Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1957
- Issue
- Heft 102 (März 1957)
- Date
- 1957-03-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr 102 FPHR1AM KISHON Wir wir m« SyipiUiit dir Veit punnen Ministerpräsident Ben Gurion saß an diesem Abend allein in seinem Amt und schaute verzagt in die Luft — Herr des Himmels — flüsterte er — ich weiß wirklich nicht mehr, was ich tun soll Tag und Nacht erklären und versichern wir der Weilt, daß wir nur den Frieden wollen und daß unser einziges Ziel ist, daß der Bauer ruhig von seinem Felde heimkehren kann und daß man auf unseren Straßen auch in der Nacht fahren kann und daß unsere Schiffe nicht versenkt werden Jeder weiß, daß das Recht auf unserer Seite ist, trotzdem stimmt ein jeder gegen uns Wie ist das möglich? Gilt die Mora! nichts mehr bei der Menschheit? Seit Monaten schreien wir unser Recht hinaus — und ziehen uns zurück einer gefahrvollen Zukunft entgegen Ich kann nicht mehr weiter Herr des Himmels, tu' etwas für Dein kleines Volk . . Die furchtbar starke Explosion, welche die ganze Umgebung erschütterte, kippte das Haus des Miniserpräsidiums auf die Seite und zertrümmerte den größten Teil der Fenster. Den Ministerpräsidenten warf sie aus seinem Stuhl hinaus und schleuderte ihn direkt gegen die Weltkarte, die an der Wand hing . . Alle Seismographen der Moskauer Erdbebenwarte gingen an diesem Abend zugrunde. Die russischen Techniker standen verständnislos vor diesen empfindlichen Instrumenten. Sie waren genötigt, festzustellen, daß allen Anzeichen nach, im Nahen Osten eine Explosion von solchen Ausmaßen geschehen war, daß ihre Kraft die Aufnahmsfähigkeit der Seismographen übertraf. An vielen Punkten der Erde wurden ähnliche Erscheinungen verzeichnet. In Italien und Griechenland brach eine wahre Panik unter den Bewohnern der Küste aus. Das amerikanische Kriegsministerium brachte am Morgen des nächsten Tages eine beruhigende Meldung, daß „mehr als wahrscheinlich ein Erdbeben von bisher nicht erlebten Ausmaßen im südlichen Teile der Negev-Wüste erfolgt sei." Das israelische Kriegsministerium verlautbarte noch am gleichen Tage eine knappe Meldung, daß ,,gar kein Erdbeben das Gebiet des Nahen Osten erschüttert hat.“ Die We.ltmeiinung empfing dieses Dementi mit verständlicher Nervosität. Aus offiziellen israelischen Kreisen sickerte — wie gewöhnlich — keine Nachricht durch. Die erschreckende Stille durchbrach als erster der Korrespondent des Londoner Observer für den Nahen Osten: ,,Let us face it, wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen — meldete er aus Beyruth — Israel besitzt eine Atombombe von ungeheurer Kraft Diese Ankündigung verstärkte nur die in diplomatischen Kreisen verbreitete Annahme, aber die ersten verläßlichen Angaben machte der Gesandte Aba Even vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen am letzten Tage, da das von dem asiatischen Block, wegen der unbedingen und bedingungslosen Räumung der Sinai- Halbinsel, überreichte Ultimatum ablief. Der israelische Sprecher ergriff in einer von außerordentlicher Spannung erfüllten Atmosphäre das Wort: — Geehrte Vollversammlung — sagte er — mir ist die ehrenvolle Aufgabe zuteil geworden, der geehrten Vollversammlung zur Kenntnis zu bringen: Israels Regierung besitzt eine zu den modernsten Atomwaffen gehörende „Phosnhatbombe", deren Zerstörungskraft d;e aller bisher bekannten Atomwaffen um das hundertneunzigfache übertrifft. Die Phosphatbombe kann durch ferngelenkte Raketen oder auf jede andere Weise jeden Punkt der Erdkugel erreichen Der israelische Gesandte verließ darauf wortlos seinen Sitz, ohne auch nur mit einem Worte den Rückzug aus Sinai erwähnt zu haben Die UNO-Delegieren empfingen erstarrt diese Anzeige und wenigstens eine Mitnute verging in tödlichem Schweigen, worauf der französische