Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1957
- Issue
- Heft 104 (Dezember 1957)
- Date
- 1957-12-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 6 DU! STIMME Nr. 104 7. 1. EINOT PRÄSIDENT BEN ZWI Judenstaat und Golah Diesmal waren ns die unverfälschten ,,Weisen von Zion”, die aus aller Herren Ländern nach Jerusalem kamen, um hierdie letzten Errungenschaften jüdischer Wissenschaft zu überprüfen und sie in feste Formen einer Weltorganisation für Judaistik zu überfiühreu. So tagten an die hundert jüdische und nichtjüdische Gelehrte von Weltruf eine Woche lang in Plenarsitzungen und Sektionen, und die prachtvollen Vortragssäle der kaum vollendeten Hebräischen Universität hallten wider von heißem wissenschaftlichem Ringen erlauchter Geister. Nach ihnen kamen die anderen: halb Wissenschafter — halb Dilettanten, die der Einladung der Jewish Agency folgten, um so manche Problematik jüdischer Aktualität Im Blickpunkt der Geschichte auf* zruhellen. Was ist Zionismus? — Was Judenstaat und die Diaspora? — Aufschwung im Zentrum oder Niedergang an der Peripherie? — Tausend ungelöste Fragen tauchen da aus dem Nebel der sich in letzten Jahren überstürzenden Begebenheiten und tausend Probleme türmen sich tagaus, tagein im Leben des einzelnen und des jüdischen Kollektivs. So tobte auch hier in denselben Hallen eine Woche lang der Kampf der Meinungen. Israelische Staatslenker und amerikanische Führer der jüdischen Arbeiterschaft, Dichter und Journalisten, Rabbiner und Reformjuden, Sozialisten und Revisionisten versuchten in Rede und Gegenrede, Referaten und Dissertationen, die Thesen des neuartigen Judentums in Israel und der Golah zu verfechten. Umwertung aller Werte — dies der Tenor aller Reden, da Weltkrieg, Verheerung der Golah Schaffung des Judenstaates einen förmlichen Umsturz herkömmlicher Sinngebung der jüdischen Geschichte nach sich ziehen mußte. Pension „Cosmopolite" IlHl Haus ersten Ranges Zentrale Laste Mäßige Preise Wien VIII, Alserstr. 23 Telephon M 61 74 Wo ist der Beginn und wo das Endziel? — Ist der Judenstaat der Gipfel oder nur Etappe auf dem Wege zur grundlegenden Erneuerung? Für Martin Buber, wohl den letzten Ausläuler der jüdischen Missionsidee, gilt der ,,Judenstaat" als eine Art Gottesreich auf Erden; Zionismus ist ihm kein geographischer Begriff, sondern eher eine moralisch-göttliche Sendung, Die Macht der Ideen — führte Buber in seiner gewohnt schwerblütigen Art aus — müssen wir wieder der jungen Generation vor Augen führen, damit auch die Golah für unseren Judenstaat heranreift. Demgegenüber verfocht. Ben Gurion in einer Art akademischen Dissertation die absolute fliese des Judenstaates, seines Judenstaates, die sich bis zur vollständigen Negation der Diaspora verstieg, für diesen kämpferischen Staatsmann gilt die Golah als eine Art Krankheit, die ehestens iihoiwundon werden müsse. ..Nach Erstehung des Judenstaates gibt es keine Zionisten mehr und was mich" erklärte Ben Gurion zum Erstaunen der aufhorchenden Zuhörerschaft — „von Nahum Goldmann unterscheidet ist, daß er Zionist ist, wogegen ich bloß Jude hin. Es gibt nur einen Weg für moderne Juden" — fügte er abschließend hinzu — ,,und das ist die Alijah nach Israel". Diese einigermaßen paradoxale These Ben C.urions fand bald in einem prachtvollen Rededuell mit Nahum Goldmann ein adäquates Echo. Für Goldmann, den wandernden ,,Maggid" des modernen Judentums, ist ja die Diaspora das eigentliche Lebense'ement, aus dem Israel seine vitalen Kräfte schöpft. Gerade die Stärkung und nicht Verneinung des Galuthjudentums schafft die eigentliche Rückendekkung Israels. Die Negation der Diaspora als geschichtlich gegebene Erscheinung kann eher zum Verfall des Weltjudentums und damit zur Verödung der fluktierenden Wandertewegung nach Israel führen. Derart zerfaserte Nahum Goldmann in blendender Dialektik die wirkliebt, solange nicht die Majorität des Volkes in Israel ihre Heimstätte findet. Die Juden weinten einst — sagte sie — an den Wassern Babels und kehrten in ihre Heimat zurück; doch die Juden Amerikas singen palästinensische Lieder, ohne an eine Alijah zu denken. Auch Nichtzionisten, wie der amerikanische Arbeiterführer