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Die Stimme · 1954-07-01 · Heft 87 (Juli 1954) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1954
Issue
Heft 87 (Juli 1954)
Date
1954-07-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit;' 4 DIR STIMME Im Kampf mit dem Alltag \\ ir für IL'i/l der Zionismus ..der Sabath ‘.eines Lebens". so umdiisterfen seimn Vlltaii bis :ui‘ Lebensende die würgenden Kessel, die ihn an die ..Neue Freie Presse" gekettet hohen. Neun Johre rang er förmlich um die Seele seines Chefs Moritz Menedikt, und neun Job re hindurch stemmte sich der tlkcu a! tige Herausgeber eines Webblattes ge^en den schicksalhaften Aufstieg seines Keuilleton-Medakteurs. Noch in Paris. Pfingsten 1895, nls ihn sein ..Judenplan" bereits aufs tiefste imf- /.uw üblen begann, verzeichnet iferzl in seinen Tagebüchern: ..Mei der ersten Gelegenheit des mündlichen \ erkehrs wollte ich den Herausgeber der .Neuen Freien Presse' für meinen Plan gewinnen." Doch am II. Februar 18% berichtet er mit Wehmut über den Ausspruch Benedikts. nachdem er ihm eineinhalb Jahre V! rher sein Programm zur ..Lösunng der Judenfragc" vorgelesen hat: ..Wir werden darüber mit Stillschweigen übergehen. W ir haben auch 25 Jahre hindurch die Sozialdemokratie verschwiegen.” Zionismus oder Sozialdemokratie: — einerlei! Die Parole ..Presse" war unbarmherzig und apodiktisch. Sie schlug auch wie ein Donner in das lichterloh brennend* Gemüt des \postels einer nein n Idee ein und so xerzeichnet llerzl ergänzend am 8. Februar 18%. als Benedikt mit Drohungen. Betörungen und a l seiner l berredungskunst das Erscheinen des ..Judenstaates" zu xerhindern x ersuchte und dir Broschüre als ..unreif zur \ eröffentlichung" (4. Februar 18%) bezeiclmete. ..Die .Presse' ringt mit mir. der Chef mit dem \ngestellteil. Er hat die Kraft einer überlegenen Position, ich habe das gute Hecht für mich." Das gute Hecht! Doch für Benedikt gab es mir ein Hecht, das Hecht seiner machtvollen Position als Sprachrohr der deutsch-liberalen Politik der Usterrcichisch-l ngarischen Monarchie. Diesem Hecht blieb er auch treu bis zur Auflösung der I labsburgischen Dxnastie und darüber binxveg bis zu seinem eigenen Tode als letzter Ausläufer der österreichisch -ungarischen Groß - mannssucht. llerzl u n d M o r i t z B e n e d i k t! Zwei Persönlichkeiten \on geschichtlicher Gestalt und zwei grundverschiedene Welten. Ms der gewiegte Journalist, der aus dem jüdischen Kleinbürgertum Mährens zur W eltgeltung in Wien emporstieg, den blutjungen Globetrotter aus Budapest an sein Blatt x erpflichtete. da ahnte er kaum die Tragweite einer geradezu Schicksalhaften Bindung. Städtische Sommerbäder XXL, Strandbad Gänxehaufel XXL, Strandbad Alte Donau XXL, Angelibad XIX., Krapfenwaldl XIX., Hohe Warte XVI., Kongrehplatz XVI., Ottakringerbad XL, Theresienbad XIV., Baumgarlneibad XIV., Hütteldoi ferbad XIV., Hadersdort-Weidiingau XXII., Strandbad Stadlau XXIII., Himberg XXIV. , Liesing XXV. , Mödling XXV. , Gumpoldskirchen XXVI. , Strandbad Klosterneuburg XXVI., Slrornbad Kritzendorf Fortsetzung von Seite 3 Leben. Kaum zwei Jahre sinds nach seiner Liebesheirat und schon klafft ein tragischer Riß in seinem Alltag, demwohl nie iiberbriiekt werden sollte. War es der Mutterkomplex H e r z 1 s, der grundverschiedener Lebensstil beider Teile oder das vorwärtsstürmende Tempo eines in ewiger Wandlung befindlichen Geistes'( — Einerlei! — VH <, Pf L KRE;H OUKGAt'K r* J., --*{***,. t-m ' 1 fr,... /._ 2.~/. ... ~r. •+**■** b . . L .. . * L +K.