Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1954
- Issue
- Heft 82 (Januar 1954)
- Date
- 1954-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 82 Seite 5 DIE STIMME Theodor Herzl — Ein Portraif ()SkAli BENJAMIN KRANKE Theodor Herzl und Stefan Zweig \ :>n JOSKKE FBAFNKEL (London) lnser Biiehcrcinltiuf brachte uns ein in New V nrk bei Storni Publisliers erschienenes Buch auf den Tisch, behielt: ..Theodor Herzl. der .Jude und der M(lisch. Ein Porträt.“ Der Verfasser, Oskar Benjamin Krankl, der jetzt in Amerika lebt, isi weiten Kreisen des europäischen .Judentums kein l nbekannte'. Die tschechoslowakischen und teilweise auch die österreichischen .Juden kannten ihn als den Begründer und verdienst- \ollen Leiter der Prager l rania. Als Student kam ei* in llcrzls Haus in der Eigenschaft eines Hofmeisters für dessen damals zehnjährigen Sohn Hans. Bald jedoch wurde er, der zu den vielen begeisterten Anhängern llcrzls aus Studentenkreisen — von Herzl liebevoll ,.meine Jungens“ genannt — gehörte, eine geschätzte Hilfskraft nicht nur bei der Arbeit des Knaben sondern auch bei der des Vaters. Vieles, was die Mit- und Nachwelt von llcrzls Arbeit als abgerundete Leistung zu sehen bekam, das beobachtete er im Werden. Bei den Siegen und den Konflikten des Anfangs der zionistischen Bewegung, bei den Depressionen, die unvermeidbare Begleiterscheinungen einer jeden irdischen Genesis sind, war er dabei. Er war unter llcrzls Hausgenossen, wenn er von seinen Reisen zurückkam, von seinen Besuchen beim Sultan in Konstantinopel, von seiner Begegnung mit dem englischen Politiker .Josef Chamberlain, der ihm das nachher so heiß umstrittene l gandaprojekt vorschlug, von seiner Begegnung mit König Viktor Emunuel von Italien, von seinem Besuch bei dem russischen Minister Pleve. der ihm sagte ,.Ich begrüße Ihr Projekt, denn ich möchte die Juden aus meinem Lande los werden, sic sind Revolutionäre* 1' lind schließlich von der entmutigenden Audienz beim Papst, der ihn entlassen hatte mit den Worten: ..Non possuma.s, non possumus“. Aus den persönlichen Eindrücken dieser Zeit, später ergänzt durch das Studium von Herzls Tagebüchern, schuf der Verfasser sein Buch, in das er als Widmung schrieb: „Dem ältesten Volk mit dem jüngsten Staat“. Im Vorwort legt er selbst Wert darauf, nicht etwa zu den zahlreichen Hcrzlbiogruphen, eine neue Iiinzugefügt zu haben, sondern das Bild, das Porträt Herzls zu zeigen, dessen Persönlichkeit sieh darstelltc mit des Verfassers eigenen Worten als „Vereinigung der besten jüdischen Qualitäten mit clem höchsten Menschentum: des Idealen mit der Realität: der Idee mit der Tat. Was dieses Buch zu sein wünscht, ist eine l eherpflanzimg von Herzls Idealen und llcrzls Idealismus von der V er- Eortsetzimng von Seite 4 Die Atabee in 1 statt Ländern im Orient, wie z. B. Indien und Pakistan, herrschen und doch dt*n Aufbau und das Zusammenleben der Völker hemmen und gefährden, gibt es in Israel nicht. Die Araber haben sich vollkommen in das Leben des jungen jüdischen Staates eingeordnet und können dank der Toleranz und Haltung der Regu i img friedlich ihrer Arbeit nachgehen und wirken zusammen mit ihren jüdischen Mitbürgern am Aufbau des gemeinsamen Vaterlandes Israel mit. Angesichts dieser Tatsachen ist es verständlich. daß sich die Hoffnungen der arabischen Staaten, vor allen während des Krieges mit Israel, die dort ansässigen Araber als fünfte Kolonne gewinnen zu können, als trügerisch erwiesen hat. Im