Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1955
- Issue
- Heft 95 (August 1955)
- Date
- 1955-08-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIL STIMME Nr 95 Aus unsecec lszael~ Redaktion: Wie es zur Verschärfung in der Gaza-Zone kam sehen Belange in eine entscheidende Phase lenken wird Auch hier also ist größte Wachsamkeit und besonnenes Handeln geboten. Die Art und Weise, wie der Staat Israel seiner Probleme im latzcei Jahre Herr werden konnte, das Maß, in dem es ihm möglich war. zahlreiche Ubergangslager der neuen Olim zu liquidieren, sein erfolgreiches Bemühen, sein politisches Konzept den Weltmächten plausibel zu machen die Form, in der er erfolgreich am weiteren Ausbau seines wirtschaftlichen Potential arbeiten konnte —■ all das erweckt Vertrauen in die Zukunft. Mit unerschütterlicher Sicherheit gehen wir unseren Weg weiter Im Glauben an die Gerechtigkeit und Notwendigkeit unserer Sache, im Glauben an die Einheit des gesamten jüdischen Volkes und an seine unerschütterliche Treue zu jenem seiner Bestandteils der heute in Israel le^t baut und kämpft, treten wir in das Neue Jahr ein. 2i len Wall in lie Knessi Der Vorsitzende der Partei der Allgemeinen Zionisten, Bernstein, äußerte sich zum Ergebnis der Wahlen für die dritte Knesseth wie folgt: Wir sind uns darüber klar, daß die Kreise, die uns diesmal ihre Stimmen nicht gaben, in ihrem Urteil fehlgegangen sind. Und es ist sehr wahrscheinlich, daß diese Kreise die irrtümliche Wertung der Dinge bedauern werden Im Ansteigen der Stimmen der Cheruth erblicken wir bloß eine Konjunkturerscheinung. Richtig ist, daß wir von diesem Ergebnis überrascht und auch enttäuscht sind. Wir waren nicht allein sicher, daß wir unsere parlamentarische Position behaupten, sondern daß wir. darüber hinaus eine Verstärkung unserer Reihen verzeichnen werden Dieses Wahlresultat ist als Folgeerscheinung der hemmungslosen Hetze anzusehen, die gegen die Allgemeinen Zionisten von allen Seiten inszenier1, wurde. Das Resultat tut weiters dar, daß die Öffentlichkeit sich ein falsches BUd über die Arbeit machte, die wir in der Regierung leisteten und daß die Schwierigkeiten, auf die wir bei der Arbeit stießen, nicht entsprechend eingeschätzt wurden. Wir sind davon überzeugt — schloß Herr Bernstein seine Erklärung — daß wir mit konzentrierter Kraft unser Können in der Zukunft beweisen werden, ja müssen. Ml lim in II Hi In den Monaten August 1954 bis Juni 1955 kamen 27 574 Olim nach Israel, von denen 22 499 82" aus Nordafrika sind Von August 1953 bis Juni 1954 v/anderten 8271 Olim ein, von denen 3411 aus Norda'rika wa er Folgende Zahlen geben ein Bild üben die Absorption dieser Olim: Orte der Absorp'ion: Zahl der in Olim: Olimsiediungen 9 407 34,1 A rbei tsdörler 913 3,3 Kollektivsiedlungen 1 406 5,1 Arbeitslager 1 landwirtschaftliche A usbildung 4 690 17,- En t w ick 1 u n qsge b i o t - 5 312 19,3 Jugend-Alija hinsti tutionen 324 1,2 Bei Verwandt;n und privat eingeordnet. 2 582 9,A Lager Schaar llaalijah 2 583 9,4 Verschiedene Orte 349 1,2 27 574 100,- - Zur Beurteilung der Vorgänge an ccr Grenze von Gaza ist es wichtig, die Hintergründe zu kennen, die zur Verschärfung der Spannung führten. Nachdem sich Anfang Juni mehrere blutige Zwischenfälle ereignet hatten, kam der Chef des UN-Stabes Genera! Burns zur Überzeugung, daß die normale Waffenstillstandskommission nicht mehr ausreiche, um die Schwierigkeiten zu meistern Aus diesem Grunde schlug er ein Treffen auf hoher Ebene1 vor, möglichst unter Beteiligung von Ministern Sein Wunsch wurde sowohl von Amerika wie England unterstützt, die beide in Kairo im Sinne eines solchen Treffens intervenierten Die Ägypter lehnten jedoch diesen Vorschlag sofort ab, unter Hinweis darauf, daß sie nicht bereit seien, in irgendeiner Form mit Israel politische Verhandlungen zu führen. Die Regierung Israels hatte den Vorschlag auf Gespräche auf „hoher Ebene' akzeptiert, vertritt sie doch seit 1949 den