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Die Stimme · 1954-08-01 · Heft 88-89 (August 1954) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
1954
Issue
Heft 88-89 (August 1954)
Date
1954-08-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 88 DIE STIMME Seile 7 Dawid Wolfsohn FoHscIzung von Sri Ir 6 einer erneuerten Knlnnisationsarbrit licran und hnnd den wankelmütigen Mnlimn Sokolow an das publizistische Zcnlrnlorgan „Die Welt“ und eröffnete ihm durch die Schaffung eines Gcneralsekrrtarints in Köln den Weg zu einem ungeahnten Aufstieg. Hiebei bereist er nach Ilerzls Muster Länder aller Welt, verhandelt wiederholt in lldis Kiosk mit Minister und Jungtürken. reist nach Rußland und knüpft Fäden mit Ministern und Diplomuten, eingedenk des politischen Frbes, das zu wahren er berufen ist. — „Unsere Bewegung ist eine politische. Dieser Gedanke darf nie in den Hintergrund treten“ — hieß es bereits in dem Aufruf des neugewäldten Präsidenten und diesem Credo blieb er zeitlebens treu. I m dieses Credo entbrannte eben der Kampf, als er im Dezember 1909 in Hamburg den 9. Kongreß eröffnete. Als treuer Paladin seines toten Meisters dachte er auf der Tribüne dazusteben, indessen ibm von dem wogenden Meer der Kongrcßdclegicrten Vorwürfe der Indolenz, mangelnder politischer Reife und Inaktivität in Palästina cntgcgengcscbleudert wurden. — „Der Präsident muß Führer sein, — muß Ideen haben . hieß cs mitunter und zwei Tage hindurch durchbruust den Kongreßsaal eme Flut von Anklagen. Zwei Tage hindurch schwieg Wolfsohn, doch als er zur Antwort sich anschickte, da wars nicht der Angegriffene, sondern ein messerscharfer Dcbattcur, der Blitze von Anklagen in den aufhorebenden Saal zu schlcudrcn begann. Als Beschuldigter betrat er die Tribüne und vom Sturm eines Beifalls umrauscht, schloß er mit einer Beichte: „Ich kam her, weil cs schwer war einen Nachfolger für Herzl zu finden. Ich führte die Bewegung in den schwersten viereinhalb Jahren —. Nie hörte ich ein Wort des Dankes. Haben Sie auch Ilcrzl nicht immer Opposition gemacht? Ich beanspruche nicht Ihr Lob, denn Ihr Lob wird zugleich ein Kaddisch nach mir sein“.... Wie Pcitschcnsehlägc tönten seine Worte und da es für dqn bereits herzkranken Wolfsohn, trotz seiner Rücktrittsbitten keinen Nachfolger gibt, wird er fast einstimmig wieder zum Präsidenten gewählt. Im Morgengrauen verläßt Wolfsohn die Kongreßtribiinc unter den Klängen der „llatikwah“, wo ihn bereits wie ein Todesschatten das Schicksal Ilerzls umschleicht. . .' Indessen durchzieht er in unermüdlicher Pflichterfüllung Länder und Städte mit Beden, Proklamationen und Verhandlungen. In den Städten Galiziens und der Bukowina kostet er den letzten Triumpf seines Lebens aus. Da brechen förmlich Orkane der Begeisterung los, so oft Wolfsohn in seiner saftigen Volkssprache in Massenversammlungen auftritt. Ein ungeahnter Born der Beredsamkeit ergoß sich da in Zitaten, Bon-Mots und Sprüchen aus den Heiligen Schriften, gewürzt von einem ungewohnten Humor eines „Litwak“. Doch versagt sein Herz zusehends und am 10. Kongreß muß er seinen Abgang föimlich erzwingen. — „Ich gehe weg aus Zwang — heißt es in seiner Abschiedsrede — als erster Diener der Bewegung. K r a n k i m II c r z e n, d o c h nicht im Kopf. Eine Bitte hätte ich nur: Rclmnddt die neue Leitung mit mehr Liebe als die meine.