Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1957
- Issue
- Heft 104 (Dezember 1957)
- Date
- 1957-12-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 104 f) [ L SUMM F S-r; i t n 7 Im Zimmer des Leiters des Hntschädigungsamtes in Düsseldorf hängt ein großed Bild. Hs stellt in Lebensgröße einen zweijährigen jii disrhen Buben in der berüchtigten Sträflingskleidung des Konzentrationslagers dar, mit der deutlich lesbaren Zahl 15590. Dieser hinge wurde im Konzentrationslager geboren,- eine Frau belauschte in der Nacht die SS-Mörder, als sie beheschlossen, ,,die Judenbrut" am nächsten Morgen zu vertilgen. Darauf versteckte sie das Kind, hielt es zwei Monate lang verborgen, bis man seine Existenz zur Kenntnis nahm und in die ,,legale Uniform" steckte, Der Bub befindet sich derzeit in einem Waisenhaus in Frankreich, das Bild aber schenkte seine Retterin als Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit dem Leiter des Entschädigungsamtes in Düsseldorf, der es vergrößern ließ und über seinen Schreibtisch hängte, „damit wir niemals vergessen!" wie er mir sagte. Der Name dieses Mannes — Okerregierungsrat Josef Warners verdient nicht nur festgehalten, sondern auch nicht vergessen zu werden. Denn der Mann ist nicht nur ein Beamter, der seine Pflicht erfüllt, ein Angestellter, der „Fälle" bearbeitet, sondern ein Mensch, in dessen Brust ein warmes Merz pocht, das bei jedem Akt erneut erzittert, „Wir können nicht tilgen, was geschehen ist, wir können au' h nich'gut’nachen.wirkönnen nur helfen, können bloß die Not und das Elend derer mildern, die durch unsere Schuld ins Unglück geraten und ohne unser Verdienst am Leben geblieben sind" sagt der Herr, der offen erklärt, daß es für ihn keine Entschuldigung für die Verzögerung eines Aktes gibt außer die der Tränen, die beim Lesen eines solchen Aktes über seine Wangen fließen und seine Augen KREDITE erteilt Jüdische Sparu. Kreditgen. rn. b. H., Wien I., Seitenstettengasse 4, Tel.: U 2k-4-tif) an jüdische selbständige Kaufleute, (lewerbetreibende und an freie Berufe. verschleiern. Und weil er unter den Vielen, die es sagen, zu den Wenigen zählt, die glauben, was sie sagen, darum sollte man sich seinen Namen merken, Josef Warners betrachtet sein Amt nicht als Beruf, sondern als Berufung, nicht nur als Pflichterfüllung, sondern darüber hinaus als Lebensaufgabe und seine Worte sind heilig. In seinem Büro werden Akte nicht nur bearbeitet, sondern auch erledigt, aus seinem Büro fließen nicht leere Worte sondern wirkliche Mittel hinaus. Gegenwärtig sind es 12 MiII. Mark monatlich, nun aber, da er es durchgesetzt hat, ein größeres Büro zu bekommen und seinen Beamtenstab von 65 auf 110 zu erhöhen, hofft er, daß sich obiger Betrag bald wesentlich steigern wird. Außer der d tut seheeinst in dem Bezirk Noidrhoin-Westfalon ansässig waren, ist das Entschädigungsamt in Düsseldorf liir sämtliche Staatenlose in Europa zuständig. Gegenwärtig sind es 20.000, aber weitere 40.000 werde erwartet und das Ziel Warners geht dahin, alle 60.000 spätestens in zwei bis drei Jahren zu befriedigen. Alle diese Leute sollen Lebensrenten erhalten, oder, wie Warners sagt, nicht Renten in der Form von sozialen Wohllahr t sunt erstüt zun gen, sondern Pensionen. Bei Bearbeitung eines Falles hat er den Menschen vor Augen, dem gräßliches Unrecht widerfahren sei. Und dann erzählt er mir, daß er in seiner früheren Eigenschaft als Personalreferent das Aufnahmsgesuch eines Mannes zu begutachten hatte, der in der Naziära eine beefeutenae Rolle gespielt hat, Als er feststellte, daß der Mann bereits