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Die Stimme · 1954-02-01 · Heft 83 (Februar 1954) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1954
Issue
Heft 83 (Februar 1954)
Date
1954-02-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite t> f) I K STIMM K Nr. }H Theodor Heuss 70 Jahre j ln’ ><l 'i' I Ieil1'-.. Präsiden < der deutschen Bundesrepublik. wurde mein /umStiils- <l>erln;ipi gew;ddt w eil hinter ihin ein«- st:trke politische l'nrt 1 st md. sondern i|s l'ersönlii hkeit. die von der iibrrwiegt mlen Mehrheit des deutschen \ nlkes gi schätzt. und in sie uneingeschränktes verdauen gesetzt wurde. Kr repräsentiert den (»eist, den wir beim deutschen \ ulke. das die nuzislis( In* Tvrnnnei geduldet but. als völlig verloren geglaubt haben: den (»eist der I ni\ersati tat. dee freiheitlichen Gesinnum:. der unbeugsamen. wahren, deniokratisihcn l eber/eugung. ilenss ist ein klar denkender, klug handelnder, offener (.harakler tler in der Erfüllung der iiberunn.menen! 'Miehlen, einen Lebens/.w eek i rbliekt. Niemals ist er Mir dem na/.istiselten Terror zurückgew iehen und liatnfi siine phv si.sclte Existenz aufs Spiel gesetzt. um seine l eber/.cugimg nicht verleugnen zu müssen . Ilenss wird in Deutschland als eine unüberwindliche. . thische Macht betrachtet. Wie die Geschichtsschreiber darlegen, stellt er heute ,ii den heikelsten Kragen, wie die nmraiisihe- Genugtuung an die .Juden und /.um Problem der W iedergutimiclumg dessen, was Juden geraubt wurde, mit völliger Inbefangenheit, mit \ orbildliehem Mut und wahrer Menschenliebe. S;ine Handlungen sind jederzeit von humanen Gedankengängen getragen. Anläßlich der Einweihung des Mahnmals für unsere Märtu er im früheren nazistischen KZ Bergen - Helsen, verurteilte Präsidmt Heuss. der vorbildliche Humanist. die entsetzlichen \ erbrechen. die Hitler. Himmler und Konsorten an der Menschheit und an den Juden begangen haben, wobei er folgende, in die Geschichte bereits eingegangene Worte sprach: ..W er heute als Deutscher spreche, müsse sich die innere Freiheit Zutrauen, die volle Grausamkeit der \ erbrechen, die von Deutschen in Konzentrationslagern begangen wurden, zu erkennen. Wir haben von den Dingen ge Wulst, wir wußten auch von der systematischen Ermordung der Gefangenen in den KZ‘s und der Insassen ch idsdier Heilanstalten, wir wußten von Experimenten, die die Wissenschaft besudelten. W ir Deutschen wollen. sollen und müssen lernen, tapfer zu sein gegenüber der W ahrheit. Sich auf l nrecht und Brutalität zu berufen, sei das Verfahren der moralisch \nspruchslosen. I m des Wohles der aufrechten Menschen willen sei es geboten, daß beute bestimmte Typen schweigen müssen, die gestern im Dienste des Hasses standen. Das Hakenkreuz sei mit dem Gesamtleid und mit mündlich viel Schande für die Deutschen v erhurulen." Diese W orte ehren immerdar diesen tapferen Mann, den Präsidenten Theodor Ilenss. Heuss ist ein vornehmer, ein gereihter und ein gütiger Mensch, er ist unbestechlich im l rteil und lehnt jede heuchlerische Geste ah. Heuss wird seinem A nlke und den Menschen, die die W ahrheit und die Gerechtigkeit liehen. unzwulelhaft ein \ orliild sein. W'ir neigen uns vor dein tapferen Jubilar! B e r n li a r d B r a v e r Zum 50. Geburtstag Joseph Schmidts spricht Biograph Karl Ne\-Nowotny: Sonntag, den 21. Februar um l'J Ihr i i n V olksbildiuigsiiaus Margaret;m. Stöbrrgassr I I — IÖ. Ausi hließeml miste und heitere Sclmllpl,alten von Joseph Schmidt. Kalten zu S T — und 4.— Samstag, ilrn (i. Mürz um lb.HO l In in der l rania. Nach < hier Gedenkrede unbekannte Josef Schmidt - Sehallpluttcn und der Tonfilm ..Ein l.ied geht um die ■Weltkarten zu S .J.