Gegenteil, hier zeigt es sieh in augenfälliger Form, abgesehen von den zalili eichen Beispielen in der Geschichte, daß ein friedliches Zusammenleben zwischen luden und Arabern nicht nur möglich ist. sondern sieh in jeder Hiuischt für beide 'Peile vorteilhaft und fruchtbringend aus wirkt. Auf die Dauer können diese nicht zu übersehenden Tatsachen ui: ht ohne Wirkung auf die Haltung der Nachbarstaaten bleiben, und es ist zu hoffen, daß man auf arabischer Seite bald zur Einsicht kommen und sieh bemühen wird, endlich das richtige Verhältnis zu Israel zu finden, um so den I riedai im vorderen Orient wieder her- /ii,teilen und geordnete Verhältnisse zu ni baffen. gangeulieit. in der sic* wuchsen und Eriichte trugen, in unsere verwirrende und verwirrte Gegenwart, die ihrer dringend bedarf.“ Das Buch enthält drei große Kapitel mit den l chersehriftcn, „Die Bühne“. ..Das Werk“. ..Die Sendung". Im ersten Kapitel charakterisiert er mit den sparsamsten Mitteln, mit ein paar Strichen und Streiflichtern blendend die geistige Situation der Jahrhundertwende. Die wachsende Technik mit der durch sic bedingten gesellschaftlichen l mschichlung und den neuen ökonomischen Problemen, die schließlich in geistiger Hinsicht die Errungenschaften, die wenige Jahrzehnte zuvor die französische Revolution gebracht hatte, zu einer in stillen Vortrags- ,sälen und Seminaren betriebenen Angelegenheit werden ließen und statt dessen im Leben des Tages eine Hochkonjunktur der ismeii brachten, Pungcrmunismus, Dadaismus, Futurismus. Kommunismus, Liberalismus, Sozialismus. Nationalismus. I ltramonlaiiisrnus, der ismen waren viele und ihr Inhalt war jede Art von Partei- Klassen-Rassenhaß. Dazwischen gab es noch die letzten Ausläufer der vergangenen großen Zeit. Es gab noch große Persönlichkeiten. Wissenschaft und Kunst erreichten sogar eine hohe Blüte. Jenseits des Ozeans wuchs überhaupt eine neue Will. Die wundervollsten Opern und die schmelzendsten Walzer konnten jedoch das Anklopfcu der neuen Zeitepoche nicht iibertönen, die reif war für beides: Für das Aergste und für einen neuen Start. Was das Judentum dieser Jahre anbelangt, so kann die Geschichte des Endes des neunzehnten Jahrhunderts überhaupt nicht geschrieben werden ohne die Erwähnung jüdischer Namen. Juden gehörten tatsächlich zu den Größten dieser Zeit, in Westeuropa war auf den höchsten Höhen des Daseins jüdische Leistung zu finden. Gleichzeitig gab es in Bußland, Polen und Rumänien Pogrome. Der Jurist Dr. Theodor Herzl: Ein typisches Produkt dieser Kultur. Als Korrespondent der neuen Freien Presse in Paris. Die Dreyfußaffäre „Nieder mitDreyfaß! Nieder mit den Juden! Werft diese schmutzigen Verbrecher in die Seine!" Herzl hat sich aus dem Kreis der intimen Freunde zurückgezogen. Man mach; sich Sorgen um ihn. Wo ist er? Was tut c r V Bis er sic eines Tages zusammenruft: ..Meine Ficunde. ich habe euch zu mir gebeten, weil ich euch ein Manuskript vorlcscn will, an dem ich hart gearbeitet habe, lange Tage und Nächte.