Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1955
- Issue
- Heft 92 (Februar 1955)
- Date
- 1955-02-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 92 DIE STIMME Seite 5 Das Verbrechen von Kairo Die brutale Hinrichlunö zweier junger J uden, des Arztes Dr. Moshe Marzouk und des Lehrers Samuel Azzar, die ein ägyptisches Militärgericht wegen angeblicher Spionage zugunsten des Staates Israel zürn Tode verurteilte, hat auch unter den Zionisten Österreichs schmerzliche Anteilnahme und Entsetzen hervorgerufen Es erfüllt sie mit tiefer Sorge, daß sich die ägyptischen Behörden über die Appelle aller jener, die um Menschlichkeit und Völkerfrieden bangen, hinweggesetzt und durch ihre drakonische Maßnahme den Bestrebungen auf Herbeiführung eines Friedens zwischen Israel und der arabischen Welt einen schweren Schlag versetzt haben Zionistischer Landesverband in Österreich. Alle Interventionen beim Diktator Nasser waren umsonst! Der Diktator Ägyptens zeigte seine Stärke gegenüber den jüdischen Gefangenen. Der französische Außenminister, Edgar Faure, hat mehrmals verlangt, daß mit Milde vorgegangen werde; auch die amerikanischen und britischen Diplomaten sprachen bei Nasser vor. Mehrere britische Unterhausabgeordnete erklären, daß Nasser ihnen versprochen habe, daß keine Todesurteile gefällt würden Dieses Versprechen hat er rücksichtlos gebrochen Premier Sharett hat in einer Sondersitzung der Knesseth den Nachruf auf die beiden Toten, Dr. Marsuk und Schmuei Azar gehalten Die Abgeordneten sind in schwarz erschienen, Präsident Beil Zwi und Chiefrabbi Dr. Herzog waren ebenfalls anwesend. ,,Die in Ägypten herrschende Gruppe hat beschlossen, ihre Stellung durch Vergießen jüdischen Blutes zu stärken. Ägypten rächte sich an Juden, die in ihrem Herzen Israel treu waren Ägypten wird sich von dem Blute, das es böswillig vergießt, nicht reinwaschen können " Das Urteil geht auf politische Überlegungen und auf Betrug zurück und bildet einen Teil der ägyptischen Propaganda. ln diplomatischen Kreisen glaubt man, daß die Extremisten in der Junta Nasser überstimmt haben, insbesondere war daran der Propaganda minister Salem beteiligt Er erklärte, daß die Stimme des Volkes jüdische Opfer verlange, nachdem auch die Führer der Moslembrüderschaft hingerichtet worden seien. Daraus ergibt sich klar, daß es sich nicht um ein Urteil handelt, das juristisch gerechtfertigt war. Es sollte vielmehr die ägyptische Bevölkerung gegen die Juden aufputschen, nach dem berühmten Schema, daß die Aufmerksamkeit dann auf die Juden gelenkt wird, v/enn es im Lande wirtschaftlich schlecht geht Ägypten will den Anschein erwecken, daß der Prozeß fair geführt wurde. In den Verhandlungen wurde aber bereits erwiesen, daß die Verhafteten gefoltert wurden; der französische Konsul, der Gelegenheit hatte, mit Dr. Marsuk zu sprechen, bestätigt dies, war doch der Körper Marsuks von Wunden der polizeilichen Schläge bedeckt. Das Urteil wird schwere Folgen haben. Die israelisch-ägyptische Waffenstillstandskommission hat ihre Sitzungen vertagt, weil sich die israelischen Vertreter weigern, mit Ägypten am gleichen Tisch zu sitzen. Premier Sharett suchte bisher mäßigend zu wirken. Er hoffte, daß es mit der Hilfe der Mächte immer noch möglich sein werde, mit Ägypten ins Gespräch zu kommen Die Illusionen wurden nunmehr aufgegeben. Israel wird einstweilen keine Anstrengungen unternehmen, weitere Gespräche mit den arabischen Staaten zu