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Die Stimme · 1957-03-01 · Heft 102 (März 1957) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1957
Issue
Heft 102 (März 1957)
Date
1957-03-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 102 DIE STIMME Seite 5 RUDOLF II. HERTZ Ohne Heinrich Hertz kein Radio Zum 100 Geburtstag des deutsch-jüdischen Physikers (22 Februar) Der Verfasser des nachstehenden Artikels entstammt der gleichen Hamburger Familie, zu der auch Heinrich R Hertz gehörte. Da er nur 36 .Jahre alt war, als er starb, gemahnt uns Heinrich Hertz' Schicksal an den antiken griechischen Mythos, der von Mächten spricht, die sich über die Wiege eines jeden neugeborenen Kindes beugen und sich dann entscheiden ob sie ihm ein langes und mittelmäßiges Leben oder ein kurzes und ruhmreiches schenken sollen Mehrere Jahrhunderte lang lebte die Familie Hertz bescheiden in der Freien Hansestadt Hamburg, wo es ihr in der ersten Hälfte des 19 Jahrhunderts mit fortschreitender Emanzipation der Juden gelang, ansehnlichen Reichtum zu erwerben. Der Vater von Heinrich Hertz sah es als einen der stolzesten Augenblicke in seinem Leben an, als er zum Senator der Freien Hansestadt gewählt wurde. Als Mann, der es als Lohn für seine Mühen im Geschäftsleben zu etwas gebracht hatte, war er zufrieden, daß sein ältester Sohn den Wunsch bekundete, Ingenieur zu werden. Heinrichs Mutter allerdings war ein bißchen enttäuscht. Am Tage der Geburt des Kindes (22. Febr. 1857) wäre ihr Sohn in den ersten Augenblicken seines Daseins beinahe erstickt. Er wurde nur wie durch ein Wunder gerettet. Und so schien es der Mutter, er sei für Höheres ausersehen. Mein Großvater, der mit Heinrich Rudolf Hertz zusammen in die Schule ging, erzählte mir, daß, abgesehen von einer fabelhaften Begabung für die Lösung mathematischer Probleme, sich in dem jungen Heinrich Hertz ein irrationaler Drang geltend machte. Mit 17 Jahren kaufte er sich eine arabische Grammatik auf einem Bücherwagen und lernte Arabisch, um die Geheimnisse des Orients an der Quelle studieren zu können. Um die gleiche Zeit ging er auch daran, Glaslinsen zu schleifen, wie Spinoza Jahrhunderte vor ihm getan hatte. Dann, in seinem 20. Lebensjahre erfolgte mft einem Mal die Explosion in seinem Leben. Er hatte schon Ingenieurwissenschaften an der Münchner Technischen Hochschule zu studieren begonnen. Urplötzlich setzte Heinrich seine Eltern davon in Kenntnis, daß er das Ingenieurstudium aufgebe und nun Naturwissenschaften studieren werde. Während seine Eltern noch darüber beratschlagten, hatte er schon zur Universität hinübergewechselt. Von nun an gehörte der ganze Rest seines Lebens der hektischen Suche nach der wissenschaftlichen Wahrheit. „Jede Stunde ist mir kostbar", schrieb er an seine Mutter, als wenn er wüßte, er habe nicht lange zu leben Von München ging er nach Berlin, um bei Helmholtz, dem damals berühmtesten deutschen Physiker, zu studieren. Von 1880 bis 1883 war er Helmholtzens Assistent und schrieb in dieser Eigenschaft eine Reihe bedeutsamer Artikel für wissenschaftliche Zeitschriften. Doch nicht in Berlin, sondern in Kiel kam ihm die Erleuchtung. Am 29 Januar 1884 trug er in sein Tagebuch, das seine Tochter Johanna 1927 herausgegeben hat, folgendes ein: ,,Dachte über die elektromagnetische Theorie des Lichts nach" Schon Jahre zuvor hatte ihm FFelmholtz von einem Wettbewerb, den die Berliner Akademie der Wissenschaften \ ausgeschrieben hatte, erzählt. Es handelte sich hierbei um ein kniffliches Problem der Elektrizität, das bis dato nicht zu lösen war. Hertz selber hatte das Problem fallen lassen, nachdem er monatelang vergeblich nach einer Lösung gesucht hatte Doch es tauchte in seinem Geiste mit Macht wieder auf. Auf Grund von mathematischen