*, ... '<****+./ AS* j i llerzl reißt in einer geradezu aufwühlenden Hast die Familienbande, verläßt im zartesten Alter stehende Kinder und geht in die weite Welt. Es ist die Flucht ins Freie. Zwischen den Polen einer bürgerlichen Existenz und eines aufstrebenden Literatentums droht ein Chaos, an dem die Seele eines geborenen Dichters im* werden könnte. Hie/.u kam die eigenartige seclsiche Er¬ KAFFEE-RESTAURANT GRILLPARZERHOF I., Bauernmarkt 10, Tel. U 25-4-90 Streng orthodoxe Küche empfiehlt sich für Hochzeiten, Festlichkeiten und Banketts. scliiittcrung, die der Selbstmord seines seelenverwandten Jugendfreundes Heinrich Kana in llerzl vor knapp einem Jahre ausgelöst hat und wie ein grausiges .Memento seines eigenen Schicksals fortzuwirken scheint... Der Reiseplan Hcrzls sollte ihn über Paris, Biarritz, San Sebastian bis nach Saragossa führen, als ihn gerade in San Sebastian das Schicksal in Form eines 'z... xUj A.* äi Telcgrammes der „Neuen Freien Presse“ ereilt. Hiedurch erhielt erst seine Flucht ins Freie Sinn und Geltung. Durch dieses, im Briefe vom 5. Oktober 1891 erwähnte Telegramm, begann seine eigentliche Umkehr aus dem drohenden Chaos zu seinem eigentlichen Ich und zugleich geschichtliche Sendung einer i pochemachenden Persönlichkeit... Von Z. F. Finkeistein, Jerusalem Benedikt, um ein Jahrzehnt an Alter, Geschäftssinn und Erfahrung llerzl überlegen, erkannte sofort in dem tändelnden Reiscschildcier und Novizen des Wiener Burgllieatcrs den aufgehenden Stern des eigenartigen Wiener Feuilletons. Fr selbst, der Seifmade-Man. wuchs ja im Laufe von Jahrzehnten zum Meister der modernen Publizistik heran. Selbstbewußt und profcssoral, galt er als Schöpfer einer anonymen und doch ausschlaggebenden Publizistik, die die öffentliche Meinung formt. So formulierte er jahraus jahrein als Herausgeber der „Neuen Freien Presse" die Parolen des Tages. Großmannssucht und Schmiegsamkeit gaben dem prägnant schlagfertigen W/ortgebildc seiner Leitartikel die Folie einer geschichtlichen Warte. von der aus flüchtige Tagesfragcn gewertet wurden. Im Herzen Europas erstand eine machtvolle jounalistische Festung. die gleichermaßen mit der Londoner ,/Firnes" zum Areopag der europäischen Politik um die W/t*nde des Jahrhunderts emporwuchs und den Kulissenschieber Moritz Benedikt allmählich Legende und Wahrheit umrankten. Ein scheinbarer Glücksstern cröffnete llerzl die 'Pore dieser Festung. Der Spürsinn eines Benedikt täuschte ihn nicht. Der lässig melancholische Beobachter des Pariser lin-de-siecle und seine Telegramme, Berichte und Feuilletons um die Zeit der Dreyfußiude über das uuiscliäumend-dramatische Räukespiel um das Palais Bourbon, rückten den Korrespondenten der „Neuen Wiener Presse“ in den Lichtkreis europäischer Aufmerksamkeit. Konnte der gestrenge und doch bewundernde Chef ahnen, daß er mit der Entsendung llcrzls nach Paris einigermaßen in das Gestrüpp jüdischer Tragik eingrii'fV Denn gerade in Paris schlug in den aufsteigendeu Ruhm seines journalistischen Faktotums der Blitz einer geschichtlichen Sendung ein und von da aus begann das aufwühlend-tragische Ringen zweier Persönlichkeiten, das mit Zum 50. Todestag Theodor Herzls sendet Rot-Weiß-Rot am Samstag, den 24. Juli 1954 um 14.45 Uhr einen Vortrag von Dr. Imanuel UNQER A. G. Vereinigter Wiener Tischlermeister Mobelverkaul urul Zentruie Wlan VI, Marlahllfar SlraBa 31 / Tel. Ü 22-401, ß 20-40b, ü 2('.2-lb Holz- und Furnier verkauf | Wlan XV, Goldschlagstraßa 73 / Tel. A 39-4-81, A 