Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1954-04-01 · Heft 85 (April 1954) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1954
Issue
Heft 85 (April 1954)
Date
1954-04-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2431292-2431336-2431340--0612-2432249
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 DIE STIMME Nr. 85 Forlsetzunn \ou Seite I j'.uDc. in (UMerreieh die II altoiu; der S>'U /11r W i; ■deniiifmurhiiniiMruii:' '> Die ..iiMuhhüiuriue" östei-reielii^ehe Zeitschrift ..Signal" schreibt in ihrer \u«• > - mer \:im Februar 1954 nie fn|«jt: ..\ i»n infnrmierte»- amtlicher Seite wird uns Tilgender S:ieh\erh:d t mitgeteilt: Dr. h. e. ligl li;it bei seiner \merikaici.se als österreichischer Biiiulcskan/.- Icr im Jahre 1952. um den guten Fin- (iruck, den (ine Heise des Vizekanzlers Dr. Schärf in den \ ercinijjten Staaten \un \merika gemacht hatte, zu verwischen. der jüdischen \\ eltnrganisatmn Jcwisli \genev eine Zahlung von 800 Millionen Schilling aus österreichischen Steuergeldeiai versprachen. Dr. Schärf hatte eine sulche Zusage vorher als untragbar fiir Oesterreich ausdrücklich abgelehnt.... Die jüdischen \ ertreter. glam)- ten. in Figl und Kaub ihre Dummen zu finden. Darin mögen sie sieh zwar nicht getäuscht haben, aber die anderen Oesterreichcr waren auf der Hut und haben diese Pläne im letzten Augenblick verhindert.” Wann und wo wurde dieser, von ..informierter amtlicher Seite” mitgeteilte Suchverhalt widerrufen'( l nd. wie sieht das Ausland die Frage der Wiedergutmachung V Die größte deutsche W oeherr/eitung ..Der Spiegel” schreibt am 28. März 1954: ..Dis sollen sie uns in Bonn mal nachmachen!" trumpfte in Wien der füllige Fraktionsführer der österreichi schen Sozialdemokraten. Dr. Bruno Pittermann, auf.... Die selbstgefälligen W orte Pittermanns bezogen sieh auf die erhebliche Reduzierung der jüdischen Wiedergutmachungsforderungen an Oesterreich. In zäher Vcrhandlungstaktik. nach alter Wiener Schule, ist es der schw arz-rote l Regierung gelungen, die Ablösungssum - me für das sogenannte ..Erblose jüdische \ ermögen in Oesterreich" auf 5!) Millionen Schilling (acht Millionen .Mark) herabzudrücken. Warum also Dr. Maurer?s Ausfälle gegen uns Zionisten' Haben wir den Bund weiktätiger Juden angegriffen oder beleidigt, wenn wir fragen, auf welche Weise er nunmehr die Konsequenzen aus der Haltung der SPD ziehen wird? Der Angriff der ..Stimme" richtete sich ledigli'h gegen die Wiedergutmachungspolitik der österreichischen Regierung und im speziellen gegen die Haltung der SPD. Mit Bedauern müssen wir feststellen, daß Dr. Maurer nicht etwa den Bund verteidigt — was wir verstehen würden — sondern die SPD und damit die Haltung der Regierung in der Wiedergutmachung. Wenn also nicht die SPÖ und damit logischerweise nicht die österreichische Regierung die Schuld am Scheitern der Wicdergutmachungsverhandlungen trägt, so bleiben dann laut Dr. Maurer als für das Scheitern verantwortlich nur „die Fehler" seitens Israels und mancher seiner \ ertreter. Lnd das sollen die JucLm Oesterreichs glauben'' Wenn Herr Kreutner den bekannten Brief an Dr. Maurer schrieb, so war er über die Haltung Dr. Maurcr’s als Stellvertreter Dr. Goldmann’s von uns informiert. Ein zionistischer Funktionär, wie es Herr Kreutner ist, anerkennt eben offen die Verdienste eines Niehtzionisten, wie wir cs in dieser Sache auch tun, bedient sich aber nicht der Methode von Angriff, wie sie Dr. Maurer gegen Israel und seine Vertreter und die Zionisten richtet. Aber, was hat eigentlich der Kreutner- Bricf mit der Rechtfertigung der SPÖ- ÖVP in der W iedergutmuchungsfrage zu tun V Die Angriffe