Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1954
- Issue
- Heft 88-89 (August 1954)
- Date
- 1954-08-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seile 4 DIE STIMME Nr. 88 DIE BIBEL Dia Idee der Schöpfung Zu Roscli Haschanah 5715 6. Fortsetzung Ein neues Bindeglied wird geschmiedet Von LKAII KAHN .JAKOB TA NN KN IUI M Die drei Ideen Gleichheit. Freiheit und Hriidcrlirhkeit. die wie eine heilige Trias häufig zusummen genannt und als Errungensehaft der Neuzeit bezeichnet werden. sind, wie schon festgcstellt wurde, biblisches Gedankengut. Eine weitere originelle Idee der Bibel von außerordentlicher Bedeutung und Wichtigkeit ist der Gedanke der Wcltschöpfung. Gleich im Anfang der Bibel, als Einleitung zum Pentateuch, wird die Welt als die Schöpfung einer außerhalb ihrer stehenden l rsachc bezeichnet, die den lrstoff durch das bloße Wort hervorbrachte (sein Hauch, oder Gedanke), als das Werk eines ewigen, geistigen, alle Kräfte in sich vereinigenden W esens (Elohim im Plural aber mit einem Verbum in Singular!). Mit dieser neuen Idee tritt die Bibel allen Theo- und Kosmogonien des Heidentums entgegen, sowohl dem Polytheismus, als auch dem Dualismus der Perser und Griechen, die zwei göttliche Prinzipien, bzw. eine ewige, passive Materie neben Gott, als ersten Beweger, lehren, sowie auch dem indischen Pantheismus, der die Welt mit Gott identifiziert. Diese Idee der Schöpfung aus dem Nichts — wobei das sogenannte Nichts auch ein abgeschwächtes Etwas zu sein scheint (nach Ibn Esra, Ralbag u. a.) oder aus dem W illen Gottes, der Stoff wurde, (nach Gabirol), ist ein kardinaler Glaubens-Grundsatz, auf dem das ganze Gebäude der biblischen Religion mit dem weitverzweigten Gedankenkomplex über Gott, Welt und Mensch aufgebaut ist. Wenn auch die Wahrheit dieser These nicht bewiesen werden kann, so widerspricht sie auch nicht den Erfahrungstatsachen und der Vernunft. Sie ist vielmehr logisch begründet, denn die vergänglichen, in stetiger Veränderung und Entwicklung sich befindlichen Dinge der Welt sind nur relativ, bedingt, alle voneinander abhängig und verlangen, kraft des allgemeinen Kausalitätsgesetzes, ein Unbedingtes, Absolutes zu ihrer prinzipiellen Lrsachc. In letzter Zeit wird auch in wissenschaftlichen Kreisen zur Idee der Schöpfung, als Hypothese, vielfach zurückgegriffen, nachdem sie im 18. und 19. Jahrhundert oft, insbesondere von materialistischer Seite heftig bekämpft wurde. Dagegen wird die biblische Schöpfungsgeschichte wegen ihres geozentrischen Standpunktes, des Seehstage-Werkes, der Reihenfolge der Werke in den sechs Tagen und der Konstanz der Arten hart umkämpft, weil sic mit der Naturwissenschaft in Widerspruch steht. Von vielen Seiten wurde der Versuch unternommen, die Bibel mit der Wissenschaft in Einklang zu bringen, so wurden die sechs Tage der Schöpfung als Perioden von langer Dauer gedeutet, die mit den geologischen Epochen der Erdbildung übereinstimmen sollen — im Sinne des biblischen Satzes: ,.Tausend Jahre sind in Deinen Alicen, wie der gestrige Tag, der \erging” (Ps. 90). Andere wollen im Sechstagewerk der Schöpfungsgeschichte nur die Wiederherstellung der Erde nach einer erfolgten Katastrophe erblicken (Rcstitutionstheorie), so daß die Zahl 5715, die wir heute zählen, eine Zeitrechnung nach der letzten Wiederherstellung der Erde wäre. Diese, wie noch viele andere Deutungen genügen nicht, alle .Schwierigkeiten zu beseitigen und die vielen Widersprüche der Bibel mit der Wissenschaft restlos zu klären. Sämtliche Versuche eine Übereinstimmung herbeizuführen, sind bisher gescheitert. Die meisten Theologen der Gegenwart, auch von katholischer Seite, sahen sich gezwungen, das Dogma der Verbulinspirution aufzugeben. Bloß die Idee der Schöpfung als solche wird als inspiriert, das „Wie“ derselben aber als zeitbedingte, subjektive Ansicht des Verfassers angesehen. Es ist nicht angebracht, so meint man, die Bibel mit dem Maßstab der modernen Wissenschaft zu messen und cs sei auch sinn- und zwecklos, Bibel und Naturwissenschaft miteinander in Einklang bringen zu wollen, da sie sich auf ganz verschiedenen Ebenen