lange vor 1933 P.G. gewesen ist, habe er sein Gesuch selbstverständlich abge'ehnt. Zwei Wochen später habe ihm dieser freudestrahlend mitgeteilt, daß er von der Regierung Niedersachsen angestellt worden sei. In den sechs Monaten die seither verstrichen seien, habe der Mann fast die höchste Sprosse auf der Leiter der Beamtenkarriere erklommen. Warners knüpfte an die Erzählung weder ,ein Kommentar, noch eine Kritik. Es gibt Länder, in denen ’die Fälle der Wiedergutmachung rasch und wohlwollend aber auch solche in denen sie sehr langsam und vielfach negativ erledigt werden. Dr. Tmanuel Unger. Jugend-Alijah. BOTSCHAFT Mrs. Roosevelt's Am 10. und 11. November d. J. fand in Paris eine Konferenz der De’iecierten der europäischen Komitees der Jugend-Alijah unter dem Vorsitz von Herrn Moshe Kol, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency und obers’er Leiter der Jugend - Alijah in Israel statt. An der Eröffnungssitzung nahmen der Gesandte Israel's, der Oberrabbiner von Paris und zahlreiche Persönlichkeiten teil . Aus diesem Anlaß hat Mrs. Eleanor Roosevelt, unter deren Weltpatronanz die Jucend - Alijah steht, folgende Botschaft an die Konferenz gerichtet : „Mit großer Freude habe ich erfahren, daß eine Konferenz der Jugend-A'i ah im November in Paris stattfinden wird. Aus diesem Anlaß sende ich meine besten Wünsche an alle Delegierten. Die Jugend-A'i'ah ist ein Werk von großer Bedeutung. Durch ihre Einrichtung sind tausende heimatloser Kinder gesunde und glückliche Bürger lsrae s geworden, von Liebe für ihr Land erfüllt und dem Wunsche, ihm nach Kräften zu dienen. Ich habe stets die Hingabe all derer bewundert, die der Jugend- Alijah dienen und die für ihren Frfo'g verantwort ich sind Ich hoff daß Sie, dn Teilnehmer an dieser Tagung, Ihre unermüdlichen Bestrebungen für diese wundervolle Organisation, deren Zie'e mich zutiefst interessieren, fortsetzen werden". Man schreibt uns aus Stockholm: S/S „Jerusalem“ Auf seiner Jungfernreise von der Deutschen Werft in Hamburg, auf der es gebaut wurde, nach Haifa machte Sonntag, den 17. November, der 10.000 Tonner S S „ Jerusalem" Station in Stockholm, viel beachtet von der Bevölkerung, Presse und Radio; war es ja das erste israelische Schiff, das schwedischen Hafen angelaufen hat. 150 m lang, ist es ein Luxusdampfer ganz eigener Art: hochmodern in seiner Einrichtung — es fehlen nicht Stabilisatoren, Luftkonditionierung, Hüttenfe’efone, Schwimmbassins, Kinderspielstuben, elegante Bars, Kino und weiße Flügel für Tanzabende — daneben streng orthodox in der Speisenzubereitung und Servierung. Die ganze Besatzung ist israelisch, ihr gehört auch Rabbi Joshua Goldberger an, der in der Synagoge des Dampfers die regelmäßigen Gottesdienste versieht und streng darauf achtet, daß allen Geboten nachgelebt wird. „Etania*' In der Schweiz liegt in sonniger Höhe, nebelfrei, windgeschützt, in trockener würziger Bergluft Davos (1.600 Meter über d.' M.) mit der Jüdischen Fleilstätte „Etania“, die von Schweizer Juden aus Solidarität mit dem We'tjudentum vor ca. 40 Jahren gegründet wurde. Tausende von Tuberku’ose-Kranke, beinahe ausschließlich Nichtschweizer, haben in diesem Sanatorium Gesundung und ihre Arbeitskraft zur Eingliederung ins Erwerbsleben wiedergefunden. Davos ist durch die „Etania“ ein Heilzentrum für Juden aus der ganzen Welt geworden, ganz besonders durch die Tatsache, daß dies die einz'ge streng rituell geführte Heilstätte ’n Europa ist. Sie bietet sowohl orthodoxen wie auch liberal gesinnten Juden ein angenehmes, neuzeitlich geführtes jüdisches Heim. Nach der Ansicht