Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1956
- Issue
- Heft 100 (November 1956)
- Date
- 1956-11-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2431292-2431390-2431394--0734-2432382- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tunis 1× ep/1048155
OCR text
Nr. 100 Seite 5 DIE STIMME Denkmal Die Ifalivnsel Sinai. Geographischer und h's'orischer Überblick. Fortsetzung von Seite 4 sondern eine durchschnittliche Höhe von 1000 Meter hat, keine besonderen Eiindernisse für Transportmöglichkeiten. Es gibt eine Reihe gu'er r andstraßen und schmut dgen, jedoch für den Autoverkehr geeigneten Chausseen sowie eine berühmte Straße, die in der Hauptsache von Pilgern benützt, wird. An einer Straßenkreuzung befindet sich die kleine Siedlung Nakhal, die von den israelischen Truppen beim ersten Angriff eingenommen wurde. Die Kämpfe landen in diesen beiden Teilen der Halbinsel statt. Zum Süden gibt es keine Zufahrtslrußen- und er kann nur auf dem Meereswege entweder im Osten vorn Golf von Eiiat aus oder im Westen vom Golf von Suez aus erreicht werden. Er besteht in der Hauptsache aus hohen, vielfach unwegsamen Bergen. Einer von ihnen ist der Berg Sinai auf dem, der Bibel zufolge, Moses von Gott die Zehn Gebote in Empfang genommen hat. Heute befindet sich in einer Höhe von 1528 m auf dem Berg ein altes von griechischen Mönchen bewohntes Kloster. Kleine Quellen versorgen sie mit Wasser für ihren eigenen Bedarf sowie für ihre Obst- und Gemüsegärten. Außerdem gibt es in der Gegend verstreut noch einige kleine Oasen. Die Grenze zwischen Israel und Ägypten, die vor den letzten Ereignissen in einer nahezu geraden Linie von Rafah am Mittelmeer bis zum Golf von Akaba südlich von Eiiat verlief, war keineswegs eine natürliche Grenzlinie. Die erste bekannte Verbindung der Halbinsel mit Ägypten datiert bis zum Jahre 1830 zurück, als Mohamed Ali, der Begründer des modernen Ägypten, sie von dem türkischen Sultan als Entgelt dafür erhielt, daß er sich bereit erklärte, auf Palästina und Syrien zu verzichten. Damals gab es allerdings keine genau festgelegte Grenze zwischen Ägypten und der Türkei. Allgemein galt die Ostgrenze als eine Linie, die sich von El Arish südwestlich zur Stadtt Suez hinzog, somit gehörte der größte Teil der Halbinsel zur Türkei, richtiger gesagt zu Palästina, das eine Provinz der Türkei war. Allerdings hatte damals keiner der beiden Teile großes Interesse an einer genau festgelegten Grenze, wie überhaupt an dem kaum bewohnten Gebiet. Immerhin zeigten noch Ende des 19. Jahrhunderts die Landkarten, daß sich der größte Teil der Sinai-Halbinsel auf palästinensischem Territorium befand. Erst im Jahre 1906, als die Türkei Anstalten traf, bis zum Suezkanal vorzudringen und England eine solche Expansion unbedingt verhindern wollte, wobei es beinahe zu einem bewaffneten Konflikt gekommen wäre, setzte eine Sonderkommission eine neue Grenze zwischen der Türkei und Ägypten, das damals ein britisches Protektorat war, fest, derzufolge fast die ganzeTla’lbinsel Sinai Ägypten zugesprochen wurde. für den unbekannten Die E{nweihunq des Monuments Der Präsident des französischen Parlaments, Andre le Troquer, hat in Gegenwart zahlreicher Minister, und des Botschafters von Israel das Denkmal für den unbekannten jüdischen Märtyrer in Paris am 30. Oktober feierlich eingeweiht. Es ist das symbolische Grabmal für sechs Millionen von den Nazis dahingemordeten Juden, Männer Frauen und Kinder, deren Begräbnisstätte unbekannt, deren