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Die Stimme · 1955-02-01 · Heft 92 (Februar 1955) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1955
Issue
Heft 92 (Februar 1955)
Date
1955-02-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr Q2 5715 — 8. Märns 1055 PURIM JAKOB TANNENBAUM: Der Universalismus (Die Bibel 7. Fortsetzung) Mit dem Gott'sbegnft der Genesis, als Schöpfer des Universums, erreicht ' die religiös - mmalische Entwicklung des jüdischen Geistes ihre1 höchste Stufe An Stelle eines religiös-nationalen Partikularismus tritt der Universalismus. Sein kultureller Wert für die Geschichte der Menschheit ist unschätzbar, denn er bildet die theoretische Grundlage der humanen biblischen Moral, der Einheit des Menschengeschlechtes, der Brüderlichkeit und der Nächstenliebe Mit der Lehre von der Abstammung aller Menschen von einem Ehepaar wird jede Vorstellung einer organisch-bioügischen Ungleichheit der Menschen, jede Rassentheorie, wie sie schon Aristoteles lehrte, negiert Der Sagerite teilt die Menschheit ein in natürliche Meister und natürliche Sklaven, in Völker, die vom Schicksal dazu bestimmt worden sind, zivilisiert zu sein und deren Mission es ist, zu herrschen und solche, die vorausbestimmt sind roh, ungesittet zu bleiben und ewig beherrscht zu werden Alle Rassentheorien der modernen Antisemiten fußen auf dieser aristotelischen These, die den Unterschied der Rassen in ihrem Charakter und in der Kulturstufe, sowie den Kampf unter denselben nicht historisch-geographisch, oder soziologisch, sondern naturwissenschaftlich, biologisch begründet und deren Ursachen als zur Ordnung der Natur gehörend betrachtet Die Bibel dagegen verdammt auf Grund ihrer universalistischen Anschauung jeden Mord und jede Unterdrückung (Ds Wbenmenschon und stellt das Ideal eines ewigen Friedens unter den Völkern auf Im Sinne dieses Universalismus ist das Buch ,,Ruth ", , lon.i ' und , ljob geschrieben, dessen Haupthelden der Verfasser zum Nichtjuden machte, sowie die humanen Gesetze' der Thora Dagegen wird das Buch ..Esther als eine ,,Schmähschrift", von eng partikularistischen Geist bezeichnet Gerade die größten Chauvinisten und Mordhetzer der Geschichte, die geistigen antisemitischen Vorläufer der nazistischen Bluthunde, erfre jhten sich die Juden als ein haßerfülltes, rachsüchtiges Volk, als Feinde der Menschheit zu bezeichnen, indem sie auf das Buch Esther hinweisen Die in Notwehr den persischen Pogromisten beigebrachten blutige Niederlage seitens der Juden wird von der blutrünstigen Naziliteratur als schändlicher Mord bezeichnet, als Argument für die von ihnen angestrehte Vernichtung des jüdischen Volkes, und auch, die Nazibande selbst führte bekanntlich in ihrer Ffetzpropacanda stets unte anderen, auch das Buch Es»her an. um ihren ruchlosen Raub- und Mordplan gegen die Juden zu bemänteln und demselben einen ,.moralischen Anstrich" zu verleihen Der Edelmut der Juden, den sie bei dieser Abwehr der feindlichen Angreifer zeigten, indem sie keinen Gebrauch von dem Zugeständnis des Königs machten, auch das Vermögen der Judenfeinde einzuziehen, wird von den ..Hamanisten" des 20 Jahrhunderts natürlich verschwiegen Gerade mit diesem edlen Zug brachten rlie Juden klar zum Aus druck, daß es ihnen nicht um die Ausübung eines, Racheaktes zu tun war, sondern nur um die Erhaltung ihres Lehens Schon llaman selbst bediente sich dieser Methode Dieser ,, Amalekitei (laut der apokriphischen Esther ein ubergelaufener Grieche) der, gemäß der letztem Quelle, bei der Verschwörung gegen den König seine Hand im Spiele hatte, und nur aus Furcht, daß dies einst ans Tageslicht kommen könnte, ('inen Mordanschlag gegen Mordechaj und das ganze jüdische Volk unternahm, gebraucht alle möglichen Lügen und schlaue Tricks, um dem charakterschwachen König Xerxes ein Todesurteil zu entlocken Er benützt die Zeit der Betrunkenheit des Königs für seine Einflüsterungen, nennt überhaupt nicht den Namen des Volkes, das vernichtet werden soll und verspricht dem König "000 Zenter Silber für durch den Krieg mit Griechenland leer gewordene Staatskassa Um aber seiner Sache sicher zu sein da er doch den Wankelmut des Königs kannte und eine Vereitlung seines