Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1954
- Issue
- Heft 83 (Februar 1954)
- Date
- 1954-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE STIMME Nr. 88 Seite 4 DIE BIBEL I \K<>1» TWNKNBM M Israelfrauen schaffen Arbeit .'5. KorNetzung SO/I NIE GERECHTIGKEIT Dir N (>r-i ussc t/. uiitj zu ei nein Völkcrfricden. wie ihn Jesaja und auch sein Zeitgeiv.is.se Micha. als Eldorado der Zukunft darstrllten. ist eine moralische G:- oniHing. Die Propheten sind der l eb.'rzeugung. dal.' die Ilaiiptursaehe des Kneues nicht in den äußeren \ erhiiltnissen. \sie Hunger und Mangel, liegt. diese könnten hei gutem NX illen der Menschen abgeschafft werden, sondern in der Gesinnung jedes Einzelnen. Diese Gesinnung kann natürlich nicht auf das Politische, auf die Beziehungen der \ ölkor zueinander beschränkt bleiben, sondern muß all Gebiete des gesellschaftlichen Lebens umfassen. Die X oraussetzung für einen NN eltfrieden ist die soziale Einstellung, die soziale Gerechtigkeit. Die Korderung nach sozialer Gerechtigkeit. bildet auch das llaupttbcma der Moralpredigt der Propheten. Gerechtigkeit (Zedaka) im biblischen Sinne bedeutet nicht nur Handeln nach einem bestimmten Recht, sondern NN ohltätigkeit in höherem Sinne. Dieser Ausdruck wird immer in Parallele zu ..Chesscd’*-Liebe. Güte gebraucht, ln der Mythologie der Griechen wird die Gerechtigkeit als eine blinde Krau mit verbundenen Augen dargestellt (die Themis), die in der einen Hand das Schwert und in der anderen eine NVaage hält. Bei den griechischen und römischen Heiden bedeutete eben Gerechtigkeit nicht Sittlichkeit, sondern die strenge Macht des Rechts, das anI dem Gesetz der Kompensation und des Gleichgewichtes aufgebaut war. Dagegen ist die Idee der Gerechtigkeit in der Bibel mit dem Begriff der Milde und Liebe eng verbunden. Die Gerechtigkeit wird zum Schutz der Armen und Schwachen gefordert und das Prinzip aufgestellt.) daß in Israel in der Zukunft kein Armer sein darf. (5. B. NI. 15.4). Die Abschaffung des Privateigentums wird nicht erwähnt, sondern nur die \ erstaatlichung von Grund und Boden, dessen Verteilung nach dem in patriarchalischer Nomadenzeit herrschenden Prinzip der Gleichheit vorgenommen werden soll. Nach diesem Prinzip ist das Land nach Besitznahme auch verteilt worden. \ iele Kriege. der l. ebergang zur Landw irtschaft, die Entstehung der Städte und des Handels, wie die lebernahme der Kultur der Kenaaniter. hat eine X erschiebung des Besitzes an Grund und Boden verursacht, wogegen die Propheten mit besonderer Heftigkeit protestierten, ohne NN iderhall bei den adeligen L.atifundienbesit/.ern zu linden. Mit Ausnahme der sozialen Gesetzgebung im Pentateuch, beschäftigen sich die Propheten in den vielen Reden, die uns vor ihnen überliefert sind. mit der sozialen Krage nur vom religiösen und snzialethisehen Standpunkt aus. Sie nehmen scharfe Stellung gegen die sozialen Mißstände ihrer Zeit, geißeln mit beredten NN orten die Selbstsucht der Machthaber. den rücksichtslosen Eigennutz der Beamten und Reichen, die das arme X olk unterdrücken und ausbcuten. unterziehen die gesamten sittlichen \ erhältnisse der beiden Staatshälften einer schonungslosen Kritik und machen die NN eiterevistenz des Volke' von der Erfüllung der von ihnen aufge stellten sozialen Kordrrungen und Ideale abhängig. Der Prophet Vmos. Hirte von Beruf, war der erste große