Asche vom Winde verweht ist. Eine Delegation des Bundesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Österreich, der auch die Herren Josef Rubin Bittmann und Gustav Leitner angehörten, haben an den Einweihungsfeierlichkeiten teilgenommen. Die Delegation legte in die Urne eine in hebräischer Sprache abgefaßte Megillah über die Verfolgungen und Leiden der Juden in Österreich während der Herrschaft des Nationalsozialismus, die in deutscher Übersetzung folgenden Wortlaut hat: NIEMALS VERGESSEN! Schmerzerfüllten Herzens wollen wir durch diese Rolle künftigen Geschlechtern Kunde geben von den tragischen und unermeßlichen Verlusten, welche die jüdische Bevölkerung in Österreich und ihre Kultusgemeinden in den Jahren der Nazibarbarei — 1938 bis 1945 — erlitten haben. Es wäre nicht möglich, selbst im Rahmen einer größeren Abhandlung das Ausmaß der Leiden und Verfolgungen, des unaussprechlichen Martyriums vieler zehntausender Juden aus Österreich, die als Opfer der unmenschlichen Mordmaschinerie des Hitler- Systems starben, die Vernichtung unersetzlicher Kulturwerke des Judentums, die durch Jahrhunderte von Generation zu Generation überliefert worden sind, darzustellen. Die Wunden, die uns geschlagen wurden, sind noch zu frisch, der Am 20. und 21. Oktober 1956 tagte in London die Plenarversammlung der Zionistischen Konföderation für Europa und Nordafrika, an der Delegierte aus England, Frankreich, Belgien, Schweiz, Schweden, Holland, Tunis, Marokko sowie aus Österreich teilnahmen. Die Eröffnung der Konferenz famd durch Präsident Dr. Joseph Sagall statt, der sich ausführlich mit der politischen und miltärischen Lage des Staates Israel, im Zusammenhang mit der neugeschaffenen Situation im Nahen Osten, befaßte. Dr. Sagall gab seiner Meinung darüber Ausdruck, daß der jetzige ernste Zustand von allen Juden in der ganzen Welt Taten und intensive Arbeit für den Staat Israel erfordere. Seine Ausführungen schlossen mit den Worten: ,,Hier, jüdischen Märtyrer Strom der Tränen ob der schrecklichen Geschehnisse ist noch nicht versiegt, kein Dichter ist noch auferstanden, um in einem großen Poem die Tragödie zu beschreiben. So mögen denn vorderhand die folgenden Ziffern und Zahlen unsere Sprecher sein: l.Im März 1938 bestanden in Österreich 42 selbständige israelitische Kultusgemeinden, unter ihnen war die größte die Israelitische Kultusgemeinde Wien, 37 Gemeinden sind vollkommen vernichtet bzw. liquidiert worden. Es gibt derzeit nur 5 israelitische KuUusgemeinden (Wien, Graz, Innsbruck, Linz, Salzburg). 2.1m März 1938 hatten die Israelitischen Kultusgemeinden rund 190.000 MitgliederfMänner, Frauen und Kinder). 3. In den Jahren 1938 — 1945 sind über 61.000 Mitglieder der Gemeinden durch den Terror und durch die Verfolgungen der nationalsozialistischen Mörder ums Leben gekommen. 4. a) Im März 1938 gab es in Österreich 128 Synagogen, Gottes- und Bethäuser; b) hievon wurden alle bis auf ein Gotteshaus in Wien restlos vernichtet bzw. zerstört. 