Delegierte sich unerwartet erhob und zu klatschen begann Gleich darauf schlossen sich die Sprecher Australiens und Neuseelands der Sympathie - Kundgebung an und die Gesandten der latein-amerikanischen Staaten und die Diplomaten der kleinen europäischen Nationen brachen in Hochrufe aus. Der englische Delegierte klatschte nicht Beifall, wandte sich aber mit gewinnendem Lächeln der israelischen Delegation zu Der Präsident der Versammlung forderte die Führer des asiatischen Blocks auf, sich zu dieser Meldung zu äußern, worauf diese um Vertagung der Sitzung auf unbestimmte Zeit baten Die Welt kam erst nach einigen Tagen zu sich Die Sowjetunion, welche bisher in keiner Form auf die Wendung reagiert hatte, ordnete eine teilweise Mobilisierung an und veranlaßte große Truppenzusammenziehungen an der persischen Grenze. Da traf in Moskau Ben Gurions an Marschall Bulganin gerichtetes Memorandum ein, in welchem der israelische Ministerpräsidentt die Sowjetregierung darauf aufmerksam machte, Israel würde nur ungerne die Verletzung der Souveränität der benachbarten kleinen Staaten sehen „Was würde die Regierung de<r Sowjetunion dazu sagen — hieß es in der Note — wenn Rußland dem Angriff einer Macht ausgesetzt wäre, welche über noch stärkere Atomwaffen verfüge?" Die Sowjet - Behörden veröffentlichten nicht den Inhalt der Note, stellten aber die Truppenzusammenziehungen ein Die Versammlung der Vereinten Nationen wurde erst nach drei Wochen einberufen. Dag Hammarskiöld welcher vor der Sitzung zweieinhalb Stunden Arm in Arm mit Außenminister Golda Meir auf und ab ging, gab einen besonders günstigen Bericht ab. Dag Hammarskjölds Bericht rief eine angenehme Stimmung hervor, besonders im Kreise der 17 zum „israelischen Block" gehörenden Staaten, in welchem außer den Kleinen europäischen und latein-amerikanischen Staaten und Frankreich auch Burma's und Ceylon’? Vertreter saß m Per neue Vorschlag des asiatischen Blocks, auf „Verhandlung üb,er die prinzipielle Frage des Rückzuges, in einer freundschaftlichen Atmosphäre" wurde nur formell verhandelt und mit den erwarteten 59 gegen 9 Stimmen abgelehnt. (8 Staaten, darunter England, Irak, Libanon und Venezuela enthielten sich der Stimme). Der englische Delegierte erklärte, daß er im Prinzip jede weitere UNO- Einmischung in Israels „Aufbaßiprogramrn" verurteilt und sich nur deswegen der Stimme enthält, weil er nicht das traditionelle, gute Verhältnis zwischen der Regierung „DIE BILUIM" Forts, v. Seite 3 Diese Gruppe von 20 jungen Männern, die an dem Wintrertage 1882 in einem privaten Hause in Charkow zusammenkamen, verloren keine Zeit, und unternahmen sogleich die ersten Schritte Wäh- -end der Pessachfo'ertage bereisten sie die jüdischen Gemeinden in de* Umgebung und gewannen 500 begeisterte Anhänger — Studenten — und andere Sie nahmen einen besonderen Namen „Bilu" an, der aus den Anfangsbuchstaben der hebräischen Worte „Beth Jaakov lechu venelchah" (Haus Jakob, kommt und laßt uns gehen), zusammengesetzt waren, welche Jesajas oroßer Prophezeiung über die Wiederherstellung von Zion und .Jerusa*em entnommen sind Zur selben Zeit bemühte sich der te,'ühmle nichtjüdische Zionsfreund Sir r aurence Oliühant vom Sultan eine Konzession für die jüdische Kolonisation >n Palästina zu erhalten. Ein günstiges Ergebnis vorwegnehmend, verlegten die Biluim ihr Zentrum von Charkow nach Odessa, denEinschiffungshafen für Palästina und entsandten zwei Mitglieder nach Konstantinopel um dort in ständiger Verbindung mit Oliphant zu sein. Die Dinge entwickelten sich aber zu langsam für sie und so begaben sie sich en bloc nach Konstant'inopel. Jetzt zejig.te es sich aber, daß Oliphants Bestrebungen fruchtlos geblieben waren. Die „Biluim" waren jedoch nicht in der Lage zu warten, gleich ob eine Konzession erteilt worden war oder nicht. Sie ließen nur