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Die Stimme · 1954-04-01 · Heft 85 (April 1954) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1954
Issue
Heft 85 (April 1954)
Date
1954-04-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 85 Die Notwendigkeit der Alijah „Die Stimme" ihieenUwte SH. Schragay in Wien Miläßlich ein es Besuche1; cl es Herrn Scli. Schragay. ehern. Bürgermeister \ ui Jerusalem und Leiter des Mi jah -Departements der Jewisli Agency. \ eraiistal te!e die Zionistische Föderation in Oesterreich am 28. März I?>54 einen \ ortrag. hei reichem Herr Seliraga\ über das Thema ..Israels \nfbau und Planung” sprach. Der Hedner behandelte hauptsächlich die Probleme der Mijali. die jetzt den Brenn - punkt in der Entwicklung des Staates bilden. Der Redner zitierte die \\ orte Ren Gurions: ..In der Golah gibt es Juden mit einem Beinamen, w ie z. R.: polnischer .Jude, russischer, deutscher Jude. Nur in Israel gibt es Juden ohne Beinamen!” Herr Schragay wendet sich dann mit einem Appell an die im Saale weilende Jugend: ..Kommt nach Israel und bauet euch und euren Eltern eine sichere und schönere Zukunft”. Er zitierte dabei das Gebot: ..Ehret Eure Eltern. Im Talmud folgt gleich darauf das Gebot: Du sollst den Schabbath heiligen.” Damit soll gesagt sein. daß man die Weisungen der Eltern befolgen muß. aber nicht, wenn sic die Nichteinhaltung der Gottesgebote lehren. In unserem Falle haben die Kinder das Recht, gegen den Willen der Eltern das Haus zu verlassen und nach Israel zu gehen, um damit dem ganzen \oIkr zu dienen. Die arabischen Staaten fürchten keine militärischen Leberfälle seitens Israel... da sie genau Bescheid wissen, daß Israel dies nie tun wird: sic fürchten blos eine starke Einwanderung und eine natürliche Wehrfähigkeit. Da sie aber auch wissen. daß Israel und seine junge tapfere Armee militärisch nicht zu schlagen ist. wollen sic uns ökonomisch ruinieren. Di 's wird ihnen keinesfalls gelingen. Die ökonomische Lage hat sieh bedeutend gebessert. L nsere Feinde wissen genau, daß sieh durch die \ ernachlässigung der Alijah. die militärische Lage verschlechtert. W ir haben za wenig Menschen für den Negev und für den Gal il: Gebiete, welche nur kultiviert werden können, wenn ein starker Strom von Juden aus der Gu- Die Referate über die \ ortrüge Dr. David Gelles ,.Die Entstehung und Bedeutung der Kabbala (Sohar)" und Raphael Med an ..Der Soldat in Israel” erscheinen in der nächsten Nummer unserer Zeitschrift. luth sieh in das Land unserer Väter ergießt. Hier ist der neuralgische Punkt und die Lrsache der Grenzzwischenfälle. Wir stehen jetzt vor einer großen Alijah aus .Nordafrika: mehr als bOO.OOO Juden kommen hiefiir in Betracht. Mit diesen Einwanderern allein ist es schschwel, moderne Kolonisation dur.-hzufiihren. hier wäre eine Alijah aus Europa nötig, die diesen Elementen geistig und manuell beistchen könnte. Die Soehnuth macht alle Anstrengungen, die Alijah aus den freien Ländern stark zu erweitern. Sie wird Wohnungen zur Verfügung stellen, Zoll und Steil u - erlcichtf rungen gewähren. W enn man gegen diese oder jene Mängel Kritik übt. gibt es nur eine Möglichkeit, sie aus der Welt zu schaffen: die Alijah. Israel ist ein demokratische! Staut und jeder kann und muß mithol - feu, die Fehler und Mängel zu beseitigen. Croß ist die Pflicht zur Alijah für die religiösen .Juden der Golah. Nach ihrer Alijah werden sie in der Lage sein, das religiöse Leben des Landes zu befruchten und es der Thora anzupassen. Der Redner gal; der Hoffnung Ausdruck, daß die Zionisten Wiens die ernste Lage heurtifen werden und die entspret henden Konsequenzen daraus ziehen w erden. Die Misführungcn des Redners fanden großes Interesse und der Präsident der Zionistischen Föderation. Gustav Lcitncr, konnte im Namen des Präsidiums dem Redner den besten Dank ausdriieken. Ml lli GROSSMANN Es sind in Wirklichkeit noch nicht alle Schwierigkeiten zur Inspirierung \on Kapital und Waren nach Israel beseitigt worden. Es gibt noch eine .Menge zu tun, um die Stimmung für Investitionen zu verbessern, doch kann man schon Erleichterungen auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Kontrolle