führen. Bereits wird gemeldet, daß die ägyptische Bevölkerung im Urteil eine Ermutigung sieht, gegen die dort wohnenden Juden vorzugehen Es wird sich angesichts dieser neuen Spannungen die Frage der raschen Auswanderung der Juden aus Ägypten stellen, weil die Lage der Juden in Ägypten, an die Hitlerverhältnisse gemahnen. KREDITE erteilt Jüdische Sparu. Krediten, m'. b. H., Wien b, Domiiiikancrbnstei 24, Tel.: R 27 b 55, Kl. 2(J1 an jiid. selbständige kautleule, Gewerbetreibende und an lreic berufe. WOLLE UND GARNE größte Auswahl ADOLF BOMZE V, Reinprechtsdorferstraße 48 XX, Wallensfeinsfraße 17 Telephon A 32 0 08 XVI, Neulerchenfelderstraße 20 II, Rotensterngasse 5 In Memoriam Josef Heftmann Das geistige Leben Israels, der Zionismus, besonders der Allgemeine Zionismus, sind um eine prominente Persönlichkeit ärmer geworden. Am 15 Februar 19:55 verschied in Tel Aviv der Chefredakteur des , Hahngor' Jossel Heftmann im 68 Lebensjahr. Der Verblichene hat eine hervorragende Tätigkeit auf dem Gebiete der Journalistik auf dem des zionistischen des sozialen Lehens entfaltet, verfügte über profundes weltliches wie biblisches Wissen und als einer der bedeutensten Publizisten, erwarb ersieh dadurch Verdienste, daß er die Tradition des großen Schriftstellers David Frischmann und des unvergeßlichen Historikers Nahum Sokolow fortsetzte. Ein Mann von bewundernswerter jüdischer Lehensphilosophie, vermochte er die Probleme erzieherisch zu explanieren und das Interesse des Volkes zu wecken Darüber hinaus betätigte sich Heitmann sprachschöpferisch, und auf Grund seines großen jüdischen Wissens, trug er viel zur Belebung der nationalen Idiomatologie bei. Heftmann war der Präsident des Journalistenverbandes in Israel, was besonders bemerkenswert ist, weil es seiner Autorität zu danken war, daß der Berufsstand sich ausgezeichnet zu behaupten und Ansehen zu erlangen vermochte. Das von ihm geleitete hebräische Tagblatt Haboker, trug den geistigen Stempel Heftmanns und war von seiner belehrenden Kraft getragen Heitmann schöpfte das Wissen aus den Werken ‘unserer Weisen, die er, der Sohn eines Rabbiners (Raw) gründlich studierte und als Geschichtskundiger Autorität erlangte. Im Jahre 1910 trat er in den Redaktionsstab der hebräischen Zeitung ..Hazephirah" ein, die von Frischmann und Sokolow geleitet war. Hier konnte er seine Kenntnisse erweitern und sein Wissen vertiefen. Im Jahre 1912 gesellte er sich den Redakteuren der in Warschau erschienenen berühmten Zeitung ,.Moment" und veröffentlichte Artikel verschiedenen Inhalts, die Heftmann in der jüdischen Welt äußerst populär machten. Im Jahre 1914 übernahm Heitmann die Redaktion der ,,Hazephirah" und schrieb außerdem wichtige Beiträge für das Organ der zionistischen Organisation ,,Das jüdische Volk". Nach Gründung der polnischen Republik rief Hef Thann 1919 in Warschau die Wochenzeitschrift ,,Elechaluz," ins Leben und gab sie in jiddischer und hebräischer Sprache heraus Er war Mitbegründer von vielen chaluzischen Haehscharahlagern in Polen und sorgte dafür, daß die Welt mit den Zielen und Idealen der Hechaluzbewegung vertraut wurde Als Heftmann in Israel ständigen Wohnsitz nahm, war er dort kein neuer Oleh, sondern vielmehr einer derjenigen, die mit unserem Lande national, moralisch und inte.lektuell längst verbunden waren In dem Nachruf, den die israelische Zeitung , Emeth ' schrieb, hieß es: ,Weltmanns Interpretierung der Gedankengänge des