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Die Stimme · 1954-02-01 · Heft 83 (Februar 1954) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1954
Issue
Heft 83 (Februar 1954)
Date
1954-02-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. KJ* DIE STIMME Seite 5 IN MEMORIAM Isidor Schalif Es koinml mir sn vor.;ils ul) ich ilm erst irrstem gesellen liäll:-. Ich weiß mein mehr. wir cs in dem kleinen. engen /.immerclien in der stillen Sei lensten ßr v . m Tel Aviv. un er mir das dicke M;imiskript seiner Memoiren zeigte. für die sich kein \ crlegcr fand. oder hei irgendeiner Jubiläumsfeier. bei der er nicht fehlen durfte, weil er auch bei der Gründling seine llniid im Spiele hatte, ich weiß nur. daß cs so entsetzlich schwer ist. sich diesen Ewigjungen mit für immer geschlossenen Augen s orzuslellen. Ich sehe ihn dulch die Ihm Jcliudu- Straße schreiten, groß und aufrecht, den schönen Kopf mit dem breiten Sehlapphut stolz erhoben, mit dem Stock im Takt auf das Pflaster hinklopfend und ich sehe ilm im Kaffeehaus. \on einer Corona von Zuhörern umgeben, die den (Geschieh len aus dem unerschöpflichen Born seiner Erinnerungen und Erlebnisse lauschten. Nicht alle waren sie wahr, so manche Episode war erfunden und so manche Anekdote entsprang nur seiner Phantasie, über er gab sie mit einem so un\ ergl eich I ich eil Charme zum Besten, (lab wir nur allzugerne geneigt waren, sie zu glauben seine Schilderung wai stets so lebenswarm, daß wir uns herzensnah in jene Zeit \ersetzt fühlten, die für uns immer mehr zu einer Märchenzeit wird und seine Erzählungen waren so sprühend und greifbar, daß es ihm immer wieder gelang, aus Wahrheit und Legende einen Kran/, um (bis Haupt des sen zu winden, dem er sich im Leben wie im Tode gleich ergeben fühlte. Isidor Sehalil lebte in den letzten-Jahren. ja. in den letzten Jahrzehnten nur (ien Erinnerungen an Theodor llerzl und die.se Erinnerungen waren so inlensi\. daß er sie stets mit seiner eigenen Person in \ erbiiuLing brachte. Was llerzl erlebte, d ts (lieble ei mit. wo llerzl war. da war er auch, wo llerzl kämpfte. da kämpfte er gleichfalls ein treuer Diener seines I Ir ri n. ein Marschall. der seinen König begleitet) auf all seinen W egen und bis zum letzten Atemzug. Eigentlich war er (bau nationalen bedanken bereits eng \ erblinden gewesen, noch ehe sein Lehrer und Meister auf der Bildllächc erschien. Einige Jahre bevor llerzl den politischen Zionismus zu predigen begann, begründete der junge W iener Student Isidor Selialit die erste schlagende jüdiselmatioiiale \ erbimhmg ..Kadimah" und bereitete den Boden für die akademische Jugend vor. die dann zu den eifrigsten und treuesten Trabanten des großen Mannes wurde. Er seihst, ein' gelungene Mischung von Haudegen und Träumer, von Draufgänger und Oraiul- Wimtx QTurfffjausi Adolf Reiss Erben & Co. Tuehgroßhnnde! mul eigene Sehalwollvvaren - Manipulation Wien 1., Rudolfsplatz 6 [ 24 5 I«, IJ 24 5 19 sciguenr warf sieh mit dem überschaumrudri; Temperament seiner Jugend und mit der ganzen Leidenschaft seines warmen Herzens in die Arme der neuen Idee, die im gleichen Maße zu seinem Lebenszweck wurde wie ihr Prediger zu hinein Ideal. Daß er llcrzls erster Sekretär gewesen bl. war für Selialit in späteren Jahren zwar ein stolzer Titel, aber eben nur (in Titel, dem ei mehr zu schulden glaubte, als den bloßen Namen. Als Weg- und Kampfgenosse fühlte er dir Berufung in sich, im gewissen Sinne eine Erbfolge anzutreten, wenn schon nicht als politischer Eaktor. so zumindest als ein W alirzeicliru und dieser Berufung ist er fünf Jahrzehnte hindurch treulich gefolgt. Die behilft des Staates Israel war (iir ihn nicht die \ erw irkliclumg eines Traumes, sondern die Erfüllung einer Prophezeiung und er sah in ihr nicht so sehr ein W under wie die Eertigstellung eines Baues, zu dem Theodor llerzl und