Berechnungen hatte der große englische Physiker Clark Maxwell die Existenz von elektromagnetischen Wellen im Universum vorausgesagt. Die Aufgabe, die der junge Dr H. Hertz sich nunmehr stellte, war es, zum ersten Male diese ausstrahlenden Impulse sichtbar zu machen und ihr Verhalten zu erforschen. In seinem Tagebuch finden sich einige kryptische; Andeutungen über die wichtigsten Mionate in Heinrich Hertz1 Leben. Da heißt es am 11 November 1886: ,,Untersuchte wieder Induktion". Am 12. November: ,,Interessante® Phänomen der Induktion" Am 13. November: ,,Es hat funktioniert. Induktion eines offenen Stromkreises in einen anderen Stromkreis Ströme 3 Meter lang. 1.5 Meter von einander." Das war es! Die ersten elektromagnetischen Wellen, später Funk- Mittwoch, den 13. März 1957 veranstaltete die Zionistische Föderation in Wien, unter Vlor|sitz des Präsidenten Leitner ein Meeting, bei dem der Gesandte Israels Bentsur, ein großangelegtes Referat hielt. Die Wiener Judenschaft hat ihr wachsendes Interesse an den Problemen Israels dadurch manifestiert, daß sie in Scharen herbeiströmte, so daß der Schubertsaal des Konzerthauses überfüllt war. Nach einleitenden Worten Leitners der die erschienenen Gäste und die Zionistischen Askanim besonders begrüßte, ergriff Minister Bentsur das Wort. Er beleuchtete die derzeitige politische Lage Israels und unter Hinweis auf die eben beendete Auseinandersetzung zwischen Israel den Vereinten Nationen lind Amerika, erklärte der Minister, es sei eihe traurige Tatsache, daß die Weltorganisation seinen eigenen Schützling Israel seit seiner Gründung nie unterstützt habe. Ägypten habe unter Nassers Führung Jahre hindurch UNO-Resolutionen mißachtet, ohne daß eine Großmacht den Finger gerührt hätte, um zum Beispiel Israel das ihm zustehende 'Recht auf freie Schiffahrt durch den Suezkanal zu gewährleisten. Die Sinai-Aktion sei notwendig gewesen, um einer ägyptischen Aggression vobzu beugen. .Nach einem harten Kampf in der UNO- Ceneralversammlung habe Israel jetzt gewisse Garantien bezüglich der freien Schiffahrt im Golf von Akaba und die Besetzüng des Gazastreifens durch die UNO - Polizeitruppe erreicht überdies werde Iswellen oder Hnrtzsche Wellen genannt, waren nun festgenagelt Mit erneutem Eifer ging ihr Entdecker an die Erforschung ihres Verhaltens und ihrer Eigentümlichkeiten. Hertz richtete einen Brief an seinen alten Lehrer Helmholtz, in dem er von seinem Triumph nur in ganz bescheidenen Wendungen sprach Er sagte: ,,Ich bin geneigt, zu glauben, da'ß im Laufe ’der 'Zeit eine oder die andere Trage ’in Verbindung mit diesem Phänomen gelöst werden kann". Helmholtz seinerseits unterrichtete ein atemlos lauschendes Auditorium in der Berliner Akademie der Wissenschaften von ^ertzens Entdeckung und bald vernahm man den donnernden Applaus der gesamten Kulturwelt Heinrich Hertz wußte natürlich, daß mit seiner Entdeckung die Wis senschaft an die Schweftle einer neuen Aera vorgedrungen war. Es gab zwei Methoden für die Ausnutzung der Hertzschen Wellen Die eine bestand in der Übertragung elektrischer Energie ohne Draht über beträchtliche Entfernung. Die andere war die Übertragung von Funken und kontinuierlichen Wellen, wie sie bald nach Hertzens Entdeckung versucht und von Marconi erfolgreich vollendet wurde. Hertz beruhigte sich nicht mit seiner Entdeckung. Die restlichen Jahre seines Lebens verwandte er auf die Erforschung der wahren Natur seiner Wellen. Wenn Maxwell Recht hatte, so überlegte er, dann müßten auch die Hertzschen Wellen zu der nämlichen Familie von Phänomen gehören, von der das sichtbare Licht nur ein Teil ist. Nach Jahren quälender Zweifel brachte schließlich Heinrich Hertz rael im Sinne des Artikels 51 der UNO-Charta im Notfall sein Recht auf freie Schiffahrt mit der Waffe in der Hand verteidigen. ,,Unser Kampf ist noch nicht zu Ende", schloß der Gesandte ,,wir vertrauen auf die Zukunft, auf unsere Armee, auf unser Volk und unser Recht." Der Vortrag des Gesandten war mit einer Gedenkminute für die Gefallenen Israels eingeleitet worden. JÜDISCHE CHRONIK redigiert von Hofrat Max Birnstein Exzellente jüdische Persönlichkeiten April — Nissan 1. 