Allgemeinen Zionismus stammen aus den Urquellen der Bewegung, die ihm Nahum Sokolow noch in den Warschauer Tagen vermittelte. in seinen Zügen lag Güte und weise .Abgeklärtheit." Der Tod des populären, verdienten idealen Mannes, ist ein schwerer Verlust, den der Jischuw in Israel erlitten hat; war doch Heitmann in allem Wissenswertem versieit und konnte uns in reichem Maße sein Wissen vermitteln Ein unermüdlicher Emulier hat sich Heitmann voll und ganz, in den Dienst des Judentums gestellt Die schöpfe rische Kialt seines starken Intellekts wird weiter fortgesetzt werden Bernhard Braver Alfred Klee Inner von den nie vergessenen .Vätern des deutschen Zionismus' Dr Alfred Klee, wäre am 25 Januar 80 .lahm alt geworden Das Berlin, in dem er im Jahre 1875 als Sohn bewußt jüdisch lebender Ellern geboren wurde und aufwuch, ist in den Wirren dieser Zeit versunken; das Judentum eigener Prägung, das von frühester Jugend an die feste Grundlage all dessen wurde, was Alfred Klee an . Elementen des überlieferten Vaterwissens und des ziönistischenWollens" in seinem Wesen vereinte — es gehört heute der Vergangenheit an wie die frühere ..Zionistische Vereinigung für L>eutschland", die Z V. F. D., die ihm um die Jahrhundertwende die meisten ihrer Ortsgruppen verdankte Als junger Anwalt trat er für die Bewegung Herzl's schon auf die Tribüne, als es — mit Max Nordau als feurigem Redner — in einer berühmt gewordenen zionistischen Kundgebung (1898) gegenüber der Berliner Börse zum Protest gegen die Protestrabbiner karn; seit damals begann er, seine beispiellose Beredsamkeit'in den Dienst der zionistischen Propaganda zu stellen Lange Jahre gehörte er mit seinen zwei engsten, ihm befreundeten Mitkämpfern Heinrich Loewe und Samy Gronemann zu den am meisten gefürchteten Kritikern der jüdischen Assimilition in Deutschland. Und was den Polemiken dieses Dreigestirns ihre besondere Unwiderstehlichkeit gab, war — wie gesagt — die jüdische Fundierung der Ideen, für die Alfred Klee und seine Freunde eintraten. Bereits auf dem Dritten Zionistenkongreß, 1899, wurde der junge Dr. Klee als Vertrauensmann der deutschen Zionisten ins Aktions-Comite gewählt Viele Jahre später, am Schluß des ersten Weltkrieges, hatte er den Rahmen seiner öffentlichjüdischen Tätigkeit erweitert, ohne sich z. B. davon beirren zu lassen, daß der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde ihn im Jahre 1907 seiner zionistischen Gesinnung wegen gemaßregelt hatte. Er wirkte an führender Stelle in den internationalen jüdischen Hilfsorganisationen der beginnenden Zwanziger Jahre, im Kampf um jüdische Minderheitsiechte als Mitglied der damaligen Jüdischen Welthillskonferenz — und nahm sich dennoch Zeit, nach der Balfour-Deklartion in Hunderten von Versammlungen den deutschen Juden diese Kunde mit jenem Vortrag zu bringen, dessen einleitende Worte, , luden, Ihr habt ein Land! Wißt Ihr, was das heißt?" sprichwörtlich geworden sind. Eine tragische Fügung wollte es, daß er in dar Hitlerzeit den Weg in das immer von ihm ersehnte Erez Jisrae! nicht mehr bis zum Ende zurücklegen konnte. In Holland, wo er bei seinem Schwiegersohn Hans Goslar Zwischenstation machte, erreichten ihn die Schergen der Gestapo. Noch vor seiner Deportation nach Bergen- 1:e:sen starb er in einem holländischen Konzentrationslager, das die Deutschen errichtet hatten Dr. Fritz l llmann, Jerusalem KLEIDER - WÄSCHE - SCHUHE auf Teilzahlung 5. Bcod WIEN VI, DAMBOCKGASSE 4