Sozialprediger, der seine Reden schriftlich niederlegte. Er rügte die Macht und Habgier der Großen Schuhmodenhaus Ferdinand Beck & Go. \ erkaufsstellcn : l\.. Aiseistraße 8 VII., Mai iahilferstraßr 82 IX.. W ühringerstrußc 50 V .. Pilgramgasse (i \\ .. Sechshauserstraße 12 und Reichen, die nie genug haben und den armen, ehrlich und hart um sein Brot Ringenden ..auch sein bißchen Getreide wegnehmen, um sieh Paläste zu bauen” (5. ID. NN egen revolutionärer Aufwiegelung wird er des Landes verwiesen. Auch sein Zeitgenosse Hnsehenn rügt die sozialen l ehelstände des Nordreiches. Er geißelt die Lüge. Falschheit. I ntreue und Gewalttätigkeit, ln mancher Hinsicht geht er über Amos noch hinaus. NN ährend dieser in seiner Sozialpredigt, der Nächstenliebe keine Erwähnung tut. sondern nur Liehe zum Guten an sich verlangt. ..suchet das Gute und nicht das Böse, hasset Böses und liebet Gutes". 5.14). spricht jener viel von der Liehe zum Nächsten. Liebe. Treue und NN ahrhaftigkeit ln der Ehe. wie in der Kamilie und im Staatslehen sind die Haupttugenden. auf denen die Grundsäulen der Gesellschaft ruhen. Eine Gesellschaft, in der diese fehlen, muß wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Das düstere Bild, das die Propheten über die sozialen Zustände jener Zeit entwarfen, gab den Antisemiten aller Schattierungen Anlaß, ein infames, verdammendes l rteil über das N olk der Propheten zu fällen. Es muß aber hervorgehoben werden, daß die sozialen und sittlichen Zustände in anderen Ländern noch viel ärger waren als in Israel und daß andererseits kein anderes X olk in der Geschichte solche, von höchstem sittlichen Geist getragenen Männer auf/.uweisen hat wie das Volk und Land Israel. Kein Volk hatte mit einem solchen sittlichen Ernst der sozialethisehen Predigt der Propheten gelauscht, wie die Nachkommen Abrahams. Bekannt ist die moralische Zurechtweisung des Königs David durch den Propheten Nathan wegen des Königs N ergehen an Bathsehewa und das verdammende l rteil des Acliab durch den Propheten Elia wegen des Raubes des NN einberges Vuvols. Gleich der Schilderung der sozialen Zustände im Nordreich Israel durch Amos und I loschen, beschäftigen sich die anderen Propheten Judas mit den gesellschaftlichen Verhältnissen des Südreiches. Sie alle geißeln die l nmoral auf sozialem Gebiet, die Diskrepanz zwischen Adel und Volk. Reich und Arm. worin sie einen Verfall des: Staates, einen Abfall von der guten altväterlichen Sitte und den unvermeidlichen l ntergang erblicken. Sie alle fordern soziale Gerechtigkeit. Humanität. Liebe. Sie stellen kein neues Programm zur Lösung der sozialen Krage, zur Abschaffung der Gegensätze zwischen den Klassen auf. sondern fordern eine neue Moral, einen neuen Mensehentypus. Ihr Ideal ist eine ländliche Kultur, respektive die alte patriarchalische Lebensweise der Nomadenzeit, wie sie noch bei der Sekte der RechabiteiS ((•halten blieb. Sie bestand in Einfachheit und Gleichheit. Die Propheten verurteilen demgemäß den Luxus, üppiges Leben. Schwelgerei. Hab- und Genußsucht. Geldgier, den Alkohol- und Kleisehgenuß Das Ideal der Gleichheit erwuchs den Propheten auch aus der Idee der Einheit des Menschengeschlechtes. Sind alle Menschen Brüder, so haben auch alle \nspi ueh auf gleichen Anteil an d ai Gütern der Welt Es muß daher, wie im Bereich des Politischen der Krieg, so auf sozialem Gebiet die \rmul abgeschafft werden, wie dort, der Streit unter den Völkern, so sollen hier die Klassengegensätze verschwinden. ausgeglichen werden. ..Haben wir nicht alle einen Vater, warum sollen wir untreu gegeneinander sein": Maleachi 2. 