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Die Stimme · 1956-11-01 · Heft 100 (November 1956) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1956
Issue
Heft 100 (November 1956)
Date
1956-11-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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DIL S T 1 M M L Ntu hl'.irn mehl gefä'ilt lind di' ägyptische TaooszMtimg , AI Ah ram luittr wahrhaftig r 'cht. als sic Hm (\ Mai 195ö sehn dv ,.Soit der Unt 'r/f'ii hmiii': dos tschechosloVci k isc h-ägy nl ist hon WafIr'nah knmmrns tan A Israel aut einem t’u'- vrrfciß. Dia arahisHion Armee 1 sind jetzt vereint und haben für einen Angriff auf Israel ein genügendes (hum tu in von Waffen zur Verfü- HiiiH!''. N ur in der K'onl<!u sbm: ,.Die Vernichtung Israels ist unvermeidlich, und Israel seihst weiß daß keine andere' Möglichkeit besteht" war sin auf dem Holzweg Denn Israel war nicht bereit, seiner Vernichtung tatenlos zuzusehen und wußte, daß eine andere Möglichkeit bestand: Die Möglichkeit der Selbstverteidigung im richtigen Moment, ehe es zu spät war. Israel sah sehr wohl die Gefahr, die sich deutlich am Horizont ababzeichnate. Im geringsten Maße bestand sie in den großsprecherischen Drohungen des ägyptischen Diktators und seiner Satallitten in Syrien, Jordanien und Saudi - Arabien. Eher schon in der Indolenz der Vereinten Nationen, die mit verschränkten Händen zusahen, wie die Araber jahrelang ihre Beschlüsse mißachteten, sich über internationale Bestimmungen hinwegsetzten und der Charta der UNO buchstäblich ins Gesicht schiugen. Am bedrohlichsten jedoch in der Tatsache, daß Israel mehr und mehr zum Spielball der großen Mächte wurde, schuld- und schutzlos zu einem Bauern auf dem Schachbrett der Weltpolittik, ständig davon bedroht, der einen unnütz und der anderen im Wege, geopfert zu werden. In dieser Situation, untermauert durch die gewaltigen Waffenlieferungen wurde auch das Säbelrasseln an den Grenzen zu einer akuten Gefahr. Und dieser Gefahr galt es zu begegnen, rechtzeitig und mit offenem Visier. Die Regierung Israel verfolgte mit dem Feldzug auf der Halbinsel Sinai bestimmte Ziele. Ihr ging es darum, die Brutnester der ,,Fedayeen" zu vernichten und den Weg zum Hafen üilat freizumachen. Dem Vo-lke Israels ging es .um mehr. Es wollte der Welt und nicht zuletzt wohl auch sich selbst beweisen, daß es m der Lag!' war. der Gelahr zu begegnen, daß es im Stande war, sich zu v'rt'idbyn daß die Kraft s'ines Willens und seiner Disziplin großer war als die des durch fremd.' Düsenflugzeuge' und Panzer unterstützten Sieges gesell reis seiner Feinde Dieser Beweis ist gelungen. Israel hat seine Kraftprobe bestanden, und damit inehr ':rr°icht als bloß einen Sieg auf dem Sc h lacht I :dd. Fs hat sein Seihst vertrauen wiedergewonnen, sein Selhsthewußtsrin gestärkt und ist ein ' innere Spannung los^eworden, von der es Jahre hindurch nicht weniger geplagt gewesen ist als von der äußeren. Darum hat das Volk die Aktion nicht nur gebilligt sondern auch begrüßt. Uder wollte dies nicht verstehen? Wer könnte nicht mit einem Volke mitfüh'en. das durch Jahrtausende verfolgt, gepeinigt und dezimiert, endlich eine eigen;' Scholle gefunden hat, die es in unermüdlicher und aufopferungsvoller Aufbauarbeit von einer Wüste in blühendes Land verwandelt, entschlossen sie mit jeder Faser seines Lebens und bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen? Wer darf es da wagen, denjenigen, der die Waffen zum Selbstschutz ergreift den Angreifer und denjenigen, der zur Vernichtung rüstet den Angegriffenen zu nennen, denjenigen, der das Leben seiner Bürger und die Sicherheit seiner Grenzen schützen will zum Agressor und denjenigen, der harmlose Gelehrte hinterhältig niederschießt und unschuldige Kinder mordet zum überfallenen zu stempeln, denjenigen, der seine Friedensbereitschaft tausendfach zum Ausdruck gebracht hat, zu verurteilen und denjenigen, der