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Die Stimme · 1956-01-01 · Heft 96 (Januar 1956) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1956
Issue
Heft 96 (Januar 1956)
Date
1956-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seiic DIE STIMMT Nr. 96 Ben (jwdbYt,: Hein feund <zuc TuzcUt I)r. Mnrdochaj Kraemer, Sektionschef im israelischen Innenministerium Abschied von Dr. Mayer Ebner ..Die Erhaltung (Ms Friedens ist selbst einem sMyrcicbon Krieg vor- /uzielmn . erklärte Ministerpräsident Ben Cnri'in, ais in einer außenpolitischen Debatte in der Knesset!; die mi i änschen Prob e uo a'a vsierte denen Israel überstellt. Ben Gurion erklärte, daß die Regierung aufs entschiedenste eil schlossen sei, keinen Krieg zu beginnen. Er trat somit aufs eiudeutigste der Theorie des . Präventivkrieges" entgegen, die seit einigen Monaten von gewissen Kreisen als ein möglicher A-usv/e.; aus der von Tan zu Tag ernster werdenden Lage angepriesen wird. Der Ministerprsäiden! wies daiauf hin, daß die ägyptische Regierung kem Geheimnis daraus mache, dM riesigen Waffen mengen, die sie übrigens nicht nur vom Ostblock, sondern in nicht unbM.rächtliehen Quantitäten auch von England erhalten hat, in einem Vernichtungskrieg -gegen Israel benützen zu wollen. ,,Wir stehen daher vor einer gefährlichen Explosion, deren Resultate für den Mittleren Osten, oder sogar für die ganze Welt, nich! abzusehen sind", warnte Ben Gurion. tn Worten, die an die historisch gewordene Rede Churchills vom Jahre 1940 erinnern, gab Ben Gurion seiner Überzeugung Ausdruck, daß das israelische Volk in seinem eigenen Lande mit derselben Courage, Entschlossenheit, Hartnäckigkeit und demselben Heroismus kämpfen würde, wie es das englische Volk in seiner schwersten Stunde getan hat, ,,Ich bin von der Überzeugung durchdrungen, daß sie uns nicht besiegen werden - was immer auchgeschehen möge." P a s c h i - Im Mittelpunkt der Rede Ben Gurions, dir im In- und Ausland mit größter Spannung erwartet wurde, da sie den Spekulationen über die Absichten der israei Heben Regierung ein Ende zu bereiten versprach, s'and die Feststellung, daß der Krieg im Mittleren Osten keineswegs unvermeidbar sei. Den entscheidenden Schritt zur Abwendung der KCiegsgefahr könnten jene Staaten unternehmen, die die Möglichkeit haben, Israel mit Waffen zu versehen, deren Qualität den Rüstungsmaterialien, die Ägypten zur Vertilgung gesteiitt worden sind, nicht nachsteht. ..Wenn die Grenzen für Saboteure und M.'-rder offen sind, können sie nicht iur die Verteidiger geschlossen lüoCen”, erklärte der Ministerpräsident, als er aut die militärischen Operationen in der Nitzana-Zone und am Tiberias-See zu sprechen kam. tn einem Appell an die Bevölkerung erklärte der Ministerpräsident, daß selbst in dieser ernsten Stunde kein Grund für Furcht und Panik vorläge. Er lehnte zwar die Errichtung eines Nolstandsregiiries ab, aber forderte den freiwilligen Einsatz des ganzen Volkes. Ein Sofortprogramm, das er bloß in groben Zügen umriß, sieht die Aufbringung von 50 Millionen Pfund für den Waffenfonds in den nächsten Wochen vor. Ferner soll ein Dienstjahr der zweieinhalbjährigen Militärdienstzeit hinzugefügt werden, das der Errichtung von neuen Siedlungen im Negev. der Beschleunigung der Errichtung von Verteidigungswerken und dar Hilfe in Neueinwanderer - Dörfern gewidmet w-erden wird. Der Mansch ist Produkt seiner /.ab, der Umgebung und der Geschehnisse, dies-' alier werden von einem bedeutenden Menschen beeinflußt und gew a n 0 e 11. Das bukow inner Judentum, seif dem lo. .ahi-hundert im Lande, durch 300 Jahre unter dem schweren Joch der Moldauischen Bojaren, konnte sich seit 1775 onOr ösierreichischer Verwaltung /,u Odern ye-.itnd '-eschichtelon Volk' frei entfallen und das rückständige Agrarland durch seine Landwirte. I fand . v rker, Kau Heule, Indusüd'llon und