Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1957
- Issue
- Heft 104 (Dezember 1957)
- Date
- 1957-12-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 104 DIL: STIMME Seite 5 Nachrichten aus Oesterreich Der neue Vorstand des Zionistischen Landesverbandes. Hei der am 3. November 1957 stattgefundenen ordentlichen Generalversammlung des Zionistischen Landesverbandes ’ für Oesterreich wurden folgende Herren in den Vorstand gewählt: Dr. Ernst Brande. Bernhard Braver, Samuel Brod, Paul Engländer, Dr. Max Gell's, Dr. Wolf Tlerzberg, Esr*el Seiferl, Herbert Schelzer, E'sig Stern, Wolf Tischenkel, Alfred We’shüt; Hofral M. Birnstein. Bei der am 7. November 1957 stattgefun denen konstituierenden Sitzung des Vorstandes wurden gewählt: Präsident Wolf Tischenkel; Vizepräsident: Dr. Ernst Brande; Schriftführer: Dr. Max Gellis und Bernhard Braver; Kassier: Esriel Seifert; Chefredakteur: Bernhard Braver. Generalse' ratär'Ka’chheim in Wien. Der Generalsekretär der Konföderation der Al|g. Zionisten in Europa und Nordafrika Moshe Kalchheim weilte vom 1. bis 5. November a*s Gast des Landesverbandes in Wien. Die Leitung unseres Verbandes hielt mit dam Generalsekretär eingehende Besprechungen ab und hörte äußerst wichtige Referate, die die politische und wirtschaftliche Lage in Israel betrafen Präsident Dr. Maurer ausgezeichnet. Der Präsident der Wiener Kultusgemeinde Dr. Emil Maurer, erhielt in seiner Person als Ehrung der österreichischen Judenschaft, das Große Ehrenzeichen der Republik Österreich. Darin liegt eine tiefe symbolische Bedeutung, die ergreift, wenn wir daran denken, daß am 10, Nov. 1938 die Nazi die jüdischen Gotteshäuser in Österreich mit Brandbomben sprengten, Juden wie Wild in den Gassen jagten, sie festnahmen und in die Todeslager schleiften. Im pietätvollen Gedenken an das entsetzliche Unglück, verlieh der Bundespräsident dem Kultuspräsidenten Dr. Maurer die hohe Auszeichnung. Wir gratulieren Dr. Maurer mit den besten Wünschen. VORTRAG DR. VICTOR E. PORDES Dr. Victor E. Pordes eröffneta am 4. November in der Wiener Urania einen Vortragszyklus mit dem Thema ,,Der Egoist — ein Charakterbild". Der Vortragende, Autor des Buches ,,Menschen um uns, Typen und Charaktere" (Verlag Braumülfer Wien) wies einleitend auf die Bedeutung der Menschenkenntnis im praktischen Leben hin und erörterte ihre beiden, sich zugleich ergänzenden Gabiete; die Selbsterkenntnis, sowie die Erkenntnis unserer Mitmenschen, um dann zum eigentlichen Thema des Vortrages, dem Typus des Egoisten zu übergehen, Tn seinem innersten Wesen stelle der Egoismus das radikal Böse dar. Verblendet und selbstgerecht, finde er aber seine unausweichliche Vergeltung im Wal'ien jenes psyehischenElementes, nach welchem jedes Tun auf den Täter zurückwirkt und dem Egoisten Strafe schon dadurch wird, daß er sich selbst als seelisch-geistige Gestalt gesehen, zu einer Fratze verunstalte. Er erwecke in uns Abscheu und Furcht, vor allem als ein Hinweis auf das auch in uns gegebene Potential des Bösen. Das Sich-betassen mit ihm rechtfertige sich daher damit, daß er uns ebenso als Warnung dient, wie auch als Aufschluß über uns selbst. Feierliche Einweihung. Sonntag, den 8. Dezember 1957 land die offizielle Eröffnung des gemeindeigenen Hauses in Wien II, Ferdinands!raße 23, satt, Den feierlichen Akt nahm der Präsident der Kultusgemeinde