—. 4.—. in! t 1 Iin tag; i!i< \tiß'iuninister i I i I 11z mul die \\ : ■ 11 /11 im. (Ii Ml' leid /.us» Blage01 (trolii. Die Wostm.aehtr /i l'ii aol (Io \ ei v. irklirlmng des Planes einer an. iiußiaml richtet seine \ngrille gegen die cm, p; isclo \ ( iteidiguiigsgeiuemmIiiIi iiiki hehl hervor, daß >m mit der W 11 derv er; inigimg Dentseluaiuls miver- ( inbar sei 11111I den Abschluß eines f rieci( nsv( 1 träges unmöglich mache. Krankiinii. das auf der Berliner l\ oiiI e■••enz mit vn 1 ( s ik: 1 und England konform geht, hat aber Bedenken, daß es DeniscidaiHl einmal gefallen könnte, aus der europäischen » crlridigiingsgvmrinseha! ( iuszabn dien und Iranki eieli militärisch zu bedrohen. In diesem Zusammenhang gaben die \ ereinigten Staaten von Mnerika und G’-oßbi iiaimien die Bereitschaft be - könnt, auf dem europäischen Konli.i 11; (iuspneilende Truppenkontingente zu stationieren. Die Sowjetunion ist der Ansicht, daß die Konferenz noch nicht über (len Aubing hiiiausgekommeii ist. Die Deutschen stellen elegische Betrachtungen an. daß sie. an der konlerenz inleressiert. zu Zuschauern verurteilt sind mul erst ini(wirken dürfen, wenn die lieehmmg präsentiert wird. Es ist ein Jammer, daß die Siegermüchte. die durch die Niederwerfung Hi tlcrdcuIschlaiuls zw angsläufig entsinn - (lene Probleme, jahrelang keiner Entscheidung zugeführt haben und Deutschland so nie Glumee gehen, im Kräftespiel der Sieger, das Zünglein an der W aagf zu werden. Es ist wahr, was die Deutschen behaupten. daß der llitlerkrieg für sie hart genug war. daß sie ihn bitter bezahlen müssen und jetzt ein Objekt der Weltpoiitik sind. Die Deutschen empfinden das gegenwärtige Geschehen als Tragödie eines \ oikes. dem die Geschiehic mehr zmmitet. als irgend einem anderen \ ulke. Eine Tatsache ist. daß die Tragödie des deutschen Volkes nicht erst jetzt aufscheint, sondern vielmehr im Jahre IPTi als Hitler zur Macht kam. Wir wollen keinesfalls das gesamte deutsche Volk beschuldigen, daß es Hitler in den Sattel gehoben hat, aber wenn man der Wahrheit die Ehre geben will, muß man daran denken, daß ein erklecklicher Teil der Deutschen für Hitler Begeisterung gezeigt, und alles, was mit Demokratie zu tun hatte, beim Aufkommen des nazistischen Regimes, beiseite gedrängt hat. Die Deutschen stellten fast lückenlos ihre \Olkskraft in den Dienst des Nationalsozialismus und als Hitler die Welt mit Krieg überzog, füllten die deutschen Männer und Krauen die Keilten der Beiehswehr mit Begeisterung. obwohl Deutschland von keiner Macht bedroht war. Hitlerdeutsehlaiid konnte sechs Jahre lang den mörderischen Krieg durchhalten und man erfuhr es sehr spät, daß deutsche Generale es unternommen haben. Hitler in den Arm zu fallen. Aper diese tapferen Generale landen heim deutschen Volk keine l 11terstiit/uiig und mußten am (Tilgen ihr Lehen lassen. Heute, trotzdem das deutsche Volk weiß, daß Hitler der Totengräber Deutschlands war. während jene Generale zum W olde Deutschlands handelten und Patrioten waren, wird in deutschen Landen nichts getan, um dieser hcroiucheii Männer ehrenvoll zu gedenken und ihnen Denkmäler zu setzen, um der Nachwelt diese geschieh (liehe Tat zu überl ic fi ■rn. Ehemalige führende Nazi. Kriegsverbrecher und Verderber der deutschen Nitinn. wurden allmählich rehabilitiert mul in Amt und Würden wieder eingesetzt. SoldaUribiiude schießen immer mehr aus dem Boden und versuchen die nazistische Tradition aiifleben zu lassen, die alte ..Dolchstoßlegende" zu propagieren und der jungen deutschen Demokratie den Todesstoß zu versetzen. Deutschland, das die zwei Ict/lcn Kriege