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Die Stimme · 1956-11-01 · Heft 100 (November 1956) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1956
Issue
Heft 100 (November 1956)
Date
1956-11-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b, Zionistischer Landesverband Wien COVXl rvnntfriu timme 6z$an (Lei Attyemeinen Zionisten in ÖsiezzeicU Preis 2 Schilling iiifiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiininiiiiiii | Redaktion u. Administration: | | Wien IX, Universitütsstr. 4/4 | | Telefon A 26 4 73 | | Postscheck-Konto Nr. 134.292 | November/Dezember 1956 BlllllllHlinHWIlllltlllWtlWitlllllllllHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIlillllHIIIIHIIIIIIIIIHIlBi Nr. 100 DR. IMANUEL UNGER Mit Israel steht und fällt das jüdische Volk Jeder Krieg, gleichgültig aus welchem Grunde und zu welchem Zwecke, egal auf welche Art und mit welchen Mitteln er geführt wird, ist eine schreckliche Angelegenheit. Er fordert Opfer an Gut und Blut, er verursacht Zerstörung und Verwüstung, er bringt Jammer und Unglück und er hünterläßt Lücken, die nicht mehr zu füllen sind. Niemand weiß dies besser, niemand hat mehr gelitten, niemand wurde stärker verfolgt, niemand haßt den Krieg mehr als das jüdische Volk. Und trotzdem hat die Bevölkerung Israels in ihrer überwiegenden Mehrheit die Sinai-Aktion des Heeres nicht nur gebilligt und gutgeheißen, sondern geradezu erwartet und herbeigewünscht. Um dies zu verstehen, muß man nicht nur die Situation der Menschen in Israel kennen, sondern auch versuchen, sich in ihre Lage zu versetzen und die Entwicklung der Dinge psychologisch mitzuerleben. Es gibt, epochenmäßig verteilt, drei Gruppen von Menschen in Israel. Solche, die als Pioniere nach Palästina kamen, als das Land noch nichts anderes war, als eine endlose Wüste, die aus reinem Idealismus malariaverseuchte Sümpfe trockenlegten, auf Sand die ersten Städte und Siedlungen errichteten, dem brachliegenden Boden das erste Grün abzwangen; dann solche, die auf der Flucht vor der Nazibarbarei aus Deutschland, aus Österreich, aus Polen, aus Ungarn, aus, Rumänien, aus der Tschechoslovakei ins Land strömten, sich willig eingliederten in die Reihen der Schaffenden, Felder bestellten, Farmen anlegten, Fabriken erbauten; und schließlich die Oberreste aus den Konzentrationslagern, die Vertriebenen aus dem Jemen und Irak, die Verfolgten aus Marokko und Algier, die ein Asyl suchten und ein neues Leben begannen, indem sie sich einfügen in die Gemeinschaft. und leilhaben an dom großen Aufbauwerk. Sie alle sind geeint durch das heiße Bestreben, das Land, das ihnen vererbt durch eine jahrtausendalte Tradition und erneut verbrieft du roh den Beschluß der Vereinten Nationen, zu einer wirklichen Heimat, zu einem souveränen Staat, zu einem Zentrum des Fortschritts und der Demokratie, zu einem Symbol des Friedens und der Freiheit zu gestalten. Daran aber werden sie mit allen Mitteln systematisch gehindert. Seit acht Jahren lassen die arabischen Führer nichts unversucht, um den Staat Israel zu vernichten. Sie haben einen wirtschaftlichen Boykott organisiert, um ihm den Atem abzuschnüren, sie haben die Seeblockade verhängt, um es an seinen vitalsten Transportmöglichkeiten zu behindern, sie haben um seine Grenzen einen eisernen Ring geschlossen und sie entsenden sogenannte ,,Selbstmordtruppen", die unschuldige Menschen erschlagen, Häuser in Brand setzen und Kraftwerke in die Luft sprengen. Seit der vernichtenden Niederlage im Jahre 1948 sinnen diese arabischen Führer auf Rache, drohen mit der zweiten Runda, rüsten zu einem neuen Ober!all. ,,Warte und selniu u Ben Gurion! Bald wird Dir die Kralt und die Willensstärke der Araber bewiesen uordeu. Ägypten und die arabischen Nationen werden Dir eine Lektion erteilen und Dich für alle Zeiten zum Schweigen bringen. Ägypten wird Dich zu Staub zermalmen" schrieb der ägyptische Staatsminister Anwar Al Sadat am 8. April 1956 in dem offiziellen Organ der Regierung ,,A1 Goumhourija'' und „Es gibt keinen Grund dafür, daß die treuen Fedayeen (ägyptische Mord- und Sabotage-Ban-j den) im Haß gegen ihre