Herr Dr. Maurer vor. Nach Begrüßung Der Bundesverband der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs hat am 20. November dem Bundeskanzler, Vizekanzler, den Bundesministern für Finanzen, Soziale Verwaltung und Auswärtige Angelegenheiten sowie den Obmännern der Parlamentsklubs der ÜVP und SPÖ ein Memorandum über die Entschädigungsforderungen der österreichischen Judenschaft überreicht. Die Entschädigungsforderungen gipfeln darin, daß 12 Jahre nach der Befreiung Österreichs von der NS-Zwangsherrschaft noch immer keine gesetzlichen Bestimmungen für eine wirkliche Entschädigung der Verluste, welche Personen wegen ihrer politischen Überzeugung, ihrer Abstammung, ihrer Religion oder ihrer Nationalität in den Jahren 1933 bis 1945 erlitten haben, geschaffen wurden, während auf der anderen Seite den ehemaligen Nationalsozialisten, die direkt oder indirekt an den katastrophalen Ereignissen der Jahre 1938 bis 1945 schuldtragend sind, auf den vielfältigsten Gebieten, zuletzt durch die NS-Amnestie 1957, volle Rehabilitierung insbesondere durch Rückgabe von verfallenen Vermögenschaften und Vermögensrechten, Nachzahlung von Pensionen, Gehaltsbezügen in der Höhe von 3800 Millionen Schilling, Rückgabe von Möbeln und Kleingärten, Erlassung der Sühneabgaben usw. zuteil wurde, Den Bestimmungen der Artikel 25 und 26 des österreichischen Staatsvertrages, wonach die Rechder erschienenen Persönlichkeiten, an deren Spitze der Gesandte Israels Bentsur und der Wiener Bürgermeister Jonas figurierten, schilderte Dr. Maurer die Geschichte des Grundstückes, auf dem der Neu Sau errichtet wurde; besonders unterstrich er die Bedeutung und den Lebenslauf des Präsidenten der Kultusgemeinde in Wien Dr. Desider Friedmann, der im Vernichtungslager Auschwitz durch nazistische Mörderhand, den Märtyrertod gefunden hat, Der Neubau Ferdinandstraße 23 wurde im ehrfurchtsvollen Gedenken an Präsident Dr. Friedmann, als Dr, Desider Friedmann-Hof, eingeweiht. Bürgermeister Jonas ergriff das Wort, knüpfte an die Worte Dr. Maurers an und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Menschheit nie mehr in die Barbarei gezerrt wird, Mit der Versicherung, daß die Gemeinde Wien das Angedenken der Märtyrer in Ehren halten wird, schloß Bürgermeister Jonas seine äußerst eindrucksvolle Ansprache, folgten gewahrt bleiben müssen, wurde nicht entsprochen. Es muß festgehalten werden, daß Österreich sich immer darauf berufen hat, Deutschland sei einzig und allein für die entstandenen Verluste und Schäden verantwortlich, im tSaatsvertrag aber auf alle Forderungen seiner Bürger gegen Deutschland verzichtet hat und hiedurch selbst entschädigungspflicht’g ist. Es wird im Namen der jüdischen Bevölkerung, welche die entsetzlichsten Verluste an Leben, Freiheit und Vermögen in den Jahren der Nazi Verfolgung erlitten hat gefordert, daß Österreich seine moralische und ethische Pflicht gegenüber allen seinen Bürgern, welche durch das verbrecherische NS-Regime unendliche Opfer an Leben, Gesundheit und Vermögen erlitten habe, wieder herzustellen hat. Einer dem Sinne 'dieses Vertragswerkes und dem Willen der Vertragschließenden entsprechende Auslegung wurde einfach nicht Rechnung getragen, obgleich die Volksvertretung im Parlament am 18. Juli 1956 einstimmig eine Entschließung angenommen hat wonach die Bundesregierung ersucht wird.dieWiedergutmachung