“ Lud er macht sie bekannt mit seiner grandiosen l (opic. wie sie es nennen. Nie vorher haben sic ihn so gesehen. wie heute: So feierlich, so stark, so stolz. ..Nenne cs .Der Traum vom Tempel* und es wird der größte Bueherfolg des Jahres!" Aber Herzl meint keinen Traum und meint kein Buch. ..Der Judenslant“ wird ein 1 schmales Biii lilein in einem gelben Einband. Es kommt in die Hände von jüdischen Studenten, von gedrückten Juden in polnis( lien Ghettos, genau so. w ie es damals die paar Literaten in dem Pariser Hotelzimmer mi(gerissen hat. reißt es auch hier die Menschen mit. Herzls Idee. Herzls Suggestion, llcrzls Persönlichkeit sind suggestiv. Man sucht ihn, man schart sieh um ihn, man hilft ihm, man opponiert ihm auch leidenschaftlich, es vergibt weniger als ein Jahr und er ist mitten drin, was wir heute ..zionistische Arbeit“ nennen w ürden. Nur w ar es dam als das erste Mal. Es beginnen die Zionistenkongresse, es beginnt die politische Arbeit, es beginnen die Beisen zu Europas Politikern Die erste Begegnung der heidrn Sdi/iftsteller Wenig bekannt ist cs. daß Theodor Herzl den um zwanzig Jahre jüngeren Stefan Zweig als Schriftsteller und Dichter zuerst ..entdeckt** und in die literarische Welt eingefiilirt hatte. Als Feuilletonredakleiir der „Neuen Freien Presse" spielte Theodor Herzl — längst bevor er seine politische Broschüre „Der Judenstaot" (18%) veröffentlicht und die Zionistische Weltorganisation gegründet hatte — eine große Bolle im literarischen Wien. Gar viele junge Talente, Dichter und Künstler verdankten ihm ihre ersten Lorbeeren. Theodor Herzl hatte einen Instinkt für begabte junge Leute, kümmerte sich um sie und förderte sie in jeder Hinsicht. Zu der langen Liste begabter Autoren, die ihre ersten Schritte in der literarischen Kuriere mit Hilfe llcrzls machten, gehörte Stefan Zweig. Noch als junger Gymnasiast, also kaum 12 Jahre alt, war Stefan Zweig ein großer Verehrer von Theodor Herzl und betrachtete ihn als seinen „Lieblingsschriftsteller“. Es gab keinen Artikel, kein Feuilleton von Theodor Herzl in der ..Neuen Freien Presse*’ oder in anderen Zei(innigen, den Zweig nicht mit jugendlichem Eifer las. Als Ilerzlforsciier hatte ich einst eine besondere Gelegenheit, mit Stefan Zweig zu sprechen und mit ihm über Theodor Herzl zu diskutieren. Er sprach davon, daß er in Herzl seinen Lehrer und literarischen Meister sah, der ihn in seiner Jugendzeit ht'oiulers beeinflußte. Als junger Schüler lernte er ganze Abschnitte der llerzl- MlTil auswendig und merkte sich seine Aphorismen fast 50 Jahre. ..Keine Autorität war mir höher als die von Theodor Herzl*’. schrieb Zweig später in seiner Arbeit ..Herzl und Wien“ :mcl er wiederholte auch mir gegenüber diesen Satz. Für Anfänger auf literarischem Gebiet war die Veröffentlichung einer Erzählung oder einet Novelle in der „Neuen und Monarchen, es beginnt das Goldgcrassel vor den Obren des Sultans. Es (hmert genau neun Jahre, dann war dieses große Leben an seinem eigenen Feuer verbrannt. Es klingt banal, wenn mau immer wieder den Vergleich mit Moses wiederholt, der das gelobte Land nur von ferne sollen durfte. Herzl hat es gesehen in seiner Vision. Den ersten Zionistenkongreß schloß er mit den W orten: ..Wir haben die Verfassung der zionistischen Bewegung beschlossen. Der Judenstaat existiert." Lud ganz richtig weist der Verfasser des Buches auf die Einmaligkeit hin. die darin liegt, zugleich ein großer Prophet und der Verwirklichcr seiner Prophczcihung zu sein: darin, höchste himmlische Gnade und größte irdische Leistung in einer Person zu vereinen. Das mit deutschem Text entstandene Lied der ersten Zionisten in W ien bringt Oskar Benjamin Frankl in meisterhafter. englischer l eberselzung. W ir bringen es zum Schluß dieser Buchbesprei hung für unsere Leser aber deutsch: Dort, wo die Zeder sehhink die Wolke [küßt Lud wo die schnelle Jordansweile fließt Dort, wo die Asche meiner V äter ruht Das Feld getränkt