“ „D o w k c v o n Me m c 1“, der mit Verkauf von Streichhölzern begann und den steil - dornenvollen Aufstieg vom schattenhaften Paladin Ilerzls bis zur Führung einer weltumspannenden Bewegung erklommen hat, kehrte nunmehr in den Schalten zurück, aus dein er hervorging. Dm zehn Jahre überlebte er sein schicksalhaftes Altereg) und als er kaum Sicbenund find zig im Donnergeroll des soeben uusgebrochcnen Weltkrieges starb, da trauerten nur Ilerzls Kinder um den Hüter des Heiligen Grals, da mit ihm zugleich der letzte Halt ihres eigenen Lebens Ins Grub versank.... von Z. F. F i n k e 1 s t e in (Jerusalem) Israelische Parlamentarier in Wien Es war ein großer Augenblick für die Wiener Juden, als vor einigen Wochen auf dem Wiener Parlament die israelische Flagge gehißt und damit so richtig zum Ausdruck gebracht wurde, daß der Staat Israel neben 36 anderen Nationen als gleichberechtigter Partner vor die Weltöffentlichkeit tritt. Die fünf Delegierten, die die Kncsscth aus Jerusalem nach Wien zur Interpalamcntarischcn Tagung nach Wien entsandt hat, haben nicht nur im Namen des Staates Israel, sondern auch im Namen des gesamten Welt Judentums gesprochen und ihr öffentliches Auftreten dokumentierte wieder einmal die Einigkeit des jüdischen Volkes, gleichgültig ob es in der Heimat oder in der Diaspora lebt. Die Zionistische Föderation Österreichs hat der Delegation einen herzlichen Empfang bereitet und diese revanchierte sich damit, daß sie sich den Wiener Zionisten vorstell tc. Am 2. September fand im überfüllten Schubertsaal des Konzerthauses eine Versammlung statt, bei der alle Delegierten das Wort ergriffen und in ihren Ausführungen zum Ausdruck brachten, für wie wichtig sie gerude die jüdische Gemeinde in Wien trotz ihrer Dezimierung halte. Als erster betrat der greise Rabbi Dr. M. Nurock (Misrachi), Minister a. D. und Vizepräsident der Interparlamentarichen Dnion, das Rednerpodium und ergriffen lauschten die Zuhörer seinen Worten, die aus tiefstem Herzen kamen und jedem Einzelnen vor Augen führten, was eigentlich der Staat Israel für jeden Juden bedeutet. Nach ihm sprach der Vizepräsident der Knesseth, I. Klebanov (Allgemeiner Zionist), der auf die kulturhistorische Mission der Stadt Wien hinwies und an die Versammelten den Appell richtete, die Tradition, die die Geschichte dieser Stadt ihnen zur Pflicht macht, zu wahren. Knessethabgeordneter Dr. J. Rubin (Mapurn) unterstrich besonders die Notwendigkeit der Jugenderziehung zur zionistischen Idee und ihrer,Vorbereitung für Israel, der Knessethabgeordnete Dr. I. Avniel (Cheruth) betonte den Wert zionistischer Tätigkeit im Galuth als Zeichen der Solidarität mit dem Staat Israel. Der Generalsekretär der Knesseth, M. Rosetti, überbrachte die Grüße der Knesseth und ihres Vorsitzenden. Als letzter Redner sprach der Leiter der Delegation, S. Shapiro (Mapei), der in einem längeren Vortrag einen Gesamtüberblick über die Situation in Israel, seine Probleme und Schwierigkeiten, aber auch seine Entwicklung und ihre Aussichten für die Zukunft gab. Der Präsident der Zionistischen Föderation in Österreich, Herr Direktor Gustav Leitncr, begrüßte die Gäste und dankte ihnen für ihr Erscheinen, das für die Wiener Juden ein besonderes Ereignis darstellt und für ihre Worte, die den Zionisten neuen Mut und neue Kraft geben, unbeirrt auf dem eingeschlagenen Wege fortzuschreiten. , Der Konsul des Staates Israel, Arie