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Die Stimme · 1954-04-01 · Heft 85 (April 1954) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1954
Issue
Heft 85 (April 1954)
Date
1954-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE STIMME Seite 3 Nr. 85 Ihr naht Euch wieder, schwankende Gestalten Verhetzung durch die Presse Der „Wiener Montag“, der anscheinend /■tim Zweck gegründet wurde, für den moralischen Rückschritt, für die politische Anarchie und für die rechtsradikale Diktatur cinzutrctcn, leistet sich in seiner Nummer vom 8. Feber d. J. eine sonderbare Stellungnahme zum Fall Ruhmann (Guggcnbaehcr Papierfabrik) und ühcrschrcibt den Artikel „Ein Schulfall für die Praxis der Rückstellungen“. D.-r Schreiber beginnt folgendermaßen: „Im Verlauf des Krauland-Prozcsscs nahm die Rückstellung der Guggcnbaehcr Papierfabrik, die der jüdischen Familie Ruhmanu gehörte, einen großen Raum ein.“ Der „Wiener Montag“-Redakteur fährt im zweiten Satz fort: „Die Guggcnbacher Papierfabrik, die als unsoziales Unternehmen berüchtigt und bei den eigenen Arbeitern verhaßt war, stand im Jahre 1937 vo|r. jdem Zusammenbruch. Der Konkurs konnte nur dadurch verhindert werden, daß die Gläubiger, zu denen auch der österreichische Staat gehörte, auf einen beträchtlichen Teil ihrer Forderungen an die Ruhmann’s verzichteten.“ Diesen Satz schreibt der „Wiener Montag“ mit der Absicht, die Gehirne zu vernebeln und die Naiven zu verhetzen. Und weiter: „1938 gingen die Ruhmanns in die Emigration, der Betrieb ging in andere Hände über. 1946 kamen sie nach Oesterreich und forderten ihren Betrieb zurück. Jeder rechtlich denkende Mensch in Oesterreich wußte damals, daß eine Rückstellung der Papierfabrik in Anbetracht der finanziellen Lage, in der sie sich 1938 befunden hatte, niemals zu Recht erfolgen könne. Gleichzeitig gelang es den Ruhmanns mit Druckmitteln, zu denen auch die Mobilisierung der Besatzungsmächte für die eigenen Zwecke gehörte, die positive Erledigung ihres Rückstellungsanspruches durchzusetzen u. die vollkommene Ablöse für den Betrieb, auf den sie nicht mehr reflektierten, zu erhalten.“ Im fünften Satz beschuldigen die Redakteure vom „Wiener Montag“ die Ruhmanns der Pleite, Erpressung und Ausplünderung des Staates und greifen mit ihren Saugnäpfen nach den Juden, indem sic behaupten, daß diese Grundelcmente (Pleite, Erpressung und Ausplünderung) „verschiedentlich gemischt“ bei den allermeisten Rückstellungsverfahren in Erscheinung traten. Im sechsten Satz empfiehlt der „Wiener Montag“, „mit erhöhtem Verständnis“ eine Entschließung des „Schutzverbandes der Rückstcllungsbetroffenen“ (lies Ariscurc) zu lesen. Darin wird darauf hingewiesen, daß die Juden nicht die einzige Gruppe von Menschen sind, die durch die politische Entwicklung in Oesterreich seit dem 15. März 1938 zu Schaden gekommen sind, sie ist über die einzige Gruppe von Geschädigten, der durch rückwirkende Ausnahmsgesetze auf Kosten „redlicher Erwerber“ Wiedergutmachungen geleistet wurden. Es ist heute nicht mehr notwendig, über die Tendenz des „Wiener Montag“ und seiner Hintermänner ausführlich zu schreiben, weil es jedem anständigen Menschen klar ist, daß hinter dieser Zeitung Ariscurc stehen und Menschen, die das Rud der Geschichte zurückdrehen wollen und die nazistische Tyrannei hcrbeisehnen. Diese Herrschaften schwelgen in Wonne und Seligkeit, wenn sic sich die Zeit in Erinnerung rufen, als der Nazismus in Oesterreich einbrnch, Gesetze aufhob, menschliche Regungen verbot, die Juden zum Freiwild erklärte und ihr Hab und Gut verkommenen Subjekten zukommen ließ. _ In seiner Ausgabe vom 1. März 1954 meint der „Wiener Montag“, daß Oesterreich mit seinem politischen Masochismus noch nicht am Ende zu sein scheint. Der „Wiener Montag“ „beschuldigt“ Sozialminister Maiscl, daß er eine Aenderung des Sozialvcrsichcrungs-lJcbcrlcitungsgesetzes beantragen werde, wonadi rückwirkend ab 1. Mai 1950 Sozialrcnten samt Tcuerungszuschlägen an im Ausland wohnende Emigranten gewährt werden sollen. Der „Wiener Montag“ wirft nun die Frage auf: „Welcher andere Staat würde so etwas tun?