vier ihrer Mitglieder als Beobachter in Konstantinopel zurück, 14 schifften sich nach Palästina ein und landeten am 11. August 1882 in Jaffa. Später folgten ihnen noch sechs andere Pioniere nach. Inzwischen hatte der ursprüngliche Kern der Gruppe einen Plan für eine genossenschaftliche Mustersiedlung entworfen, welche als Kommune betrieben werden sollte, deren Mitglieder die Theorie und die Praxis von Landwirtschaft und Wirtschaftsführung lernen sollten. Nach dieser dreijährigen Schulung sollten sie dann in andere Siedlungen gehen, welche in der Zwischenzeit gergründet sein würden, um dort Lehrer und Leiter zu werden, während andere ihre Plätze in der Mustersiiedlung einnehmen sollten. Später verfaßten sie in Konstantinopel ein Manifest, in dem sie in naiven Worten, aber mit jugendlicher Begeisterung und Opfersinn das Volk aufriefen zu erwachen und es mit Hilleis Worten zierten: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich?“ Ihrer Majestät und des jordanischen Volkes stören will So siegt der Glaube, die Hoffnung und die Wahrheit an diesem empfindlichen Punkte der Weltkugel und seither kämpft niemand Israels moralisches Recht, auf sein Bestehen als Staat an Nur zwei offene Fragen Michern 'bestehen: wer war dieser Hirnverbrannte im israelischen Genera’stab, weldher d e ganze im Sinai-Feldzug erbeutete Munition sowie das Sprengmaterial an einem Punkte des südlichen Negev anhäufte und wer trägt die Verantwortung für die Explosion? Nach einer kurzen Periode der Einordnung und nachdem die Gruppe eine armselige Unterkunft in Jaffa gefunden hatte, erhielten sie in Mikweh Jisraei Arbeit und machten hier eine harte und aufreibende Schule durch Obwohl die Bewegung in Rußland sie im Stiche gelassen zu haben schien und sie von dort keine Unterstützung bekamen, wuchs ihre Zahl etwas. Die Gruppe zählte jetzt 24 Mitglieder, die in zwei Zimmern in Jaffa hausten, aber nur die Hälfte ging täglich nach Mikweh Jisraei zur Arbeit. Die Schulden wuchsen, die Grundsätze nützten sich ab und der Mut der Gruppe sank. Da kam eine Wendung zumf Besserem: Jerusalemer Juden hatten Land gekauft und die Biluim gingen dorthin um sich an dieser Neugriindung zu beteiligen. Bald kam es aber zu einer Spaltung: Von den Biluim, die jetzt 30 Mitglieder zählten sah die Hälfte in diesem Schritt ein Abweichen von dem Grundsatz eine unabhängige Mustersiedlung zu errichten, während die andere Hälfte dafür eintrat sich realistisch an die neue Lage anzupassen. Die Unentwegten kehrten nach Mikweh Jisraei zurück, aber es gelang ihnen nicht, die Leitung der Schule dazu zu bewegen, ihre Grundsätze anzuerkennen und sie befanden sich bald in einer verzweifelten Lage In dieser entscheidenden Phase erschien ein rettender Engel: Jechiel Michael Pines, ein rabbinischer Gelehrter und hebräischer Schriftsteller, war im Jahre 1878 nach Jerusalem geschickt worden, um im Namen einer Körperschaft, die in Europa zu Ehren von Sir Moses Montefiore gegründet worden war, wohltätige Institutionen in Palästina ins Leben zu rufen und zu organisieren. Abgesehen von dieser Tätigkeit war Pines an der Entwicklung der jüdischen Siedlungen interessiert; anfangs zogen ihn die Biluim sehr an, denn er wußte die Bedeutung ihrer Bewegung wohl zu schätzen und wurde ihr Freund und Gönner. Er vereinigte die Gruppe und hob ihren gesunkenen Mut; er erwarb in der Nähe von Jabne Land, welches in 25 Wirtschaften von genügender Größe parzelliert werden sollte, von denen eine Anzahl für die Biluim von Mikweh Jisraei bestimmt war. Und so geschah es, daß nach unvermeidlichen Verzögerungen am 6. Chanukka tage im Jahre 1884 acht Männer die neue Siedlung, genannt „Gederah", errichteten — sieben von ihnen gehörten dem Biluim an und später schlossen sich ihnen weitere Mitglieder an. Gederah wurde das Zentrum der Biluim par exeellence