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Die Stimme · 1954-07-01 · Heft 87 (Juli 1954) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1954
Issue
Heft 87 (Juli 1954)
Date
1954-07-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sei te 2 DIE STIMME Nr. 87 steift. dis nie gelernt li;tt .sich in l nterw iirfigkeit zu beugen. Dis jüdische \ ulk lut viele Talente hervorgehracht: über sie u aren Egoisten oder fragmentarische Talente. \\ ir hatten linen Heinrich Heine: aber er besing die Liebe, den Rhein und die \\ a 11fallrt zur lieben Krau \ on Kevlaar: wir hatten einen leluula llalevy. aber seine jüdische Sehnsucht erschöpfte sich ganz in harniMiisi her Lyrik: einen Disrael: aber;r schuf den britischen Imperialismus: einen M iu.isse hen Israel, aber sein Ideal b: schränkte sich auf die Erlangung der Erlaubnis, daß den luden England geöffnet "erde: einen Simsim. den ..geborenen Präsiden teil", aber er lief.' si -h taufen, um in politischen Versammlungen Deutschlands den Vorsitz zu führen: einen Mendelssahn, den Apostel der nestln hen Zivilisation, aber seine Lehre führte schließlich zur \erachtung der jüdischen traditionellen Werte. Der Ruhm einer wahrhaft großen, wirkungsreichen. monumentalen Persönlich - keit wächst nach ihrem Tode mit den •Jahren und strahlt immer mehr Licht und Liebe aus. Zu einer sah hen Persönlichkeit gehört sogar eine gewisse Symbolik der Zahlen. Mit 8b Jahren veröffentlichte Theodor Herz! 1898 die Schrift ..Der Judenstaat". Ein Jahr darauf berief er den ersten Zionistenkongreß nach Basel. Bald muh der Eröffnung notierte er in sein Tagebuch: ..ln Basel habe ich den Judenstaat gegründet. \ ielleicht in fünf Jahren, jedenfalls in ÜO Jahren, wird es jeder einsehen." Er glaubte also daran, daß Leute seines Alters den wirklichen Judenstaat erleben werden. Er arbeitete acht Jahre an der Verwirklichung seiner Idee und starb 1904 mit 44 Jahren. I nd 44 Jahre später — 1948 — entstand der .Judenstaat Israel, wo vielleicht ein paar von I lerzls Altersgenossen und gewiß einige seiner Zeitgenossen leben. Wenige dieser Eberlebendcn standen mit Herzl in persönlichem Kontakt. W er wie ich das Glück hatte, mit lhrzls glänzender Sphäre und seiner edlen Person in Berührung zu kommen und von ihm beachtet und gefördert zu werden, kann den intimen Herzl. den ehrlichen Freund und Förderer junger Menschen ebensowenig wie den in der Öffentlichkeit anerkannten und verehrten Heros Herzl vergessen und muß von seiner Güte und Größe, seinem Lehen und Leiden. Wesen und W irken dankbar begeistert erzählen. Erst erlebte ich fferzls Wirkung in die Ferne zu einer Zeit, als ich 189b Obrrgymnasiast in Stryj. einer Stadt in Galizien. das dazumal Kronland des österreichischen Kaisertums war. vom seiner aufscdien rregenden Schrift ..Der Judenstaat" hörte. Hier trat ein stolzer Jude auf den Plan mit einer herrlichen Idee, mit einem königlichen Traum. Mußte er nicht die Juden, die jungen Juden, mitreißen? Ein Jahr später las ich die erste Nummer der von Herzl iti W ien herausgegebenen zionistischen Wochenschrift ..Die Welt". Bald brachte ..Die Welt" Berichte über den von Herzl einberufenen und ge- ANMELDUNGEN BE! REISEBÜRO VERBILLIGTE FAHRTEN ANMEIOUNGEN Bf/ REISEBÜRO PACE CAPRI nti/um w KÜSC II E R E KOCH E ELLG-, SCHIEF- LND BAI INK AKTEN NACH ALLEN TEILEN DEK WELT ZI OKIGIYVLPKFISFN l ml zum ersten Male nach zw ei - (aus e n d J a h r e n brachte das jüdische \ |k einen Mann hervor, der ein ebenso heu undersu erter Europäer als zugleich ein begeisterter Jude war. der dir radikalsten E o r I s c h r i t t s i d e a t e hatte und zugleich einen wunderbaren gesi hi« h(liehen Sinn, der Dichter und Staatsmann für die jüdische Suche war. der