“ Diese Frage können wir dahingehend beantworten, daß der österreichische Staat viel schlimmeres tut, indem er allen nazistischen Volksdeutschen, die von ihren Heimatstaaten hinausgepeitscht wurden, weil sic Hochverrat betrieben, Renten und sonstige Wohltaten, wie Wohnungszuweisungen, Staatsposten, und selbstverständlich jede Erleichterung zur Erlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft gewährt. Im Zusammenhang mit dem Guggenbachcr Prozeß, nennt der saubere „VViener Montag“ den Wiener Rechtsanwalt Dr. Rosenzweig, einen „Emigranten“ und meint, daß der „Emigrant“ Ruhmann, dem „Emigranten“ Dr. Rosenzweig näher steht, als die bodenständigen österreichischen Arbeiter. Wir wollen es nicht unterlassen, in diesem Zusammenhang einen Aphorismus von Alfred Polgar zu zitieren: „Abel, wenn er vor den Mordabsichten seines Bruders Kain geflohen wäre, wäre „Emigrant“ geschimpft worden und hätte als solcher bittere Unannehmlichkeiten zu erdulden gehabt. Er wäre sein Leben lang in der Welt hcrumgelaufen mit dem Abel-Zeichen auf der Stirn.“ Der „Wiener Montag“ preist natürlich Kain, wenn es gegen Juden geht. Kain konnte seinen Bruder ermorden, weil Abel nicht ahnte, daß er das Opfer seines Bruder sein werde. Kesselring Herr Ex-Generalfcldmarschall inspiziert... Der begnadigte Kriegsverbrecher General Kesselring befand sich vor kurzem auf einer „Inspektionsreise“ in Oesterreich. Aus Deutschland, wo man Kesselring gewiß genau kennt, wird berichtet, daß er nach 1945 nichts dazugelernt und auch nichts vergessen hat. Er ist derselbe, der er war, ein gefühlloser Leuteschinder und ein Galgenvogel. Die behördlicherseits so merkwürdig tolerierte Anwesenheit Kesselrings in Oesterreich, hat innerhalb aller demokratisch eingestellten Menschen im Lande, Empörung hervorgerufen. Wie ist es möglich, daß der erfahrene, sozialistisch geschulte Minister Helmer, einen deutschen Kriegsverbrecher in Oesterreich gewähren läßt und ihm die Wohltaten der demokratischen Gesetze zubilligtV IPN und B.B. Veit Harlan I.P N. -B.B. — Seit kurzem gelangt im Linzer Kino „Zentral“, welches der Sozialistischer. Partei Oesterreichs gehört, der Veit II a r 1 a n - F i 1 m „Die un - sterbliche Geliebte“, zur Aufführung, bekanntlich haben vor zwei Jahren in Salzburg gegen die Aufführung dieses Films heftige Demonstrationen stattgefun le i, worauf der Film vom Spiclplan abgesetzt wurde. Den Linzer Sozialisten müßte man beibringen, duß der Sozialismus keine Rassenkampfbewegung ist. JPNB.B — Der Charlie Chaplin-Film „Der Diktator“ wurde seinerzeit von den österreichischen Filmverleih - Anstalten nicht übernommen. Die offensichtlich Weigerung, diesen Film, der eine beißende Satire auf das Naziregime und Hitler selbst ist, aufzuführen, führte dazu, daß Chaplin persönlich veranlaßt hat, diß alle seine Nachkriegsfilmc für Oesterreich gesperrt sind. Die Gegenüberstellung von zwei Tatsachen, der Weigerung den Chaplifft-Film „Der Diktator“ in Oesterreich zu zeigen und des besonderen Eifers, Veit Harlan- Filme herauszubringen, zeigt klar dm moralischen Tiefstand gewisser Kreise in Oesterreich, denen menschenfeindliche Handlungen ein Bedürfnis zu sein scheinen. Alte Germanen in HJ-Uniform In Hannover wurde eine neue, der Deutschen Reichspartei nahestehende Organisation der rechtsextremen Jugend gegründet. Die „Goten“, wie die neue Organisation von ihren Gründern getauft wurde, werden die Uniform der ehemaligen Hitlerjugend tragen: schwarze Kniehose, braunes Hemd, Käppi, Armbinlc, Gurt mit Koppel. Das Emblem der Organisation ist ein Totenkopf auf einem Kaiseradler, ihr Führer ein ehemaliger TU -Führer. SS-Führer Professor Oberländer, früher Hitlers SS-Führer, heute