Eshel, fand gleichfalls warme Worte der Begrüßung für die Gäste und unterstrich die internationale und lokale Bedeutung dieses Besuches. Die Anwesenden dankten allen Rednern durch ostentativen Applaus und mit dem Absingen der llatikwah fand die gelungene Veranstaltung ihr Ende. Zu Ehren der israel. Parlamentarier fand im Stadttempel ein Festgottesdienst statt, bei welchem der Oberrabbiner Dr. Eisenberg die Festrede hielt und der durch Herrn Kantor Ilarmclin weihevoll gestaltet wurde. Heinrich Diamand 60 Jahre Der Zionistische Landesverband gratuliert seinem bewährten und treuen Mitglied Heinrich Diamand zu seinem 60. Geburtstag und wünscht ihm ad mca w’essriin sch an all! Das Jahr 5714 Ein Rückblick Wenn man die Situation dos Staates Israel als Folge der Entwicklung im letzten Jahre verstehen will, so muß man sich vor Augen halten, daß trotz aller Reibungen, Grenzzwischenfälle, wilder Roden ehrlich fanatischer oder komödiantenhaft nationalistischer Araber, die Gefahr einer zweiten Runde sich im letzten Jahre vermindert hat. Diese „Zweite Runde“ wäre nun auf Anstiftung oder bei Duldung der Anglo-Amerikaner möglich. Diese aber, die Engländer bewußt freiwillig, und die Amerikaner dem Zwang gehorchend, betreiben im allgemeinen eine friedliche Politik und können I nruhen in ihrer Einflußsphäre nicht brauchen. Im letzten Jahre haben einige Ereignisse im Mittleren Osten dazu beigetragen, die israelisch-arabische Spannung als besonders vordringlich und als die gegenwärtig wichtigste im Raume zwischen Persien und Nordafriku erscheinen zu lassen. Die Bildung der Verteidigungsgruppe Türkei- Pakistan-Irak ist ein wichtiges Ereignis auch für Israel gewesen. Der englischägyptische Vertrag wegen des Suezkanals ist gleichfalls geeignet, die auswärtige Situation Israels stark zu beschäftigen. Schließlich ist die Regelung des englischpersischen Streites wegen des persischen Petroleums in ihrer Rückwirkung auf die mehrjährige Monopolstellung des arabischen Petroleums im Mittleren Osten nicht zu unterschätzen. Somit sind von den bisherigen schweren Differenzen im Mittleren Osten nur zwei Probleme ungelöst geblieben: Die israelisch-arabischen Beziehungen und die Sudanfrage, derentwegen man viel verhandelt und provisorische Abmachungen getroffen hat, ohne daß man jedoch sagen könnte, daß eine zureichend befriedigende Lösung dieses Streitfalles zu erwarten ist. INNERE ENTWICKLUNG Am Ausgang des Jahres haben die außenpolitischen Ereignisse, zu denen die Grenzzwischenfälle zu zählen sind, das Hauptinteresse der Israelis und der Juden in der Welt in Anspruch genommen. Nichtsdestoweniger bleiben die inneren Probleme Israels nach wie vor sehr wichtig. Von diesen sind als die grundlegenden zu betrachten: Die weitere Alijali und besonders eine Einwanderung von Elementen aus den westlichen Ländern und die Schaffung einer unbezweifelbarcn Tendenz zur ökonomischen Selbständigkeit. Was die Alijah anbelangt, so ist das vergangene Jahr durch einen kaum nennenswerten Zustrom von neuen Einwanderern gekennzeichnet gewesen. Hingegen scheint der Drang der Auswanderung aus Israel nachgelassen zu haben. Noch liegen keine endgültigen statistischen Zahlen für die Ein- und Auswanderung im letzten Jahre vor. Am Ende des Jahres konnte man einen merklichen Anstieg der Alijah in Folge der Pogrome in Marokko feststencn. Die „Operation Teppich“, welche die