Präsident. Kedner. Organisator. Träumer. Tatenmensch war. \ orsiehtig. w o er kennte, kiilm. wo er es mußte, bereit zu allen OpL rn und sogar zum Martyrium, insofern es sieh um ihn seihst handelte, und nachsichtig, v m unerschöpflicher Geduld gegen alle anderen: stolz, edelmütig, würdevoll un;l dennoch bescheiden, brüderlich den Einfachsten und den Geringsten gegenüber. D i e s e r M a n n w n r T h c o d o r llerz.l. und er war erst v ierundv ierzig Jahre alt. als er uns verloren ging. leiteten ersten Zionistenkongreß in Basel 1897. Endlich sollte ich Herzl selbst sehen, ihn also aus der Nähe unmittelbar erleben. war doch in der ..Welt" eine Vorlesung I lerzls aiigeküinligt. Gespannt saß ich im überfüllten Sitzungssaal des \ercins Zion. Wien, Kcmbrandtstraße i I. Herzl kam. Seine Erscheinung wirkte faszinierend. Ich war verzaubert, als Herzl mit seiner warmen werbenden Stimme zu lesen begann. Mir war wie im Traum. Nun war ich Herzl verschworen und guii' in seinem Baun. Der Weg. den ich zu gehen hatte, lag klar vor mir. Ich hatte auf der W iener Universität. die für die damaligen Lieblinge des Wiener Publikums, die Juden Arthur Schnitzler, Adolf Kitter von Sonnenthal und Gustav Mahler schwärmten. Es gab aucii andere bekannte Juden in Wien, so den Obcrrabincr Giidcmann, Dr. Josef ßloeh, Oskar Marmorck, Theodor von Tuussig. Barone Rothschild und Kose, auch die Komponisten Brill und Goldmark zählten dazu. Aber ich suchte nur Herzl. An einem W inlerabend erlebte ich im W iener C.arlthcater die Erstaufführung seines Schauspiels „Das neue Ghetto". Herzl dankte wie ein Monarch für den rausihen.'Ln Beifall. Das war ein Stück mit jüdischem Geist, mit jüdischen Menschen. Auf dem zu Ehren Nor:laus. der aus Paris kam. von den zionistischen Stud'-nteiiv erl.'indungeii im Hotel Continental vcraivstf ltotcn Eestkommers. an dem ich al, damaliges Mitglied der „Lnitas" leilrahm. sprühen Herz! und Nordau. Nor- (lau war der geborene gewaltige und doch die Künstlerin beherrschende V crsaminhmgsi cdner. ein Meister des W indes und der W irkung, ein mitreißender Tribun. llerz.l w:u der natürliche, gewandte, iibei iegrnc Sprecher. der anregend ’ Staaism um. mit dem Bewußtsein der \ er,mitw ortung und dem schlichten Ernst der prophetischen l herzeugimg. die wrd"r Pathos noch großartige W orte braucht. \ns diesem Drang nach zionistischer Betätigung sehrieh ich wiederholt au llerz.l und hol ihm meine bescheidenen Dienste an für den Zionismus. Ich wurde \ >ii llerz.l eingeladen. Klopfenden Herzensging ich in die Reduktion der..Neuen Ei eien l’iesse". »dessen Eeuilletonredakleur Herzl war. \ls ich in sein Zimmer trat, war mir feierlich zumute. Herzl unterhielt sii h mit mir freundlich über meine ihm eingesandten Gedichte und ermunterte mich zur literaristdien Arbeit. Dann begleitete er mich entzückten Jüngling durch einen Saal bis zur Tiire und forderte mich auf wiederzukommen. Am 3. Juli 1904 starb Herzl in Edlach. Sein Begräbnis war eine Kundgebung der \ erzwciflung und Liebe. Einige Tage später fand die Trauert e! er statt, wo in allen Sprachen Kedni gehalten wurden. Auch Stand, der aus Lemberg kam, sprach. I!er stolze Jude Herzl fühlte sieh durch den Judenhaß tief verletzt in seinem Ehrgefühl und dachte über Mittel gegen den Antisemitismus nach, bis das Erlebnis dei Degradation des llauplmanns Drcyfuß und des Ausbruchs des Judenhasses in Paiis in ihm die entscheidende Wandlung verursachte. Du erlebte llerz.l die Kraft des nationalen Erwachens in si< h. Diese Wandlung empfand er als Glück und Stolz seines Lebens. Er grübelt. Wenn der Judenhaß in der freisinnigen, kulturellen Metropole Paris aushrerLen konnte, wie schrecklich kann es woanders werden. IX*r Antisemitismus war der Scheinwerfer, der die