Inlniligenzier zu einer bläuenden Provinz, Einfallstor weslbcher Kultur, entwickeln. Am Ende des 10. Jahrhunderts erlangten die Mukowinaer Juden eine fast beherrschende Stellung. Erleichtert wurde dies dadurch, daß weder die im Lande wohnenden Rumänen und Rutheneu, noch Polen odei Deutsche eine Majorität bildeten, sowie daß die jüdische Intelligenz Mitträger der herrschenden deutschen Sprache war. Im Zeitalter des Liberalismus mit seiner fortschreitenden Technik, in einer Welt, die unter die Großmächte aufgeteilt war, in einer Weil der Saturierten war der Weg frei für freie Entwicklung und Assimilation. Aber nur eine dünne Oberschicht war assimiliert und die traditionstreuen jiddisch-sprechenöen Massen standen unter dem Einiluß eines müden Chassidismus, hat doch sein Begründer, der ßaal-Schem-Tow, in den waldigen Karpathenbergen ata der bukowinischga.izischen Grenze geträumt und gesungen und seine Nachfolger, die Ruziner Zadikim-Dynastie, haben an den glanzvollen Rabbiner-Hoefen von Sadagora, Bojan und Wiznitz die Juden den goldenen Optimismus gelehrt, aus dessen Mystik sie Kraft zum Leben gezogen. SSO Jahre nach seinem Tode* Keine Gelegenheit sollte man versäumen, sich des Rabbi Schlomo Jizchaki zu erinnern, und sein Andenken zu preisen. Er war der erste der Weisen des Westens, während Rambam, der nach ihm gekommen ist, der letzte der Weisen des Ostens war. Wäre nicht Raschi gewesen, hätten die Juden Europas die Lehre vergessen. Die Weisen Spaniens gehörten dem Osten an. Sie waren keine Talmudlehrer. Unter ihnen erreichte das Lied seine Blütezeit. Raschi nahm auf sich die einzige Aufgabe, das kulturelle Prachtgewand der Tora in der Auffasung des Talmud und des Midrasch den Juden Deutschlands und Frankreichs zu übermitteln, und selbstverständlich den Juden Pojens, Litauens, Rußlands und dem Rest der europäischen Judenheit. Der Talmud ist in der Hauptsache aramäisch geschrieben. Doch auch das Iwrith in den Halachoth ist auf eine Deutung angewiesen. Ohne Raschi wäre es bis auf den heutigen Tag nicht möglich gewesen. Talmud zu lernen. Wäre er nicht gewesen, wäre der Midrasch nicht im Volke verbreitet. Er war der Lehrer. Alle Midraschim, die im Munde des Volkes geläufig waren, ihre Quelle war in Raschi. Es gab keinen anderen Zugang für das Volk. Eine große Sünde beging die moderne hebräische Schule, daß sie die Pension Cosmopolite flttus ersten Hanges Zentral)* Mäliij'f* l*r«in«r Wia VIII, Alsirstrifii 23 Telephon A 2f> 0 60 Raschi-Erklärungen zur Tora nicht in den Unterrichtspian aufgenommen hat. Wenn es ein Problem ist, wie den Schülern einen Begriff vom Talmud zu geben, der ein weiträumiges Meer ist, so besteht jedenfalls kein solches Problem gegenüber Raschi's Toraerklärung, die nach Form und Inhalt einen abgeschlossenen Schatz der jüdischen und der Menschheitskuitur darstellt. Man müßte die Erklärungen in Quadratbuchstaben drucken. Es wäre in der Tat der Extrakt eines Agadabuches mit einem guten pädagogischen Anhang. Schön hat man die Anfangsbuchstaben des Namens Raschi gedeutet: Rahan sehet Jisrael. Lehrer Israels. Baruch Karu. Zum Thema ,,Raschi - der Lehrer Israels", sprach Herr Dr. David Gelles am 22. November 1955 im Rahmen einer Veranstaltung des Herzl-Klubs. Dieser Vortrag war lehrreich, interessant und trug zur Popularisierung des Genius bei. Das war die Landschaft, in der der 19 jährige Mayer Ebner die erste jüdische Studenten-Verbindung mit Nathan Birnbaums nationalem Programm gründete: ,,Rückkehr zum Judentum", noch bevor Theodor Herzi zur ,,Rückkehr ins Judenland" aufgerufen hatte. Unter der Devise ,,Für Judas Ehr' und Wehr1' focht auch Ebner für die jüdische Ehre mit dem Säbel in der Hand und vertiefte sich ins Studium der jüdischen Geschichte. Doch als Herzls bezaubernder Rul erscholl, war es Mayer Ebner, der als Delegierter am Ersten Zionistenkongreß 1897 in seinem