Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1956
- Issue
- Heft 96 (Januar 1956)
- Date
- 1956-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 2 Schilling V. b. b, timme 6t$CLH dec Ali ge meinen iicnisten in ÖüetteitU Zionistischer Landesverband Wien I Redaktion u. Administration: | I Wien IX, Universitfltsstr. 4/4 J f Telefon A 26 4 73 1 Postscheck-Konto Nr. 134.292 Jänner-Februar 1956 Nr. 96 Situationsbericht aus Israel fyeyen eine Weite von feinde** Von unserer Israel-Redaktion innerhalb einer Woche entdeckten Mi'iiärpa’rouillen zwei Gruppen ägyptischer Spione im Negev, und bei den Zusammenstößen mit diesen wurden vier Ägypter getötet. Einer von ihnen wurde gefangen genommen, und er bestätigte, daß er vom Stab der ägyptischen Armee in Gaza ausdrückliche Anweisung erhalten habe, im südlichen Teil Israe s Beobachtungen von militärischem Wert anzustellen. In der gleichen Zeit gingen die Zusammenstöße kleneren Umfanres mit den Ägyptern weiter, und offensichtlich sind tägliche Feuerüberfälle auf Siedlungen und Vorschicken von Spionen die Antwort der Machthaber von Kairo auf die Vorschläge des Generals Bums, der sich mit allen Mitteln bemüht, die Ruhe an den Grenzen herzustellen. Wille zum Frieden Daß die Ruhe gesichert werden kann, dafür bietet der Libanon ein gutes Beispiel. Im Libanon leben auch viele arabische Flüchtlinge, aber weil die Regierung von Beirut an Sicherung der Ruhe interessiert ist und nicht provozieren will, kommt es nicht zu Zwischenfällen. Ähn ich liegen die Dinge an der Grenze mit Transjordanien. Wenn es auch dort ab und zu Zusammenstöße gibt, und wenn letztens Beduinen zwei jüdische Autofahrer im Ne ev ermordeten, so wissen die israe ischen Stel en, daß in Amman heute der ernste Wille besteht, Grenzzwischenfä.le zu vermeiden — und die Regierung Israels verhält sich entsprechend. Als sich zeigte, daß die Ägypter Guerilla- Gruppen nach Transjordanien einoeschmuggelt hatten, um von dort aus, Israel zu beunruhigen und Trans ordanien in einen neuen Konflikt hinein zu ziehen, griffen die transjordanischen Behörden zu und nahmen umfangreiche Verhaftungen in Grenzdörfern vor. Seitdem herrscht Ruhe, und als es um den Beitrittt zum Bagdad-Pakt in Transjordanien zu Demonstrationen und Zusammenstößen kam, als man im jüdischen Jerusalem Schüsse aus der Altstadt hörte, beeilte sich der trans ordanische Vertreter in der WaffenstiiLstandskommission, seinem israe ischen Kolle en mitzuteilen: ,,Hier handelt es sich um innere Dinge, und das Schießen betreffe Euch nicht." Die Ruhestörer Ne'en Ägypten ist Syien ein Slaah der an Ruhe nicht interessiert ist, und das einzige Ziel verfolgt, Israel Schwierigkeiten zu machen, seine Rechte zu beeinträchtigen. Obwohl die Waffenstillstandskommission des öfteren festgestellt hat, daß der Kineret-(Tilerias)See gänzlich zu Israel gehört und daß Syrien auf diesen keiner’ei Ansprüche hat, versuchten die Syrer, Israel immer wieder Schwierigkeiten zu bereiten, und sie schossen immer auf israeische Fischer. Als Israel mit der scharfen Gegenaktion vor einigen Wochen antwortete, erschall in der Welt scharfe Kritik; auch in Israel selbst waren manche Kreise erstaunt und fanden keine ausreichende Begründung für das Vorgehen der Armee. Aber winige Tage später legte der Untersuchungsdienst des Heeres Dokumente vor, aus denen sieb ergab, daß die syrischen Stellungen am See ausdrückl'ch Aggresssions-Befehle bekommen hatten. S e hatten Weisungen, die absolut den Beschlüssen der Waffenstill s andskommission widersprachen. In israeische Gefangenschaft geriet ein Offizier, der am Tage vor der israe ischen Gegenaktion auf ein israelisches Polizeiboot hatte schießen lassen Dieser Offizier wurde durch einen Peo' a h er d^r Verein en Nationen verhört, und diesem gegenüber rühmte er sich dessen, daß er auf das israelische Boot tiabe schießen lassen, was er als selbstverständlich l;e: eichnete. Unter solchen Umständen leben Juden an Israels Grenzen, und Einsichti e können verstehen, daß den Betroffenen d e Geduld reißt und daß ein schales Zurückschla en ein dringendes Ge' ot ist. Vor dem Sicherheitsrat wurde die Fra^e der Berechtigung von Vergeitungsaktionen in vollem Umfange aulgerollt, und England, das in letzter Zeit eine ausgesprochen antiisrae ische Po itik betreibt, verlangte eine scharfe Rüwe gegen Israel — nur um in ,,Ara' erfreundschaft" dem russischen De e iertön noch den Rang abzulaufen. In den USA wurde ebenfalls gegen israe ische Vor eitungsaktionen gesprochen und geschrieben. Dai ei zeigte sich, daß amerikanische Politiker keineswegs von der Situation Israels eine Vorstellung haben. Die gleichen Müiner, die vor einigen Wochen sich ge^en Auftauchen israe ischer