Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1956
- Issue
- Heft 98-99 (August 1956)
- Date
- 1956-08-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 98 99 DIE S T I M Ml Seite 3 VON UNSERER iSRAEL-REI)AKTION. Blutiger Waffenstillstand Die Straße nach Elat, die schon mehrmals Schauplatz arabischer Mordtaten war, wurde wieder mit jüdischem Blut befleckt Nach bewährtem Muster lauerte eine arabische Bande dem Autobus auf, der zwei Mal in der Woche dje Verbindung zwischen dem nördlichen Teil des Staates und dem südlichen Ort Elat. versieht Vier lote waren das Ergebnis dieses mörderischen Anschlages, und es wären noch vie; mehr Tote zu beklagen gewesen, wäre der Chauffeur des Autobusses, trotz Verletzungen, nicht geistesgegenwärtig genug, den Wagen aus der Gefahrenzone herauszuzubringen. Alle wissen, daß dieser Anschlag gegen den Autobus nach Elat nicht der einzige Verstoß gegen die Einstellung des Feuers war, die der Genralsekretär der Vereinten Nationen Hammarskjöld in zwei Reisen nach dem Nahen Osten zustande gebracht hätte Ihm waren zahllose Angriffe vorausgegangen, insbesondere von Jordanien her, und die Opferbilanz zeigt, daß fast ausschließlich Juden den Kugeln der Araber zum Opfer fielen. Die israelisch - jordanische Waffenstillstandskommission verurteilte mehrere Male Jordanien in schärfster Weise, ohne daß dies etwas genützt hätte. Am gleichen Tage, an dem der Autobus angegriffen wurde, hatten ägyptische Eindringlinge vorher eine Mine gelegt (ebenfalls, bei Gott, nicht die erste) und am Abend danach wurden bei Zusammenstößen in der Zone von Gaza neun Ägypter getötet. Dieser Vorgang veranlaßte den Geneialselcretär der Vereinten Nationen Hammarskjöld zu einer entschiedenen Warnung vor Vergeltungsakten, und er forderte, daß diese unter allen Umständen zu unterbleiben haben. Hier soll die Frage der Berechtigung von Vergeltungsakten nicht diskutiert werden, aber gegenüber Hammarskjöld muß eines 'festgestellt werden: Die Prognosen aller derer, die gegen Vergeltungsakte auftraten, haben sich in keiner Weise bewahrheitet. Israelg hat jm Jahre 1955 während vieler Monate eine bewunderungswürdige Zurückhaltung geübt, aber sie hat nicht die Wirkungen gehabt, die alle wohlmeinenden Freunde Israels vorausgesagt hatten. Weder hat die Zurückhaltung Israels internanationa'e Pocition in irgendeiner Weise verbessert (dies hatten unsere Freunde immer prophezeit, wenn Israel sich nur still verhielte). Weder hat Israel Waffen bekommen, noch erhielt es mehr wirtschaftliche Hilfe- Beispielsweise sind die seit vielen Monaten laufenden Verhandlungen über eine amerikanische Anleihe festgelaufen. Ferner ist nicht dje Beruhigung im Nahen Osten eingetreten, die die erwähnten Freunde und Ratgeber erwartet hatten. Die Hetze der Araber gegen Israel geht unvermindert weiter, un’d der Unterschied gegenüber früheren Monaten besteht allein darin, daß jetzt nur jüdische Opfer zu beklagen sind und keine arabischen- Für diese haben der Generalsekretär der ,,UN" und die Weltpresse wohl tröstende Worte übrig, aber darüber geht ihre Anteilnahme nicht hinaus. Vor allem erklärte sich der UN-Sekretär nicht zu dem bereit, was die Regierung Israels jmmer wieder gefordert hatte, nämlich die arabischen Staaten zur genauen Respektierung aller Waffenstillstands- Paragraphen zu veranlassen. Gerade weil er dies nicht tat und vor jeder Weigerung der arabischen Staaten sofort zurückschreckte, wurde die Feuerruhe immer wieder gestört, um die er sich so sehr bemüht hatte, und die Spannung