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Die Stimme · 1956-03-01 · Heft 97 (März 1956) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1956
Issue
Heft 97 (März 1956)
Date
1956-03-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 97 HIT STIMMT Seite 5 Unerfreuliches aus Österreich Sportklub Kapfenberg und der ..Wiener Montag“ Das war wieder einmal ein Fressen für den ,,Wiener Mon'ag'V Kam da von ci:i::r Te!egrafenagentur eine Nachricht herein- $eflatterb die besagte, daß hei der Ankunft des Kapfenberger Sportklubs in Israel Mitglieder der nationalistischen Vereinigung , Telar-Herut" Fingzettel verteilt halten, in denen behauptet wurde, daß die meisten Österreicher Nazis gewesen sind und flugs hatte das getarnte Nazih'att einen Anlaß, seine bisher auf ös er ei hs .Judentum beschränkten, giftspeien den Haßtiraden nunmehr auch auf Israel zu erstrecken. In Balkenlettern prangten auf der ersten Seite die Überschriften: ,,Israelis bedrohen Steirische Fußballer" sowie „Beispielloser Skandal . . ." uno da die Agenturmeldung anscheinend d u h nicht genügend Stoff zu einem regelrechten Ausfall bot, log man einfach aus dem Handgelenk dazu, daß sich Gruppen vor dem Hotel, in dem die Österreicher abgestiegen waren, angesammelt, hatten und in Rufe „Hinaus mit den Nazifußballern" ausbrachen. Nach der bewährten Methode: „Fasset den Dieb" posaunt der „Wiener Montag" aus, daß es überhaupt nicht Christen, sondern nur Juden sind, die den Antisemitismus züchten. Die Vorfälle inTel- Aviv sollten dies erneut beweisen. Nun sind al edie Kapfenberger Fußballer aus Israel nach Österreich zurückgekehrt. Sie haben deutlich hörbar und in alter Öffentlichkeit übereinstimmend erklärt, daß sie von Demonstrationen überhaupt nichts gemerkt hätten, im Gegenteil, sie äußerten sich begeistert über den Empfang, der4 ihnen in Israel bereitet wurde Massenmörder Massenmörder, die in den Jahren 1941 und 1942 an der Ermordung tausender Juden in Stryj und Stanislau aktiv beteiligt waren, bewegen sich in Österreich unangetastet. Es handelt sich hiebei um: Johann Kranzier, ehern. Oberleutnant der Nazihilfspolizei in Stryj, der das Kommando bei den Liquidierungen der jüdischen Bevölkerung von Stryj führte. Von dem von ihm befehligten Liquidierungskommundo wurden viele Menschen, darunter hunderte jüdische Männer, Frauen und Kinder, auf dem Friedhof von lloiobutow durch Kopfschüsse gemeuchelt; um Alexander Garber, geh. 11. 1. 1897, der für die Ermordung von 120 Juden in der Glasfabrik Aso bei Stryj verantwortlich ist; um die Schuldigen für die Judenmassaker in Stanislau, hei denen annähernd 70.000 Menschen bestialisch ermordet wurden; um Nazioberleutnant Josef Dunkel, geb. 25. 10. 1897, um den Wachhabenden Ernst Rabara, geb. 7. 4. 1902, sowie um den ehemaligen Nazipolizeiineister Franz Kohout. Es sind dies die Hauptbeteiligten andiesen entsetz!ichenMassenmorden. Alte Nazilaute Zehn Jahre nach der größten, von den Nazi verschuldeten Weltkatastrophe, tritt im österreichischen Parlament ein Abgeordneter auf und hetzt ungehindert gegen Juden. In diesem Zusammenhang verweisen wir konkret auf die antisemitischen Hetzreden Nationalrates Dr. Stüber, die er anläßlich einer Debatte am 12. Jänner 1956 im Flohen Haus der Republik gehalten hat. Dr. Stüber griff in die Debatte ein, die der Nationalrat zum Gegenstand „Entschädigungsgesetz betreffend die Befriedigung der Ansprüche der Geschädigten, jetzt im Ausland lebenden Österreicher" abwickelte. Wir geben auf Grund des stenographischen Sitzungsprotokolls eine Darstellung der Vorgänge. Nationalrat Stüber erklärte zunächst, daß die Juden ihr Vermögen nur durch Betrug und Steuer- und über dm Gastfreundschaft Hie sie genossen hat en. Fs stimme wohl, daß es vor dein Hot'd ständig zu Ansammlungen g/'k un en sei, aber dabei habe es sich ausseh ießlich um Personen gehandelt, die r ekommen wa en, um die Österreicher einz.uladen und ihn''n Geschenke zu bringen. Ein nur halbwegs seriöses Blatt, hätte zumindest einige Worte der Berichtigung, gebracht. Aber eigentlich