verloren hat, muß sieh ein für allemal vr.un verderblichen Nationalismus und aggressiven Militarismus atmenden, die Demokratie festigen und sich leiten lassen vim Grundsätzen, die uns Goethe folgendermaßen lehrt: ..Nur der verdient sich Freiheit und das Iahen, der täglich sie erobern muß1'. Denn Menseln n können und wollen nicht in fortgesetzter Spaummg und Todesangst leben. Es ixt daher zu hoffen, daß die Berliner Konferenz zu einem positiven Kesultal führen wird, um dir 2lut ICMvfeteMz it* •mmiiiisterkon Tragödie, die niehl gerade das deutsche die v 011 Oeslrii gödie. die niehl \ o!k allein, s.nidern hrimgrsurht hat. zu \b iiM hlicil dm ers ade (I: die Volke beenden •Imlm Ei deutsch, r der \\ eil und der i cd.mi zu I ■. r i den niemand mehr störe oll. Der Jüdische Weltkongreß teilt mii: Aon einer am Bl. Jänner i 111 Strphrn- W ise-1!aus in New V ork ahgehaltenen Sitzung der Exekutive wurde ein dringender Appell an die derzeit in Berlin versammelten Vertreter der vier Großmächte gesandt, mit der Aufforderung bei der ii'I. 11 cieliiselien Regierung wegen der Kiilsi Itädigung der überlebenden Na/.i- .jiler vorstellig zu weiden. Es wurde auch bclonl. daß eine rasche Regelung der schwellenden Eragcn im Interesse aller Beteiligten gelegen sei. Dr. Israel G > Idst e i 11. der dm Vorsitz führte, (iklärte in seinem Referat: ..Oesterreich kann nicht von den \ölkeru der Welt v erlangen, daß seine eigeiHii Interessen gewahrt werden, wenn es seihst keine Gerechtigkeit keimt gegenüber den Juden, die während der Nazizeit der grausamsten Verfolgung ausgesetzt waren und deren materieller Schaden außerdem noch immense Dimensionen angenommen hat. Die beklagenswerte Tatsache". sagte er. ..daß von der jüdischen V orki iegsbevölkertmng von IBO.(;()() Seelen mindestens (iO.OOO in Konzen trationslagern ermordet wurden, die res tliehen aus Oesterreich flohen und für den Best ihres Lehens entwurzelt wurden, kann heute von niemandem gehugnet werden." ..Der Krieg ist seit neun Jahren vorüber". setzte Dr. Goldstein fort. ..doch ()eslri reich getanen Schritte, den S( baden guI/11111 aclienn. stehen in einem \ et hältnis zu den Geschehnissen, das beleidigend isl. Während Oesterreich dieses Gebiet einer moralischen, wenn schon nicht geset/liehmn A enmlw orlimg vernachlässigte. zögerte die Regierung nicht, wenn es sich darum handelte. Gesetze zu sihallin. durch die frühere aktiv Mi Iglii der dei nationalsozialistischen Par tri moralisch und materiell rehabilitiert werden. Keine Nation sollte wünschen, an den Mordtaten ihrer Bürger zu profilieren und keinesfalls den Opfern vorz.iu nlhalten. was ihnen gebührt. Auch Oesterreich muß diese grundlegende Tat - sailie einmal erkennen. wenn es wiinsiht. seinen Platz in der Kamille der V ölker zuriit k/.uerhalteil." Die Exekutive bedauerte die Tatsache, daß durch das brüske Abbreehen der Verhandlungen über das erblose \ ermögrn ein A erspreehen gebrochen wurde, das den jüdischen Repräsentanten von der öslrrrrn bischen Regierung /.wischen Juni und September vorigen Jahres wiederholt gegeben wurde. Im weiteren A erlauf der Sitzung rief dir Jüdische Weltkongreß die drei westlichen Alliierten auf. darauf zn bestehen, daß in Deutsehland mul Oesterreich die noch immer vorhandenen Spuren des Nazismus getilgt werden. Ein Programm der l merzielumg habe mit den Theorien aulztirämm 11. welche die westliche Zivilisati-n in tödliche Gefahr gebracht haben und außerdem die l rsaclte waren an dem lode von sechs Millionen Juden mul an der Not. in der sieh der liest des jüdischen Volkes befindet. DR. IMANUEL UNGER NEUE ERZIEHUNG - NEUE KULTUR I nter diesem Titel hielt