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Die Stimme · 1954-07-01 · Heft 87 (Juli 1954) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1954
Issue
Heft 87 (Juli 1954)
Date
1954-07-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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!Nr. 87 DIE STIMME Seite 5 Fortsetzung von Seite 4 Wie rin diirsterrs Memento klingen diese Worte über Jahrzehnte liimveg. Derart ward historiselie Sendung all - mählich zum Spiclball eines despotiselirn Zeitungsmannes. Benedikt Avußte avoIiI um die aufsteigende Größe llerzls und in seinen. von llerzl am 8. März 1898 verzeielinclcn Scherzw orten, lugt wohl eine Ahnung hervor: ..Mit dem llerzl muß man Norsiehtig sein. Vielleicht Imt er recht. Wenn er hereinkommt, glaube ich immer Christus tritt ein.“ Doch verweht bald der Scherz und die bittere Wahrheit tritt umso grausamer im Leben ll'izls hervor. ..Die ,Wclt‘ ist eine croBe Verlegenheit. Am besten Aväre es. nenn sie zu erscheinen uufhörltc", dekretierte Benediekt am K). Juni 189/. Das mit dem Vermögen llerzls und seines Vaters geschallene Kampf- und Werbeorgan erscheint trotzdem und am 2. Juni 1897 berichtet llerzl mit Stolz: ,.l m 8 I hr abends lief gestern ,das erste Excmplcr der .Weit4 aus der Presse. Das widme ich meinen Eltern.“ Hiebei gelingt es dem feinsinnigen Ironiker einigermaßen durch die Hintertür der „Neuen Ercicn Presse“ mit seiner „Welf in die Weltöffentlichkeit durehzuschliipfen. So berichtet er am 8. Juni 1897: „Die Administration der ,Presse4 nahm das Inserat ungern, wie telephonisch meiner Administration mitgctcilt wurde. Die Aufnahme einer Notiz in den Tc\t der ,Neuen Freien Presse4 wurde aus politischen Gründen abgelehnt. Mir war auch gar nicht darum zu tun, daß die Notiz ins Blatt komme. Dazu wählte ich den Geldwert. Die halbe Seite im Anzeigenteil der Presse kostete 75 Florinc. Fs sprach einige Wahrscheinlichkeit dafür, daß Benedikt diesen Betrag nicht rcfusicrcn werde. Und so ist ,Dic Welt4 in der .Neuen Freien Presse4 angezeigt erschienen.“ Natürlich folgte ein Wettersturz aus dem Munde des Betörten: „Als ich das Inserat in unserer Pfingstnummer sah, war ich wütend“, zeterte Benedikt am 8. September 1897 llerzl gegenüber. „Fs hätte gar nicht ins Blatt kommen dürfen. Fs ist die Liste unserer Mitarbeiter! Sic haben uns in Verlegenheit gebracht4,, setzte er noch am folgenden Tage fort (9. September 1897). „Sie haben unsere ganze Mitarbeitei liste in die Voranzeige der ,Welt ‘genommen!“ Indessen umrauscht bereits ein Wcltruhm den Namen llerzls, der getragen wurde von den Wellen geschichtlicher Wandlungen. „Moritz der Grausame , wie ihn llerzl zu benennen pflegte oder „Moritz Benedictus“ erstarrt in seiner Beharrlichkeit des Totschweigens, indes er sein journalistisches Fuktotum an sein Tagewerk mit tausend Ketten bindet. „Einmal“, schreibt llerzl, „wirds zum Klappen kommen. Dann — Existenhsorgen oder Stipendist der Bewegung . . Welche furchtbaren kleinen Schwierigkeiten lähmen mich angesichts der großen!“... Der Wunsch, frei zu werden von der doppelten Qual des Führertums und Existenzsorgen durchzittert diese Worte. Doch blieb dies nur llerzls Wunschtruuni bis ans Lebensende. „Der Gedanke freizuwerden, frei von den Befehlen und Wünschen hat etwas Berauschendes4', verzeichnet llerzl am 10. Juni 1901. So faßt er schließlich den Entschluß, ein Konkurrenzblatt der „Presse“ zu schaffen und läßt sieh in Verhandlungen mit dein Ministerpräsidenten Korber ein. „Ich trage mich mit dem Gedanken, mich selbstängig zu machen“, sugt er am 5. Dezember 1900 Bacher. „Jeder Commis will einmal selbständig werden. Ist dies der Tag der Befreiung?“ fragt er mit zitternder Angst am 14. Jänner 1901. „Wird heute ein emanzipierter Sklave zu Bett gehenV“ Erstlilaisige Stoll« und Zugehdr, sowie beste Vererbe bilden die Grundlage der bewährten V\* TELLER-KLEIDUNG N—- ///. Hußphfrant 88’ 90 U16 2 f6 „In weiteren zwei Stunden werde ich wissen woran ich bin. Ob mein Leben wirklich eine neue Wendung nimmt oder ob ich weiter in meiner Sklaverei unter Benedikt hocken muß.