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Die Stimme · 1954-07-01 · Heft 87 (Juli 1954) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1954
Issue
Heft 87 (Juli 1954)
Date
1954-07-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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l\r. 87 _PIE STIMME_ Das Wunder Theodor Herzl lici der Eroberung von Sufud während des Befreiungskrieges im Jahre 1948 sagten die Safeder Glutssidim, daß zwei Faktoren wirksam gewesen seien, den jüdischen Sieg zu sichern: der erste, ein natürlicher, die göttliche Vorsehung und der zweite, ein Wunder, die jüdische Jugend Erez Israels. In einem ausgezeichneten Buche über die Grundlagen des Atom- Zeitalters schrieb der amerikanische Physiker Lincoln Barnett folgende Worte: ..Die modernen Physiker, die ihre Probleme ohne Berufung auf Gott zu lösen \ ersuchen — das scheint allerdings immer schwieriger zu werden, — erklären einfach, das Wirken der Natur richte sich in gchciumisvoller Weise nach mathematischen Prinzipien.“ Schließlich eine Bemerkung in einer Studie über „Mathias Achers (l)r. Nathan Birnbaums) Kampf um die Krone von Zion“ von Josef Eraenkel. Das Schicksal wollte es, daß Herzl wohlhabend und großzügig und d iß Birnbaum arm war. Wäre das anders gewesen, dann hätten wir wahrscheinlich keine Zionistische Weltorganisation und keinen Staat Israel. Herzl finanzierte alles. Als er seine Arbeit begann .gab es keinen Schekclverkauf mul keine Fonds und keine Appelle. Herzl gab sein Herz und sein Geld und starb als armer Mann. Es gibt zahlreiche Biographien über Theodor llerzl. Es sind unzählige Studien über die Bedeutung llerzls für die Emanzipation des jüdischen Volkes geschrieben worden. Man hat durch Zusammentragung von Material zu ergründen versucht, auf welche Weise es Theodor Herzl gelingen konnte, wie er selbst einnmal wundervoll ausgedrückt hat, aus einem staubartig zerstreuten Volk eine Nation zu schmieden und aus einem zerfallenden Haufen einen „Staat unterwegs ‘ zu schaffen. Wenige aber haben den Gesichtspunkt hervorgehoben, daß letztem Endes das Phänomen Herzl in das Gebiet des Wundervollen zu verweisen ist. Die größten modernen Physiker, die mit dem Bechenstift in der Hand arbeiten. gestehen freimütig, daß sie nicht imstande sind, das Was und das Warum der Dinge und Erscheinungen zu erklären. Im besten Falle vermögen sie etwas über das Wie der Vorgänge in der Natur auszusagen. Ist dieses schon bei der exakten Wissenschaft der Physik der Fall, um wieviel mehr muß dies für Erscheinungen der menschlichen Geschichte gelten, wo Ursichen und Wirkung unendlich mehr durch Zufälle verschiedenster Art voneinander geschieden sind als bei Vorgängen der Alombewegungen. Es ist darum durchaus zulässig, von einem „Wunder Theodor Herzl“ zu sprechen, und dieses Wunder besteht einzig und allein in der Persönlichkeit Theodor llerzls, in seinem Charakter, in der Geschlossenheit seines Fiihlens, Denkens, Bedens und Tuns. Ei rtset/.ung von Seite 1 Ins, die wir llerzl immer auf Höhen wie auf Adlerschwingen sahen, (unterließ er nebst dankbarer Erinnerung ein erhabenes Beispiel und die Pflicht, von diesem Beispiel und Muster eines aufrechten Juden zu künden. Wir .die seine l