seine Kriegsdrohungen unverhüllt in die Welt hinausposaunt, freizusprechen? Wenn nichts anderes, so haben die letzten Ereignisse zumindest die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf sich gelenkt und vielleicht auch das Gewissen der Welt, zumindest der freien, demokratischen We;it auf gerüttelt. In erfreulicher Objektivität haben die meistten österreichischen Zeitungen zu den Vorgängen Stellung genommen und selbst diejenigen, die das Vorgehen Englands und Frankreichs verurteilten, landen Worte ries Verständnisses und der Sympathien für Israel. Dieser Ausdruck eines echtempfundenen Mitgefühls kam nicht von ungefähr. In den letzten Jahren haben viele Österreicher Israel I esucht: Politiker, Staatsmänner, Wissenschaft;! u, Wirtschaftler und .Journalisten waren unter ihnen. Männer, die gewohnt sind, Dinge gründlich zu betrachten und kritisch zu beurteilen. Ihnen imponiert nicht ohne weiteres ein hohes Haus, denn sie sehen in Wien viel höhere, sie beeindruckt keine große Fabrik, denn sm kennen in Österreich viel größere, Aber was ihnen imponierte und sn beeindruckte, das war die Art, in der die Häuser und Fabriken entstanden sind. Die Tatsache, da!') mitten und in der Wüste und von Wüste umgeben ein neues Land entstand und die Umstände, unter denen die Menschen Städte errichteten, Felder behauten, Straßen anlegten, Wasser über hunderte Kilon (er leiteten, Schätze des Bodens zui,.ge förderten, sich einen neuen Lebensraum schufen. Was sie wohl am meisten überzeugte, war die Erkenntnis, daß dieses Volk ein Träger des sozialen Fortschritts, Pionier einer aufblühenden Kultur, ein Bollwerk der Demokratie ist, bereit seine Errungenschaften mit seinen Nachbarn zu teilen, Menschen, die Zusammenarbeit suchen und nicht Streit und die unbeirrt nach vorwärts schreiten trotz ajler Hindernisse, die man ihnen in den Weg legt, trotz der ständigen Bedrohungen, denen sie ausgeset/zt sind. Und es kehrtwohl kein Mensch aus Israel zurück ohne die feste Überzeugung, daß es nicht Israel ist, das Schuld an der Spannung im Mittleren Osten trägt. Nicht minder erfreulich ist die Haltung der Wiener Juden angesichts der letzten Ereignisse in Israel. Uber alle Parteiunterschiede und Parteidifferenzen hinweg, gleichgültig ob Zionisten oder Nichtzionisten bewiesen sie ihre Solidarität, fühlten sich eins mit dem Volke: in der Heimat und waren mit ihren Herzen hei den braven Soldaten, die ihr Leben für das Vaterland auls Spiel setzten. Kaum je zuvor ist jedem Einzelnen und allen zusammen so klar geworden wie in diesen Jagen, in welchem Maße mit dem Schicksal Israels das Schicksal des gesamten jüdischen Volkes steht und fällt Denn heute gehl es nicht nur um die Fxislenz und dp' Souveränität Israels, Gerade jeL-l spielt sich an den Grenzen Österreichs eine große Tragöd i'1 ab, Ls ist dies in der Haupl'sach ■■ eine mVgar'ische Tragödie, aber es ist auch wieder ein:' jüdische Tragödie Unter den zehntausenden Flüchtlingen sind auch tausende .Juden wiederum Juden auf der Flucht, wiederum heimatlos gewordene luden. Wohl steht ihnen der Weg nach Israel frei, aber sie zögern dahin zu neben, weil sP' nicht von einer Gefahr in die andere fallen wol eii und vor allem weil sie sie fürchten, jenen in die Arme zu laufen, denen sie gerade entronnen sind. Sie sind nicht die Einzigen. In Kußland, i» Polen, in der Tschechoslovakei und in Rumänien warten Hunderttausende unserer Brüder auf Befreiung und Erlösung, ln Ägypten wurden hunderte Juden verhaftet, tausende werden enteignet und Zehntausende auf eine Art vertrieben, die jeder Humanität Hohn spricht. Israel hat die heilige Pflicht, nicht nur seine Tore offenzuhalten für alle diese Schutz- und Hilfesuchenden, sondern ihnen auch Ruhe- und Sicherheit, Frieden und Freiheit, Gleichberechtigung und die Basis für ein neues Leben zu vermitteln und zu verbürgen. Für diese Ziele führt es seinen heroischen und schicksalsschweren