wuchs zusehends. Sämtliche Waffenstillstandsverträge der arabischen Staaten mit Israel werden von einem Artikel eingeleitet, in dem jede Kriegspropaganda und jede Hetze verboten wird. Die Regierung Israels machte Hammarskjöld darauf aufmerksam, daß Respektierung dieses Artikels von erstrangiger Bedeutung ist. Bei der Mentalität der Araber kommt es sehr leicht zu Ausschreitungen von Heißspornen an den Grenzen, wenn sie von ihren Königen und Präsidenten, von ihren Predigern der Moscheen und ihren Zeitungen tagtäglich hören, daß Israel von der Landkarte des Nahen Ostens ausradiert werden müsse und daß der Tag des ,,Befreiungskrieges1' nahe sei. Wenn die Führer vom baldigen Beginn des Krieges sprechen, warum sollten dann Mustapha und Achmad aus dem jordanischen Grenzdorf nicht ihren Privatkrieg beginnen und gewissermaßen als ,Vorschuß" ein paar Juden töten? Geschehen wird ihnen nichts, die jordanische Regierung wird nicht nach ihnen suchen, und sie werden in der Heimat nur als Nationalhelden angesehen werden. Diese Beispiel zeigt die ganze Problematik der Spannung an den Grenzen. Seit der ersten Reise Hammarskjöld nach dem Nahen Osten, hielt Israel absolute Ruhe. Dagegen sprachen sowohl der unreife jordanische König Hussein wie der syrische Präsident und sein Ministerpräsident immer wieder vom Kriege gegen Israel- Jedes zweite Wort bei ihnen hieß ,,Abwehr jüdischer Aggressionen", und als einmal Israel durch den General Burns Jordanien vor weiteren Morden warnen ließ, konzentrierten die Jordanier gleich Truppen gegen Israel und erfanden Märchen von israelischen Trujpenzusammenballungen. König Hussein erklärte nach der Nationalisierung der Suez-Gesellschaft, als nächster Schritt müsse die Befreiung des ,,gestohlenen Palästina" kommen — und unter diesen Umständen kann man sich nicht wundern, wenn Bandenführer an der Grenze sich auf das Wort nicht beschränken, sondern zur Tat schreiten. Die Verantwortlichen für die Minenattentate und die Gmnzüberfälle sitzen nicht irgendwo in kleinen Orten, sondern dm Könige und Präsidenten, die Minister und Heerführer, die ständig Hetzreden halten, tragen allein die Verantwortung für die ständigen Zusammenstöße. Würden sie in ihrem Munde Frieden un’d Ruhe statt Hetze und Aggression führen, sähe Dr. Josef Sagall in Wien Dienstag, den 26- August 1956 versammelte sich der Vorstand des Zionistischen Landesverbandes in Österreich, um dem Präsidenten der Europäischen Exekutive der Weltkonföderation der Allgemeinen Zionisten in Europa Herrn Dr Joseph Sagall die Reverenz zu erweisen Präsident Dr. Sagall befindet sich auf einer Europareise und nahm die Gelegenheit wahr, der Stadt, in der Herzl gelebt und gewirkt hat, einen Besuch abzustatten Hier nahm er in erster Reihe Fühlung mit seinen Gesinnungsgenossen, den Allgemeinen Zionisten ließ sich über das gesellschaftliche und zionistische Leben der Juden in Wien informieren und in Begleitung des Präsidenten Tischenkel und des Präsidialmitgliedes Dr. Gellis besichtigte er die Sehenswürdigkeiten Wiens, wobei das Hauptinteresse den Spuren der einstigen jüdischen Kultur des Wiener Judentums galt. Bei dem unter Vorsitz des Präsidenten Tischenkel stattgefundenen Meeting referierte der Gast über Ziel und Zweck der Europäischen Konföderation und unterstrich insbesondere, daß ihre Hauptarbejt darin gipfelt, das zionistische Bewußtsein in der Galuth zu wecken und zu festigen, die jüdische Jugend für unsere Ideale zu gewinnen, die jüdischen Massen aufzurütteln, die Assimilation zu bekämpfen, eine große hebräische Bewegung ins Leben zu rufen, nach Tunilichkeit hebräische Schulen zu errichten und unsere unauslöschlichen Ideale.