bewegen! Der Wert der Bibel liegt auf religiös-ethischem Gebiete, das ewige Wahrheiten umfaßt. Hier wird die Wcltentstehung durch den freien, bewußten \\ illcnsukt eines einigen, einzigen und allmächtigen Schöpfers gelehrt, der dem l rstoff Ideen, Kräfte und Gesetze eingepflanzt hatte. Keime zur Höherentwicklung und sittlichen Vervollkommnung. Der große Wert dieses Glaubensartikels auf sozial-ethischem Gebiet besteht darin, daß die Moral eine sichere Begründung erhält, indem ein allmächtiges, allwultendes Wesen als oberster Gesetzgeber statuiert wird, dessen Befehle höchste Autorität besitzen und unbedingten Ge- Es hat sich immer deutlicher gezeigt, daß die Zionistische Organisation, wenn sie ihren .Status als eine ideologische Bewegung behalten will, sich aktiver und direkter mit der Erziehung»- und Kulturseile des Zionismus und des Judentums befassen muß — um ihrer eigenen Zukunft willen und um der jüngeren Generation willen. Auch in den Reihen der WIZO bestellt die Erkenntnis der Notwendigekit, unsere erzieherische und kulturelle Arbeit unter den Mitgliedern und in der Zionistischen Bewegung überhaupt zu verbreitern und zu vertiefen. Die zionistischen Frauen-Organisationen umfassen heute mehr als eine halbe Million Frauen, d. h. etwa die Hälfte der gesamten Mitglicdcrseluift der Zionistischen Organisation. Besonders die WIZO ist in vielen Ländern HaiUUattptcäU Bodenbürsten, Staubsauger Kompressor-Kühlschränke töiCHCC UubvbnC&tt Rotundengelände, Westeingang (außerhalb der Vereinigten Staaten) die stärkste Kraft im zionistischen Rahmen. In der Erziehungs-Kommission der letzten Tagung des Zionistischen Aktions-Komitees betonte Krau Kay Grove, Vorsitzende der Organisation»- und Kulturabteilung der Welt-Wizo, die Beunruhigung der zionistischjüdischen Frauen über den Zug zur Assimilation und die Schwierigkeiten ein jüdisches Heim für sich selbst und ihre Kinder zu schaffen. Immer mehr gelangt man zu der Erkenntnis, daß die Kenntnis der jüdischen Kulturwerte und des Hebräischen als einer lebendigen Sprache wesentliche Faktoren für die Erhaltung des Judentums sind. Krau Grove schlug praktische Methoden vor, um ein solches Erziehungsprogramm durchzuführen. Für das zu veröffentlichende Material empfahl sic eine leicht verdauliche Form, die der jüdischen Frau und Mutter nicht zu viel von ihrer kargen Freizeit rauben würde. Der Inhalt dieses Materials muß dazu angetan sein, sie zu tieferer Durchdringung der jüdischen Kultur und Ethik anzuregen. Ohne sich der bestehenden Opposition zu verschließen, schlug sic vor, in der ganzen Welt eine Aktion zur Einschulung jüdischer Kinder in hebräischen Schulen durchzuführen, in denen das moderne Hebräisch als lebendige Sprache gelehrt wird. Als Hilfsmittel für die Mutter, die eine jüdisch-zionistische Atmosphäre in ihrem Hause schaffen will, solle Material herausgegeben werden, das sie anweist, wie sic die Feier- und Festtage in ihrem Heim begehen soll, wie sie ihren Kindern Verse und Lieder beibringen kann; ferner Kultur-Filmbänder, Grammophon-Platten, ein Büchlein mit hebräischen Worten und Sätzen für den Hausgebrauch — alles für die jüdische Mutter und durch sie für das jüdische Kind. Die Resolution, die Frau Grove im Namen der WIZO in der Erziehung- und Kultur-Kommission des Aktions-Komitees cinbrachtc, wurde mit der warmen Unterstützung aller anderen zionistischen Frauen -Organisationen angenommen. horsam verlangen .Dies zeigt sich gleich in der Verbindung der Schöpfung mit dem Sabbathgcsetz! Die Darstellung der Schöpfung als ein in sechs Tagen geschehenes Werk, soll die Heiligung des siebenten Tages motivieren, an dem die Schöpfung vollendet wurde. Aber auch die Pflicht zur Arbeit an den 6 Wochentagen wird hier gefordert! Nach jüdischer Tradition ist die Weltschöpfung am ersten Tischri vollendet worden, weshalb dieser Tag zum Neujahrsfest bestimmt wurde. Gemäß dem ethischen Gepräge der jüdischen Religion, wird daher auch an diesem Tage das Hauptgewicht auf den sittlichen Faktor der Schürfung gelegt und ltosch Ilascliana als Vorspiel zum Versühnungstag betrachtet. An den zehn Bußetagen (Asscrctli Jernc Tcschuwa) sollen sich die Menschen, die Brüder und Schwestern eines Vaters sind, mit einander aussöhnen. Alle trennenden Schranken sollen niedergerissen, uller Haß und Feindschaft beseitigt werden. Was immer die Ursache der seelischen Entfremdung der Menschen von einander sein möge, müssen sie von dem Bestreben beseelt sein, wieder zueinander zurückzufinden. Wie Brüder in einer Familie, die, wenn sie auch durch Verschiedenheit der Fähigkeiten, Neigungen und Bestrebungen oft Anlaß zu Streitigkeiten finden, sich aber doch bald wieder versöhnen, insbesondere an einem Geburtstag des Vaters, oder an einem anderen Familienfest, so soll auch der Schöpfungstag die Menschen an ihren gemeinsamen Ursprung erinnern (daher Name des Festes „Jom I lusikkuron“, Tug der Erinnerung) und sie zur Versöhnung malmen. Diesem Zwecke dient auch das Sehophur-Blusen, dessen 'Föne in erster Reihe das Signal der Sammlung zum Schulze \or einer Gefahr von seilen des Feindes bedeutete (4. B. M. 10,9). Es ist der Aufruf zur Zusammenarbeit und gegenseitiger l nterstiitzung im Kampfe gegen gemeinsame Not und Leiden, gegen Diskriminierung und Diffamierung, gegen Pierre Mendes-France Frankreichs Premier Seine Vorfahren lebten schon im 13. Jahrhundert in Portugal. Seine Angehörigen mußten später nach Frankreich flüchten, weil sie Juden waren: Dort fügten sie ihrem Namen jenen ihrer neuen Heimat hinzu. Mit 23 Jahren war Mendes-France der jüngste Rechtsanwalt Frankreichs. Ein Kampf gegen royalistischc Studenten während seines Studiums brachte ihm eine plattgedrückte Nase und den Einfall in die Politik zu gehen — beides fürs Le- Neid, Mißgunst und Verleumdung, gegen Krieg und Zwietracht, die die gemeinsamen Feinde der Menschheit sind. Die Mahnung des Schophnr gegen Kumpf und Gewalt, die zugleich ein Ruf zur Einheit und Frieden — gemäß dem Schöpfungsgedanken — bedeutet, wird durch das Blasinstrument seihst versinnbildlicht, das aus einem Horn besteht, ein Symbol des Kampfes und der Macht, aber auch einen Hoffnung.»- und Gliicksslruhl bedeutet. Diese beiden Gedanken werden insbesonders durch die zwei Töne „Tliekiu“ und „Thcror“ symbolisiert, deren erster ein Kriegsalarmsignal ist, der andere dagegen ein Freudenzeichen bedeutet. Gerade in unserer schweren Zeit, da sich der Unterschied der Weltanschauungen zu einer ernsten Gefahr des Zusammenstoßes der beiden feindlichen Lager führte und der Untergang der ganzen Menschheit droht, sollte der Schöpfungstug eine Mahnung zur bankehr und Rückkehr, zur Versöhnlichkeit, Brüderlichkeit und Liebe bedeuten, ltosch Huschuna, als Sehöpfungstag hat universelle Bedeutung, er gilt allen Menschen! bcn. Mit 25 Jahren war er bereits Abgeordneter — dus jüngste Mitglied der Kam mer. Im zweiten Weltkrieg ging er als Offizier zur LuftAvuffc und floh nach dem Sieg der Nazis mit seinem Flugzeug nach Marokko. Dort erreichte ihn der Arm der Vichy-Regierung, die ihn wegen „Fahnenflucht“ zu sechs Jahren Gefängnis verurteilen ließ. Er brach aus, schloß sich der Untergrundbewegung an, dann den „Freien Franzosen“ unter de Gaulle in England, wurde wieder aktiver Flieger und bombardierte Deutschland und Frankreich. Nach dem Sieg der Alliierten wundto er sich wieder der Politik zu, vertrat Frankreich bei der Währungskonferenz in Brettom Woods und wurde (mit 37 Jahren) Wirtschaftsminister, als jüngstes Kahinetlsmitglied. 194ü wurde er Finanzminister. Er demissionierte bald wieder, da er für seine antiinflationistischen Maßnahmen nicht die genügende Unterstützung fand. Mendes-France führt ein ideales Familienleben mit seiner jüdisch-ägyptischen Gattin und zwei Söhnen von 18 und 20 Jahren. Vor einem Jahr bereits fehlten ihm nur 13 Stimmen, um zum Premier ernannt zu werden; auch damals setzte er sich für eine schnelle Beendigung des Krieges in Indochina ein. „Regieren bedeutet wühlen“ — sagt Mendes-France. „Frankreich soll seine Ziele begrenzen, sie nicht zu weit stecken, soll aber wenigstens diese begrenzten Ziele dann erreichen. Wir wollen nicht den Anschein von Größe erwecken, sondern eine Nation bilden, deren Wort gehört und respektiert wird.