Vorhabens durch die Juden befürchten mußte, zog er die beutegierigen Massen dazu heran Zur Motivierung seines Begehrens gebrauchte llaman zum eisten Male in der Geschichte der Galuth das Argument des sogenannten jüdischen Partikularismus. Obgleich die Juden Persiens keine besonders großen jüdische i Patrioten gewesen zu sein scheinen, denn als Cyrus, nach Besiegung Babyloniens, den durch dieses Land aus Palästina vertriebenen Juden die Erlaubnis zur Rückkehr in ihre Heimat erteilte, machte nur ein kleiner Teil von dieser ,,Cy rusdeklaration" Gebrauch Die Mehrheit der Vertriebenen brachte nicht die pysische und seelische Kraft auf, das gänzlich zerstörte Land der Väter wieder aufzuhauen Die in Babylonien zurückgebliebenen unterstützten wohl ihre nach Palä- 1 ina zurü k ekehrten Brüder hei ih ein Wiederaufbau des Landes mit allen Mitteln, sahen aber in Persien das ihnen alle bürgerlichen Rechte gewährte, eine neue, freie Heimat, als dessen loyale Bürger sie sich betrachteten Sie paßten sich dem persischen Volke an (die Namen Mordechaj und Esther sind babylonischen Ursprungs!) und nur in den religiösen Vorschriften und Gebräuchen unterschieden sie sich von dem letzteren Mordechaj stellte auch seine Loyalität zum Staate und dem regierenden Herrscher unter Beweis, indem er das Lehen des Königs Achaschwerosch, das einer gegen ihn gerichtete Verschwörung zum Opfer fallen sollte, errettete All dies hinderte aber Haman nicht, die Juden als eine eigenartige, in sich abgeschlossene Nation, die ..die Gesetze des Königs nicht erfüllt" zu denunzieren und ihren Tod zu fordern. So war es immer in der Geschichte des Exils Keine Loyalitätsbeteuerungen und keine Assimilationsbestrebungen halfen gegen den Vernichtungswilien haßerfüllter Individuen, die die Regierungsmacht in ihre Hand bekamen Eine ehrliche Regierung wird die treue Anhänglichkeit an das eigene Volkstum und die Religion der Väter nur zu schätzen wissen. Trotz schwerster Verfolgungen hielt das jüdische Volk unerschütterlich an dem Glauben fest, daß einst alle Völker den einen Gott, Schöpfer aller Menschen, anerkennen, sich als Brüder betrachten und einen ewigen Frieden schließen werden: an den Universalismus . . . Purim in Nach einer 17 jährigen, zuerst durch arabische Unruhen und dann durch den Weltkrieg bedingten Unterbrechung wird Tel Aviv, die größte Stadt Israels, im kommenden Frühjahr zum ersten Male wieder einen Purim-Karneval veranstalten und damit an eine Tradition anknüpfen, die mit der Geschichte dieser ersten reinjüdischen Stadt aufs engste verknüpft ist Schon vor 25 Jahren, als die Stadt nur 30.000 Einwohner, kaum 10. ihrer jetzigen Bevölkerung, zählte bildete der Karneval das farbigste Ereignis des Jahres Von nah und fern, ja selbst vom Ausland, kamen Tausende herbeigeeilt, um den großen Umzug, aus einer endlosen Kolonne buntgeschmückter Wagen gebildet und vom fnitiator der lustigen Spiele, dem ersten Bürgermeister Nleir Dizengoll hoch zu Roß angeführt, beizuwohnen Allerorts herrschte ausgelassene Stimmung und mit großem Hallo wurden die Possen reißenden und Ulk treibenden Masken begrüßt, wenn die farbenprächtigen Wagen, die verschiedensten Motive von der ältesten Vergangenheit ins zur jüngsten Gegenwart darstellend, an dem dichten Spalier der Menschenmenge voi beirollten Bis spät in die Nacht herrschte ein lustiges, übermütiges Treiben und bis spät in die Nacht tanzte und sang Alt und Jung in den Straßen der Stadt unter den Klängen der Musik, dem ohrenbetäubenden lärmen knallender Schüsse und kreischender Ratschen sowie im Flammenmeer aulsteigender Raketen. Vier Jag-: Inn 4 wird Tel Aviv' dieses Jahr im Mittelpunkt des Karnevals stehen, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen soll. Die gesamte. Kunst Je rgdde — Maler, Dichtet Tel Aviv Schauspieler, Musiker, Sänger und Tänzer — wurde mobilisiert, um dem Festtreiben einen glanzvollen Rahmen zu geben und eine künstlerische Note zu verleihen Sämtliche Straßen und Schaufenster werden bunt dekoriert und festlich illuminiert sein, an allen Stadteingängen werden reichgeschmückte und hellerleuchtete Ehrenpforten aufgestellt und vor jedem Haus wird die ,,Adl >yada" Flagge, das durch eine Maske halbverdeckte