seine befährten das Fundament gelegt und ihre 'Nachfolger Stein auf Stein zusammengetra - gen haben. Ieh traf ihn anläßlich des letzten Zionistcnkoiigress:':. im Präsidentsehal tspa - lais in Rcbovnl. als der. der Aeltere. aller vom Zahn des Alters l nheriihrte aufrecht vor dem kranken Dr. W eizmann stand, wie ein edler Bitter, der seinem Fürsten den schuldigen Tribut zollt, ich sah wie er am Arme seiner jungen Enkelin durch die Parkanlagen wandelte, wie er ihr die führenden Männer zeigte und hörte wie er mit Bcsitzcrstolz sagte: ..Das sind unsere Minister", und ich fühlte, daß er damit sagen wollte — meine und llerzls Minister — denn in seinem Kopf und in seinem Herzen nistete der feste Glaube, daß alles so gekommen ist. wie es kommen mußte und wie es llerzl. sein llerzl. vorausgesehen und v nraiisgesugt hat. Als Mcrzls Geheim nach Israel überführt werden sollten, da war es selbstverständlich. daß Selialit. sein treuer Gefährte zu Lebzeiten ihm auch auf seinem letzten W ege das Ehrengelcitc gellen muß. Er fuhr auch tatsächlich nach W icn. doch als am Döblinger Friedhof der Sarg aus dem Boden gehoben wurde. war er nicht zugegen und die Zeitungen entschuldigten sein Fernbleiben mit dem heftigen Hegen und dem hohen Alter. ..I nsinn". sagte mir Selialit. ..glauben Sie. daß ich mich hätte vom liegen abliulten lassen'' Keinesfalls: aber 45 Jahre lang sehe ich llerzl täglich und stündlich vor mir. wie er lebte und leibte. groß, schlank, mit blitzenden Augen, eine königliche Erscheinung. Sollte ich mir diese Illusion rauhen lassen?" Wie recht halle er doch. Denn als man den Sarg öffnete, fand man nichts als einige K nochrii . . . Nun hat Dr. Isidor Selialit. einer der Letzten aus der goldenen Arm des Zionismus und der Letzte aus der Ehrengardc um llerzl. seine Augen fCir immer geschlossen. Mit Bö Jahren hat er ein schönes Alter erreicht, aber wir. die wir ihn kannten, glaubten fest darin, daß es ihm hoschieden sein wird, das biblische Alter von 120 Jahren zu erreichen. Der Herrgott hat anders entschieden und hat ihn zu sieh in den Himmel berufen, wo für ihn in unmittelbarster Nähe des Thrones, auf dem sein großer l.ehrmei- Dr. Heinrich Klang Am 22. Jännner 1954 ist Scnatspräsidcnl i. IL llolrat Dr. Heinrich Klang, im “9. Lebensjahre verschieden. Prof. Klang war ein Rechtsgelchrtcr von hervorragender Bedeutung. Seinen Kommentar zum Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzhuch hat die juristisch:' W eit mit Bewunderung aufge nominell. Die Brutalität des I Ii tlerismus machte auch vor dieser Persönlichkeit keinen Halt. Dr, Klang kam nach Theresienstadt. wo er ein bitteres Lehen führen mußte und großen seelischen und physischen (t)iialen ausgesetzt war. Wir durch rin W imdcr kam er mit dem Lehen davon und kehrte nach dem Zusammenbruch des verbrecherischen Nazircginies nach Wien auf seinen hohen Piiehterposten zurück. Nebst seiner Tätigkeit als Imlier llicliter widmete sieb Dr. Klang mit großem Interesse den Fragen der Wiedcrgiifmai hunng der Juden. Der im Jujhre 1945 neu konstituierten Leitung der Israelitischen Kultusgemcinde Wien. gehörte er als Mitglied an und schuf gemeinsam mit Dr. Budolf Braun. die Gnindlbesen für die Gesetze der österreichischen Wiedergutmachung. Es muß daran erinnert werden, daß auch zu jener Zeit dir zuständigen staatlichen Behörden in Oesterreich für eine Wiedergutmachung an Juden kein sonderliches Interesse zeigten. Der Gelehrte und Jurist Dr. Klang befaßte sieh vor 1958 vorwiegend mit der Pflege der Jurisprudenz und galt auf diesem Gebiet als erste Autorität. Der Nazismus gab den Anstoß dazu, daß Klang sieh auf das Judenproblem besann, ihm Bedeutung beimaß und aktiv uuftrat. als es galt, die Kordcrunng zu vertreten und das an Juden begangene lnrecht irgendwie gutzumachen. Obwohl Senatspräsidenl Dr. Klang sehr beschäftigt war und sieh