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Die Stimme · 1956-01-01 · Heft 96 (Januar 1956) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1956
Issue
Heft 96 (Januar 1956)
Date
1956-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 96 Dir- STIMME Seite 3 Aus dem Zionistischen Landesverband Generalversammlung Der Zionistische Landesverband in Österreich hielt am 16. Oktober 1953 »eine ordentliche Generalversammlung ab. Nach der Eröffnung durch den Präsidenten Dr. Wolf Herzberg, übernahm Herr Bernhard Braver den Vorsitz der Generalversammlung. Der Tätigkeitsbericht erstattet vom Sekr. Fritz Müller, umfaßte die Zeit vom Dezember 1953 bis zum heutigen Tage der Generalversammlung. Aus dem Referat, wollen wir herausgreifen, daß in der genannten Periode, 33 Vorstandssitzungen sfattgefunden haben, bei welchen die Tätigkeit des Landesverbandes zur Sprache gekommen sind. Der Bericht zählt dann die Veranstaltungen des ZL auf, seine Oneg-Sabbath-Feiern und die Zusammenkünfte der Mitglieder an verschiedenen Abenden. In dieser Periode begrüßte der LV prominente Mitglieder der Allgeme;nen Zionistischen Bewe gung: darunter den Gen.-Sekr. der Confederation der Alllg. Zionisten, Moshe Kalchheim, Paris, die Herren Dr. Jeschua Guvrin, S. J. Kreutner, Martin Adolph, New Yersey, Frau Lily Tobias und A. Meiseis aus London. Seit der letzten Generalversammlung, so führte der Bericht aus, erschienen 15 Nummern der Zeitschrift „Die Stimme". Als letzte Veranstal- Die konstituierende Sitzung des LV, gemäß den Statutten, fand am 29. 12. statt. Gleich zu Beginn der Sitzung, dankte der Ehrenpräsident, Dr. Wolf Herzberg, für die ihm zuteil gewordene Ehrung, sprach die Hoffnung aus, daß der LV auch unter den neuen Männern, die führende Rollen im Wiener Zionismus inne haben wird. Dr. Herzberg gedachte des To 'es Dr. Mayer Ebne’s und würdigte dessen unvergängliche Verdienste. Einstimmig und unter großem Beifall wurde Herr Woif Tischenkel zum residenten gewählt. t.ung im Berichtsjahre, fand zu Ehren ries Präsidenten Dr. Herzberg, aus Anlaß seines 70. Geburtstages, ein festliches Beisammensein statt.. Der gosch. Vizepräsident und Kassier, Herr Wolf Tischenkel, erstattete den Kassenbericht, der von der Generalversammlung mit Befriedigung zur Kenntnis genommen wurde. Die Generalversammlung schritt hierauf zur Wahl des Vorstandes. Gewählt wurden die Herren: Hofrat Max Birnsteiu, Josef Bittmann, Bernhard Braver, Samuel Brod, Hans Brügl, Dr. David Gelles, Dr. Max Gellis, Robert Glücksmann, SaloGultmann, Dr. Wolf Herzberg, Heinrich Keller, Gustav I.ebner, Isidor Merdinger, Fritz Müller, Esriel Seifert, Dr. Wilhelm Stecher, Heinrich Stein, Salomon Süß, Wolf Tischenkel, Alfred Weishut, Dr. Anton Winter. Der verdiente Präsident des Zionistischen Landesverbandes, Herr Dr. Wolf Herzberg, wurde zum Ehrenpräsidenten vorgeschlagen und einstimmig gewählt. An der Debatte, die sich dieser Generalversammlung anschloß, letei igte sich unsere Mitgliedschaft, die dem Verband neue Anregungen für die künftige Arbeit gaben. Herr Bernhard Braver zum Vizepräsident, Herr Samuel Brod zum Samuel Brod zum Kassier und Herr Fritz Müller zum Schriftführer. Das Finanzkomitee setzt sich zusammen: Herr Josef Rubin Bittmann, Esriel Seifert, Dr. Winter, das Redaktionskomitee aus den Herren: Bernhard Braver als Chefredakteur, Dr. Max GeEis und Fritz Müller. Organistaionskomitee: Bernhard Braver, Hans Brügl, Isidor Merdinger. Schieds- und Ehrengericht: Hofrat Max Birnstein, Dr. Max Gellis, Salo Guttmann, Dr. Wolf