Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1955
- Issue
- Heft 95 (August 1955)
- Date
- 1955-08-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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timme Ötfycm dec AMyetnunen Üanislen in ÖstecceicU Zionistischer Landesverband Wien Preis 2 Schilling V. b. b, w ™ | Redaktion u. Administration: 1 | Wien IX, UniversitHtsstr. 4 4 J f Telefon A 26 4 73 | I Postscheck-Konto Nr. 134.292 J | August-September 1955 J IBIIlllllllllliiMiiilllllllllliiMiilllllllllli’iiiilllllllllliiiiiMlIllllllimiiiillllllllllfBi Nr. 95 Generalkonsul Arie Eshel Zum Neuen Jahr Verschiedene Ereignisse, die sich kurz vor dem Ende dieses Jahres zupetragen haben, werfen ein schlagartiges Licht auf die Situation des Staates Israel und des jüdischen Volkes und zeigen uns, vor welche Fragen wir im nächsten Zeitabschnitt gestellt sein werden. Im Gaza-Abschnitt fanden blutige Kämpfe statt. Sie wurden durch von Ägypten organisierte Infiltranten ausgelöst und drohten zeitweilig, in einen offenen Krieg auszuarten. Nach schweren Niederlagen der Angreifer konnte die Ruhe im Grenzabschnitt wiederhergestellt werden. Aber die fehlende Stabilität der arabischen Regierungen und die ihnen typische Demagogie lassen es zweifelhaft erscheinen, ob die Ruhe von langer Dauer sein wird. Israel hofft es zwar, ist aber nicht gewillt, in seiner Wachsamkeit nachzulassen. Nach wie vor wird es einen großen Teil seiner Anstrengungen dem Ausbau seiner Verteidigungskräfte widmen müssen. Zu gleicher Zeit jedoch entbrannten in Nordafrika blutige Unruhen, die zehntausende Juden in Mitleidenschaft zogen Die Situation unserer Brüder, die zwischen Hammer und Amboß der arabischen Unabhängigkeitsbewegungen und der bestehenden Ordnung eingekeilt sind, ist unhaltbar geworden. Zehntausende müssen und wollen nach Israel auswandern. Ihnen das zu ermöglichen und sie nicht nur in unser Land zu bringen, sondern sie konstruktiv einzuordnen, für sie Kleidung, Brot und Arbeitsplätze zu schaffen, ist eine dringliche Aufgabe für das nächste Jahr. Sie verlangt gewaltige Mittel, die von der Bevölkerung des jungen Staates und den Juden in aller Welt aufgebracht werden müssen. In diesen Wochen wurde aber auch eine bedeutende Erklärung des amerikanischen Außenministers über den israelisch-arabischen Konflikt abgegeben. Sie hat Licht- und Schattenpunkte. Es scheint, als würde die amerikanische Regierung in einigen Fragen sich dem israelischen Standpunkt zumindest angenähert haben. Man redet kaum noch von der absurden Idee, die arabischen Flüchtlinge nach Israel zurückzubringe.n, sondern von ihrer Ausiedlung in den unterbevölkerten arabischen Ländern, was Israel immer gefordert hat. Man redet von der Notwendigkeit einer Befriedigung im Mittleren Osten und von der Möglichkeit, daß die Vereinigten Staaten Garanten der gegenseitigen Sicherheit dieses Gebietes sind. Aber es gibt auch weniger positive Teile in dieser bedeutenden amerikanischen Programmvorschau, Teile, die uns zu größter Wachsamkeit aufordern, wie etwa die Andeutung über eventuelle Grenzrevisionen, Jedenfalls auch unsere politi- Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung Von unserem Jerusalemer Korrespondenten. Die Bemühungen Ben Gurions, eine Koalition auf breiter Basis zu bilden, müssen als gescheitert bezeichnet werden, nachdem die Allgemeinen Zionisten eine Teilnahme endgültig abgelehnt haben. Auch die Hoffnungen des designierten Ministerpräsidenten, die neue Regierung noch vor den Feiertagen der Knesset vorzustellen, waren nicht von Erfolg begleitet. Außer den Allgemeinen Zionisten scheinen auch die Agudisten keine große Lust zu haben, ihre bisherige Oppositionsstellung aufzugeben. Ihre Bedingungen — Aufhebung der Militärpflicht für orthodoxe Frauen und Verbot des Verkaufs von Schweinefleisch — dürften für die Majorität unannehmbar sein. Ben Gurion verlegt sich nun darauf, eine Arbeiterregierung zu bilden und konzentriert sich auf die Verhandlungen mit den linkssozialistischen Parteien „Mapam" und ,,Ahduth Avoda". Mit diesen beiden Gruppen sowie der Teilnahme des ,,Hapoel Hamisrahi" und ,,Misrahirl und der Progressiven (insgesamt 80 Knessetabgeordnete) könnte sich die „Mapai" ohne weiters eine aktions- und regierungsfähige Mehrheit sichern. Allerdings ist es noch gar nicht sicher, ob die Basis für eine dauernde Zusammenarbeit zwischen den Rechtssozialisten (Mapai) und Linkssozialisten (Mapam und Ahduth Avoda) geschaffen werden kann und angesichts der Gegensätze, die in der Zweiten Knesset immer wieder deutlich zu Tage traten, scheint dies sogar sehr fraglich. überdies spricht man in letzter Zeit viel von Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Mapai, die in Differenzen zwischen dem bisherigen Ministerpräsidenten Moshe Sharett und dem zukünftigen David Ben Gurion ihren Niederschlag finden. Sharett hat zu verstehen gegeben, daß