wahrnehmen. In der Frage der Investition von größeren Kapitalien hat die Spannung nachgelassen. Demgegenüber ist das Bestreben beim Mittelstand, mit kleinerem Kapital wach geworden, sich mit ihrem \ ermügen nach Israel zu begeben. Es handelt sich um Menschen, im Alter von 40 bis 50 Jahren, mit einem Kapital von ca. 10.000 bis 25.000 Dollar durchschniitiieh, die den Willen haben, zusammen mit ihren Familien nach Israel zu gehen, bis gibt auch solche, die als organisierte Gruppen hinübergeheii wollen: sie kennen die Lage im Lande und sind bereit Opfer zu bringen. Die Hauptfrage für diese Kategorie ist: Auf welche Weise ihre Geschäfte in ihren derzeitigen Wolmländcrn zu liquidieren und das Vermögen ohne große Verluste nach Israel zu überführen wäre. Die Wirtschaftsabteilung der Jewisli Agency hat Schritte unternommen, um dem Mittelstand für Investitionen zu interessieren. Durch ihre Initiative ist eine zentrale Instanz gegründet worden, deren Aufgabe darin bestehen soll, Leute dieser Kategorie zu betreuen und Schwierigkeiten zu vermeiden. Es handelt sich hier nicht nur darum, das Vermögen nach Israel zu führen, sondern auch dem Besitzer des Kapitals, bei der Einordnung in seinem Beruf oder in seinem Wirtschaftszweig, in welchem er vor seiner Alijah beschäftigt gewesen war, behilflich zu sein. Gemäß eines Abkommens zwischen der Israel-Regierung und der Wirtschaftsabteilung der Agency hat letztere die Aufklärungsarbeit unter dem Mittelstand in den verschiedenen Ländern übernommen. Desgleichen die faclunännisene Instruktion und sämtliche Vorbereitungen zu deren Alijah. Alle übrigen Funktionen sind der ,,Zentrale für Dich. Invexlicnv“ übertragen worden. Die Aufklärungsarbeit mit dem Ziel Kapital hcranzu/iehen, wird von zwei A ein lern geleitet. Vor einiger Zeit ist ein Schaliach nach Marokko gefahren, um die entsprechenden Kreise in diesem Lande zu erfassen. Die Schlichim verrichten ihre Arbeit in engem Kontakt mit den diplomatischen Vertretungen Israels und mit den zionistischen Organisationen in den entsprechenden Ländern. In den zwei Monaten Dezember Ho.'i bis Januar 1954 hat die Abteilung in Je- ORNA Die bekannte israelische Schauspielerin Orni Parat weilt zu kurzem Aufenthalt in W icn und erfüllte unseren Wunsch nach einem Interview, welches sie unserem Redakteur Fritz Müller gewährte. Man sieht der jungen Künstlerin ihren großen Idealismus und ihre Liebe zu Isrusalem 40 Familienfällc behandelt, potenzielle Olim-Investicrer, größtenteils \oii Nord-Afrika, die erklärt haben, eine Summe von ungefähr Vj., Milk Dollar zu besitzen, und die sic in verschiedenen Formen nach Israel zu transferieren gewillt sind. Die Wirtschaftsabteilung in New -V ork hat die erste Liste von 85 Alijah-Kandidaten nach Israel geschickt, die zusammen eine Summe von 1,250.000 Dollar besitzen. Jetzt wird die Liste nach Beschäftigungen und Alter klassifiziert. Passende Wohnungsmögliehkcitcn für diese Kandidaten werden in den bereit; aufgebauten Siedlungen und Vierteln, die besonders für die Anglosäehsischcn Länder bestimmend sind, erörtert. Außerdem haben sich die Gruppen freier Berufe organisiert und auch eine gewisse Zahl von Familien, die an landwirtschaftlicher Kolonisation interessiert sind. Diese Gruppen besitzen 3,233.000 Dollar. Das Pariser Büro hält den Kontakt aufrecht, mit gewissen Gruppen von Kandidaten, die sich in den einzelnen Alijah-Acintcru regislicrt haben, sich aber noch nicht endgültig zur Alijah entschlossen haben. Auch die letzteren gehören dem Mittelstand und den freien Berufen an. Die Wirtschaftsabteilung bemüht sich, die neuen Unternehmungen nicht in den großen Städten oder in deren Nähe zu konzentrieren. Sic hat mit einer Reihe von Sladlrätcn kleinerer Städte und Dörfer verhandelt und von ihnen wichtige Hilfe beim Bau von Häusern, bei der Zur-A crfügungstcllung von Bauplätzen, Befreiung von städtischen Steuern et-, zugesichert bekommen. Diese Investiere!