Bericht über die Lage der Juden in der Bukowina die Haltlosigkeit der Galuth erkannte und die Lösung der Judenfrage in der Schaffung des Judenstaates sah. Von nun an sehen wir ihn ununterbrochen tätig bei Propagierung des zionistischen Gedankens in Wort und Schrift und gemäß dem Krakauer Programm für die Eroberung der Kultusgemeinden und die Erlangung einer national-kulturellen Autonomie kämpfend. Unter „ELSE" PARFÜMERIE WIEN I, STKINDELUASSK I (heim T.id,hmben-Kino) TELEFON U 213 6t DIE JÜDISCHE PARFÜMERIE SÄMTLICHE SPEZIALITÄTEN AUS U.S.A. FRANKREICH, SCHWEIZ, DEUTSCHLAND Wir schicken offiziell l’akcte mit Parftnnerien und Seifen nach Israel! Leon Kölner!9D' Vizepräsirlnul der zionistischen La n de s o r ga u i sa (ion wird er 1918 nach seiner Rückkehr aus der Verbannung tn Sibirien ihr Präsident und auch einer der zwei Präsidenten der, jüdisc hen Nal ionairales, Dieser Nationalral, dem alle Parteien, auch der anlizionislisctg' ,,Bund", angeheitert, hatte iri seinem Programm auch die Palästina-Forderung, entsandte zwei Verl rl «er zur Pariser Friedenskonferenz und unter Eb.ners Cührutr' brachte er den Mut auf, trotz drohender iSaj liebe der rumänischen Okkupanten, sich als neutral zu erklären und di'' geforderte Erklärung unseres Arischii.ise.-es an Rumänien abzulehnen. Als Herausgeber der ,,Ostjüdischen Z.eiluny", als Präsident der Kultus-Gemeinde, als Abgeordneter im rumänischen Parlament und Senal, als Präsiden) des jüdischen Parlaments-Clubs, war er Worlfühier der Juden aller vier Provinzen Großrumäniens, die sich unter seiner Führung zu einem einheitlichen Ganzen zu organisieren begannen. Deshalb richtete sich der Zorn der Herrschenden hauptsächlich gegen die Bukowinaer Juden und es begann eine Ära der Bedrückung, Verfolgung und Entrechtung. Furchtlos führte Ebner den Kampf für sein Volk und oft stand er allein im Parlament einer Flut wilden Haßes und Drohungen gegenüber. Die Bukowinaer Juden, seit jeher politisch reit und an Freiheit gewöhnt, haben immer mit ihren Stimmen auch einen Abgeordneten aus Altrumänien gewählt, damit alle vier Provinzen vertreten seien und zu diesem Zweck hat Ebner einmal sogar sein Mandat einem Vertreter Aitruinäniens abgetreten. Trotz all dieser aufreibenden Tätigkeit stand Ebner im Zentrum der zionistischen Bewegung, die immer größere Schichten erfaßte und zu großen Erfolgen der zionistischen Fonds führte. Immer mehr vertiefte sich in ihm die Erkenntnis, daß Rettung nur im Judenstaat zu finden sei. Als er vor Ausbruch des Nazikrieges wegen eines zionistischen Artikels von der rumänischen Presse und sogar vom deutschen Radio überfallen wurde, fanden wir Jüngeren es an der Zeit, daß er nach Palästina übersiedle, dem Lande seines Lebenslraumes. Arm wie jeder wahre zionistisch-politische Askete kam er auf einem Lastschiff in Erez an, doch sofort trat er wieder in Aktivität und in der Presse des Landes und des Auslandes nahm er bis zu seinem Lebensende Stellung zu allen wichtigen Fragen des Staates, der jüdischen Kultur und der Gesellschaft. Und so haben wir, ein Lebenlang seine Mitarbeiter und Weggenossen, ihn auf seinem letzten Wege begleitet und am offenen Grabe fühlten wir daß Vieles von unserer eigenen Jugend mit verschüttet ward. Nun ist verstummt dieser beredte Mund, entfallen der Hand ist die scharfe Feder, geschlossen haben sich die Augen, die so weit und so klar gesehen haben, versiegt ist der Quell einer abgeklärten Weisheit. Wir sind verwaist u ' Waisen geziemt es, Kaddisch zu sagen. Und die kommenden Geschlechter sollen seine Gestalt lebendig sehen in der zu schreibenden Geschichte des Bukowinaer Judentums, als Beispiel zur Nachahmung. Ais Trost aber bleibt uns, daß Mayer Ebner ein langes schöpferisches, glückliches Leben gelebt hat, denn er stand am Steuer der jüdischen Geschichte.

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