Herzberg und Dr. Anton Winter. Der neugewählte Präsident, Wolf Tischenkel, dankte für das in ihn gesetzte Vertrauen und versprach, die ganze Kraft seiner Persönlichkeitieinzusetzen, um den Zionistischen Landes- Ehrenpräsident Dr. Herzberg Zu Ehren seines Präsidenten, der am 20. September 1955, das 70. Lebensjahr vollendet hat, veranstaltete der Zionistische Landesverband in Österreich, einen großen Empfang, dem hervorraa^ende Persönlichkeiten des jüdischen und ge .e.l schafti henLebens beiwohnten. Herr Tischenkel eröffnete den Abend mit einer kurzen herzlichen Ansprache, worauf der Präsident der Kultusrerneinde, Herr Dr. Maurer, der Generalkonsul des Staates Israel, Herr Arie Eshel und eine Reihe von Freunden des Jubilars das Wort ergriffen und versicherten Dr. Herzberg der besonderen Wertschätzung. Im Namen des Zionistischen Landesverbandes, entbot dem Jubilar unser Chawer Bernhard Braver die herzlichsten Glückwünsche und dankte ihm dafür, daß er seit seiner Jugend dem Zionismus gedient und an der Entwicklung unserer Bewegung tatkräftig mitgewirkt hat. In der vorigen Nummer der ,,Stimme", würdigten wir eingehend die Verdienste Dr. Herzbergs. jgßietuv Üud;l;au$ Adolf Reiss Erben s Co. Tuchgroßhandel und eigene Schafwollwaren - Manipulation Wien iv Rudollsplafz 6 U 24 5 18, U 24 5 19 verband zu neuer Blüte zu verheilen. Besonderen Dank sprach er dem Ehrenpräsidenten für die dem Landesverband geleisteten Dienste aus. Aktionsprogramm Das Präsidium des Zionistischen Landesverbandes hat für die nächste Zeit folgendes Aktionsprogramm beschlossen : Allen unseren Mitgliedern, Sympathikern und Freunden, sieht das Vereinslokal täglich zwischen 17—20 Uhr zur Verfügung. Während dieser Zeit liegen Tageszeitungen, Zeitschriften und Broschüren in jiddischer, hebräischer, deutscher, französischer und englischer Sprache auf. Die Oneg-Sabbathfeiern werden zur ständigen Einri h un^, der erste Oneg- Sabbath fand am Freitag, dem 27. I. bereits satt und nahm einen sehr schönen Verlauf. Traditionsgemäß wurde ein kleiner Imbiß serviert. Turnusweise ergehen an unsere Mitglieder Einladungen. Das Arrangement der Oneg-Sabbathfeieren liegt in den Händen unseres Vorstandsmitgliedes Samuel Brod. Die Kultusmandatare, unsere Herren Josef Bittmann und Gustav Leitner, stehen ab 1. März 1956 allwöchentlich u. z. an Dienstagen von 19 bis 20 Uhr, unseren Mitgliedern in der Universitälsstraße 4/4 in Angelegenheiten, die mit der Kultusgemeinde Zusammenhängen, mit Rat zur Verfügung. Als nächste Veranstaltung ist die Vorführung des israelischen Films „Schwert in der Wüste" am 12. 2. vorgesehen. Einladungen werden rechtzeitig erfolgen. Nach der Rückkehr aus Genf, wo eine Europäische Konferenz stattfindet, werden unsere Delegierten Gelegenheit nehmen, ein Referat über die Ergebnisse zu erstatten. Hiezu werden wir Einladungen aussenden. Wolf Tischenkel - Präsident Konstituierung des Kulfusvorstandes Am 10. Jänner 1956 fand die konstituierende Plenarversammlung des am 27. November 1955 gewählten Vorstandes der Kultusgeme nde statt. Unmittelbar nach der Eröffnung verlangte der Sprecher der nationaljüdischen Wahlgeme:nschaft, Kultusvorsteher Gustav Lei tner das Wort zur Geschäftsordnung, um den Standpunkt se;ner Fraktion zu den vorzunehmen: en Waben betannt zu e en. Gegen jede par amentarische Sitte wurde ihm das Wort verweigert und als Folge davon gaben die Zionisten bei der Wahl des Präsidenten leere Stimmzettel ab. Wir heben dies deshalb besonders hervor, um zu verhindern, daß eine gewisse Presse uns mit dem Vorwurf kommt, wir hätten mit der einen oder anderen Minderheitsgruppe ein Bündnis geschlossen. Aus den Wahlen am 27. 