meisten Juden aus dem \ einen nach Israel gebracht hat, wird jetzt für die marokkanischen Juden in Anwendung gebracht und man rechnet, daß im nächsten Jahr aus Marokko allein 40.000 Olim und aus anderen Ländern ungefähr 20.000 kommen werden. Wesentlich ist, daß man diese neuen Olim nicht mehr durch eine Art von Kasernierung in den Maabarot zur Untätigkeit verurteilt, sondern daß man sic direkt in Siedlungen führt, wo sic sofort in den Prozeß der Umformung für das Leben in Israel hineingcstellt werden. Im abgeluufenen Jahr konnte man in Israel eine weitere Ernüchterung auf allen Konfektion en gros N. Grünberg Wien lf Rotenturmstr. 25/3 Telefon U 24-0-64 Gebieten des Lebens feststcllcn. Politische Parteien, l nternehmer und Arbeiter, Landwirte und Kauflcutc sind sich jetzt im Klaren darüber, daß als unbedingte Voraussetzung für ökonomische Selbständigkeit, d. h. auch für eine vollendete politische Selbständigkeit, eine Änderung der bisherigen Wirtschaftsmethoden notwendig ist. Eine Steigerung der Produktion, eine Verbesserung der Qualität und eine Erhöhung der Arbeitsleistung sind die unbedingten Vorbedingungen für eine Gesundung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Hand in Hand muß eine Entpolitisierung der Verwaltung und der staatlichen Wirtschaftsführung vor sich gehen. Diese Erkenntnisse werden jetzt in Israel von der Mehrheit der Arbeiter offen zum Ausdruck gebracht. Gegen einschneidende prinzipielle Reformen in der Richtung der angedeuteten drei Präsiqutisiten sind eigentlich nur noch einige Bonzen der Ilistadruth und einzelne Parteifanatiker, die wegen ihrer Unfähigkeit umzulerncn und umzudenken eigentlich als Reaktionäre angesehen werden müssen. Ein Weltecho hat der freiwillige Rücktritt Ben G urions von der Staatsleitung und seine dramatische Übersiedlung in die wüste Gegend von Sde Boker im Negev hervorgerufen. David Ben Gurion ist eine Persönlichkeit von gewaltigem Format. Er ist ein Visionär und träumt davon mehr als der Führer seines Volkes zu sein, nämlich eine Art von Religionsgeber. Sicherlich sind Ben Gurions Forderungen an die Zionisten in der Welt nach Israel zu wandern und an die jüdische Jugend den Geist des Pioniertums in ihren Reihen wieder aufleben zu lassen, erhabene und für Volk und Staat Israel lebenswichtige Ziele. Aber nicht immer haben Propheten, und noch weniger sofort, mit ihren Forderungen Erfolg. Immerhin hat Ben Gurions Rücktritt dargetan, daß der Staat Israel unter der Führung jüngerer Persönlichkeiten den Weg zum Aufbau und zur Befestigung seiner Existenzgrundlagen fortzuschreiten vermag. Es hat niemand daran gezweifelt, daß Israel eine echte Demokratie ist. Der Regierungswechsel Ben Gurion - Scharett hat der ganzen Welt demonstriert, daß die israelische Demokratie fest begründet ist. Fortsetzung folgt. KREDITE erteilt Jüdische Sparu. Kreditgen. m. b. H., Wien I., Dominikaner bastei 24, Tel.: R27555, Kl. 261 an jüd. selbständige Kaufleute, Gewerbetreibende und an frei« Berufe. BÜROMASCHINER / BUROBEDARF EINKAUF VERKAUF Mtsehlfiin mit habräiichir lehrlft ligirnd AUGUST GUNYIS WIEN IX. SCHLIGKSASSE 2 TELEPHON R 63-0-75 Elfen« Reparaturwerketltte 12.—19. SEPTEMBER 1954 Wuntx ^Rrfjfjau# Adolf Reiss Erben & Co. Tuchgroßhandel und eigene Schafwollwaren - Manipulation Wien I., Rudolfeplatz 6 U 24 S 18, U 24 5 19

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