Dr. Maurer’s gegen den Zionismus werden dadurch nicht gemildert, daß er sich als Vorkämpfer Israels deklariert. Die Wiener Zionisten sind nur ihren Gesinnungsgenossen Rechenschaft schuldig. Dr. Maurer sei versichert, daß von den Wiener Zionisten 'Pausende den Weg nach Israel gefunden haben und finden werden. Israel jedenfalls wird, trotz der Angriffe Dr. Maurers. auch weiterhin dem Zionismus und dem W iener Zionismus treu bleiben, eben - so wie die Wiener Zionisten Israel die Treue halten werden. Israel und der Zionismus sind und bleiben ein ungeteiltes Ganzes. Daran werd m alle, von welcher Seite immer kommende, Angriffe nichts ändern. Verheißung u. Erfüllung Fi'i isei/.imn \ :>i) Seite I bnii li erlitten hat. soll nicht aus einem Sinne histerßi her Rechthaberei getroffen werden. Nur in dem VIiße. in dein solche r csIsk Illingen sinngebeinl auch für die zukünftige Vrhcit zum Nutzen unseres V o|kcs sein können, sollen sie getroffen werden, nicht aber um dem von der Geschuhte seihst geschlagenen Gegner von gestern prahlerisch seine Niederlage vor- /uhilten. Die Dinge müssen klargcslellt werden, gerade, weil die Existenz. Israels die Juden der Welt, sogenannte Zionisten und sogenannte Niehtzionisten. zu einer Stellungnahme auffordert und zur Klarheit zwingt. Es gibt auch weiter einen l uterschied zwischen Zionisten und Gegnern oder Verneinern des Zionismus. Es ist nur zu hoffen, daß angesichts der bitteren Erfahrungen der letzten Jahre und der gewaltigen Geschehnisse in Israel die Gegner von gestern nicht die Gegner von morgen sein werden. Der Unterschied in der Auffassung jedoch ist da. Er liegt darin, daß der Zionismus in der Gründung Israels nicht ein Ende, sondern einen Beginn sieht. Dem Niehtzionisten jedoch bedeutet die Schaffung des Staates Israel die Erfüllung einer Bewegung und nicht ihre größte Chance. Wenn Israel betont, daß cs nicht nur ein jüdischer, sondern ein zionistischer Staat sei, so meint es damit nicht den indiskutablen Anteil, den die zionistische Bewegung un seinem Zustandekommen geleistet hat. Es denkt dabei an das Morgen, un die Dynamik des jüdischen Volkes, an die Rolle, die es als Erlöser und Befreier auf sieh genommen hat, kurz: an die Mission, die es zu erfüllen berufen ist und um dcretwillen cs all die Opfer gebracht bat und tagtäglich bringt, die die Juden in der ganzen Welt mit Stolz und Enthusiasmus erfüllen. V. Es ist deshalb nicht so einfach, sieh zu Israel zu bekennen und den Zionismus abzulebnen. Man kann gegen Zionisten sein und man kann ihnen Vorhalten, daß sie ihre eigenen Forderungen nicht ernst genug nehmen, nicht selbst nach Israel gehen, nicht selbst genügend Opfer bringen und sich von manchen Nichtzionisten beschämen lassen. Aber dus wäre eine sterile Polemik, die auf dem Niveau kleiner Parteipolitik bleibt. Die Diskussion hat nicht gegen die Zionisten, sondern gegen den Zionismus geführt zu werden, genau so, wie eine Diskussion heute seitens des Zionisten nicht gegen den Niehtzionisten als Person, sondern gegen den Nichtzionismus als einer unehrlichen und inkonsequenten Haltung geführt werden muß. Der Zionismus als Bewegung, als Idee, muß die Idee des Nichtzionismus und seine Träger zur Selbstkritik mit allen Mitteln einer fairen Diskussion zwingen. Wenn man heute einem zionistischen Führer seitens Niehtzionisten den Vorwurf macht, daß er selbst nicht nach Israel geht, so ist das sehr billig, trägt genau so wenig zur Diskussion hei und ist genau so wenig überzeugend und würdig, wie derselbe Vorwurf, den man jahrzehntelang Clitim Wcizmann gemacht hat. weil er in London lebte. Es wäre sehr bedauernswert, falls wir heute noch gegen eine solche