hat Mnkkabäerblut. Dies schöne Land am Blauen Vleeres- [straiul Ls ist mein teures, heiliges V alerlnnd. Dr. Ilansi Berger Freien Presse" ein Zeugnis dafür, daß er dir* Prüfung bestanden batte. — So r i st Inen einst Stefan Zweig in der Rcdukfiou um Kolow rofring und verlangte den Fcuilletonredakteur zu sprechen. Der neunzehnjährige Stefan Zweig kannte Herzl nicht persönlich und nun braclwc er eine kleine literarische Vrbcit und er¬ Besuchen Sie die Hübner- Befriebe Kursalon — Open Gate Splendid — Konzertcaf& und Bar — Feuchter Stock Kobenzl-Restaurant wartete das l rteil des von ihm verehrten Meisters. Zweig war hiebei sehr aufgeregt und halle Lampenfieber. Theodor Herzl war als Redakteur stets gewissenhaft und ehrlich. Er merkte gleich die tiefe l nrulic des Jünglings, er unterhielt sieh mit Zweig und las an Ort und Stelle die Novelle. Groß war Zweigs Erstaunen und noch größer seine Freude, als Herzl ihm sagte, daß ihm die Arbeit gefalle und daß er sie in der ..Neuen Freien Presse“ bringen werde. Die Veröffentlichung der Novelle stellte eine kleine literarische Sensation in Wien dar. Kurz darauf lenkte Theodor Herzl wieder die Aufmerksamkeit der Leser dieser Zeitung auf Stefan Zweig und prophezeite ihm eine große literarische Zukunft. Stefan Zweig war Theodor Herzl für die Ermutigung dankbar und er bewahrte ständig eine aufrichtige und tiefe Verehrung für die Persönlichkeit Herzls. Wiederbelebung des alten Bodens Die Gebeine von Pi-of. Hermann Sehapira sind von Köln nach Israel überführt worden, um in der heiligen Erde Jerusalems wieder bestattet zu werden. Dieses Ereignis am 19. Tevetli fällt mit dem 52. Gründungstag des KKL zusammen, der seine Entstehung der Vision und Weitsichtigkeit dieses Mannes verdankt. W ir haben zwar einen weiten Weg zurückgelegt seit jener große „Rabbi und Mathematiker" die Idee eines Nationalen Fonds der katlowitzcr Konferenz der Chowewe Zion im Jahre 1884 vorgelegt hat. aber die Idee Zwi Hermann Scliapiras hat heute noch die gleiche Geltung wie immer: Der KKL ist der poupläre Fonds geblieben, der es jedem Juden ermöglicht. teil an dem Aufbau Israels zu haben. Die Tatsache, daß nationaler Boden unserem ganzen Volke gehört, gibt jüdischen Menschen überall auf der Welt eine direkte Verantwortlichkeit für die Entwicklung dieses Bodens. Dadurch, daß der Fonds durch seine Struktur auf die Mitarbeit aller Juden angewiesen ist, ist der KKL eine große moralische Kraft und ein wichtiger erzieherischer Faktor im jüdischen Leben geworden, ln zehn tausenden von jüdischen Häusern haben die Blauen Büchsen des Keren Kayemeth nicht nur geholfen, bedeutende Summen zu sammeln. sie haben jene Häuser, oft in den cnlfmitseteu Winkeln der Diaspora mit der W irkliclikeit Israels, mit einem wahren zionistischen Inhalt erfüllt. Laßt uns dessen bewußt sein, daß der KKL nicht mit einer einmaligen Geldsammlung verbunden ist. keren-Kayeiiii (lt-Arbeit ei fordert beständige und dauernde 1 lingabe. Keren-Kayeinetli-Arbeit ist eine täglich1 Mitzwuli. Jeder muß. so gut er kann, jederzeit geben. An dem 'Pag, mi dem Schapira nach Israel heimkehrt. werden wir uns von neuem der Idee des Keren Kayemeth weihen, die die Basis zum jüdischen Staat gelegt hat. und die helfen wird, seine Zukunft zu sichern: die Idee der Wiederbelebung des alten Bodens von Israel! SIHGIR - SfOfK /.v nm ko wn mm nt tt REINWOLLENE DAMEN- U. HERRENSTOKFE KAMMGARNE TWEEDE IN NEUESTEN MOÜEDESSINS SEIDENNOU VEAUTfiS TEL. ö 21-3-88