11. 1955 gingen die Werktätigen als stärkste Gruppe hervor, wir als zweitstärkste. Es ist folgerichtig, daß den Kandidaten der stärksten Partei die Präsidentenste.le gebührt und die von uns leer abgegebenen Stimmzettel bloß als Protest dagegen aufzufassen ist, da man unsere Sprecher nicht zu Wort kommen ließ. Vor der Wahl der Vizepräsidenten verlas der Sprecher unserer Fiaktion folgende Erklärung: Angesi IVs der bevorstehende i Aussprachen mit der Regierung über die noch offenen Wie ‘ergutmachungsforderungen und über die Gefahr, des wachsenden Antisemittismus einerseits und der äußerst ernsten Lage des Staates Israel andererseits, ist die Einigkeit und die Aktionsfähigkeit des österreichischen Judentums und seine aktive Verbundenheit mit der Medinat Israel und dem jüdischen Volk in aller Welt ein zwingendes Gebot der Stunde. In dieser Erkenntnis und im Hinblick auf das uns von fast 1200 jüdischen Wählern übertragene Mandat, halten wir uns für berechtigt und verpflichtet in allen beratenden und beschließenden Kollegien un:erer Gemeinde konstruktiv und verantwortlich mitzuarbeiten. In Konsequenz dessen haben wir beschlossen, die seinerzeit eingebrachten Wahlproteste nicht weiter zu verfolgen und unsere Kräfte in den Dienst der jüdischen Gemeinde im Interesse aller Juden zu stellen. Von der grundlegenden Überzeugung ausgehend, daß keine positive jüdische und zur ehrlichen Mitarbeit bereite Fraktion des Kultusvorstandes von der Mitbestimmung und Geschäftsführung ausgeschlossen und in die Rolle einer Opposition gedrängt werden darf, fordert meine Fraktion das Plenum auf, ihr bei der nun folgenden Konstituierung und Wahl der Verlre ungsorgane lind Kommissionen eine ihrer Stärke entspiechende Vertretung zuzubilligen. Ich stelle daher den geschäftsordnungsmäßigen Antrag: das Plenum wolle über diese Erklärung die Debatte zwecks Stellungnahme der einzelnen Fraktionen eröffnen. Diese Erklärung und der darin enthaltene Vorschlag fanden keinen Widerhall und ohne in die Debatte einzugehen, wurde der Wahlakt fortgesetzt. Dieser neuerliche Affront veranlaßte die zionistischen Kultusvorsteher, auch bei den kommenden Abstimmungen leere Stimmzettel abzugeben. Als gewählt erscheinen: zu Vizepräsidenten und ins Vertreterkollegium nur Mitglieder der Werktätigen. Erstaunlich die Auffassung von Demokratie jener Gruppe, die während der Wahlkampagne sich so gebärdete, als ob sie allein Trägerin des demokratischen Gedankens wäre. In seiner Antrittsrede erklärte der wiedergewähite Präsident fast wörtlich: „Kultusvorsteher Leitner hat mir in seiner Deklaration vieles vorweggenommen." Wir empfanden über diese Einleitung Genugtuung und versichern Dr. Maurer, daß wir zu unserer Erklärung stehen, ater unsererseits erhoffen, daß die Fraktion des Präsidenten zu der ihrigen stehen wird. Leider wurden unsere Befürchtungen durch die Ausführungen des Kultusvorstehers Hein sofort bestätigt und wir könnten in präzisen Darlegungen seine Behauptung widerlegen, doch beschränken wir uns auf unsere Deklaration, die gewiß kein Lippenbekenntnis ist, sondern unsere ernsten Absichten kundtun. Wir wollen hoffen, daß die Herren Werktätigen doch mehr über unsere Erklärung nachdenken werden, als dies während des Verlesens möglich war, und daß sie, vor allem, ihre Handlungen von der Antrittsrede des Präsidenten werden bestimmen lassen.

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