er nur unter ganz bestimmten Bedingungen, den Posten eines Außenministers in der Regierung Ben Gurion übernehmen wird und seine endgültige Entscheidung dürfte wohl davon abhängen, ob hinsichtlich der zukünftigen politischen Linie eine Einigung erzielt, werden kann. Levanon - Bürgermeister von Tel Aviv Der Vertreter dar Allgemeinen Zionisten und bisherige Bürgermeiste von Tel Aviv Chaim Levanon wurde mit 16 gegen 14 Stimmen bei einer Stimmenthaltung zum Bürgermeister von Tel Aviv wiedergewählt. Der endgültigen Wahl ging eijy erbitteres Duell zwischen Levanon und der Vertreterin der Mapai, Arbeitsminister Golda Meyerson, voraus und erst nach einer Reihe von Kampfabstimmungen ging Levanon als Sieger hervor. Den Ausschlag gaben die drei religiösen Gemeinderäte, die ihre Zustimmung zur Wahl einer Frau als Bürgermeister dezidiert verweigerten. Außer den Religiösen stimmten auch die fünf Vertreter des „Herut" für Levanon. Golda Meyerson erhielt außer den Stimmen ihrer eigenen Partei die der ,,Mapam", ,,Ahduth Avoda" und der Kommunisten. Sowohl in Jerusalem als auch in Haifa wurden dagegen Vertreter der Mapai zu Bürgermeistern gewählt, ln Haifa stand die Wiederwahl von Aba Chushi außer Zweifel, aber in Jerusalem mußte die Wahl, ebenso wie in Tel Aviv einige Male wiederholt werden, bis der Herausgeber und Chefredakteur der ,.Jerusalem Post", Gershon Agron, die erforderliche Mehrheit erhielt. Außer Mapai stimmten für ihn die Linkssozialisten und der religiöse Block, womit er 13 von den insgesamt 22 Stimmen erhielt. Chaim Levanon wurde im Jahre 1899 in Krakau geboren. Er besuchte zuerst den Cheder und die Jeschiwa, studiertte später Landwirtschaft an der Universität von Krakau und betätigte sich von früher Jugend an aktiv an allgemein zionistischer Arbeit. 1927 wanderte er nach Palästina aus und wurde Gymnasiallehrer in Petach Tikwa. Auch hier stellte er sich voll in den Dienst der Partei, gründete die allgemeinzionistische Jugendbewegung, den Arbeiterverband und die Krankenkasse der Partei. Viele Jahre war Levanon Generalsekretär der Partei und gab diesen Posten vor vier Jahren auf, als er zum Gemeinderat und Vizebürgermeister von Tel Aviv gewählt wurde. Als I. Rokach vor zweienthalb Jahren von seinem Posten als Bürgermeister zurücktrat, übernahm Levanon seine Nachfolge. Neujahrsbotschaft des Präsidenten Zum Neuen Jahr wollen wir Rückblick auf die Vergangenheit und Vorschau für die Zukunft halten. Das verflossene Jahr brachte weder Heilung unserer Wunden, noch den erhofften Frieden. Unsere nächsten Nachbarn haben sich, unbelehrbar und einsichtslos, noch nicht mit der Existenz des Staates Israel abgefunden und unsere fernen Freunde haben sich bisher zu keiner starken Aktio, die einen Unterschied zwischen dem Verfolger und dem Verfolgten, dem Angreifer und dem Angegriffenen machen würde, aufgerafft. Demgegenüber können wir mit Befriedigung die Resultate unserer Bemühungen und den Fortschritt unseres Staates vermerken. Wir haben zwei wichtige Aufgaben erfüllt: Erstens, die Eroberung der Wüste sowie die Erlösung des Negev und zweitens, die Urbarmachung der felsigen Gebirge sowie die Trockenlegung der Sümpfe im Norden. Erst vor wenigen Wochen waren wir Zeugen der Fertigstellung des großen Werkes, das Wasser vom Jarkon in den Negev bringt und vor unseren Augen erfüllten sich die Worte des Propheten: „ICH werde Flüsse den Bergen und Quellen den Tälern entspringen lassen." Unsere Produktion ist gestiegen unser Wohnbauprogramm geht seiner Erfüllung entgegen, unsere Verkehrsstraßen und Verkehrsmittel entwikkeln sich, unser Schiffs- und Luftverkehr wächst. 40.000 Brüder haben im abgelaufenen Jahr den Weg in die Heimat gefunden, um mit uns in brüderlicher Eintracht zusammenzuleben und mitzuarbeiten an der Aufgabe, alle Stämme Israels zu einer einigen Nation zusammenzuschließen. Doch alle unsere Bemühungen stellen nur einen Beginn dar; unser Boden birgt noch viele Schätze die wir erschließen werden. Unsere Brüder in der Diaspora brauchen eine neue Heimat und in der Zukunft unseres Vaterlandes liegt ihre Hoffnung. Unser Volk in der Diaspora muß wissen, daß in der Errichtung des Staates Israel ihre Wiedergeburt liegt und in Israels Erfolg ihr Erfolg. Ihre Anteilnahme an der Konsolidierung und dem Fortschritt des Landes ist unmöglich ohne aktive Anteilnahme der Jugend an der Alija und am konstruktiven Werke. Ich erflehe den Segen des Himmels, auf daß wir die Kraft aufbringen, unser Werk zu vollenden und jeden Angriff abzuwehren. Innig hoffen wir auf den Weltfrieden, weil damit auch der Friede bei uns einkehren wird. Mit dem Segensspruch: „Und mögest DU das Schutzdach DEINES Friedens über uns und über alle Bewohner der Erde, über DEIN Volk Israel und über Jerusalem spannen", will ich schließen. Möge das kommende Jahr, das achte unter dem Banner des souveränen Staates Israe:. ein gutes und glückliches Jahr sein