Standpunkt, daß direkte Verhandlungen zwischen den Regierungen am ehestens die politischen Konflikte lösen können. Weder Amerika noch England waren daran interessiert, Ägypten als „Friedensbrecher" erscheinen zu lassen, und deswegen unternahmen sie weitere Interventionen in Kairo, die schließlich zu einem Kompromiß führten Zwar sollte es nicht zu Besprechungen auf hoher Ebene kommen, aber auch die ge wohnliche Waffenstillstandskommission solle nicht eingesetzt »werden. Vielmehr solle' sich eine Sonderkornmission unter dem Vorsitz des Generals Burns mit der Frage der „Milderung der Spannung an der Grenze von Gaza" befassen Colonel Gohar stört Ägypten ließ sich bei den Sitzungen dieser Kommission, die am 6 Juli begannen, durch Colonel Gohar, den Leiter der „Palästina-Abteilung" im ägyptischen Außenministerium vertreten Bereits von der ersten Sitzung an wurde klar, daß Gohar den Auftrag halte, es möglichst nicht zu positiven Resultaten in der Kommission kommen zu lassen. Bei der ersten Sitzung weigerte er sich, die Besprechung der israelischen Vorschläge zuzulassen und wollte nur seine erörtert wissen Außer den Vo - schlagen der beiden Parteien gab es auch die des Generals Burns, und nachdem Israel trotz mancher Bedenken sich diesen anschloß, konnte der ägyptische Vertreter nicht, mehr zurück und mußte der Beratung der Pläne des Generals Burns zustimmen. Während General Burns und auch die Delegierten Israels davon ausgingen, daß ein direkter Kontakt, zwischen den Grenzkommandeuren hergestellt werden solle, um Zwischenfälle zu vermeiden, wandte sich der Colonel gegen jeden direkten Kontakt. Dabei handelte es sich hier um keine ■''Teuerung, sondern an der israelischtransjordanischen Grenze besteht seit, langem telefonische Verbindung zwischen israelischen und transjordanischen Miü'ärslellen, und diese hat sich sehr günstig ausgewirkt. Israel empiahl außerdem, die besonders gefährdeten Stellen der Zone durch Zäune ahzusperren Auch dagegen sprach der ägyptische Vertreter. Statt dessen plädVrV er für di Einrichtung einer d ‘militarisierten Zone, eines Niemandslandes von einem Kilometer Breite Die letzten Einfälle ägyptischer Commandogruppen zeigten, wie sehr ein offenes Gebiet, ein Niemandsland feindliche Aktionen unterstützen kann und wie wenig es zur Herstellung des Friedens beiträgt. Außerdem hatte Israel an allen Grenzen, an denen solche demilitarisierten Bezirke geschaffen wurden, bittere Erfahrungen gemacht. Der unklare Status dieser Bezirke wurtte dann immer dazu benutzt, die israelische Souveränität anzuzweifeln. Israel wünscht klare Verhältnisse der Grenze, aber gerade dagegen wandte sich der Ägypter, der nur ein Ziel verfolgte: Nichts zu tun, was nach einer Anerkennung Israels und der Grenze aussehen könnte. Trotzdem machten die Verhandlungen dank der geschickten Leitung des Generals Burns gewisse Fortschritte. Als der Ägypter sah, daß er sich über kurz oder lang endgültig entscheiden müsse, griff er zu Verzögerungsmanövern. Er ließ durchblicken, daß er keine verbindliche Antwort vor Beginn einer Konferenz aller arabischen Delegierten in den Waffenstiilstandskommissionen geben könne. Er begab sich zwischendurch nach der Jerusalemer Altstadt, um dort mit den Jordaniern zu verhandeln, und bei dieser Gelegenheit gab er Erklärungen vor der Presse ab, die alle seine Absichten klariegten. Er betonte nochmals, er werde nichts tun, was irgendwie über die bisherige Waffenstiiistandsregelung hinausgehe. Israel dürfe und werde „keinen politischen Nutzen" aus den Besprechungen ziehen können. Am 8. August konnte sich Colonel Gohar einer klaren Stellungnahme nicht mehr entziehen, und er sagte zu allem Nein, was Israel und General Burns vorgeschlagen hatten. General Burns versuchte die Situation zu retten und veröffentlichte ein Communique, daß „beide Delegationen -sich mit ihren Regierungen beraten wollten, obwohl es auf der israelischen Seite nichts zu beraten gab, weil die Delegation