nigangslormen, sein Taktgefühl, seine Höflichkeit, Loyalität, Nachsicht und Güte genossen und bewundert haben, bewahren auch diese Äußerlichkeiten im Gedächtnis. denn auch aus ihnen leuchtet der innerlich harmonische, große, verehrte und geliebte Mensch und Jude llerzl hervor. Von ihm könnte man lernen, was Liebe zum Volkstum und selbstloser Patriotismus ist. Hat er doch alles Iür den Zionismus, den Staat unterwegs, geopfert: Zeit. Geld, Familienglück, Gesundheit und Leben. Der Zionist Herzl hinlerließ dem Volke das dankbare Gedenken an ihn, den Heros, dessen Name ewig mit dem Judenstaat Israel verbunden bleibt. Keiner, dem es vergönnt war. llerzl persönlich zu erleben, vergißt, wie llerzl ihn seelisch gehoben, geistig bereichert hat. Dieses erhabene Erlebnis und die Erinnerung daran vergolden den wenigen überlebenden Jüngern und Anhängern den Lebensabend und wgeken in ihnen Träume und Hoffnungen auf ein besseres Morgen. Theodor Herzl hat keine neuen Gedanken ausgesprochen. Idee und Bezeichnung Zionismus bestanden vor Theodor llerzl. Moses Hess, Leo Pinskcr, Wiener aus Kattowitz, Dr. Hüll' aus Memel und Nathan Birnbaum in Wien, trugen zur Formulierung und Klärung der zionistischen Ideologie bei. Die Besiedlung Palästinas wurde von mehreren Organisationen gefordert und gefördert. Das Odcssacr Komitee, die Zionisten Deutschlands und vor allem Baron Edinond Holschild in Paris, legten die Grundlagen für die jüdische Kolonisation in Erez Israel, llerzl aber brachte in diese milcinannder nicht verbundene Tätigkeit ein gedanklich geschlossenes System. Die merkwürdige Mischung von Vision und praktischen Maßnahmen entsprach dem Wesen des Schriftstellers und Juristen Theodor llerzl. Er war Dichter, Scher und Organisator in einer merkwürdig natürlichen Verbindung all dieser Eigenschaften. Seine Vorschläge riefen bei Berlinern und Praktikern Lächeln hervor. Sie hielten den Prediger des politischen Zionismus für einen unpraktischen Naivling, der l/topicn nachjagte. Dabei bewies Theodor llerzl ein tieferes Einfühlungsvermögen in den Lauf der Geschichte seines Volkes und ein souveräneres Wissen, wie man ein Volk führt, als die Praktiker. Seine Aussprüche beweisen, wie er sich völlig im Klaren darüber war, was er Vorhalte, und wie man, das was er plante, realisieren konnte. Ein Volk kann sich nur allein helfen, oder cs ist ihm nicht zu helfen, lautete eines seiner Dikta. Ein Volk führt mann mit einer Fahne und einem Lied, war ein zweiter Ausspruch von Theodor Herzl. Und schließlich war er sieh auch völlig im Klaren darüber, wieviel manche seiner Mitarbeiter wert oder unwert waren, ln seinen Tagebüchern vermerkte er: So wäre ich denn ein Führer von Kindern und Narren. Er tröstete sich jedoch mit der Erkenntnis: Eine Idee ist stets größer als ihre Träger. Theodor llerzl war kein Ehrgeiziger sondern ein liechthaber, wie er sieh einmal nusdrückte. Nichts vermochte seinen Glauben an die Richtigkeit seiner Konzeption der Judenfrage, au das Alleinmittel zur Lösung der nationalen Frage der Juden und an den Sieg seiner Auffassung zu erschüttern. Ein Mann und die Wahrheit sind in der Majorität, sagte er .Er war ein Besessener, und zwar bis zu einem solchen Grade, daß er alles für seine Idee opferte. Er