an physische Personen, die Opfer der politischen Verfolgung vor dem 8. Mai 1945 waren, zu überprüfen und dem Nationalrat eine dem Ergebnis entsprechende Gesetzesverordnung zuzuleiten hat die Bundesregierung bis zum heutigen Tage einen diesbezüglichen Gesetzentwurf nicht eingebracht, Die Richtlinien, Tatbestände und Leistungen sollen umfassen: Personen, die am 13. März 1938 die österreichische Staatsbürgerschaft besessen haben oder vor dem 13. März 1938 durch 10 Jahre ihren Wohnsitz innerhalb Österreichs hatten und wegen ihrer politischen Überzeugung, Abstammung, Religion oder Nationalität in den Jahren 1933 bis 1945 Verfolgungen ausgesetzt waren, durch welche sie einen Schaden an ihrer Gesundheit oder Erwerbsfähigkeit erlitten haben, die ihrer Freiheit beraubt waren, sind, soweit die betreffenden Tatbestände durch das Opferfürsorgegesetz in seiner jetzigen Fassung nicht geregelt sind, nach den Bestimmungen des Opferfürsorgegesetzes bezw. des Kriegsopferversorgungsgesetzes zu behandeln. Hiezu gehören insbesondere die ,,Sternträger", Personen, die im Untergrund leben mußten, Zwangsarbeiter, sowie die in Schanghai, Mauritius, Karaganda und ähnlichen Orten Internierten. Witwen und Waisen solcher Personen, wenn deren Tod im Zuge der Verfolgungen erfolgte oder im ursächlichen Zusammenhang mit der Verfolgung stand, erwerben kraft eigenen Anspruches das Recht auf Entschädigung in sinngemäßer Weise. Personen, die in den Jahren 1933 bis 1945 aus ihren Berufen und Beschäftigungen verdrängt bezw. in der Ausübung ihres Berufes erheblich beschränkt wurden, sei es auch, daß sie nach der Befreiung im Jahre 1945 ihre frühere Tätigkeit nicht mehr aufnehmen konnten, oder die eine soziale oder wirtschaft'ich gleichartige Stellung nicht mehr erlangen konnten, sowie Personen, die in ihrer Berufsausbildung oder in ihrer vorberuflichen Ausbildung durch Ausschluß von der erstrebten Ausbildung oder deren erzwungene Unterbrechung Schaden erlitten haben, sind durch eine Kapitalsabfindung oder eine Rente zu entschädigen. Vor kurzem verschied der Präsident der Kultusgemeinde in Innsbruck Rudolf Brüll. Ein Mann von vorzüg'ichen moralischen und ethischen Qualitäten, genoß Brüll großes Ansehen bei Juden und Nichtjuden. Er übte Wohltaten, und war Anhänger der Geradlinigkeit und der sauberen Gesinnung. An seinem Begräbnis nahmen alle prominenten Persönlichkeiten Innsbrucks teil. Prof. Dr. Felix Mandl, der große Arzt und Wissenschaftler, der selbstbewußte Jude, ist plötzlich verschieden. Die Wiener medizinische Schule verliert in ihm einen wertvollen Lehrer, die Juden verlieren einen treuen Sohn. Ehre dem Angedenken Felix Mandls. Die Geschäftsreise mit Erholung bietet Ihnen di.' llh 'i'liihrl nach den USA mit den Schnelldamplern l. XI- Ti:n STATES (53,330 Bi t) und AMERICA (33.961 Bi t). Ab 310 Dollar reise« Sie in bester internationaler Gesellschaft in der luxuriösen 1. Klasse, ab 212.50 Doll, in der eleganten Knbinenklnsse und schon ab 175 Dollin der bequemen Touristenklasse! (125 kg I rei^epdek). Koschere Mahlzeiten. Abfahrten von Le! Invre oder Bremerhaven. Sichern Sie sich diese. einzigartige Verbindung \ on Zweck undCienulb Buchungen bei Ihrem Reisebüro oder t/htßecf Sfafes LU Wien I, Kürntnerring 3, Tel. 53-41-49, 52-28-53, 52-33*82, FS 114« Entschädigungsforderungen te und Interessen der politisch Ver-