Feinde nicht in Israel eindringen und das Leben seiner Bürger in eine Hölle verwandeln sollen" schrie der ägyptische Minister Hassan El-Bakuri am 11. April des gleichen Jahres in das Radio. „Die israelische Gefahr existiert nun für uns nicht mehr; die ägyptische Armee ist stark genug, um Israel von der Karte auszuradieren!" verkündete am 11. Juni 1956 General Abdul Hakim Amer. Ägyptens Kriegsminister und Generaflstabschef der vereinigten ar'ab'iisdhen Armeen und 14 Tage später sagte der syrische Ministerpräsident Sabri At-Assali: „Unsere Außenpolitik beruht auf folgende Prinzipien: Kampf gegen den Imperialismus, den Zionismus und den Staat Israel; Nichtanerkennung des Diebstahls von Palästina; gegen ein Friedensabkommen mit Israel; Verstärkung des Boykotts gegen Israel". Am 2. August 1956 schrieb dar ägyptische Gesandte in Amman, Abdul Aziz E-Din in der jordanischen Tageszeitung „Falastin": „Die ägyptische Nationalisierung des Suezkanals isl ein weiterer Schritt zur Befreiung Palästinas . . Heute der Suezkanal und inoi'i'Oii Palästina" und noch am 26 Oktober könnt - man vom „Radio Bagdad" hören: ,. Al!e arabischen Armeen sind zur Revanche - Attacke mobilisiert. Es kommt dm- Tag -- um! er ist sehr nahe — daß di“ macht vo 'Ile irakisch“ Armee an der Spitze aller Kraft“ marschieien wird, welche isr.ue1 von allen Seilen nmzineein we rden, damit die aral i-:che Flag“ ■ an den ihr gel.n'ihi eml i-h reo vol Inn Platz zu rückkom ml" Es kann de:- Besie nicht in Eric den I Hjou, wenn c.-. dem bös *n Die sechs Abgeordneten der britischen Labour Party: Sydney Silvermann, Anthony Greenwood, Ian Mikardo, Lesbe Plumer, Maurice Orbach und Anthony Wedgwood richteten folgendes Telegramm an den israelischen Ministerpräsidenten D. Ben Gurion: „Die sechs Unterzeichneten Mitglieder des Parlaments, lebenslängliche Freunde Israels verlangen dringlich sofortige offizielle Versicherung, daß sich das Ziel der israelischen Aktion auf den Schutz der israelischen Grenzen und die Ausmerzung der ägyptischen Mörderzentralen beschränkt und keine Gemeinschaft mit der französisch-britischen Aktion im Suezkanäl hat, sowie daß Israel bereit ist, sich den Beschlüssen der Vereinten Nationen zu fügen, wenn es zufriedenstellende Garantien gegen weitere Überfälle erhält."! Ministerpräsident D. Ben Gurion antwortete wie folgt: „Ich bin glücklich, die Gründe und den Zweck unserer Aktion zu erklären. Der ägyptische Diktator hat dauernd die Waffenstillstandsverträge verletzt, Mörderbanden in seinem eigenen Lande sowie in anderen arabischen Ländern zu Angriffen auf unser Volk organisiert, hat im Gegensatz zu internationalen Gesetzen im Suezkanal und im Roten Meer eine Blockade gegen uns aufrechterhalten, hat Militärbündnisse gegen uns abgeschlossen und seine Absicht, uns zu vernichten, zum Ausdruck gebracht. Wir erinnern daran, daß es Führer der Labour Party gegeben hat, die die Drohung Hitlers, die jüdische Rasse zu vertilgen, nicht ernst genommen haben, bis es zu spät war. Sechs Millionen Juden sind in den Gaskammern des Nazidiktators umgekommen. Ich bedaure, daß Sie die Gefahr des faschistischen Diktators von Ägypten nicht sehen. Wir fühlen diese Gefahr, da es unsere Existenz unmittelbar berührt. Wir haben weder noch werden wir als Agenten irgendeiner fremden Macht handeln. Aber nach acht Jahren Terror, Drohungen, Boykott und Blockade sehen wir es als unsere Pflicht an, die Sicherheit unserer Bürger sowie die Freiheit unserer Verbindungen durch Eilat und den Suezkanal zu sichern. Wir sind jederzeit zum Frieden mit Ägypten bereit. Die Sache hängt ausschließlich und allein vom Willen der ägyptischen Regierung ah. Ich weiß Ihre Sorge um den Frieden sehr wohl zu schätzen. Aber die Bedrohung des Friedens wie die Gefahr, in der sich unser Volk befindet, liegt in den Zielen des ägyptischen Diktators. Wenn Nasser den Frieden wünscht, möge er seine aulhorisierten Vertreter zu einer Zusammenkunft mit unseren Vertretern -lösenden. Und es wird Friede sein. Es steht Urnen frei, diese Antwort aul Ihre Frac.e zu .veröffentlichen'."

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