Judennot aus ihrem Dunkel heraushob. Zu ihrer Behebung und zur Lösung der Judenfr.ige blitzt in Herzl die Idee der Selbsthilfe durch die Giüiuhmg des Judenstaales beherrschend auf. Er entwirft Pläne, Briefe und Beden. Die Idee, die er als die Hauptsache ansieht, hat er ja schon. I m aber das Volk in ein Land zu führen, ist Geld nötig l nd das ist schließlich auch da. Gibt es denn nicht jüdische Millionäre Zu dem reifen, praktisch ai Einanzmann, dem planlosen Philantropeu und Grldjuden Baron Hirsch gehl der h: ranr: ifciule, ph.sntasi‘volle Schriftsteller, der planende Politiker llerz.l. Er hofft, mit dem Schlüssel seiner Idee dis Herz, des Barons und seine Kasse zu offne;!. I nd der Magnat hört ilm an und stellt ihm die Fortsetzung der interessanten l ntcrrcduug in Aussicht. Leider waltet über der Begegnung ein tragisches Geschick. I lerzls Schrift „Der Jndenslaat" erreicht nur einen 'Boten. Das war für llerz.l die erste schauerliche Erschütterung. Aber er verzagte nicht. Warum sollen die Rothschilds, dem. Rester. Edmund, Kolonien in Palästina fördert, nicht auch für etwas Großes und Bleibendes Gebt hergeben? Aber sie verweigern es. Die Enttäuschungen taten llerz.l bitter weh. aber sie stählen seinen (Iharakter. beflügeln seinen Stolz, festigen seine Energie und veredeln seine Liebe zum \olke. I nd zum V olk, zur Masse, zur .Jugend geht er mul mm weiß er. in welches Land er sie führen wird. Seine Idee ist national geworden. Das Land ist Palästina, Erez! Herzl ist Zionist. W ieder scheint ihm alles leicht. Die Juden werden aus allen Ländern in das Mutterland strömen, liier im .Judenstaat wird es keine .Judennot, Haß und Bedrückung gehen. Überall nimmt man ilm erlist, gewährt ihm Audienzen, macht ihm Versprechungen, weckt in ihm Hoffnungen. Doch es mehren sieh die l'inttäuschimgen. Es sollte sieh zeigen, daß er auch das Volk überschätzt hat, indem er ihm zuviel zugemutet hat, zu viel Begeistenmg und Opfermut. t’bcvsvben wir nielH die beglückenden Momente in Ilerzls Leben, namentlich die hegeis (er teil Zus(immungserkläruIlgen und Kundgebungen zu seinem veröffentlichten Ruch „Der Judcnnstaat“, die ihn Angriffe und Proteste verschmerzen ließen, und dann die Atmosphäre auf dem ersten Kongreß, liier war Herzl ganz auf der Höhe, kam mit hunderten Abgeordneten zusammen, imponierte, überzeugte. einigte unnd begeisterte. Hier sah er Ostjuden mit Wesljudcn gemeinsam des V olkcs Geschicke beraten, erhielt die Vollmacht zu Verhandlungen, somit das Rückgrat, und füllte sein Herz mit Mut und Glauben. Vom Volke erwartete er die Anzahlung von zwei Millionen Pfund für den Charter, die ihm die Millionäre versagt hatten. Fieberhaft bearbeitete er das Volk. Es entstehen Herzls zionistische Schöpfungen nebst dem Zenlrulorgan der Bewegung ..Die Welt" und dem jährlich st-itllindcmlrn Kongreß: die jüdische Kolonialbank. der Nationalfonds und die w ellumspamuude Organisation. V an Marek Seherlag (Haifa) Salo Guttmann Wien I, Helfersforfersfr. 8 Tel. U 21-2-95 Groß vertrieb von patentamtlich geschützten Neuheiten BÜROMASCHINEN / BÜROBEDARF EINKAUF VERKAUF Maschinen mit hebräischer Schrift lagernd AUGUST GUNYIS WIEN IX. SCHLICKGASSE 2 TELEPHON R 53-0 75 Eigene Reparaturwerkstätte STOFFE KLEIDER l'T! II IMMEN HKHIiKN UNO KINOEII Qut und preiswert vom Jiaufhaus Bcudcc Uc&cc Wien VII, MarlahlllaratraBa 90 Talapham ■ 96 0 91, B 16 917 „ELSE” PARFÜMERIE WIEN I, STEINUKLGASSE 1 (heim Tmhhmhen-Kmo) TELEFON U 21 3 64 DIE JÜDISCHE PARFÜMERIE SÄMTLICHE SPEZIALITÄTEN AUS U. S. A. FRANKREICH, SCHWEIZ, DEUTSCHLAND Wir schicken offiziell Pakele mit Parfümerien und Seifen nach Israel I Wie ich ihn erlebte wo ich Jus studDr-t; jüdische Kollegen. 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