“ Wolf Tischenkel. Gebot der Stunde Es bleibt bei dem qualvollen Bingen um den Weg ins Freie und der Feuillcton-Hcdaktcur wird mit Versprechungen und Gehaltserhöhungen umso fester an die Galeeren der Hcdnktionsstube gekettet: „leb batte llcrzsclimcrzcii und schlotternde Bein e“, berichtet llerzl nach einer Auseinandersetzung mit seinem Chef. Man spürt bereits den dunklen Flügelschlag über dem Haupte eines von Beruf und Berufung t/,\, c!g jrissenen, der ihn nachts auf dem Heimwege von der Redaktionsstubc begleitet. „Die ganze schmähliche Ironie ii.coKs Lebens ist darin“, verzeichnet llerzl in seinen Tagebüchern am 9. Februar 1900, „daß ich mich von diesem Finanzjournal als Bagatelle behandeln lassen muß.“ Klingt es nicht wie eine Groteske des SchicksalsV Der stolzeste Jude der Neuzeit sinkt in seiner Tagesfron zur Bagatelle herab in den Augen eines kurzsichtigen Despoten. „Nicht nur Clown, auch Diener und Commis bin ich bei der ,Presse4 “, bezeichnet llerzl noch am 25. März 1899 seine Stellung. „Vielleicht liege ich morgen auf der Straße, — vielleicht bin ich der Herr im Hause“, heißt cs auch am 5. Dezember 1899. Und schließlich wie ein Aufschrei cienr verwirrten Seele die Aufzeichnung vom 27. September 1902. „Die ärgste Verschweigung bat die ,Ncue Freie Presse4 ,am Zionismus begangen.“ W ie ein roter Faden zieht sich dieser Alpdruck durch all die Aufzeichnungen in den Tagebüchern Herzis. Der klassische Vertreter eines sterbenden Assimilantentums stemmte sich bis zur Verkrampfung gegen eine neue Ära. Von der Warte seiner Lcitertikel übersah er die zeitgenössische Ilaßwelle eines Luegers, eines der Vorläufer des deutschen Satans, gleichermaßen wie die heranrennende Sturzwelle eines Weltkrieges, die sein Lebenswerk mitsamt der machtvollen Monarchie hinAvegschwemmte. „Benedikt ha ß t mi c h!“ verzeich - net llerzl am 20. Februar 1900. Dieser Haß eines entwurzelten Juden an der Wende zAvcicr Epochen Avar letzten Endes der finstere Dämon, der den Lebens- Avcg einer aufstrahlenden Persönlichkeit zu durchkreuzen versuchte. Neun schicksalsschAvere Jahre hindurch rang llerzl um den Weg in die Weltöffentlichkeit durch das Blatt, dem er diente, und neun letzte Lebensjahre Avaren es, in denen er im Angsttraum um seine Existenz zitterte. An dieser Duplizität seines Daseins als Volksführer und Schreiberling der „Neuen Freien Presse“ zerbrach vorzeitig sein Herz... Von Z. F. Finkeistein, Jerusalem \ KLEIDER, WASCHE, SCHUHE auf Teilzahlung $. Btsod WIEN VI, DAMBOCKGASSE 4 N_✓ Frchvilligcs Arbeitsjahr für Israel, Shnat Shcrut, ein Begriff, der in uns die lebendige Verbindung mit dem Juden- Staat Israel wach werden läßt und die Erhabenheit des freien, unabhängigen, zukunftsreichen, nationalen Lebens auf eigenem Boden versinnbildlicht. Es warm unsere Pioniere, Chaluzim, die die unabweisliehc, lebenswichtige NotAvendigkeit erkannt haben, die Grundlagen für den Staat Israel zu schaffen. Ein auserlesener Teil unserer Jugend, von der Ub:izeugung durchdrungen, daß die Judenscliaft die sic bedrohenden Gefahren in der Galuth nicht zu bannen vermochte, ging ins Land unserer Väter, bearbeitete die Avüstc Scholle, kämpfte gegen die Malaria, grub im Anfang mit den bloßen Händen das Wasser aus dem Boden, ebnete Wege, schuf Werte, somit die Voraussetzung für die Kultivierung des Landes und Seßhaftmachung der einströmenden Olim. Unsere junge Generation, der die Bedeutung der jüdischen nationalen Wiedergeburt gcgcnAvärtig ist, soll eingedenk sein der Worte des Propheten, die da lauten :„Das Land der Juden Avar verheeret, und jetzt ist cs wie der Garten Eden.’4 Diese Prophetenworte werden in unserer Zeit volle Rechtfertigung finden, wenn die Jugend in der Galuth sich freiwillig nach Israel begäbe, um dort ein Drenstjahr, das gleichzeitig dem Lernen gilt, zu absolvieren. Dies ist, im wahrsten Sinne des Wortes, Bekundung jüdischer Solidarität mit dem JischuAV in Erez, die Bereicherung der jüdischen Kultur. Dr. Hans Klee, Präsident des Shna-Sheruth-Vollzugsausschusses in der ScliAveiz, sagt in seinem Aufruf u. a.: „Das gegenseitige