Israels die Vorschläge des Generals Burns annahm. Inzwischen trat die Sittzung de; arabischen WaffenstilIslandsdelegierten in Damaskus zusammen, und bei dieser hielt der syrische Ministerpräsident eine aggressive Rede, in clor er statt zur 'Verständigung zu malmen, „Abwehr der zionistischen Gefahr" als erste Aufgabe bezeichncte. ln Kairo faßte die ägyptische Regierung inzwischen den Beschluß, im Moment keinerlei Vereinbarungen mit Israel zu treffen. Ägypten war durch das Abspringen des Sudan in eine schwere innere Krise geraten!m Revolutionsrat gab es schwere Differenzen, die in der Absetzung des Propagandaministers Saleh Salem ihren Ausdruck landen, ln diesem Moment konnte Ägypten nicht Konzessionen an Israel brauchen, eine neue Spannung mit Zusammenstößen war ihm viel lieber. Der UN-Delogierte G n :ral Burns wollte kurz nach dein 20 August nach Kairo kommen, um die ägyptische Regierung zum Einionkon zu bewegen. Alles wurde auf diesen Termin vorbereitet. An der Grenze wurden Gruppen der irregulären „Selbstmörder Bataillone" (Faddayan) eingesetzt, die mit Insl! uklioneii lür „künftige schwere Aufgaben" versehen wurden. Als bekannt wurde, daß der General Burns elvva am 23. oder 24. August nach Kaiio kommen sollte, wurden alle Vorbereitungen abgeschlossen — am 22. August begannen ägyptische Truppen mit Feuer auf eine israelische Patrouille. Diese wurde von ihnen beschossen, während sie im offenen Gelände war, und die Gefahr der Vernichtung bestand Daraufhin gab der kommandierende Offizier Befehl zur Gegenaktion, die mit der Liquidierung des ägyptischen Angriffspostens endete. Am nächsten Tag empfing der „Führer", Genera! Nasser, zornlebend General Burns in Kairo, und zwei Stunden später gab Ägypten offiziell den Abbruch der Verhandlungen über die Gaza Zone bekannt. Die Bemühungen der Westmächte und der UN waren umsonst gewesen. Die Beratungen, die am 6. Juli begonnen hatten, waren zu Ende, und die ägyptische Regie, die ihr Scheitern herbeigeführt hatte, sorgte statt für Frieden, für ein Blutbad- Eine der schwersten Krisen im Grenzbezirk hatte,, von den Ägyptern gewollt und wohl gepiant, ihren Anfang genommen. Arie Eshel - Generalkonsul Mit großer Befriedigung hat ,die Wiener Judenschaft die Entscheidung der israelischen Regierung zur Kenntnis genommen, das Konsulat in Wien in ein Generalkonsulat umzuwandeln. Mit besonderem Stolz aber erfüllt die Wiener Zionisten die Nachricht, daß unser allgeschätzter Legationsrat Arie Eshel in den Rang eines Generalkonsuls erhoben wurde. Wir sehen darin eine Würdigung seiner großen Verdienste, nicht nur für den jüdischen Staat, sondern auch für der Zionismus in Wien, dem er durch Rat und Tat beigestanden und ihm neue Impulse gegeben hat. Seine Verdienste um das Zustandekommen des Wiedergutmachungsabkommens zwischen der österreichischen Regierung und den jüdischen Weltorganisationen, wurden in der Weltpresse bereits zur Genüge gewürdigt und wir können uns nur dem allgemeinen Dank anschiießen, der ihm für seine Bemühungen gebührt. Unsere herzlichsten Glückwünsche begleiten Generalkonsul Arie Eshel auf seinem weiteren Wege. Theodor Herzl-Hof in Wien Von befreundeter Seite erfahren wir, daß der Präsident der Wiener Kultusgemeinde, Dr. Emil Maurer, an die Gemeinde der Stadt Wien mit der Anlegung herangetreten ist, einen neuzuerrichtenden Gemeindebau nach unserem Visionär Dr. Theodor Herzl zu benennen. Stadtrat Mandl gab diesbezüglich eine positive Zusage. Wir freuen uns über den Edelmut der Wiener Gemeindeverwaltung und sagen ihr im Namen aller Zionisten aufrichtigen Dank Hi-tt wird Mutt lach einer Sitzung in Zürich sprach de Vizepräsident des Bundesverbandes israelitischer Kultusgemeinmeinden, Herr Josef Rubin Bitlmaim mit dem Generaldirektor des JOINT, Bokelmann, und trug ihm die Bitte vor, in Wien eine Koscher Küche für UnhemiUelle einzurichten. Die Intervention des Herrn Bitlmann hatte Erfolg: Die Koscher Küche wird demnächst eröffnet worden.