Emblem der Stadt darstellend, wehen. Mit der Wahl der Karnevalskönigin Esther auf dem großen Gala-Ball am 5. März werden die Festlichkeiten ihren Anfang nehmen Der folgende Tag ist lustigen Sportspielen für alle Altersstufen in spassigen Verkleidungen Vorbehalten, wobei die Gewinner aus den Wettbewerben zu ,,! leiden des Tages' gestempelt, werden Aon Vormittag des 7 März wird zur Erinnerung an das dreitägigem Fasten der Juden, das von Moraochai angeordnet wurde, bevor die Königin Esther durch Fürsprache bei ihrem Gemahl, dem Körnig Aliasveros (Xerxes), die .Juden vor der drohenden Vernichtung rettete, eine Pause im Karnevaisrumme! eingeschaltet. Der Nachmittag gehört den Kindern In zwei Umzügen werden die Kleinen aus 150 Volksschulen durch die Straßen ziehen und in bunten Gruppen Episoden aus der jüdischen < jeschichte ->y mbolisieren Den Höhepunkt des Kinderfestes bilden Aufführungen moderner Punmspiele Am Abend wird in der großen Synagoge der traditionelle Gottesdienst ,1 bgehalton, bei dem (Bis Buch Esther, das die (ieschichte er/.äh11. aut welcher das Purimlest basiert, zur Vorlesung gelangt Iin Anschluß daran wird der Bürgermeister aus dem Tempel eine Radioansprache an die Bürger der Stadt richten Dies ist das Signal für die Kuriere, allerorts unter Fanfarenklang den .Tagesbefehl" des Stadtvaters zu verlesen, der alle Bürger auflordert, auf die Straße zu kommen und dem Vergnügen zu frönen. Den Kurieren werden sich kostümierte Orchester und Musikkapellen ans. h i eßen und in bunter Folge Purimlieder sowie Tanzmusik spielen Sodann werden sich Wagen mit Riesenpupen, Personen aus dem Buch Esther darstellend und von hunderten maskierten Schauspielern, Tänzern und Sängern begleitet, zum ..Platz der Könige" begeben, wo die Puppen auf einer eigens für diesen Zweck erbauten Bühne aulgestellt werden, allen voran eine Gruppe mit dem Motiv , Und die Stadt Schuschan atmete aui und war glücklich Eine Aufforderung, diesem Beispiel zu folgen und der Auftakt zur allgemeinen Belustigungg. Den Höhepunkt des Karnevals bildet clor ..Adloyada" am 8. März. (Das Wort ..Adloyada" ist eine Zusammenziehung des hebräischen Satzes , Ad Io jada Ihi-, er nicht mehr wußte) und ist dem alten Lied ,,Lr trank, Ins er nullt mehr wußte" entnommen, das die Freude der Juden über ihre Errettung und die Vernichtung ihres Erzfeindes llaman besingt) Der aus mehr als 300 Wagen bestehende , Adloyadaumzug" wird neun Kilometer lang sein und vier Stunden dauern Er wird eine Synthese zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Ernst und Heiterkeit bilden und aus Gruppen bestehen, die historische Episoden sowohl aus dem alten Königreich als auch dem neuen Staate Israel darstellen Ein besonderer Teil des Zuges unter dem Motto ,.Sammlung der Verstreuten" wird aus Wagen mit Vertretern der verschiedenen Gemeinden gebildet sein, die nach Israel zurückgekehrt sind. Jede wird in ihrer Nationaltracht die Tänze und Lieder ihrer früheren Heimat zum Vortrag bringen. Eine weitere Gruppe wird die Errungenschaften des modernen Staates zur Schau stellen, eine andere in launiger oder satirischer Art die Tagesereignisse kari ikieren Nach Auf lüsting des Umzuges gehört die Stadt den Bürgern und Gästen, die bis zum Ausklang des Karnevals ihrem Übermut freien Lauf lassen können. Der Karneval findet zu Beginn des! rühlings statt wenn das ganze Land n Blumenpracht sieht und vom Orangenduft erfüllt ist Für eine kurze Zeitspanne will nun die Stadt Tel Aviv ihren Besuchern neben der Anmut der Natur die Annehmlichkeiten und Vergnügungen lustiger Veranstaltungen bieten und sich ihren alten Platz als eine der fröhlichsten und schönsten Karnevalslädte zurückerobern. ,J u I) A I K A - EINMALIGES ANGEBOT ■ (1 T .luden, 11 Künde, lliillileder, eist,, Ausfälle, |_>u! ei'luilten ller/i, Sdmtlielie Werke in •< Kdn uni :( Künde zioni.slisehe Sehrilten) Ne ues lielir.iiselies deutsehes Wdrlerluieli. j^ .hi/, neues L.\eiiijdür Heine, S;i'n11i<• 1 e Werke, I'.’ Künde in I yeliunden. Leinen liiirne, Sümlliehe Werke, K! Künde, Li'sluus^nde Aulrit|jen unter ,,Cinmuli|ues AnueOnl“ an die Ad in. der ,,Stimme“ S;{.")(». S 70.— S HO.— s 10.—

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