darf man sich über den „Wiener Montag" nicht wundern. Denn noch eine Zeitung in Wien brachte einen ausgesprochen tendenziösen Kommentar und zwar keine andere als „Die Presse". Obwohl das israelische Generalkonsulat in Wien inzwischen die Falschmeldung berichtigt hatte und auch aile Agenturen aus Israel übereinstimmend meldeten, daß das erste Spiel der Kapfenberger störungsfrei und in einer einwandfreien sportlichen Atmosphäre verlaufen ist, konnte der „geistreiche" Verfasser des Kommentars seine Verwunderung darüber, daß die österreichischen Fußbäder nicht sofort Israel verlassen haben, nicht unterdrücken. Er sah darin nicht mehr und nicht weniger als einen „Mangel an österreichischen Stolz und Selbstbewußtsein". Wie billig verkauft doch HerrJeschko den Stolz Österreichs, da er sich wegen angeblicher Pfuirufe von einem halben Dutzend Lausbuben die Brust schlägt. Nun, der „Wiener Montag" lebt von solchen Nachrichten, aber „Die Presse"? Oder sollte dies eine Kündigung der jüdischen Inserenten und Abonennten sein? hinterziehung erworben haben. Dann 'hatte er die Frechheit, die jüdischen Opfer der Hitier-ßarbarei mit den sogenannten „Opfern" gleichzusetzeu, die die SS-Leute und Gestapobestien gehabt haben. Er sagte wörtlich: „Der Unterschied zwischen den Opfern des Nationalsozialismus auf der einen und den Opfern der blindwütigen Nachkriegsverfolgungen liegt nur darin, daß das den Juden, zugefügte Unrecht das Welt judentum auf den Plan gerufen hat, das in seiner Presse schreit, während eine weitaus größere Zahl geschädigter Bundesbürger deutscher Volkszugehörigkeit! keine Wortführer findet, die für ihre berechtigten Forderungen eint roten. Die einen sind nur Österreicher, die mit allem zufrieden sein müssen, die anderen haben die mächtige jüdische Weltmacht hinter sich, die sich erfrecht hat, gegen den österreichischen Staatsverttrag zu intrigieren. Wenn man das ollen ausspricht, wirft man einem wüsten Antisemitismus vor. Aber wenn es einen gibt, der vielleicht den Antisemitismus in die Welt bringen könnte, dann ist es der Herr Nahum Goldmann, der auf seinen europäischen Reisen mit Gattin und sonstigem Gefolge in den teuersten Hotels abzusteigen pflegt, dann ist es ein solcher Mensch wie Bruno Walter, der bei Außenminister Du lies gegen Österreich inspirierte. Der Bundeskanzler hat bei seiner letzten Amerikareise einen Beigeschmack bekommen, was diese unentwegten Hetzer und Erpresser imstande sind. Sie stellen Rückstellungslorderungen aul Wohnungen, die sie gar nicht brauchen, Sie wollen unsere schwer getroffenen Volksgenossen aus der Wohnung drängen und dann damit Schachergeschälte betreiben." Nationalrat Stüber warf den österreichischen Juden dann vor, daß sie „nicht unschuldig an der jüngsten Menschheitskatastrophe waren" und schloß seine Rede mit den Worten: „Sowohl der Bundeskanzler als auch der Finanzminister hat die Forderungen der internationalen Judenschaft wiederholt dem GrunrF' nach wie der Höhe nach als völlig ungerechtfertigt z.uriickgewiesen sie sind aber in diesem Kampf der gewaltigen jüdischen Weltmacht unterlegen. Die Jmlensrhaft hat der Bundesregierung rlas Messer an die Gurgel gesetzt und mit ihrer Erpressung obsiegt." Als der nazistische Zusammenbruch kam, verkroch sich Stüber in den hintersten Winkel Österreichs, um der verdienten Strafe zu entgehen. Herr Dr. Stüber möge zur Kenntnis nehmen, daß es den Antisemiten diesmal nicht möglich sein wird, die Jude* wehrlos dem Neonazismus in Hie Hände zu spielen Menschenbild ist kein Wasser, aber auch Judenbhd ist es eben»« wenig. Man gebe sich keiner Täuschung hi*, daß die anständige Welt über erz.reaktionäre und judr'nfeindliche Äußerungen, die in der österreichischen Öffentlichkeit fallen, achtlos vorbeigeht. Die gesittete Menschheit verfolgt aufmerksam das Treiben kriegshetzerischer und nazistischer Elemente in Österreich und wird notfallis dem Kannibalismus Einhalt gebieten. SINGER STOFFE m d[r RormuRMSTt n -■ REINWOLLENE DAMEN- UND HERRENSTOFFE - KAMMGARNE TWEEDE IN NEUESTEN MODEDESSINS - SEIDENNOUVEAUTES