unfaire und oberflächliche Diskussionsweise, die man eigentlich schon längst hätte für überwunden mischen müssen, kämpfen müßte. Zwei Kategorien haben das Recht, dem Zionisten seine Nicht-Ali j.ili mit bitteren Worten zum Vorwurf zu machen: der Israeli und der Anti-Israeli. Der Israeli, weil er selbst verwirklicht hat und der Anti-Israeli, weil er von einem nicht Verwirklichenden verlangen kunn, auch Anti-Israeli zu sein. Wer aber betont. in Israel eine gewaltige Tatsache zu sehen und innerlich ehrlich davon überzeugt ist, daß eine Katastrophe in Israel eine Katastrophe für das gesamte jüdische Volk sei, muß auch für sich selbst, wenn er ein ehrlicher Jude ist, dus Primat der Verwirklichung anerkennen. Wenn er behauptet, daß die Grenzen zwischen Zionismus und Nichtzionismus verschwunden sind, so hat auch er die Pflicht, die Forderungen des Zionismus für sich anzuerkennen und nicht das Erfüllen der Pflichten nur auf den organisierten Zionismus abzuschieben. VI. Aber cs handelt sich nicht nur um Alijah, es handelt sich um viel mehr. Die Alijah ist die höchste Stufe zionistischer Verwirklichung, aber sie ist nicht identisch mit Zionismus. Besonders Israel, das jetzt nach Alijah lechzt und auf sic wartet, wird sieh niemals zu einer solchen Uebersimplifizierung hergeben. Nachum Goldmunn hat für die Aufgabe des Zionismus heute folgende Worte gefunden: „Die zionistische Bewegung ist in erster Linie eine Bewegung mit dem Ziele, die Gesamtheit und die Zukunft des jüdischen Volkes als eine Besonderheit zu sichern ... Daher ist es die vornehmste Aufgabe der zionistischen Bewegung, in jedem Aspekt des jüdischen Lebens das Prinzip der Volkseinheit zu realisieren. Die Verbindung der Galutli mit Israel durch die Erziehung der jüdischen Jugend in dem Geiste von jüdischer Solidarität und von Volkssolidarität, dem Geiste der Einigkeit des jüdischen Volkes, llcbraisierung der Galutli, um von der neuen hebräischen Zivilisation in Israel beeinflußt sein zu können — dies alles sind die Aufgaben, welche noch für lange Zeit die Aufgaben der zionistischen Bewegung bleiben werden.“ Zionismus ist nicht nur Schaffung und materielle Unterstützung eines jüdischen Staates. Zionismus ist ein Glaubensbekenntnis zu unserer Vergangenheit, zu unserer Zukunft, zur Judennot und zur Lösung der Judcnfrugc. Der Staat ist Ziel und Werkzeug zugleich. Als solcher fühlt er sieh, und weniger denn irgendwo anders wird derjenige Jude, der sich auch heute noch als Niehlzionist bezeichnet, in Israel Anklung für eine nichtzionistische Ideologie finden. Nicht-Zionismus mul gleichzeitige Stützung von Israel sind miteinander schwer zu vereinbaren. Wer Israel stützt. macht sich selbst nur vor, Nichtzionist zu sein und ist cs doch nicht. Er ist vielleicht zu sehr an sein Gestern gebunden, wenn er auch dem Zionisten vorwirft, an sein Gestern gebunden zu sein. Er hat nicht den i\iut, zu Ende zu denken und sieh selbst einzugestehen. daß nicht den Zionisten, sondern gerade ihn die neue Wirklichkeit zu einer Revision seiner Meinungen verpflichtet. Er sieht den Splitter im Auge des anderen und nicht den Balken im eigenen. Die Aufgabe der kommenden Generationen des jüdischen Volkes ist cs, weitere Schritte zur Lösung der geistigen und materiellen Judennot im Sinne der zionistischen Idee zu tun. Abgesehen von der Frage der Aliuh hat der Zionismus von morgen die Verpflichtung, die Wahrheit unserer national-jüdischen Auffassung dem Judentum in der Galutli vorzuhalten und cs zu all jenen Maßnahmen zu bew egen, die die Existenz unseres Volkes zu festigen in der Lage sind. Zionismus heißt auch weiterhin Kampf gegen die Assimilation und die