- kommen größtenteils aus Süd-Amerika und auch aus Europa mit der Absicht, I lilfsw irtschaften aufzuslcllen, zusätzlich zu ihrer gewerblichen Beschäftigung in Industrie oder Handwerk. Es bestehen große Pläne Farmen zu gründen. Letztlich ist auch ein Plan behandelt worden, Pensionisten nach Israel zu bringen. Es gibt Bürger in Israel, die ihre Ellern aus dem Pensionisteiistand zusirn nehmen wollen. Es handelt sich hauptsächlich um .Juden aus Nord-Amerika und auch solche, die, obwohl sie keine Kinder in Israel haben, doch unter Juden und in Israel leben wollen. In beiden Fällen können diese Olim ihren Unterhalt mit der Pension bestreiten, die sie aus dem Ausland erhalten. Diese Menschen stellen jedoch die Lorderung, sie von ihrer Einkommensteuer zu befreien. Es sind tausende solcher Fälle vorhanden und es könnte eine neue Alijah von Pensionisten einsetzen. Es gibt Lander, in denen sich besondere Pensionistengruppen gebildet haben. Heule bestehen große Aussichten, jüdisches Kapital heranzuziehen und gleichzeitig die Alijah im allgemeinen zu ver- PORAT raei sofort an. Denn immer, wenn das Wort Theater oder Israel ausgesprochen wird, leuchten ihre Augen. Was führt Sie, Frau Porat, nach Europa? Ich bin nach Europa gekommen, um das europäische Theater, seine Organisation und Technik zu studieren, damit wir in Israel alle modernen Errungenschaften für unsere Theater verwerten können. Welche europäischen Länder werden Sic besuchen? Nebst Oesterreich, werde ich die bekanntesten I. heuterstädte in Italien, in der Schweiz, in Frankreich, England und in den Skandinavischen Ländern besu- (^.t n‘ ,!.n ^,cn bin ich das erste Mal. Die Wiener Theatertradition hat mich bewogen herzukommen und die Wiener Sprechbühnen sind cs, die mich vornehmlich interessieren. An welelicm Theater sind Sie ensagierl? 6 Ich bin Mitglied des Kammertheatcrs in Tel Aviv. Dieses Theater wurde im Jahre 1945 gegründet; sein künstlerischer Leiter ist Josef Millo, der auch die meisten Stücke inszeniert. Er war vor einem Jahr in Wien und hat dann in Zürich zwei Inszenierungen geleitet. Das Repertoire dieses Theaters setzt sich aus modernen Stücken der Weltliteratur zusammen, wir spielen aber auch Klassiker, wie Goldoni und Molicre. Die nächste große Premiere wird Shakespeares „Wie es euch gefällt“, sein. Das Theater, dem ich angchöre, ist das einzige, das sich selbst erhält. Mit seinen jungen Menschen hat cs einen neuen Stil ins Leben gerufen. Seit wann sind Sic in Israel und welche Rollen haben Sic bis jetzt am Kammertheater gespielt? Ich kam in das Land im Jahre 1947 ohne jegliche Kenntnisse der hebräischen Sprache aber schon im Jahre 1948 hatte ich meine erste Premiere in Hebräisch mul zwar spielte ich in dem Stück „I rcmcniber mama“ von van Donten die Katlicrin. Bevor ich das Land verließ, spielte ich die Johanna in Shaws ,,Die heilige Johanna“. Die Aufführung wurde als eine der besten des israelischen Theaters b - zeiclmct. Meine nächste Rolle, auf die ich mich sehr freue, wird die Titelrolle in Bert Brachts „Der gute Mensch von Scsuun sein. Haben Sic schon gefilmt? ln drei lsraclfilm.cn, die in Israel gedreht wurden, hübe ich mitgewirkt. Wir ullc hollen, daß sich die Filmproduktion in Israel in den nächsten Jahren gut entwickeln wird. Es wird Sie vielleicht interessieren zu hören, daß ich aufgefordert worden bin, ein Gastspiel im Züricher Schauspielhaus zu absolvieren, und d tß Verhandlungen bereits im Gange sind. Leber den von der Zionistischen Föderation verunstalteten Rezitutionsabend der Künstlerin Orna Porat, die alle Anwesenden, Künstler und Presse überraschten und begeisterte, berichten wir in der nächsten Ausgube unserer Zeitschrift. stüiken. In den letzten Jahren haben wir hauptsächlich mittellose Juden mich Israel gebracht. Jetzt aber müssen wir auch Juden mit Geld bringen, die ein starker Faktor für die israelische Wirtschaft sein können. Zu dem Zweck sollte sich die ökonomische Politik der Regierung mehr mit der Wirklichkeit der Golah befassen. Ein verstärkter Strom von Investieren! bedeutet: Mehr Beschäftigung, vergrößerter Import von Rohstoffen, Vermeidung von Ausgaben in starrer Vulula, Ermunterung der Alijah des Mittelstandes und schließlich auch einen vergrößerten Expert. Dies alles wird zweifellos die Beziehungen zwischen den Juden in der Golah und der Mcdinuh im allgemein ui stärken. 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