39-2-20 HolzoberllbchenlieliumilunyvMaletlnlenverkuu) . Wlan XV, GoldschlagstraBa 65 / Tel B 31 7C b dem vorzeitigen Tode des kaum viernndv irrzig jährigen den düsteren Abschluß fand." kaum wurde llerzl vom Chef nach Wien als Leiter des Feuilletonns berufen, da beginnt er die eherne Wand der ..Presse*" an/iirennen. Bereits besessen von seiner Idee, versucht er mit Logik, Beteuerungen und \ erlockimgen den gestrengen Herrn zu überreden. Zu einem neu erträumten Judentum seines l'ntergehrnen läßt sieh jedoch der alteingesessene Vertreter eines Wiener Assimilanfenlums kaum liiniiberleukeu. Doch wenigstens eine winzige Notiz über seinen Zionismus erfleht llerzl von Benedikt in langen Spaziergängen und mit all sc'üi' r l berredungskunst. Vergebens!!! ..Sie verbrennen die Schiffe hinter sieh", war die Warnung Bachers (4. Februar 1900). des Stellvertreters Benedikts. ..W ir werden das jetzige Vaterland nicht mehr und den Judenstaat noeh nicht hoben." ..Benedikt warnte mich als Freund und als erfahrener Publizist“, verzeichnet ller/.l am 4. Februar 1898. Und um 23. Mai 189. erklärt Benedikt kaltblütig dem unermüdlich ans türmenden Fanatiker: ..Die ganze Welt machen Sie verrückt! Der reine Rattenfänger von Hammeln!“ Ein Königreich für eine Notiz in der „Neuen Freien Presse“! Darauf hatte Benedikt bereits am 20. Oktober 1895 eine klare Antwort gegeben: ..Sie stellen uns vor eine ungeheuer große Frage. Das ganze Blatt bekäme* ein anderes Aussehen. Wir galten bisher als Judenblatt. Jetzt sollen wir plötzlich alle Deckungen, hinter denen wir standen, aufgeben.“ Als Sendbote eines neuerstandenen Judentums verhandelt ein Theodor llerzl mit Staatsmännern, Großherzog, dem deutschen Kaiser, Papst, Sultan und Zaren ,dieweil er sieh wie ein subalterner Angestellter in die Rcduktionsstube der „Neuen Freien Presse“ seh leicht, sooft er ohne eine Entschuldigung von seiner täglichen Biirozeit uushlcibt. So verzeichnet er am 8. September 1899: „Ich bin der Kommis der Herren Benedikt und Bacher. Ich muß täglich im Büro erscheinen, und wenn ich nicht viel tue.“ Tragische Ironie des jüdischen Schicksals! Der Bewegung opfert er sein Vermögen und zittert gleichzeitig um seinen Posten in d:r „Presse“. Jedenfalls kommen wieder schwere Tag* für mich“, um absolut unabhängig duzustehen verzeichnet er am 5. Oktober 1898. „Wie vor e ■ n c 111 halben Jahre, als ich von der Presse weg wollte und in den Verhandlungen soviel Herzklopfen bekam, daß mein Iler/ seither leidet.“ „Vielleicht schleudert mich die Bewegung jetzt uus meiner sicheren Stellung bei der ,Presse' hinaus und in Abenteuer, denen ich wegen meiner Familie nicht ohne Sorgen entgegensehe.“ Als er „Die Welt“ heruuszugeben beginnt und die ersten Kongresse organisiert, da erkennt man bereits deutlich die tragische Zerrissenheit in den Aufzeichnungen vom 18. Mui 1897. ,Die WelP müsse cingchcn oder ich muß mich lo.ssngen.“ So befiehlt förmlich der Chef und lügt nuch llcrzls Aufzeichnungen das herrische Verbot bezüglich der Kongresse: „Ich dürfe auf dem Kongreß keine hervorragende Rolle spielen, ich dürfe nicht hervortreten.“ „Ich will auf Sie keinen Gewissenszwang ausüben“, waren Benedikts scheinheilige Worte, „nur soweit es der ,Neuen Freien Presse1 nicht abträglich ist, dürfen Sie mitmuclien“. Fortsetzung auf Seite 5 StawnOUht „WIWEG" WIENER WASCHE GES. M. B. H. verm. H. Sternberg Jn. Herrenhemden, Pyjamas Smoking und Frackhemden In führenden Mudegeschalten eihälllich

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