Geben und Nehmen auf der Basis freiAvillig übernommener Pflichten, tHax Bctd - 70 JaUu Am 27. Mai 1954 feierte die literarische und die jüdische Welt den 70. Geburtstag Max Brods. Max Brod entstammt einer alten Prager Familie und reifte im Geiste Schopenhauers heran. Durch Geschehnisse und Katastrophen aufgerüttelt, beschritt er den Weg zum beAvußtcn Judentum. Er ward Zionist und übernahm die VerantAvortung, die ein jüdischer Mensch in dieser bitteren Zeit der Fährnisse in der Diaspora zu tragen hat. Als Zionist ist er vom Glauben durchdrungen, daß der Wille und die Liebe zu Israel das Wunder zu vollbringen vermögen, den jüdischen Staat Avieder aufleben zu lassen. Im Jahre 1939 zAvang ihn der Nationalsozialismus, sein Geburtsland zu verlassen; er ging nach Erez Israel. Im Lande entfaltet er eine ausgedehnte segensreiche Tätigkeit, lebt und Avirkt nach den Geboten unserer Schrift, die da lauten: „Dem Bruder helfen, der SehAvester dienen, dem Fremden, den Gott auserschen hat, unsere Hilfe angedeihen zu lassen.“ Heute ist der Jubilar Dramaturg der „Ilabimah“ in Tel Aviv, einer Bühne, die unter seiner Leitung Aveltbekannte Erfolge errungen und ein glänzendes Ansehen sich erAvorben hat. Brod gilt als einer der anngesehensten Musikkritiker des Staates Israel. Er ist ein treuer und fliehtbeAvußter Jude und sich seiner endung bewußt, neue Talente zu entdecken. Wir Avünschen ihm: Ad mea w’eßriin sch an all 1 SINGER- STOFFE in Dimonmutmu i? REINWOLLENE DAMEN- U. HERRENSTOFFE KAMMGARNE TWEEDE IN NEUESTEN MODEDESSINS - SEIDENNOUVEAUTfiS TEL. U 21-3-88 wird beiden Teilen, dem Land und den Söhnen des Volkes, die mit zu den Erbauern des Landes Averden, zum Segen gereichen. Nachstehende Worte .die Martin Buber einst vor der Jugend .sprach, sollen zur Lehre dienen und die jungen Menschen auf ihrem Wege begleiten: „Die Jugend ist die cAvigc Gliiekschancc der Menschheit... Immer wieder tritt ein zwanzigjähriges Geschlecht auf den Plan, mit einer glühenden Sehnsucht nach dem Unbedingten, mit einer rückhaltlosen Hingabe a:i das Ideal, willig, die verrammelte Pforte des Paradieses zu sprengen ... ZAvischcn diesem Geschlecht und der Erfüllung steht immer Avieder nur die Tat, die es tun soll, auf die cs sieh zunächst bereiten Avill ... Die Zeiten sprechen zu der Jugend mit feurigen Zungen, sie fordern von ihr, sie gebieten ihr, daß sie nicht erliege, daß sich bcAvahre, daß sie ihre Taten setze... Die Jugend hält Avie Josuah zu Gideon die Sonne am Himmel fest, auf daß das Werk vollendet Averde. Diese Jugend um eine Stunde, um eine große Stunde länger Jugend und werkt, aius Zeit der Wende ihr gebot...“ Es ist das Gebot der Stunde, daß die jüdische Jugend Wiens ein frciAvilliges Arbeitsjahr in Israel absolviert! Auskunft im Zionistischen Landesverband, Wien IX, IJnivers.tätsstraße 4. Einem Teil dieser Beilage liegt ein ausführlicher Prospekt über die Slin it- Sheruth-Aktion bei. Mortimer May — Vorsitzender der Zionistischen Organisation in den USA. NeAv York (ZINS). Zum neuen Präsidenten der ZOA Avurde Herr Mortimer May geAvählt. Ferner Avurden Herr Dr. Emanuel Neumann zum Vorsitzenden der Exekutive, Herr Dr. Harris Levine zum Vorsitzenden des VerAvaltungsrates, Herr I. S. Turover zum Kassier und Herr Hermann L. Weismann zum Vize-Präsidenten der Exekutive, geAvählt. Prominente Persönlichkeiten der Revisionisten in Israel haben sich den Allgemeinen Zionisten angeschlossen. Wie aus dem Hauptbüro der Allgemeinen Zionisten bekanntgegeben Avird, sind Herr Dr. Reuven Ben-Shem (Feldschuh) und Dr. Arie Koppel, führende Mitglieder der Herut-Partei in Israel und ehemalige Mitglieder der Weltexekutive des „Betar“, der Partei der Allgemeinen Zionisten in Israel, beigetreten (ZINS). D. ZIERING Ein- und Verkauf von Nähmaschinen aller Arten, auch Universal und Zick-Zack.. Elektrokocher. Eigene Reparaturwerkstätte. VNin VII, Apellegaste 20, '7 Tel. B 34304 B. Teilet WIEN I, SALZTORGASSE 5 TELEFON U 25-4-85 HERREN-, DAMENKLEIDER UND -MÄNTEL MODISCHE SPORT- UND REGENSCHUTZBEKLEIDUNGS¬ FABRIK

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