine stabile. Je nach dem ,.politischen Moment” und seinen besonderen Erfordernissen wechselt die Bedeutung einzelner Bücher oder Dokumente, womit nicht nur eine räumliche Uebersiedlung, sondern auch eine komplizierte Behandlung der bezüglichen Kcrleien verbunden ist. Die oben zitierte Rede Gromykos hat die drei Phasen in einer Rekordzeit absolviert. Im September 1948 erschien bereits in der ,,Prawda” ein Artikel llja Ehrenburgs. der heftige Angriffe gegen Israel und den Zionismus enthielt. Der vollständige Kurswechsel, der die Gromyko-Rede ..vorläufig endgültig” (solche Widersprüche gehören zum dialektischen Materialismus) in das Geheimarchiv verbannte, vollzog sich im Jahre 1950, als das russische Nahostproblem ebenso rasch auch in einer anderen Richtung neue Wege einschlug: vom jahrzehntelang abgelehnten und verhöhnten ,.mohammedanischen Obskurantismus” zum national-arabischen ,,Progressismus”, dem gegenwärtig die „Prawc'a” jeden Tag einen ihrer Grundsatzartikel widmet. Es ist, hsitorisch gesehen, gewiß kein Zufall, daß sich die russisch - ostdeutsch - ägyptische Antisemitenkoalition rasch und leicht entwickelt hat. Auf dem U-Bahnhof Ostberlins ,.Alexanderplatz” prangt die in Metall gemeißelte Inschrift: ,,Freiheit und Unabhängigkeit für die arabischen Völker!” Israel aber wird täglich angegriffen, und den Westdeutschen werden die Reparationen an Israel als Verbrechen vorgeworfen. Im Verlaufe der letzten acht Jahre kann man das Nebeneinander in der gegenteiligen Entwicklung beider Problelme feststellen: Je mehr die Annäherung und Freundschaft zu den Arabern anstieg, umso heftiger und ..ideologisch unterbauter” wurden die Angriffe gegen Israel, den West Zionismus und schließlich auch gegen das jüdisch.:' Vo^k auf der ganzen Weit. Nasser wurde der ,,Freiheitsheld” und Ben Guron das ,,willige Werkzeug des westlichen Imperialismus.” Schließlich sind die Ideologen des Kreml bereits dahin gelangt, die Existenz eines jüdischen Volkes und die Existen/fberechiigung eines jüdischen Staates zu bestreiten — und diese Thesen historisch und soziologisch zu ,,begründen”. Recht oder Unrecht, feierliche Deklarationen oder Verträge, wissenschaftliche Erkenntnisse und historische Dokumente: das alles spielt in der kommunistischen Außenpolitik keine Rolle. Die sowjetische Dialektik geht davon aus, daß selbst den Naturerscheinungen innere Widersprüche eigen sind, sodaß es in der Politik schon gar zuläßig ist, ideologische Sprünge zu machen und dasjenige als wahr anzunehmen, was der kommunistischen Idee und der Ausdehnung ihres Machtbereiches in jedem ceg.be en „politischen Momente” nützlich ist. In der reichen kommunistischen „DIAMANT-Literotur’' witd das nicht nur offen zugegeben, sondern auch wissenschaftlich begründet; in der täglichen Praxis und Propaganda jedoch wird koir.: Widerspruch zugegeben. Vielmehr wird die jeweilige Pc.ifjk als Konsequenz der vorangegangenen behänd-dt und die letztere zu diesem Zwecke ,.geschiehtlieh umgedeuier und umgeschrieben.” Niemals wird man zugeben, daß man früher einmal anders gedacht, gesagt oder geschrieben hat. D,e Lerücn tiefe „Entpersönlichung” ist nicht nur eine strafprozessuale Untersuchungs-Methode, sondern auch das dialektische Mittel, die Menschen glauben zu machen, daß die jeweilige „Wahrheit” zumindest seit Marx, Engels und Lenin datiert. Mit Stalins Theorien gab es ein paar Regiefehler, die aber sehr bald korrigiert wurden. Wenn also im gesamten kommunistischen Machtbereich nur die zuletzt verkündete „Wahrheit” gibt, kein jüdisches Volk, sondern nur eine Ausbeutergemenischait im Weltmaßstab, kein jüdischer Nationalstaat, sondern nur Infolge technischer Umstellung der Diuckerei, können wir die „Stimme” nicht im alten Format herausbringen. Die „Stimme” erscheint ub nun in Üuartiormai. cLch, erleidet der Inhalt keine Einbuße. Wir bitten um er.-, verehrten Leser um Verständnis. Die Redakt.on

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