10: ..Ein gleiches G sei/, für Euch alle". T B. \L. 15, 15). Kortsetznng folgt. Cafe — Bar — Tanz Wl*n IX., Porzallangasse 39 Tel. R 52 405 IG ist kein Geheimnis, daß es in Israel Vrbeitslose gibt. In einem Einwaudcrungsland. wo ständig Arbeitsuchende hinziikommcn. ist dies kein Wunder: doch suchen w ir dauernd NN ege. um die Vrheitslosigkeit zu bekämpfen und für alle Einwohner Israels Brot zu schaffen. Heim-Industrie ist in Israel ein wichtiger Kaktor zur Konsolidierung Her Wirtschaftslage der städtischen Arbeiterfamilien geworden. Viele Krauen, die für Nähen. Stricken. Sticken. Häkeln Talent haben, finden Arbeit, die sie bei sieh zu Hause machen können, ohne ihre Pflichten als Hausfrauen und Mütter vernachlässigen zu müssen. Die drei eleganten Kunstgewerbe-Läden der NN I/O. die vor mehr als 10 Jahren in Jerusalem. Tel Aviv und Haifa gegründet wurden, unterstützen speziell die Krauenai beiI. Ihre Artikel haben sich bereits einen guten Ruf in der Welt geschaffen. Es ist ihnen auch gelungen, einen eigenartigen Stil zu schaffen. in dem sieh Elemente von Ost und NN-st harmonisch ergänzen. Es ist der Leiterin. Krau Martha Bum beiger, gelungen, arbeitslose Kumilien aus Maabaroth in produktive und nützliche Elemente umzuw undeln. Krau Bambrrger erdachte neue, prächtige Muster für ..Paroehet" (Synagogal-Y’orhang). die von rumänischen Kumilien erzeugt und bereits Export nach sieben verschiedenen Ländern gefunden haben. Solche Kumilien konnten nach einiger Zeit die Mu’ubarn verlassen, sich XX ohnungen und Möbel kaufen und mit mehreren Arbeiterinnen eine Werkstatt führen. Ein besonderes Leinengewebe aus dem Negev. wo Klachsanbauversuche gemacht werden, hat bereits amerikanische Interessenten gefunden. In den XVizo-Läden sind originelle Negev-Leinenblusen mit Handstickerei. Cocktail-Blusen mit jemenitischer Stickerei. Tischtücher mit feinen Npplikationsmustern zu sehen. Ein ganzes jemenitisches Dorf. Kuriel im Galil. stickt für den Wizo-Luden. An anderen Stellen wurden Kaehkurse ins Leben gerufen. 80 Krauen arbeiten an der Erzeugung von apurten Schuhen mit Hanfsohlen. Silberstickercien für elegante Abendschuhe werden für den Export bestellt. Goldv erzierte, schwarze Sämisehhnndseluihe. Puderdosen aus Leder. handgewebte Kissennüberziige. Kleider und Blusen mit origineller Ornamentik. kunstgcslickte Talitim und Telillim- Säekehen bieten sich zur Wahl. Die Krau des holländischen General-Konsuls trug (inen NN i/.o-Schal bei einem Empfang bei Wien (I PN) Der den Ariseuren und Nazi nahestehende ..Wiener Montag" bringt in seiner Ausgabe vom 11. Jänner eine Betrachtung zur Krage der Wiedergutmachung und meint, daß die Juden (inen Versuch unternahmen.Das Weltgewissen zu mobilisieren, um aus den seinerzeit am Judentum verübten V (clolgungen saftige Profite für sich heraus/usehlagen und damit ein Geschäft zu machen..." Weiters gibt das Blatt der Regierung Ratschläge, sich unter keinen l mslümlrn durch ..dramatische Ausdriiike der Juden weich machen zu lassi ii." Im Sinne der nazistischen Ideologie und Piaxis der I litlerjahre waren die Juden Eigcnntum der NSDAP, besaßen also praktisch nichts, nicht einmal ihr nacktes Leben gehörte ihnen. Alles was man ihnen daher heule geben sollte, ist Iür die Juden ein Profit, noch dazu ein saftiger. Den Profit aber haben die Nazi während des Krieges dick eingestreift, den 'ie nicht mein herausgeben wollen. 