Vertriebenenminister in Bonn, ist kürzlich durch Zitate aus seiner früheren publizistischen Tätigkeit in Hitlers Kampf- und Vernichtungspresse aufs allerschwerste kompromittiert worden. Die deutsche Presse hat diese Enthüllungen zum größten Teil ignoriert, man hat von keinem irgendwie gearteten Einschreiten offizieller Kreise Kenntnis bekommen, um diese mehr als düstere Affaire zu klären. Die „New York-Times“ teilt mit, daß vier Männer im jetzt amtierenden Ministerkollegium der Bundesrepublik aktive Mitglieder der NSDAP, gewesen sind. Täglich wird neues Belastungsmaterial über die nationalsozialistische politische oder journalistische Tätigkeit hoher Funktionäre der Bundesrepublik aus den Archiven ausgegraben.... Wie wird es um die Politik Deutschlands bestellt sein, wenn cs den Friedensvertrag erlangt und freie Hand haben wird? * * * Stefan Matusic, der die Belgierin Simone de Ridder im Ostende-Expreß ermordet hat, ist Kroate. Nach der gewaltsamen Besetzung Jugoslawiens durch die Deutschen, meldete sich der Mörder zu einer deutschen SS-Division und stund au der russischen Front. B. Teilet $ WIEN I, SALZTORGASSE 5 TELEFON U 25-4-85 SINGER STOFFE HERREN-, DAMENKLEIDER UND -MÄNTEL III DUR ROTRHTURMSTR 1? MODISCHE SPORT- UND REGENSCHUTZBEKLEIDUNGS¬ REINWOLLENE DAMEN- U. HERRENSTOFFE KAMMGARNE FABRIK TWEEDE IN NEUESTEN MODEDESSINS SKIDENNOUVEAUTfiS TEL. U 21-3-88 Ein SA-Mann Vor einem Senat des Wiener Yolksgcrichfcs. stellt der SA-Mann Heinrich Trnko. der wegen gemeinen Mordes und des \ erhreehens gegen die Menschlichkeit angeklagt wird. Der SA-Mann wird beschuldigt, auf dem Todesmarsch von Engerau und schon vorher im Lager Gefangene sadistisch gequält und mißhandelt zu hüben. Auf dem Marsch habe Trnko mit eigener Hand einen ungarischen Juden, der zusammengebrochen um Wegrand lag. durch einen Schuß in die Schläfe getötet, zwei andere Zwangsarbeiler durch kopfhiebc schwer verletzt und in die Reihen der marschierenden Gefangenen hincingcschossen, wobei 20 Juden ums Leben kamen. Wie die Zeitungen melden, war die SA Bestie Trnko schon 1945 polizeilich ausgeschrieben. aber man hatte ihn einfach nicht gesucht, obwohl er sich in der Gemeinde Edt, Ob.-Ocst. vollkommen ordnungsmäßig unter seinem richtigen Namen ansicdeltc. Dort ließ er sieh als illegaler Nazi auch registrieren, wurde aber nicht verhaftet. Iin Gegenteil, die Gemeinde Edt stellte ihn ganz legal an. Man stelle sich einmal vor, was im jetzigen Oesterreich noch an Schwcrvcrbicchcrn und Judenschindern hcrumläuft, ohne daß die Behörden sich entschließen, sie der gerechten Strafe zuzuführen. Der SA-Mann und Judenmörder Trnko hätte es in Oesterreich noch zu hohen Ehren gebracht, wenn ihn nicht, durch einen puren Zufall, das Schicksal erreicht hätte. Heimtücke Ende März berichteten Wiener Zeitungen über ein heimtückisches Inserat, welches den Zweck hatte, antisemitische Pogromstimmung hervorzurufen. Polizeiliche Erhebungen führten zur Eruierung des Auftraggebers dieses beschämenden Inserates. Die Iskult-Nachrichtcn berichten, daß die Wiener Israelitischen Kultusgemmide, die Strafanzeige erstattet hat. Es ist unverständlich, weshalb die Iskulr- Piesse nicht den Mut hat auszusprech?n, daß die Oesterreiehischc Volkspartei in Verdacht steht, die antisemitischen Exzesse eines ihrer Funktionäre geduldet zu haben. IPN und B.B. Volksbtldungshatis Wiener Urania Wien I, Uraniastraße 1 U 18-5-80 b. 83 Sonntag, 25. April — 17.00 Uhr Klubsaal: „SCHERZ. SATIRE. IRONIE UND TIEFERE BEDEUTUNG“ Rose Rcnec Roth und Hofschauspieler Otto Tressler lesen Salten, Ginzkey, Busch, Altenberg, Morgenstern. Karten zu S 3.—, 4.—, 5.—, acht Tage im Vorverkauf an der Uraniakassa täglich von 14 bis 20 Uhr. Erstklassige Stolle und Zugehör, so beste Verarbeitung' bilden die Grundlage —\ der bewährten TELLER-KLEIDUNG - ///. HöüphiraXl 88- 90 U16 2 <P6

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