Jakob Patt, der Sekretär der dritten Internationale, Julius Brauntaf, und schließlich der Rleformjude, der sich als Assimilanten hezeichnete, der Prof, an der Havard-Universität, Oskar Handlin, sahen in der ,,Integration of Exiles" die einzige Lösung der Judenfrage, wenn sie auch zum Judenstaat eine eher negative Setllung einnahmen. Hingegen bezeichneten die bedeutenden jüdischen Wissenschafter Amerikas, wie Prof. Salo Baron, Prof. Heschel und Prof. Mordechaj Kaplan die Erstehung des Judenstaates als entscheidende Etappe der jüdischen Geschichte der Neuzeit und die Diaspora als naturgemäße Parallelität des jüdischen Schicksals. ,,Nur wer einmal Israel besuchte, kann erst die Golah verstehen". Keren Kayemeth Uelsrael veranstaltet am Samstag, den 21. Dezember 1957 in Hübner’s Kursalon eine Chan ukkahSoiree mit Tanz, Programm, Tombola, verschied. Belustigungen Beginn 21 Uhr negative Konzeption Ben Gurions, indem er den Gegensatz zwischen ihm und dem „Superzionisten", der seit Jahrzehnten das Höchstmaß von Zionismus predigte und sich nunmehr als Nicht-Zionist deklariert, unterstrich. Dieses Rededuell zwe:er überragender Juden bildete den Glanzpunkt dieser Tagung, die in der Redeflut von Beichten und Bekenntnissen zu verebben drohte. Nach Goldmann trat auch Moscheh Sharett. der Meinung Ben Gurions entgegen. Es ist richtig — sagte er —, daß wir die Go'ah als eine vorübergehende Erscheinung zu werten haben, doch ist es gerade die Wechselwirkung der Golah und des Judenstaates, die die Grundlage unserer nationalen Fragen für unabsehbare Zeit bilden wird. Golda Meir, die treue Sekundnntin ihres Meisters, wich diesmal dem Hauptproblem aus. Sie verneint. wohl nicht die Golah, doch ist für sie der Zionismus nicht ver- Nach einer weihevollen Predigt des heute führenden jüdischen Dichters, Leiwik, folgten die geradezu eruptiven Bekenntnisse ries extrem - radikalen Arbeiterführers in Israel, Jizchak Tabenkin, dessen festem Glauben nach für zehn Millionen Juden noch Platz sei in Israel. Keine Resolutionen wurden diesmal gefaßt und keine Beschlüsse. Ein Mittelding von einer Volksversammlung und Symposion führender Geister. Kam da von diesen ,.Weisen von Zion" Erleuchtung oder Aufklärung? Dunkel bleiben nach wie vor die Wege des jüdischen Schicksals in der Golah und auch in Israel. Gibt es eine greifbare Zielsetzung der gegenwärtigen Judenheit? War es nicht ein Spiel von Worten, die aus 'diesen Hallen in tage- und nächtelangem gingen in die Welt, hinausströmten? Worte — nur Worte, wo der Bestand eines heimkehrenden Volkes erst aus den Urquadern der Vergangenheit, herausgehauen werden soll . . . SINGER STOFFE IN DER ROTENIURMSTR 1? r REINWOLLENE DAMEN- UND HERRENSTOFFE - KAMMGARNE TWEEDE IN NEUESTEN MODEDESSINS - SEIDENNOUVEAUTtS TEL. U 21-3-88 Die Wiederwahl von Staatspräsident Jizchak Ben-Zwi durch die Knesseth war keine Ueberraschung und es ist Ausdruck der tatsächlichen Stimmung des Volkes, wenn seine Wahl ohne Gegenstimmen erfolgt ist. Die Position, die sich Ben- Zwi in den Jahren seiner Amtsführung erworben hat, ist unanfechtbar. Der Glückwunsch eines Jeden kommt aus vollem Herzen, wenn er ihm eine Amtsführung in Kraft und Gesundheit und in Tagen friedlichen Aufbaues wünscht. Die Allg. Zionisten in Österreich neigen sich vor dem wiedergewählten Präsidenten Israels und wünschen ihm lange Jahre der Gesundheit und Kraft in der Ausübung seines hohen Amtes. Leo Baeck - Briefmarke Aus Anlaß des 2. Todestages von Leo Baeck gab das deutsche Bundesministerium für das Post- und Fernmelde Wesen eine Gedenkmarke heraus. Als Motiv ist eine Kopfbildwiedergabe Baeck's verwendet. Der Entwurf stammt von Prof. Paul Dietrich (Konstanz), die Beschriftung lautet: „Leo Baeck 23. 5. 1873 - 2. 11. 1956". GESCH> ui i e n Die idealsten Schulterauflagen aus Watte, beste Paßform, für Damen-, Herren- und Kinder- Bekleidung „HÄPO" Achselpolster-Erzeugung RU DI CH <& Co. Wien U,Aspernbrückeng.4 Tel. R 45 5 63 KLEIDER - WÄSCHE - SCHUHE aul Teilzahlung S.Bcod WIEN VI, DAMBOCKGASSE 4 Stoffe - Meidet FÜR DAMEN HERREN UND KINDER gut und preiswert vom KAUFHAUS Brüder Haber Wien VII, Mariahilferstraße 90 Telephon B 36063, B 36237