Gleichgültigkeit gegenüber jüdischen Belangen. Zionismus heißt, nicht nur stolz auf Israel sein und für Israel zu arbeiten, sondern auch die jüdische Jugend, ebenso wie dus gesamte Galutli mit einem neuen Inhalt zu erfüllen, der das Erbe unserer Kultur und das geistige und organisatorische Leben in der Kultur werte vereinigt und jeden Juden, wo immer er auch sein mag, mit ihnen in Israel im Entstehen begriffenen neuen x eibinclet. Die zionistische Bewegung wird sich nicht damit begnügen, Geld für Israel zu sammeln, oder „Propaganda“ fiir Israel zu machen. Nur der ist ein Zionist, der in seinem Herzen die Sehnsucht nach Zion trägt und sich zu seinem Judentum, zum jüdischen Vermächtnis und zur jüdisch-nationalen Zukunft bekennt und dafür in seinem Umkreise wirkt. Es mag heute viele Niehtzionisten \on gestern geben, die dazu bereit sind. Dann mögen sie sieb der zionistischen Bewegung ansehlicßcn, anstatt sieh mit der oder jener zionistischen Persönlichkeit polemisch auseinanderzusetzen. Die Zionisten haben die Idee des Zionismus nicht gepachtet und sind auch kein exklusiver Geheimverband. VII. Die Gründung Israels hat nicht nur eine Anzahl von Problemen gelöst oder der Lösung näher gebracht. Sie hat zweifellos auch neue Probleme geschaffen. An erster Stelle besteht die Frage, wie wir jetzt, nach der Gründung Isruels, die Einheit unseres Volkes und seine Weiterentwicklung iin Sinne positiven Judentums garantieren und fördern können. Israel ist ohne die Galutli nicht weniger verloren, als die Galutli ohne Israel. Das rein Materielle aber ist nur ein Aspekt, und vielleicht nicht einmal der entscheidende. Eine geistige Desertion wäre viel tragischer als eine materielle, und eine schließt die andere nicht aus. Dies klarzustellcn ist Aufgabe dieser Stunde. Ebenso ist es Aufgabe unserer Generation, die zionistische Bewegung uufzurütlcl» und mit neuen Kräften zu durchtränke.1. Der Rahmen von gestern soll nicht der Rahmen von morgen bleiben. Die zionistische Bewegung hat heute eine größere Clianze denn je. Sie muß die Niehtzionisten zu Zionisten machen und den zahllosen Niehtzionisten von gestern die Tore öffnen. Der Zionismus war die entscheidende Bewegung in den letzten fünfzig Juhrcn im Gesamtkomplex des jüdischen Volkes. Er hat Israel gebaut, hat die hebräische Sprache gefordert, hat jüdische Kulturarbeit geleistet, der jüdischen Jugend einen Inliult gegeben. Wer Israel heute bewußt stützt, bejaht auch seinen Inhalt und seine Mission und dumil Inhalt und Mission der Bewegung der nationalen Wiedergeburt des jüdischen Volkes. Sie alle, die heute bereit sind, für Israel Opfer zu bringen, sind die Zionisten von morgen. Sie mögen sich auch noch so oft Niehtzionisten nennen. Wenn die offene Auseinandersetzung mit den sogenannten Niehtzionisten in fuirer und ehrlicher Weise von beiden Seiten geführt werden wird, so dürfen wir nicht duran zweifeln, daß sie eine große Bereicherung fiir den Zionismus und Israel bringen werden. Eine Bereicherung an neuen Menschen und an neuen Ideen, mit deren Hilfe wir den Kampf um die Seele und Zukunft unseres Volkes weiterführen können. „ELSE” PARFÜMERIE WIEN I, STEINDELGASSE 1 (beiin Tuchlauben-Kino) TELEFON U 21 3 64 DIE JÜDISCHE PARFÜMERIE SÄMTLICHE SPEZIALITÄTEN AUS U. S. A. FRANKREICH, SCHWEIZ, DEUTSCHLAND Wir schicken offiziell Pakete mit Parfümerien und Seifen nach Israel I Ihr Reisebüro.... WIEN I., KÄRNTNER RING 15 TELEPHON R 22 5 30, KLAPPE 96 Neue Serviceabteilung bietet Ihnen fachmännische Beratung und korrekte Bedienung Flug-, Schiff- und Eisenbahnfahrkarten zu OriginaIpreisen Paß- und Visabesorgung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.