Kampf. Am 8. November gab Ministerpräsident David Ben Gurion die Erklärung ab, daß Israel bereit sei, die Halbinsel Sinai zu räumen. Damit hat er über die beiden Beweise —- daß Israel keine territorialen Aspirationen hegt und sich den Beschlüssen der UNO zu fügen bereit ist — hinweg den Willen des gesamten israelischen Volkes kundgetan, daß es nur eines wünscht: Einen wirklichen und dauerhaften Frieden. Es liegt nun an den Vereinten Nationen zu beweisen, ob sie bereit sind, einen solchen Frieden zu erwirken und nötigerweise zu erzwingen, zum Wöhle des ganzen Mittleren Ostens und zum Nutzen der ganzen Welt. Die Juden werden aus Ägypten vertrieben . . . Von britischer Ragierungsseite wird mitgeteill, daß die Regierung Nassers beschlossen habe, alle britischen und französischen Staatsangehörigen auszuweisen. Es handelt sich um das Vorspiel zur Beschlagnahme des gesamten in Ägypten liegenden englischen und französischen Vermögens. Die Ausgewiesenen dürfen nicht mehr als 20 Pfund mitnehmen. Zu gleicher Zeit, aber mit weniger Publizität wurden Maßnahmen getroffen, um die luden außer Landes zu bringen. Dabei sind zwei Kategorien zu unterscheiden: solche, die die ägyptische Staatsangehörigkeit besitzen und die sogenannten Staatenlosen, die aber schon seit manchen Generationen in Ägypten wohnen, keine anderen Bürgerrechte besitzen, aber auch nie ägyptische Ausweispapiere erhalten konnten. In Ägypten leben heute noch etwa 40.000 Juden, von denen ein Viertel sogenannte Staatenlose sind. Die Vorbereitungen zur ihrer Ausweisung waren schon seit einigen Wochen im Gange, wie auch das französische Kabinett Informationen schon seit drei Monaten besaß, daß eine solche Aktion geplant werde. Die Regierung Nasser stellte in einer Verordnung vom 10. Nov. 50 Millionen Pfund zur Verfügung, um die Bevölkerung für Kriegsschäden zu entschädigen. Da dieser Betrag nicht verfügbar war, wurde am nächsten Tage mit der Konfiszierung der jüdischen Vermögen begonnen. Die jüdischen Geschäfte und Fabriken werden versiegelt und ein kommissarischer Verwalter eingesetzt. Dies war zum Beispiel im Warenhaus Cicurel der Fall, das dem Schwiegervater von Mendt s-France gehört. Geschlossen wurde unter vielen anderen auch das Verlagshaus Schindler in Kairo. Die Guthaben hei Banken wurden ebenfalls gesperrt, so daß die Betroffenen überhaupt über keine Mittel mehr verfügen. Im Quartier Hamzaoui sollen etwa 400 jüdische Unternehmungen von der Konfiszierung betroffen sein. Nicht nur die Engländer und Franzosen, sondern auch die Juden, welche die italienische, ägyptische oder eine andere Staatsangehörigkeit! besitzen, werden so ausgeplündert. In Kairo und Alexandrien wurden mehr als 3000 Juden in Konzentrationslager gebracht. Es handelt sich hierbei um ägyptische Juden, während die staatenlosen und ausländischen .Juden ausge wiesen werden und in zehn Tagen das Land zu verlassen haben. In den ersten Tagen durften sie 20 ägyptische Pfund mitnehmen, während es jetzt nur noch 10 Pfund sind. Die Sch muck Sachen werden bei der Ausreise abgenommen, wobei Durchsuchungen bis aufs Hemd stattfinden. Jüdische Anwälte dürfen nicht mehr praktizieren, während Maßnahmen gegen Ärzte in der Schwebe sind, weil man sie noch benötigt. Das jüdische Spital wurde konfisziert und der Direktor in ein Lager gewiesen. Die Börsenmakler blieben 'einstweilen von Maßnahmen verschont, weil mit ihrer Verhaftung die Wirtschaft schwer betroffen würde. England und Frankreich bereiten eine Aktion der UNO gegen die Ausweisung ihrer Staatsangehörigen vor, da diese der Genfer Konvention vom Jahre 1940 widerspricht, welche Maßnahmen gegen die Zivil* e'ölkerung verbietet. Wer aber nimmt sich der staatenlosen Juden an und wer der ägyptischen luden, die keine Schutzmacht haben? Wird sich in der UNO auch eine Stimme für sie erheben oder wird das Weltgewissen wieder Schweigern?

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