0. ZIERING Ein- und Verkauf von Nähmaschinen aller Arten, auch Universal und Zick-Zuck. Elektrokochcr. Eigene Hcpuruturwerkstätte. Wien VII, Apollogasn 20, Tel. BI34 304 der holländischen Königin, die nach der Herkunft dieses schönen Stückes fragte. Die I leimindustrio in Israel steckt -rst in ihren Anfängen. Es ist aber klar, daß der Export von kunstgewerblichen Artikeln ein wichtiger Eaktnr im Wirtschaftsleben de > Lande' werden kann. Juden aus Ost und West bringen ihre kirnst gewerblichen Handfertigkeiten mit und die richtige Vusnulzimg ihrer Kähigkeiten v erring-rt die Arbeitslosigkeit im Land. Niehl nur Dörfern, auch ganzen Städten kann durch Heimindustrie g‘hülfen werden. Andererseits werden aueli die Galutbländer auf diese Weise Grüße aus Israel in einem eigenen Israel-Stil (-•hallen. WIZO Wien ..NEUJAHR DER BAUME" Das unter (dem Protektorate von Erau Konsul Esliel stehende Fest brachte nach der Begrüßung aller Anwesenden durch die X ersitzende der NVizo eine Personifizierung des bestes ..Neujahr der Bäume" in der Person und den Worten der jungen Agnes l n g :i r. die den Teilnehmern dir Bedeutung des Festes in Vergangenheit und Gegenwart durch ihre verständnisvolle Rezitation zum Bewußisrin brachte. Die Wiedergabe des Films der 5. Wiederkehr der Staatswerdung Israels. Jom lla'azmaut 1958. vermittelte in den erhebenden Bildern jedem Anw esenden die Begeisterung des Volkes in Israel und die Stärke und Schönheit der jungen Menschen. die es in der Gegenwart und Zukunft aufbaueil und verteidigen. Der Erfolg der ganzen N eranstaltung war sehr befriedigend und er wird der W i/.o-NN ien ermöglichen, ihre Leistungen für die Kinder- und Erauenheime der \N izo-lsrael nicht nur. wie bisher, forlzusetzen. sondern in diesem Jahr auch beträchtlich zu intensivieren. Die NN izn-\litg|ieder und -Freunde treffen sieb jeden Mittwoch von 5 bis 7 l hr bei den Heimnaclmiittugen. I.. Seitenstet tengasse 4M. unnd jeden Donnerstag von 4 bis 8 l hr bei den Bridge- und Canasta-Nachmittagen im Cafe Gartenbau L. Parkring. Ehrengrab für einen Nazi Linz (1 PN) Der Linzer Stadtrat beschloß einstimmig, für den vor einigen Pagen verstorbenen Humoristen Kran/ Resl ein Ebrengrab zu errichten. Nach der Besetzung Oesterreichs im Nlärz 1988 wurden die Juden aus Linz nach W ien ausgesiedelt, von wo sie dann die bittere Fuhrt in die Kon/.entr ilions- und N erniehtungslagcr antrctrii mußten. Der im Jahre 1989 von Besl in Linz organisierte Kaschiiigszug batte als ..Glanzsfück" eine Szene, in der die Austreibung der Linzer Juden verherrlicht wurde. I litler jungen gingen hinter Gestalten. die nach ..Stiii mcr"-Mustrr und Nr/:-\rl Juden darstcllcn sollten mul trieben sie unter Begeisterung der Zuschauer aus u'er Stadl. Nach dem Zusammenbruch des N er In tu ber-lleiebes kam Besl. der Nazi, in das Inleriiicrungsl'iger in Glasenbaeli. wo er mit humoristischen Darbietungen die Nazi und Kriegsverbrecher erheiterte. Nach der Entlassung aus Glasenbaeb war ihm jede künstlerische Tätigkeit unter sagt, dach wurde er bald vom Rumlespi iisüb ii Ich begnadig I. KLEIDER, WÄSCHE, SCHUHE auf Teilzahlung S. Bcod WIEN VI, DAMBÖCKGASSE 4 V_J