TEL. U 21-3-88 Deutsche Vergeßlichkeit Das Wiedererwachen des Antisemitismus in Deutschland erschreckt uns Juden von Tag zu Tag mehr. War es vor kurzem noch eine versteckte Anfeindung gegen unser Volk, so scheuen sich heute die wieder auf gestandenen Judenhasser nicht mehr, öffentlich und unverblümt ihre giftigen Äußerungen verlauten zu lassen. Und doch gibt es auch in Deutschland Leute, die sowohl vor einer neuen deutschen Armee warnen, als auch den Vergeßlichen zurufen, daß es vor nicht allzu langer Zeit sechs Millionen Juden gab, die in den deutschen Todeskammern umkamen, ermordet wurden im Namen des deutschen Volkes. In ihrer Nummer vom 23. Februar 1956 bringt „Die Europäische Zeitung", „das politische Blatt der jungen Generation", das in Bonn herausgegeben und redigiert wird, eine ganze Seite, die sich „Wieder die deutsche Vergeßlichkeit" betitelt. Die Untertitel besagen mehr, als alle Kommentare, denn in ihnen liegt bereits schon der Ruf zur Selbstbesinnung. „Sind wir nicht stumpf und unempfindlich geworden?" ,,.. . als sei gar nichts geschehen", „Warum die Augen verschließen?" „Und keiner war es gewesen .. T Ein kleiner Abschnitt möge zeigen, wie ernst es diesen jungen Deutschen mit ihrer Meinung an ihre Landsleute ist: „Die erwiesene Zahl von sechs Millionen durch sogenannte ,Sonderbehandlung' und .Umsiedlung' liquidierter Juden, zweier Drittel aller jüdischen Einwohner Europas, wird heute nicht nur öffentlich angezweifelt, sondern sogar schamlos und ungestraft bestritten und als „alliierte Lügenpropaganda" von der Hand gewiesen. Wo gelegentlich Ausschreitungen und Pogrome zugestanden werden, will keiner für sie verantwortlich gewesen sein." Leben und Geben Jedem unserer jüdischen Brüder und Schwestern wird der Sinn der aus den Worten „Leben und Geben" spricht, klar vor Augen führen, was damit gemeint ist. Das Komitee Chewrah Matan B'seszer, Jüdische Nothilfe, Wien I, Seitenstettengasse 4, Büro der Magbith macht es sich bekanntlich zu seiner dringlichsten und menschlichsten Aufgabe, die große Not, die leider noch heute in den weitesten Kreisen des Wiener Judentums zu finden ist, durch Beistellung entsprechender Geldbeträge wenigstens zum Teil zu lindern. Umso wohltuender und tröstlicher ist der Gedanke der Unterstützungsbedürftigen aus unserer Mitte, wenn Matan B'Seszar nicht nur im Alltag, sondern bei den hohen Festtagen durch Überweisung von Barspenden bemüht ist, diese Tage etwas freundlicher zu gestalten. Die jüdische Gemeinschaft in Wien beweist — und das soll hier an dieser Stelle besonders hervorgehoben werden — immer aufs neue, ihre Hilfsbereitschaft und ihr Zusammengehörigkeitsgefühl. Aber mit ebenso großer Offenheit soll auch heute wieder erwähnt werden, daß fast bei allen jüdischen Hilfsinstitutionen die gleichen, vom Menschlichkeitsgedanken beherrschten Gönner, Förderer und Mitarbeiter zu finden sind, deren Namen ein jeder kennt und die daher nicht genannt zu werden brauchen. Unser Hilfskomitee verteilt allmonatlich namhafte Geldbeträge und verschließt sich, soweit dies möglich ist, fast in keinem Falle den verschiedensten Hilfeansuchen. Selbstverständlich werden sich auch die gefülltesten Kassen leeren, wenn immer nur, zumeist an den Festtagen in den Bethäusern für wohltätige Zwecke, also auch für unser Komitee geschnoddert wird. Wir appellieren heute an alle wohlmeinenden jüdischen Brüder und Schwestern, uns in unserem aulrichtigen Bestreben, Not zu lindern, wo sie vorhanden ist, mit Geldspenden zu unterstützen. Verständnislosigkeit und I lärte darf in keinem jüdischen Herzen Platz finden, denn wir alle haben unserem Allmächtigen eine ewige Dankesschuld dafür abzutragen, daß wir dem grauenhaften Hitler-Inferno entronnen sind. überweisen Sie bitte Ihre Spenden, für die wir Ihnen heute schon herzlichst danken, mittels Postsparkassenerlagschein an Creditanstalt - Bankverein, Zweigstelle Kärntnerring, Wien, unter der Nr. 90.485 iür kg 3722 Konto Chewra Matan B'Sesz.er. Herbert Schelzer.

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