- Chalu im, Hachscha ah, und Shnät Shenit weitgehenst zu popularisieren. Die Darlegung Dr. Sagalls zeigten tiefen Geist und haben uns außerordentlich wertvolle Erkenntnisse vermittelt. Daran schloß sich eine angeregte Diskussion, die Frau Jettka Levy-Stein und die Herren ’Dr Gellis, Hofrat Birnstein, Bittmann, Seifert und Braver bestritten .Hierauf replizierte Herr Dr Sagall und gestützt auf seine reiche Erfahrung, offenbarte er seinen jüdischen Intellektualismus, der immer dem Zionismus das Gepräge gab Die Anwesenheit Dr Sagalls in Wien gibt uns Veranlassung, seinen Lebenslauf kurz zu schildern, da seine Persönlichkeit ’in unseren Kreisen Interesse hervorruft. Dr. Sagall studierte Jura an den Universitäten in Moskau Brüssel, Toulouse und an der Sorbonne in Paris. Während seiner Studienzeit oblag er mit besonderem Eifer dem Studium der jüdischen Kultur und entfaltete auf diesem Gebiet eine beachtenswerte Tätigkeit Linguistisch steht er auf der Höhe: Er spricht perfekt englisch, französisch, jiddisch und auf dem Gebiete der Hebraistik gehört er xu den großartigen Talenten, fdife aus cTem Stegreif über komplizierte Probleme zu referieren vermögen. Aber auch seine Genealogie ist ein stolzes Kapitel. Der Vater Dr. Sagalls war eine der populärsten rabbinischen Autoritäten und versah das Amt eines Oberrabiners in Danzig vom Jahre 1924 bis 1934- Er war bekannt als der Danziger Raw unter dem Namen Reb Jakow Meier Sagalowitsch Vom Jahre 1934 bis zum Jahre 1940 fungierte Reb Jäkow Meier als Oberrabbiner von Brüssel, worauf er in die Vereinigten Staaten von Nordamerika emigrierte, wo er seine Augen für immer schloß Unser Freund Dr Joseph Sagall schrieb im Jahre 1935 epie tiefschürfende Abhandlung über ,.Probleme der Freistadt Danzig", war Redakteur der Tageszeitung ,,Die jüdische Post" und das Wochenjournals ,,Das jüdische Volk". Seine kommerzielle Betätigung liegt auf demGebiete des Schiffahrts- und des Versicherungswesens und er steht mit an der Spitze einer Firma die 200 Jahre alt ist. Er teilt dje Zeit seiner kommerziellen Tätigkeit mit der Tätigkeit für den Zionismus, dem er mit ganzem Herzen und ganzer Seele verbunden ist. Beim Abschied gab Dr Sagall seiner besonderen Genugtuung Ausdruck, daß er die Ehre hatte, mit dem Vorstand Allgemeiner Zionisten in Österreich einige schöne Stunden verbringen zu können und freute sich darüber, daß er in Wien einiges von der alten Herzischen Tradition gefunden hat. Präsident Tischenkel dankte dem lieben Gast und Freund für seinen Besuch und dafür, daß er uns die Möglichkeit gab, unsere zionistische Arbeit zu beflügeln. Pension Cosmopolite Haus ersten Ranges Zentrale Lage Mäßige Preise Wien VIII, Alserstrafie 23 Telephon A 25 0 60 vieles im nahen Osten anders aus Der Generalsekretär der UN mag sehr besorgt sein er mag trostreiche Worte liir die Familien der Opfer des Anschlages auf dem Wege von Elat aut bringen — aber er wird seiner Aufgabe nur gerecht werden, wenn er die Innehallung des Artikels I der Waffenstandsverträge auch durch Könige, Präsidenten und Diktatoren durchsetzt Sonst sind alle seine Bemühungen zwecklos, und wenn er noch so sehr gegen Vergeltungsakte wettert, werden sie wiederkehren, weil nämlich bei den israelischen Grenzsiedlern niemand verstehen will, warum es als Reaktion aut arabische Morde, die UN nur leere Trostworte aber keine wirklichen Taten folgen läßt