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Die Stimme · 1954-07-01 · Heft 87 (Juli 1954) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1954
Issue
Heft 87 (Juli 1954)
Date
1954-07-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b. Preis 2 Schilling limine Redaktion und Administration Wien IX, Universitätsstr. Nr. 4/' Telefon A 26 4 73 Postscheck-Konto Nr. 134.292 s Juli 1954 OcfOH dec Attyeme2m%UUf* in ÖsluuUU Nr. 87 Zionistischer Landesverband Wien Theodor Herzl Fiinzig .Jahre sind verflossen, seit Theodor 11 o r z I seine Augen für immer geschlossen hat. Am 3. .Juli 1904 starb Theodor Ilerzl in der Blüte der Jahre. Die Machricht vom Heimgang des Vaters des politischen Zionismus wirkte auf die Masse der .Juden niederschmetternd und rief eine Stimmung hervor, die wie eine nicht wiedergutzumnehende Miederlage auf den Seelen lastete. Kurz nach dem Tode ller/ls, gab Ma\ Morduu seiner Trauer in folgenden Worten Ausdruck: ..Ich habe mich von diesem Keulcnschlag nicht erholt und ich bin noch immer betäubt." Ilerzl. der treue, hingebungsvolle Mensch, weihte dem jüdischen Volke sein Leben: aufrecht, zuversichtlich, träumend, liebend stand er auf seinem Picdcstal und war der erste .Jude, der in der Galuth nationale Politik gemacht hat. l'm die .Jahrhundertwende begründete Theodor Ilerzl in Wien den politischen Zionismus. Von hier aus spann er die Fäden zur jüdischen Welt, entfaltete er seine ethische, physische und seelische Kraft und gab er der Menschheit Kunde, daß die Lösung der .Judenfrage nicht nur für die Juden selbst, sondern auch für viele andere Mühselige und Beladene von epochaler Beideutung sein werde. Mit heißem Glauben und unbeugsamem Willen eines Protagonisten, stellte er seine wunderbare Kruft in den Dienst seiner Idee, der Idee unser aller Hoffnung, der Idee der Rückkehr der Juden in des Lund ilircr Väter. Sein persönliches Geschick hat ihm die Verantwortung für viele, viele Schicksale auferlegt: mit seinen prophetischen Gaben entfaltete er eine soziale Tätigkeit, die wie ein Marillen anmutet. Ilerzl ging in die Geschichte ein, weil er eine einmalige Sendung; erfüllt hat, die darin gipfelte, daß er es unternahm, die Juden aus der Diaspora in ein neues Zion zu führen, sie zu einer bewußten Nation zu formen, ihre Liebe zum Land zu be- Icbcn und den Glauben an sich selbst zu wecken. Fr ward, wie wir es heute klar sehen, zum pater patriae. Man nannte Herzl zu Lebzeiten den ungekrönten König von Zion. Als er die Augen für immer schloß, versammelte sich eine unübersehbare Schar von Menschen vor dem Trauerhause in Wien Will. 1 laizingergasse und tun Döblinger Friedhof, und klagte über den Verlust des Souveräns. Aus allen Ländern, wo Juden lebten, hallte das traurige Fehn nach ..Der König ist tot, wir stehen nun ohne Führung da, uns fehlt die Meisterhand, die die Brücke zur allen Heimat zu schlagen vermöchte.“ Die bedeutende Frau ,dic Nobclpreisträgerin Berta von Suttner, schrieb zum Tode llerzls: „Bin aufs tiefste erschüttert. Finen l nvergeßliiheil, Unersetzlichen haben wir verloren.“ Die von Ilerzl geweckte Hoffnung auf nationale Befreiung, durfte nicht in die 'Trostlosigkeit versinken. Fs galt die Arbeit auf dem von Herzl geebneten Weg mit neuen Mitteln fortzusetzen und die Realisierung der großen Idee mit Weitblick und Klugheit vorzubereilen. Die zionistische Idee ist so alt wie das .Judentum und wurde von großen Geistern gepflegt: jedoch Ilerzl allein vermochte es, den Juden den starken politischen Impuls zu geben und ihnen die nationale Freiheit zu offenbaren. Fr konnte seinen Finfluß auf weite Kreise seiner Brüder ausüben und ihnen Zuversicht beibringen, daß das heilige Ziel, Frez Israel, in absehbarer Zeit erreicht werden wird. Ilerzl, der edle, Willensstärke, mit prophetischen Sehergaben ausgestattete Mensch, scharte