der führenden Kapazitäten auf dem Gebiete der Tuberkulosebekämpfung, ist trotz den Erfolgen der Chemotherapie und Chirurgie, das Höhenklima, wie es in Davos vorhanden ist, nach wie vor nötig, soll die Krankheit in möglichst kurzer Zeit geheilt werden. Außerdem ist darauf hinzuweisen, daß in gewissen Fällen schwer an Tuberkulose erkrankte Menschen, ohne die Einwirkung des Heilklimas, kaum noch gerettet werden können. Durch die Verkürzung der Krankheitsdauer bringt der Aufenthalt in Davos neben den medizinischen, auch beträchtliche finanzielle Vorteile. Das „Etania" - Büro n /.iiriHi (Schweiz), Bahnhofstraße 57 b, ertei’t gerne jede gewünschte Auskunft. Stefan Zweig 15. Todestag Im November 1942 beschloß Stefan Zweig freiwillig aus dem Lehen zu scheiden: Er hatte mit Lotte, seiner zweiten Frau, auf kurze Zeit sein einsames Haus in den Bergen von Petropolis verlassen, um einer Einladung seines Vere^erszum weltberühmten Mummenschanz in Brasiliens Hauptstadt nachzukommen. Am Morgen des dritten Tages, als das Programm für den weiteren Aufenthalt besprochen werden sollte, machte sich plötzlich ein Stimmungsumschwung bei Zweig bemerkbar und er erklärte, sofort nach Petropolis zurückkehren zu wollen — er hatte sein eigenes Todesurteil gefällt. Damit war eine Entwicklung zum tragischen Abschluß gelangt, die zögernd 1934 begonnen hatte, mit dem Münchner Betrug 1938 und dem Nazi-Einmarsch in Österreich verstärkt wurde, und schließlich in den negativen We’tereignissen der ers'en Kriegsiahre ihre Bestätigung fand. Stefan Zweigs Temperament hatte zwar die Unruhe des schöpferischen Menschen, die Sensibilität des Künstlers, der den feinsten Schwingungen seiner eigenen Stimmung und der Stimmen der Welt ausgeliefert ist. Aber im Grunde war er ein Bürger, der Geradlinigkeit, Beständigkeit, Komfort — mit einem Worte: Sicherheit liebte und brauchte. Sein wundervolles Haus in Salzburg, voller Kunstschätze, in dem sich die geistige Welt jener Tage ein Stelldichein gab, war der konkrete Ausdruck seiner Sicherheit, Freunde und Verleger, Bücher und Musik, auch junge Künstler, denen er helfen konnte, gehörten zu jener Welt, Als er, im Zweiten Weltkrieg, selbst ein Getriebener war — obwohl immer noch in konfortablen Umständen — schmetterte er nicht mehr einen Prophetenruf in die Welt. Er wußte, daß der Krieg lange dauern würde, aber er ahnte etwas, das noch schwerer für ihn zu tragen war — daß selbst ein siegreicher Abschluß keinen Weg in die Vergangenheit öffnen würde. „Alles wird anders sein nach diesem Krieg — unser Zeitalter hat nicht mehr Sicherheit zu bieten als das der Reformation oder des Unterganges von Rom ... Es gibt kein Zurück mehr zum Gestern, und was uns erwartet, wird weniger sein als was jene Tage uns geschenkt hatten". Im November 1942 — Zweig war damals 61 Jahre alt, ging er — in den Tod, in dem einsamen Haus auf den Bergen von Petropolis, das jetzt vom brasilianischen Staat in ein Stefan Zweig - Museum verwandelt worden ist. Wir ehren das Angedenken Stefan Zweigs, des Freundes Theodor Plerzls, Josef Warners ein Name, den man sich merken mnS. Anträge ehemaliger .Staatsbürger, die Erstklassige Stolle und Zugehör, sowie . . beste Verarbeitung y bilden die Grundlage der bewährten TELLER-KLEIDUNG ///. Haüphfraiit #8-90 ui6 2!6 Konfektion en gros N. Grünberg Wien I, Rotenturmstr. 25(3 Telefon U 24 0 64 Caf6 — Bar — Tan* Wien IX.f Porzellangasse 39 Tel R 52 4 05 Ungar. Flüchtling (Jude) al’einstehend, sucht dringend Beschäftigung als Hilfsarbeiter. Gefl. Anfragen an die Administration „Die Stimme“ unter „Lebensunterhalt“.