1912 Grundsteinlegung zum Bau des hebräischen Technikums in Haifa. 1. 1925 Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem. 1. 1933 Beginn des Boykotts gegen die Juden in Deutschland. 3. 1915 Jehuda Leib Perez gest. in Warschau, jidd. Schriftsteller. 4. 1909 Adolf Ritter v. Sonnenthal gest., berühmter Wiener Hofburgtheaterschauspieler und Oberregisseur. 4. 1918 Prof. Dr. Hermann Cohen gestorben in Berlin, Philosoph 6. 1875 Moses Eiess gest. in Paris, Philosoph, Schriftsteller 9. 1026 Einweihung des Wiener Tempels in der Seitenstetteng 12 1884 Professor Dr. Fritz Otto- Meyerhof geb. in Hannover, erhielt 1922 den Nobelpreis für Medizin. den lang erwarteten Beweis, daß Licht und Radiowellen ebenso wie infrarote und ultraviolette Strahlen zur gleichen Familie elektromagnetischer Ausstrahlungen gehören Das ist die phantastische und unglaubliche Kraft, die durch den Raum mit 186 000 Meilen Sekunden - Geschwindigkeit rast. Damit wurden der Menschheit neue Ausblicke eröffnet. Denn wenige Jahre später basierte Lorentz seine Auffassung vom Elektron auf die Entdeckung von Heinrich Hertz. Und zwei Dekaden später sollte Einsteins Formel vom Universum auf der Annahme entwickelt werden, daß die einzige Konstante in unserer beständig wechselnden Welt die Schnelligkeit des elektromagnetischen Spektrums ist . . 186,000 Meilen pro Sekunde 1889 hatte Hertz in Heidelberg bei einer wissenschaftlichen Tagung eine Begegnung mit Edison. Uber seine Unterhaltung mit dem berühmten amerikanischen Erfinder berichtet Hertz in seinem Tagebuch: Edison: ,,So, Sie sind der Mann, der Experimente mit Vibrationen und Funken gemacht hat?" Hertz: ,,Das stimmt". Edison: ,,Wissen Sie, ich habe auch mal ähnliches versucht. Das war vor vielen Jahren. Aber irgendwie konnte ich nie damit fertig werden." Hertz: ,,Das war wirklich schade " Edison: ,,Na ja, schließlich ist die Wissenschaft ja nicht mein Feld. Ich bin Erfinder " Gegen Ende des Jahres 1893 mußte sich Heinrich Hertz einer Operation unterziehen Er starb am 1. Januar 1894. Seine geistige Arbeit haben die Nazi arisiert. 13. 1903 Moritz Ludwig Lazarus gestorben in Meran, Philosoph, Begründer der Völkerpsychologie. 13. 1909 Gründung des Haschomer in Palästina 14. 1917 Arzt Dr. Lazarus Ludwig Zamenhof gestorben in Warschau, Schöpfer des Esperanto. 14. 1929 Arabische Überfälle in Ja'ffa. 115. 1920 Arabische'Überfälle in Jerusalem 19. 1903 Pogrom in JCischinew. 20. 1896 Baron Moritz Hirsch gest. in O'Gyalla (Ungarn). Begründer der jüdischen Kolonisation (Ica) in Argentinien. 22. 1876 Prof. Dr. Robert Barany, geboren in Wien, erhielt 1913 den Nobelpreis für Medizin. 24. 1920 Bestätitung der Balfour- Deklaration auf der Konferenz von San Remo. 24. 1948 Eroberung von Jaffa durch israelisches Militär. 25. 1838 Prof. Tobias Michael Asser geboren in Amsterdam, holländischer Minister, erhielt 1911 den Nobelpreis. 25. 1921 Arabische Überfälle auf Petach - Tikwah. 26. 1655 Legalisierung der ersten jüdischen Gemeinde in Neu-Amsterdam, dem jetzigen New-York, USA. 30. 1796 Adolphe Gremieux geb, in Nimes, Justizminister in Frankreich, Gründer der Alliance israelite universelle (1860). 30. 1806 Beginn der Beratungen der französischen Regierung unter dem Vorsitz Kaiser Napoleons die zur Einberufung der Großen Synhendrions führten Meeting der Zion. Föderation

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