Persönlichkeiten um sieh, die, erfüllt von hohen Idealen, geistig stark und innerlich frei, imstande waren, die von ihm entzündete Fackel weiterzutragen und den steinigen, schweren, aber sicheren W eg zu gehen. bis geziemt sich, bei diesem Anlaß ihre Manien in Dankbarkeit zu verzeichnen: David Woflsahn, M,i\ Norduu, Dr. Kulm, Dr. Kokesch, M. Ussischkin, Ing. Kremenezky, Architekt Murmorek, Schcmnrju Lev in, Mali um Sokolow, Nathan Birnbaum, Martin Buber, Chaim Weizmann, Doktor Tschlcnow, Prof. Schapira, Rabbi Mobile wer, Prof. Mandelstamm, Samuel Pinclcs, Dr. Bodcnhcimcr, der englische Geistliche Reverend Hechler, Berthold Fciwcl, Arthur Huntke, Schlomo Kaplanskv, Prof. Warburg, Ber Borochow, David Ben Gurion, Dr. L. Pinsker, Doktor Rülf und viele andere. Ihre aufopferungsvolle, vielfältige Arbeit ,hat zur Frrichtung der Medinah Israel geführt. Die große Forscherin Madame Curie, deren 20. Todestag die ganze Welt jetzt feiert, sagte einst in einer Festrede: „Man muß sein Werk fortsetzen, was immer auch geschieht. Man muß aus dem Leben einen Traum gestalten und aus dem 'Traum die Wirklichkeit.“ Die obenerwähnten Männer setzten das Werk llerzls fort, was immer auch geschah und llerzls Traum gestaltete sieh zur Wirklichkeit. Ilerzl sprach einst folgende Worte: „Durch das, was ich getan, habe ich den Zionismus nicht ärmer, aber das Judentum reicher gemacht.“ Und auf dem Totenbett rief er seinem treuen Freund Hechler zu: „Grüßen Sie alle von mir und sagen sie ihnen, daß ich mein Herzblut für mein Volk gegeben habe.“ Ja, das Judentum ist in der. Tat reicher, das Herzblut llerzls fiel auf fruchtbaren Boden. Das Testament llerzls wurde vollstreckt. Die Gebeine des Genius brachten wir in das Land seiner Sehnsucht: ln das Land unserer Väter. Bernhard Braver. Er ist nicht mehr Von Max Nordau Am 15. Juli 1905 veröffentlichte llerzls .Mitstreiter und intimer Freund Max Nordau im „Echo S i o n i s t e“ ein erstes Gedenkwort das noch völlig unter dem niederschmetternden Eindruck steht, den llerzls frühzeitiger Tod im Kreis seiner zionistischen Mitarbeiter hervorgerufen hat. „Ich kann nur Klagen Vorbringen, ohne mir Mühe zu geben, sie künstlerisch zu ordnen“, ruft Nordau aus. Der nachstehende Auszug ist diesem Artikel Nordaus entnommen. Herzl ist entschwunden. M.ui wird sehen, man sieht es schon, daß niemand sich uns bietet, ihn zu ersetzen. Denn er war einzig. Er war es, nicht so sehr durch jede einzelne seiner zahlreichen Eigenschaften als vielmehr durch deren wunderbare Vereinigung in einem einzelnen Mann ... Weniger Dichter als Heinrich Heine, ein geringerer Redner als Disraeli, minder phantasievoll als die Christin Eliot, als Administrator kleiner als Baron Hirsch, war er nichtsdestoweniger größer als jeder von i h n e n, weil er dies alles zugleich war. Und er war noch etwas anderes. Sein Geist nährte sich an der modernsten, entwickeltsten Kultur Westeuropas, sein Herz schlug im gleichen Rhythmus mit den Juden des allertraditionellstcn Osteuropas. Er stellte in den Dienst der poetisch kühnsten Konzeptionen die vernünftige, überlegte Methode des Staatsmannes, des kaltblütigsten Berechners. I nd um nichts zu verschweigen, er war auch durch das Äußere und durch die Nebensächlichkeiten, die in den menschlichen Dingen eine so große Bedeutung haben, begünstigt. Fr war schön, er war groß und wohlgeformt, er hatte eine edle, denkende Stirne, eine warme, starke, in die Ferne wirksame Stimme. Er ist in Wohlhabenheit geboren und groß geworden und sein angeborener Stolz hat nie die Demütigungen der Armut gekannt. Sein Auge hatte stets die Gcwohnnheit, den anderen immer gerade und voll unzublicken, mochte es ein Kaiser, ein König oder der Papst sein. Die materielle Unubhängigkeitt hat sein Rückgrat geif' '***■

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