auch noch wissenschaftlich betätigte, sparte er sieb die Zeit ab. um den Leitungsbesprecliungen in der Israelitischen Kultusgemcinde bei - zuwohneii. harrte stundenlang aus. spornte die Anwesenden an und gab Anregungen. die von großer Bedeutung waren und die Arbeit fruchtbar gestalteten. Dr. Klang erschien auch in der Kultusstubr zu ungezwungener LnterhalUmg über Probleme, die die W icderaufrichturig der jüdischen Gemeinschaft in Wien betrafen. Wir werden dem Verblichenen ein treues Andenken bewahren und ihn als Vorbild ehren. B e r n ii a r d B r a \ e r sler sitzt, ein Ehrenplatz reserviert ist. In wenigen Monaten, am 20. Turnus, jähi't sich zum fünfzigsten Mal der Todestag Theodor llerzls und an diesem Tage werden die Juden auf der ganzen W elt um den Mann trauern, dessen sterbliche l i beereste hoch oben am llerzlberg in Jerusalem ruhen, dessen unsterblicher Geist aber immerdar über uns schwebt, lud da wollen wii auch Selialits gedenken. seines treuesten Schülers und Jim- Oscar Straus Am I I. Januar 1954 ist Oscar Straus in Ischl verstorben. Eine Ictztwillige Verfügung wurde nicht gefunden. ..So sehr ich mich auch bemühe, klnrzustellen, daß ich mit den ..anderen Sträußen" keine verwundschaftliehen Beziehungen habe, glaubt man mir das doch nicht so recht“, erklärte der in Bad Ischl verstorbene Oscar Straus hei seiner Amerika reise im Jahre 1945. 'Protz des Dementis hat jedoch Oscar Straus die künstlerische Verwandtschaft zu seinen ..großen Vettern" stets betont und unterstrichen. Zu den zwei anderen Großen gesellte sich später noch ein vierter. nämlich Oscar StraufV Sohn Erwin, der ebenfalls Musiker ist. Der große Einschnitt in Oscar Straus' Leben und Werk kam. wie bei vielen anderen, mit dem Einbruch der Nazi-Bestialität nach Oesterreich. L'eber Paris fand Oscar Straus den Weg nach Amerika, wohin er schon vorher viele Gastspielreisen unternommen hatte. In Hollywood arbeitete er mit Lubitsch und Maurice Chevalier zusammen. Seine he- Besuchen Sie die Hübner- Betriebe Kursalon — Open Gate Splendid — Konzertcafe und Bar — Feuchter Stock Kobenzl-Restaurant karmteslen Operetten „Der Walzertraum“, ,.Der letzte Walzer“ und „Der tapfere Soldat“ wurden für den Film adaptiert: — außerdem schrieb er noch originale Filmmusiken. Aber auch Werke ernsterer Richtung fehlen nicht im Gcsamtschaffen von Oscar Straus, so u. a. die Ouvertüre ..Der Traum ein Leben"', eine Serenade für Streichorchester, einigt Opern, darunter „Bozena“, zu der Alfred Grünwuld nach einer tschechischen Legende das Textbuch schrieb. Oscar Straus hat als Jude gelebt und ist als Sohn des Judentums gestorben. I nmitlelbar nach Eintreffen der Todesnachricht, erklärte sich die Kultusgemeinde Linz bereit, dem Toten ein Ehrengrab zu widmen. Auch die Wiener Kultusgemcinde war bereit dem bedeutenden Komponisten ein Ehrengrab zu stiften. Ein NewAorker Verleger schaltete sich ein und traf eigenmächtig Verfügungen, die die Gefühle jedes Juden verletzen mußten. Empörend ist cs. daß der Jude Straus ausgerechnet an einem Scliabbath. am katholischen Friedhof in Ischl zur letzten Ruhe gebettet wurde. Oscar Straus mußte vor dem Nazismus flüchten und einer seiner Söhne wurde nach Theresienstadt deportiert und im nazistischen Gasofen vernichtet. Ist es erträglich, daß die Gebeine des Meisters in der Erde ruhen, die uns Juden nicht zugänglich istV Oscar Straus war Jude, der während der Nazizeit ein Märtv rerlebcn geführt hat. StcwnOUht „WIWEG“ WIENER WASCHE GES. M. B. H. vorm. H. Sternberg Jn. Her renhemden, Pyjamas Smoking und hnckhemden In liihienden Mndegesohallen erhältlich I in a ii u e I l n g :■ r WOLLE UND GARNE größte Auswahl ADOLF BOMZE V, Reinprechtsdorferstraße 48 XX, Wallensteinstraße 17 Telephon A 32 0 08 XVI, Neulerchenfelderstraße 20 II, Rotensterngasse 5

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