gab sich der Bew egung hin, sein Priv alvermögeni die Sicherheit seiner Frau und seiner Kinder und verzehrte sich wie eine Kerze, die an beiden Enden nngeziindet ist. Man versetze sich in die Zeit der Kämpfe und Enttäuschungen 'Theodor llerzls. Mit nicht-; in der Hand wollte er Slaatskanvdeieu beeinflussen und Staatsoberhäupter, Kaiser, Könige und Regierungschefs für die Lnlerstiizung seiner Pläne gewinnen, und rückschauend muß man sich darüber wundern, daß der Kaiser von Deutschland, der Sultan der Türkei, der König von Italien, englische und russische Minister und Großherzoge 'Ehe dor llerzl empfangen und mit ihm ernst und sachlich über seine Pläne und \\ iinsclie gesprochen haben. Dies alles war nur darum möglich, weil man beim Anblick von und im Gespräch mit Theodor llerzl bewußt und unbewußt die Empfindung halte, einem menschlichen W umler gegenüberzustehen. Nichts, keine Enttäuschung, kein Aufruhr in der Organisation, kein Abfall von Anhängern waren imstande, die Entschiedenheit Theodor llerzls zu beeinflussen. In seinen Tagebüchern vermerkte er, daß (Anfang September 1897) der Judenstaal wenn nicht in fünf so sicher in fiiimfzig Jahren im Bäte der Völker beschlossen werde, denn er sei eine welthistorische Notwendigkeit. Lud den Juden sagte er, und zwar ein Jahr vor seinem frühen 'Bode: „Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen.“ Am erschütterndsten wirkt ein Erlebnis, welches Stefan Zweig im Mai 1904 einige Wochen vor llerzls Sterben in Edlach bei Wien, mit llerzl hatte. Theodor llerzl pflegte, wenn das Büro des Zionistischen Aktionskomitees in der Türkengasse verließ, mit Bekannten, die er gebeten hatte ihn im Büro abzuholcn. „endlos um die nicht weit vom zionistischen Büro gelegene Votivkirche zu spazieren”. Bei dem Treffen mit Stefan Zweig sagte Theodor llerzl: „Ich bin todkrank, und ich sehe das Ende meiner Tage bald kommen. Ich beneide Dr. Victor Adler (den Organisator der österreichischen Sozialdemokratie). Victor Adler hat seine Arbeit im Alter von 2b Jahren begonnen und ich die meinige im Alter von 35. Diese leidenden 9 Jahre kann ich nicht ersetzen, und ich sterbe mit dein Gefühl, daß ich meine Aufgabe vernachläßigt habe.“ Man stelle sieh die Situation vor: Mai 1904. Die Aussicht auf einen Charter seitens des Sultans gleich Null. Das Angebot Englands, in Uganda ein „Nachtasyl”. wie Nordau sagte, zu schaffen. von der Mehrheit der Zionisten zuriiekgewiesen. Das Privattvermügen bis auf den letzten Heller für zionistische Zwecke ausgegeben. Die Gesundheit völlig untergraben, der Tod eine Frage von Tagen oder Wochen, ln dieser Situation sagte Theodor Herzl nicht: Ich kann es mir nicht verzeihen, daß ich die ganze Geschichte begonnen habe: sondern er beweinte nur, daß er nicht frühzeitig genug sich au die Spitze seines Volkes gestellt hatte. Das Phänomen llerzl kann mit einfachen Maßstäben nicht erklärt und nicht genessen werden. Viele Zufälle haben mitgewirkt, daß diese einzigartige Person lieh k eiet meteorgleich emporsteigen konnte und von der jüdischen Volksmu.xsc und auch von der nichtjüdischen Welt als legitimer Führer des jüdischen Volkes und als der Prophet seiner Hoffnungen anerkannt wurde. Man kann die Erscheinung Theodor llerzls