Patrouil en an den Grenzen aufgetre en waren, weil diese die Ägypter ,,reizen" können, erklärten jetzt, Israel sol e auf Vergeltungsaktionen verzich'en und sttatt de.ss n versuchen, durch Patrouillen das Eindringen von Spionen und Mördern zu verhindern. Eine Konsequenz, die bemerkenswert ist, und auf die wir nur mit dem Beispiel Libanon zu antworten haben. Will nämlich ein arabischer Staat Ruhe halten, dann ist es durchaus möglich zu einer Situation ohne Zusammenstöße und Zwischenfälle zu kommen —, aber der entsprechende Wille dazu ist unerläßliches Gebot. Kineret-Aktion In Israel selbst rief die Kineret- Aktion heftige Debatten hervor. Nachdem die bei den Syrern aufgefundenen S:h eßbefeh e bekannt gegeben wurden, zwe feite niemand mehr an der moralischen Berechtigung des Vorgehens der israelischen Armee. Kritisiert wurde, daß nicht das ganze Kabinett über die Aktion informiert worden war. So beschwerte sich der Sozialminister Schapiro (Misrachi), der Vorsitzende des Regierungs-Ausschusses für Sicherheitsfragen ist, er habe von der Kineret-Aktion nichts gewußt. Auch andere Minister, darunter der Entwicklungsminister Bentow (Mapam) traten mit solchen Klagen auf, und in der politischen Debatte in der Knesset sparte der Vorsitzende der Allgemeinen Zionisten Bernstein nicht mit Kritik. Es gab auch zvvei stürmische Regierungs- Sitzungen, uud in einer räumte Ben Gurion ein, daß die Kritik gegen die Kineret-Aktion in gewissem Umfange begründet war. Die Kritik steht im Zusammenhang mit den außenpolitischen Folgen. Immer wieder kommen Berichte, daß Amerika die Antwort auf das israelische Waffencesuch, unter Berufung auf den Kineret-Zwischenfaii verzögert. Die proa. abischen E emenle im amerikanischen Außenministerium, die Israe , angesichts großer Waffensendungen für Ägypten verschonen zu können, haben Auftrieb bekommen. Aimr diese Einsteillung ist fatsch, und sie richtet sich gegen ei-ene Interessen der Amerikaner. An der Spitze der Kritiker gegen die Kineret- Aktion hatte in Israel die Tageszeitung „Haarez" gestanden — und der gleiche Haarez machte die Amerikaner kürzlich darauf aufmerksam,d aß Verweigerung von Waffen für Israel wegen der Kineret-Aktion sich gegen amerikanische Be ange richte. Schließlich war der Vorstoß am Kinaret-See eine begrenzte Vergeitangsaktion, während durch die Waffenlieferungen an Ägypten das ganze Kräfteverhältnis im Orient umgeworfen wurde — und zwar zu ungunsten auch der Amerikaner. Wenn die USA heute, wie sie sagen, nach Frieden im Nahen Osten streben, so müßten sie Israel Waffen liefern, tun sie es nicht, so „fordern sie Ägypten geradezu zum Kriege heraus, und sie entziehen sich ihrer Verantwortung" endete Haarez seine Betrachtungen. Das Ringen um die Zuteilung von Waffen durch die USA, steht heute im Mittelpunkt der Politik Israels, wenn auch groteskerweise die beiden linkssoziolistischen Regierungsparteien „Achdut Awoda" und „Mapam” da abgrenzen und von Neutralität sprechen. Aber nachdem kürzlich der russische kommunistische Parteichef Chruschtsrhew Israel willkürlich a'takkiert hatte, ist es um Streben nach Neutralität bei der Linken etwas stiller geworden. Amerikanische Entscheidung und israelische Zuversicht Die amerikanische Entscheidung wird wohl erst nach den Beratungen mit Eden und seinem Außenminister Selwyn Lloyd Ende des Monats fallen, aber inzwischen haben wir noch harte Kämpfe zu erwarten, da Premierminister Eden, ein Gegner Israels und Gründer der arabischen Liga, versuchen wird, die USA für eine Politik zu gewinnen, mittels der man Israel Verzichte aufzwinren soll. Aber hier wird sich Eden täuschen: Auch wenn es heute in Israel Beunruhigung gibt, auch wenn weite Kreise mit der Innenpolitik der heutigen Regierung nicht zufrieden sind und an ihrer Stelle lieber ein Kabinett echter nationaler Konzentration sehen würden, so wird ganz Israel von rechts bis links territorialen Konzessionen — mit Ausnahme gegenseitiger kleiner Grenzkorrekturen •— ablehnen. Denn niemand will, daß Israel zerstückelt und lebensunfähig werde, während dies die Araber nur „moralisch1'' aber in keiner Weise materiell befriedigen könne. Wenn im übrigen England bisher für eine I audverbindung zwischen Ägypten und Transjordanien durch Zerstückelung des Negev eintrat —■ so müßten die letzten antibritischen Unruhen in Transjordanien London eigentlich zum Nachdenken bringen, ob diese Landverbindung so sehr erwünscht ist. Israel steht heute einer Welte von Feinden gegenüber, und die Freunde, die es hat — mit Ausnahme der Juden — sind sehr vorsichtig, aber ohne übertreiben zu wollen, lebt in der Bevölkerung doch viel vom Geist von 1948 — und diese Tatsache wird über manches, ja über vieles hinweghelfen.