Dr. Imanuel l rtger am 1. Februar im Festsaal der I KG als Gast der Zionistischen Föderation Oesterreichs ein Referat und erklärte einleitend, daß, wenn von einer neuen Erzielmnng in Israel die Rede ist, damit nicht nur die moderne Erziehung der Jugend, sondern auch die l rnsclmlimg aller Neueinwanderer zu einem neuen Lehen gemeint ist. Die Erziehung der alten Generation teilte der Redner in drei Phasen: Die erste, die als abgeschlossen betrachtet wilden kann, die zweite, die sich in der Entwicklung und die dritte, die sieh im Anlaiigsstudium befindet. Von der ersten Phase waren die Juden erfaßt, die in den Jahren Iß.Tj bis lß.‘38 aus Mittel- 1 uropa nach Palästina kamen, wo sie weder von ihren Berufen, noch von ihren Titeln Nutzen machen konnten, sondern von Grund auf ihr Lehen auf eine neue Basis stellen mußten. I11 der Phu.se der Entwicklung befindet sieh das israelische Militär, dessen Angehörige nicht nur zu guten Rekruten gemacht, sondern auch für ein produktives Leben erzogen werden müssen. Schließlich steht Israel vor dem schwersten Problem bei der l nisehulung der Olim, die seit der Stuutsgriindung im Massen nach Israel kamen, zum Teil primitive, des Lesens und Schreibens unkundige jüdische Stämme aus den entferntesten Winkeln der Welt und zum 'Beil zwangsläufig demoralisierte Elemente aus Konzentrationslagern und den Gaskammern entronnen. Zwei Faktoren, sagte der Redner, stellen im Vordergründe der neuen Erziehung: Arbeit und Sprache. Die Arbeit, mellt nur als Vorbedingung für den Aufbau des Staates und seine Entwicklung, sondern auch als Voraussetzung für eine produktive und konstruktive Betätigung im Rühmen der bestellenden Möglichkeiten und gegebene Fähigkeiten. Die eigene Sprache dagegen uls Instrument für eine neue Kultur und als ein festes Rand für die I lund( i ttaiisende, die nur uuf diesem Wege einen Kontakt zueinander und miteinander bekommen können. Ein viel leichteres Problem stellt die Erziehung der Jugend dar, denn während den Alten das Meiste erst angelernt werden muß, ist es den Jungen bereits angeboren. Die jüdische Jugend von beute, sagte Dr. I nger, kann mit der Jugend von Gestern 11 ichI verglichen werden. Ihr Verhältnis zu den Ellern und Lehrern, zum Boden und zur Natur, ist frei von allen Hemmungen und ihre Zukunft sieht (iner anderen Gestaltung entgegen. als der ihrer Vorfahren im Gallith. In einem gewissen Verhältnis steht die kulturelle Entwicklung zum Tempo. Israels. Während es auf der einen Seite in Israel auf literarischem und kiinstiei'isi hem Gi biete Höchstleistungen gibt, die \\ cltruf genießen, wurden breite Massen noch nicht einmal von einem leisen Anflug der Kultur erfaßt. Aber seihst die bestehende Kultur ist nur zum geringen 'Beil Kigengut und es werden gewiß noch Jahre vergehen, bis sieh sowohl eine eigene, aus den neuen Lehenshedingu.ogeii und der neuen Atmosphäre geborene Kultur, entwickeln wird. die ebenso wie dialte, jüdische Kultur, nicht nur dem Volke in Israel, sondern auch den Juden in aller Welt, zum Gemeingut werden wird. Die Ausführungen des Redners zeigten (in profundes Wissen um die Verhältnisse in Israel auf dem Gebiete der Erziehung und Kultur. Stürmischer Beifall dankte Herrn Dr. Imanuel Inger und der Präsident der Zionistischen Föderation, Herr Gustav Leitner. richtete an den Redner die Bitte, auch weiterhin sein Wissen in den Dienst der zionistischen Sache in Wien zu stellen. K. M. Heinrich STEIN ritenstr Telephon: U 49 0 64 ERZEUGNISSE: Selbstroller Rollvorhänge Verdunkelungen Bretterjalousien Holzrollbalken Durchsichtige Schaufensterrollos

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