in wenigen Sätzen biblischen Stiles beschreiben. Und der Herr erschien Theodor Herzl und sagte: Nimm die Last Deines Volkes auf Deine Schultern, werde eine Feuersäule liir Dein Volk, diene als Diener des Lichts, und diese Sendung wird der Sabbat Deines Lebens sein. Moshe W a 1 d m a n n, Paris. OPTIKER KARL DRUKS Atelier für moderne Brillen-Optik Wien IX, Universitätsstraße 12 Telephon A 27 9 70 Gegen Vorweisung dieser Anweisung 10 % Rabatt Sei tc 3 . Brief Am Wendepunkt seines Lebens schrieb ller/.l den nach folgenden Brief der bislang unbekannt über das Persönliche hinweg und historische Bedeutung beansprucht. W ie sich aus dem Inhalt dieses Briefes unzweideutig ergibt, ist er un Hugo Witt m in u. einen der Schöpfer des W ien: :• Feuilletons, Bedaktcur der ..Neuen Freien Presse“ und Mitverfasser einiger Theaterstücke in Zusammenar- Flugkarten in allen Reisebüros und WIEN I, KÄRNTNERRING 5 - B 34-5-20 Serie r TÄGLICH mit schnellen viermotorigen CLIFFERN nach den USA Pan American beit mit llerzl gerichtet. Es ist um das Ende des Jahres I89l und de»- kaum 31jährige llerzl hat bereits hinter sieh einen 10jährigen Lebensabschnitt bis zum Bande ausgcfüllt mit einer übersehäumenden literarischen Produktivität. Zwei Sammclbücbcr: „Neues von Venus“ imnd das „Buch der Narrheit“ sind Ausflüsse einer noncholanten Weisheit, die noch am Bande des Lebens sieh mit Blitzlichtern der Erotik und Lebenslust begniigt. Eine Reihe von Lustspielen, wie „Wild diebe“, „Dame in Schwarz“, wurden vom Wiener Burgtheater, andere wie „Prinz aus Genienland“ vom Carltbeater in Wien, „Seine Hoheit“ vom Deutschen Theater in Prag mit größerem oder kleinerem Publikumserfolg aufgeführt und der im Brief erwähnte Gründer des Lcssingtbcatcrs in Berlin, Oskar Blumcntbal, ereröffnete dem jungen Schauspieldichter die Pforten seiner Bühne. Befriedigten jedoch die Theatercrfolge keinesfalls die hohen Aspirationen llerzls. so verrieten bereits seine Feuilletons den angehenden Meister dieses Wiener Genre, ln Italic l. Frankreich, Spanien und England fand der unermüdliche Globetrotter Besuchen Sie die Hübner- Betriebe Kursalon — Open Gate Splendid — Konzerfcafe und Bar — Feuchter Stock Kobenzl-Resfaurant eine reißende Fülle von Eindrücken und Erlebnissen, die brühwarm in geistspriibenden Eeuilletous. die obendrein von einem leichten Nebel der Melancholie umhüllt waren, ihren literarischen Niederschlag fanden. Die zeitgenössischen führenden Blätter, wie ..Berliner Tageblatt". ..Poster Lloyd". „W iener Allgemeine Zeitung" und schließlich auch die tonangebende „Neue Ercic Presse“, brach len Schilderungen, die bereits im jugendlichen Alter llerzls schriftstellerischen Buf begründeten. Trotz dieser Erfolge fehlte es nicht an Rückschlägen und Enttäuschungen. Auf den BrrtIrrn der Bülme, der sieh Herzl ganz verseil reiben wollte, wie in seinem Fortsetzung auf Seite 4 NACH ISRAEL MIT IHRER FLUGLINIE tim mau mmms JETZT MIT DEN MODERNEN 4-MOTORIGEN CONSTELLATION FLUGZEUGEN. DRUCK KABINE, BEQUEME VERSTELLBARE SITZE, BESTE KOSCHERE VERPLEGUNG. DIREKTER FLUG JEDEN DIENSTAG WIEN - ISTANBUL - TEL AVIV tim man mauats WIEN , HEGELGASSE 21, FICHTEGASSE 5. TEL. R 27 116 ^20970

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