5. a)Vor 1938 gab es in Österreich 78 jüdische Schulen und Lehranstalten; unter ihnen das hebräische Chajes-Realgymnasium sowie das berühmte Lehrer- und Rabbinerseminar in Wien; b) sie wurden restlos liquidiert bzw. zerstört. In pietätvoller Trauer versenken wir diese Rolle in die Urne der Krypta des ,,Denkmals des unbekannten jüdischen Märtyrers". Zum Andenken und zur Ehre der unsterblichen Märtyrer des österreichischen Judentums in den Jahren der Nazibarbarei 1938 — 1945, zum Andenken und zur Ehre der sechs Millionen unsterblicher Märtyrer des jüdischen Volkes. in diesem Saal, wo einst Präsident Weizmann wirkte, sollten wir von seinem Geiste zu einem praktischen Zionismus inspririert werden, auf daß wir das Werk, das er begonnen hat, fortsetzen und vollenden können. Dies sollte auch uns Allgemeinen Zionisten als Anregung zu einer Konsolidierung unserer Organisation und zur Stärkung unserer Reihen 'dienen. Vor seiner Ansprache, die lebhaften Beifall gefunden hatte, begrüßte Dr. Sagall die Mitglieder der Exekutive, den Präsidenten des Rates der Europäischen und Nordafrikanischen Konföderation, Barnet Janer, und die Vertreter der europäischen Länder mit herzlichen Worten. Sehr aufschlußreich waren die Berichte der Delegierten über deren Arbeit in den einzelnen Ländern. Zur Diskussion standen hauptsächlich die Themen: Shnat Sherut, Hanoar Tlazioni, vor afTem aber die Stellung der Länder zur neugeschaffenen Lage in der Allgemein Zionistischen Weltkonföderation, sowie die Situation der Juden in Nordafrika Dem sehr interessanten, aufschlußreichen Bericht des holländischen Delegierten I. S. de Vries war zu entnehmen, daß der Magbith Meuchedeth in Holland einen Jahresertrag von 12.5.000 Dollar, Keren hamagen 250.000 Dollar und K. K.L. im selben Jahr 80.000 Dollar und Bonds drive innerhalb von 2 Jahren ein Ergebnis von 1 Million Dollar verzeichnen konnte. Dies ist umso bemerkenswerter, als die Zahl der in Holland lebenden Juden sich nur auf etwa 18.000 beläuft — ein Erfolg, der nicht zu übersehen ist und der allen Juden Vorbild sein sollte. Bei dieser Konferenz wurden die Allgemeinen Zionisten Österreichs vom Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes, Wolf Tischenkel, vertreten. Herr Tischenkel schilderte die schweren Verhältnisse im Wiener Zionismus, erklärte aber gleichzeitig, daß der Zionistische Landesverband in Österreich daran gehe, die Jugendgruppe Hanoar Hazioni neu zu organisieren und im Laufe des Monats Dezember eine große Propaganda für die Shnat Sherut-Aktion zu starten. Die tagende Generalversammlung versprach dem Redner, die allgemein zionistische Arbeit in Wien mit allen Mitteln zu fördern. Das Ergebnis dieser Konferenz zeitigte eine mit großer Mehrheit angenommene Resolution, in welcher das Jerusalemer Abkommen erneut abgelehnt wurde und man sich auf das entschiedenste gegen jede Identifikation mit einer der zwei Parteien in Israel verwahrte. Dr. Bienenfeld — 70 Jahre Dr. Franz Bienenfeld's 70. Geburtstag wurde von seinen Freunden, Kollegen ebenso wie von zahlreichen Menschen, denen er mit Wort und Tat half, freudig begangen. Dr. Bienenfeld, ein bekannter Wiener Anwalt und Wirtschaftsberater der österreichischen Regierung bis zum ,.Anschluß", ist seit Jahren, mit voller Aktivität für viele soziale und jüdische Organisationen in London tätig. Er ist Mitbegründer der Universalen Erklärung der Menschenrechte, ist Rechtsberater des Jüdischen Weltkongresses und tritt stets für Gerechtigkeit hnd gegen Unterdrückung der Juden ein. Dr. Bienenfeld's großzügiger Geist und weitblickender Intellekt verbunden mit Güte und Verständnis machen ihn zum Stolz und zur Stütze der Juden, zu einer Zierde des Judentums. Die Redaktion der ,.Stimme" entbietet dem Jubilar die herzlichsten Glückwünsche. NIEMALS VERGESSEN! Zionistische Konföderation für Europa und Nordafrika Seile Deinen (einig null leite ai lie isiaelitisile Knilssieineinde-Illagliil HsuttieilBllt Postsparkassenkonfo Nr. 86.805