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Die Stimme · 1956-11-01 · Heft 100 (November 1956) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1956
Issue
Heft 100 (November 1956)
Date
1956-11-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DU S T I M \! L Nr. 100 \'ON UNSERER ISRAEL - REDAKTION: Israel in stürmischen Tagen May auch die israelische Aktion gegen Ägypten draußen in der Welt große Sensation ausgelöst haben, für die Menschen in Israel kam sie alles eher als überraschend, denn angesichts der Ereignisse und Erscheinungen der letzten Zeit erschien si? allen als die einzige und unausbleibliche Konsequenz. Denn niemand konnte es verhohlen bleiben, daß sich ein immer enger werdender Belagerungsring um Israel schloß und daß die arabischen Staaten unverhüllt zu einem neuen Krieg, der oft angekündigten „zweiten Runde" rüsteten. Vergeblich versuchte die Regierung Israels auf diplomatischem Wege und durch politische Interventionen diesem Treiben Einhalt zu bieten. Im Oktober 1955 fuhr der ehemalige Außenminister M. Sharett nach Genf, suchte die dort versammelten Außenminister der vier Großmächte auf und wies in eindringlichster Form auf die Gefahren hin, die dem Mittleren Osten drohten Aber vergebens warnte er Molotow vor den Folgen, die das tschechisch-ägyptische Waffenlieferungsabkommen nach sich ziehen mußte, umsonst bat er die Vertreter des Westens um Waffen zur Wiederherstellung des strategischen Gleichgewichts. Hüben und drüben stieß er auf taube Ohren Die großen Politiker der Welt, in der festen Überzeugung, daß die Zukunft des Orients von den Arabern bestimmt werden würde, waren in erster Linie daran interessiert, sich deren Wohlwollens zu vergewissern und hatten ttir Israel nur wenig überzeugende Trostworte bereit. Der Belag'erungsrinq mußte gesprengt werden. Am 27. Oktober hatte sich der arabische „Ring aus Stahl", wie er von hohen arabischen Funktionären bezeichnet wurde, um Israel endgültig geschlossen. Zwischen Ägypten, Syrien und Jordanien wurde ein Militärbündnis unterzeichnet, dessen bedrohliche Bedeutung für Israel darin gipfelte, daß es nun lediglich von Kairo abhängen sollte, wann und wo die drei unter ägyptischem Oberkommando stehenden Armeen Israel angreifen würden- Dazu kam, daß die feigen und hinterhältigen, hauptsächlich gegen Bauern auf dem Felde und Kinder in ^er Schule gerichteten Mordanschläge der sogenannten „Feedayins” ein Maß erreicht hatten, dem man nicht mehr mit gewöhnlichen Vorkehrungsmaßnahmen, sondern nur mit einem energischen Eingreifen begegnen konnte Angesichts dieser lauernden und offenen Gefahren entschloß sich die israelische Regierung und der israelische Generalslab zu einer großen durchgreifenden Aktion. Der ßelagerungsring mußte durchbrochen, die Nester der Banditen mitsamt ihrer Brut vernichtet, werden) Das Märchen von der ägyptischen Militärmacht zerflattert. Nur wenig" Tag" dauerte der Feldzug und gleichzeitig mit der Vernichtung der ägyptischen Armeen wurde ein ganzer Kranz von Legenden zerstört Am 29. Oktober setzten sich die israelischen Truppen in Richtung der Halbinsel Sinai in Bewegung und als dei Sprecher der Regierung, Moshe Pearlman am 1. November bekanntgab, daß die ägyptische Front vor dem Zusammenbruch stünde, nahmen die ausländischen Journalisten diese Mitteilung mit ungläubigem Lächeln entgegen Aber die Ereignisse der nächsten 24 Stunden bestätigten die vollinhaltliche Richtigkeit der Meldung. Die Nachrichten überstürzen sich geradezu: El Arisch gefallen — Abu Ageila erobert —, Gaza besetzt —, israelische Truppen in Khan Yunis — und schließlich die NachrirhL daß die äußerste Spitze der Halbinsel besetzt und damit der Weg durch den Golf von Akaba, nach dem Jahre hindurch von den Ägyptern blockierten Hafen Eilat für die israelische Schiffahrt freigemacht wurde. Nichts wirkte bei diesem Blitzkrieg sensationeller als die Tatsache, daß die von Nasser so oft und so laut gepriesene große ägyptische Militärmacht überhaupt nicht bestand, daß von einer ägyptischen Kampfqualität überhaupt keine Rede sein konnte und daß die Moral der Truppen unter dem Regime der Diktatur die gleiche geblieben war, die sie unter der Korruption der Monarchie gewesen war. Der vollständige Bankrott der ägyptischen Strategie offenbarte sich eindeutig in dieser vernichtenden Niederlage, die letzten Endes nur deshalb so vernichtend ausfiel, weil die ägyptische Heeresleitung, die offensichtlich von Kriegsführung überhaupt nichts versteht, den Befehl zum Rückzug erst gab, als die Truppen bereits von allen Seiten eingeschlossen und in einzelne Gruppen aufgespalten waren. Ein Exempel ,,par excellence'1 für die Naivität, mit der die arabischen Staaten Kriege führen und Siege feiern wollen, war der „Besuch” des ägyptischen Kriegsschiffes „Ibrahim el Auwal” an der Küste von Haifa. Nach einem kurzen, fast einseitigen Gefecht hißte der Kapitän die weiße Fahne und ließ sich mit all seinen Mannen und Kanonen in den Hafen abschleppen. Ein Kuriosum zwar aber gleichzeitig ein Beweis, daß den arabischen Kriegern zu Lande, zur See und in der Luft ihr Leben weit mehr wert ist als ihre Ehre. Die Stimmung in Isia *1. Für das israelische Heer und für die israelische Bevölkerung war der Feldzug ein Akt der Selbstverteidigung. Als solchen betrachteten sie und als solchen nahmen sie ihn hin. Uber die Moral und die Disziplin des Heeres braucht wohl kein Wort verloren werden, der Erfolg ist Beweis genug. Doch auch der Bevölkerung gebührt für ihre Ruhe und Besonnenheit das Zeugnis der Reife. Niemand äußerte ein Wort der Kritik über die von der Regierung getroffenen Maßnahmen, nirgends machte sich auch nur eine Spur von Panik bemerkbar. Es gal) auch keine Angstkäufe, nur vor den Geschäften, die schwarzes Papier, Gummistreifen und Reisnägel verkauften, standen die Menschen Schlange. Und obwohl erst in den Mittagsstunden des 30 Oktober eine Totalverdunkelung angeordnet wurde, war am gleichen Abend in keinem einzigen Fenster der großen Städte der geringste Schimmer Licht zu sehen. Es war nur natürlich daß Israel seinen Sieg gegen den übermütigen Feind feierte und es war nur selbstverständlich, daß in den ständig bedroht gewesenen Siedlungen an der ägyptischen Grenze Freudenkundgebungen stattfanden. Aberes war nicht eine Freude des Übermuts und der Überheblichkeit, sondern ein" Freude der Befreiung und Entspannung die sich von den Siedlungen hinüber bis zu den Städten erstreckte, die sich von den Alten aul di" Kinder übertrug und der W unsch, daß es so bleiben und immer besser werden möge, den Stempel aufdrückte. Und eine Freude, die getrübt wen von der Kunde über die, wenn auch wenigen so doch nicht minder teuren Opfer, die nicht nur von ihren Angehörigen, sondern vom ganzen Volke betrauert wurden. Die Menschen in Israel wissen sehr wohl, daß noch lange nicht alle Gefahren gebannt sind, aber gestützt auf ihre Kraft und ihr Recht blicken sie heute mit Optimismus und Selbstvertrauen in die Zukunft. /> Halbinsel binai Geographischer und historischer Überblick Die Halbinsel Sinai hat, oberflächlich gesehen, die Form eines gigantischen Dreiecks, dessen Südspitze weit in das Rote Meer zwischen Ägypten und Saudiarabien hinausragt. Sie grenzt im Norden an das Mittelmeer, im Westen an den Suezkanal, im Südwesten an den Golf von Suez, im Südostien an den Golf von Eilat und im Nordosten an den israelischen Negev- Diese letzte Grenze ist die einzige Verbindung mit dem asiatischen Hauptland Die Landverbindung mit Afrika wurde durch das Graben des Suezkanals in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts getrennt- Die Halbinsel Sinai, in der Hauptsache eine große Wüste mit einigen wenigen Oasen hat eine Fläche von 60.000 Quadratkilometern und eine Bevölkerung von rund 40.000 Seelen. Sie ist in drei große geographische Einheiten geteilt — das Wüstenland im Norden, das Hochplateau im Zentrum und eine hohe Gebirgsmasse im Süden. Nord-Sinai ist ein niedrig gelegenes Küstental, ähnlich der Negevküste, nur viel ausgedehnter. Eine breite Kette von Hügeln und Sanddünen zieht sich entlang der Küste dahin, wobei die Dünen in Form eines langen und sehr breiten Gürtels, der sich auf der einen Seite bis zum Negev und auf der anderen bis zur Landenge von Suez erstreckt, die gesamte Breite des nördlichen Teiles der Halbinsel bilden. Die Stadt El Arish, das administrative und militärische Zentrum von Sinai, liegt in einer Sandgegend, wurde aber teilweise in eine blühende Oase umgewandelt. Ein schmaler Gebietsstreifen in diesem Teil der Halbinsel, der aus Quellen der Umgebung bewässert wird, konnte in fruchtbares Land verwandelt werden und dort wurden mit Erfolg Gemüse und Obst angepflanzt. Mittel-Sinai, dessen Fläche sich über zwei Drittel der Halbinsel erstreckt ähnelt in seinem Gesamtbild dem südlichen Negev, mit dem es auch eine einzige geographische Einheit bildet. Es ist der dürrste Teil der Halbinsel und weist, mit Ausnahme von einigen wenigen und voneinander weit entfernten Oasen, kaum eine Vegetation auf. Das Plateau wird von verschiedenen kleinen Flüssen durchkreuzt, bietet aber, da es nicht horizontal ist, „ELSE" PARFÜMERIE WIEN I, STEINDELGASSE 1 (heim Tuchlauben-Kino) TELEFON U 213 64 DIE JÜDISCHE PARFÜMERIE SÄMTLICHE SPEZIALITÄTEN AUS U.S.A. FRANKREICH, SCHWEIZ, DEUTSCHLAND Wir Hchieken nffi/.iell Pakete mit Parfümerien und Seifen nach Israeli Die Hilfe eines jeden Juden i i wird jetzt dringend benötigt!!

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