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Die Stimme · 1954-01-01 · Heft 82 (Januar 1954) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1954
Issue
Heft 82 (Januar 1954)
Date
1954-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Moses Maimonides DIE STIMME Die HI AS warnt r. 82 \iilä!>lirh des "50. T.idrMugox Moses M;iiminides'. mhi meinen \ erehrern Ihi'ieseher Hm>n(l<.| Gr..ßcr \dler genannt. wmde M m11 iü dem 28. I)e/emher 1953 in T i b r r i a s. am Grabe dieses hedeul» ndsien Denker-, des mi ttelalterlielien .Judentums. das Maimt'uidesjalir feierlich prnklami rt. Die Begräbnisstätte des Genius in Tiberius uurde von namhaften Historikern agnosziert. um die um einzelnen \iitoritiiten geäußerten Zweifel zu zerstreuen. ln der zweiten Hälfte des zwölften .Jahrhunderts stand es um die Kräfte des jüdischen \ olkskörpers schlecht. Du trat Mose, Maimonides. der souveräne Geist, auf und nahm das Schicksal seines \ olkes in die Hand. Maimonides’ Geistesschärfe und profundes \X issen waren geradezu legendär. Seine unerreichten Leistungen fanden Niederschlag in seinem grandiosen Werk ..Mischnu Tlioru“, das epochal wirkte, uns die Lehren des Talmud wahrhaftig erschloß und die Bedeutung der Entwicklung der jüdischen Geschichte proplietiscJi \or Augen führte. Hamhatn (Rabbi Moses ben Mainion) schuf das religionsphilosophische \\ erk ..More nevuehim” (Führer der Irrenden). das für die Geschichte der Philosophie von ganz großer Bedeutung ist und das Wesen de, Judentums inpraeht- \olles Licht setzt. Im Spiegel der Geschichte begründete Rambam die biblische Gesetzgebung und offenbarte uns die Möglichkeiten, auf dem Boden der Väter, wieder einStautsvolk zu werden. Maimonides lehrt uns. was unter geistiger \ ollkoinmenheit zu verstehen ist, und erörtert tiefschürfend den Zweck der materiellen Vollkommenheit, die die Basis für wohlgeordnete und geregelte gesellschaftliche \ erhältnisse und die sittliche Erziehung des Individuums für die Gemeinschaft gewährleistet. Diese Vollkommenheit macht uns mündig die Staatsordnung zu achten uncl deren Träger zu werden. Die Bedeutung Bamhams fiir die Medinath Israel geht vornehmlich aus seinem theologisch-juristischen Hauptwerk ..Mischna Thora” hervor, worin die legislatorische Verfassunng Israels antizipiert ist. Der Jiscliuw in Israel, der das jüdische Staatsleben neu baut, schöpft Kraft aus den Leinen .Maimonides’ und dankt ihm dafür, daß er als erster nach Gründen unserer Gebote forschte und sie rechtfertigte. Ein äußeres Zeichen des Gedenkens auch für kommende Geschlechter, wird iiu jetzt •inaoleyler Garten sein, der einen si li"men Rahmen für die Ruhestätte Maiin mides' bilden wird, ein elirfurchtgehietendes Monument soll hier errichtet werden, eine Ribliothek wird künden, daß der Geist Rambams lebt. Die israelist lu ll Stellen planen Pilgerfahrten zum Maimonidesgrah. um hei den Menschen die Erhabenheit des großen Geistes zu hewähren. Ein Maimonides-Kongreß, der demnächst cinberufen werden wird, soll sich mit den an Wunder grenzenden geistigen Scliöpfunngen des Meisters befassen. R e r n li a r d R r a \ c r Bezirksgericht Innere Stadt. Wien I.. Riemergasse 7 Edikte zur Einberufung abwesender Erben: 8 A 784 52 Abt. III. vom 22. 12. 1952 11 Nach Berthold Sturfer, die crbl. Geschwister Berta Goldner geb. Storfer, Privutd in Brooklyn, ISA, .Marie Singer geb Storfer in Israel, Jetty Schwarz geh. Storfer in Bukarest und erbl. Neffen und Nichten Heinrich Storfer, Ida Storfer, Rebekka Storfer und Dr. Rosa Storfer unbekannten Aufenthalts. Abwesenlu itskurator Ür. Paul Kurei Notarsubstitut in Wien, Taubstummengasse 8 8 A 720 58 Abt. HL am 14. Oktober 1958 22 Nach Eleonore Stuppler geb. Ilekcr, W ien H. Gr. Stadtgutgasse 28 16, um 28. 10. 1941 nach Litzmunnstudt deportiert, die IM \S (llebrew Immigrant Aid SocicU) warnt l'l üili Ringe und Emigranten nach D» uls« liland ohne gültige Genehmigungen : in/urcisen. in \nhetrachl der Absicht der Roe.m r Regierung .alle ..illegalen" Ankömmlinge zu verhaften. Eine Bekannt - niaclumg des Präsidenten der Gesellschuft. Mr. Ben Tousler. besagt: ..\uf Grund der Bekanntmachung der Bonner Regierung, alle Personen, die Deutschland ohne gültige Genehmigungen und Dokumente betreten, zu verhaften. n malmt III AS alle Flüchtlinge und Emigranten, welche nach Deutschland kommen wollen, sich vorerst die erforderlichen Visu zu verschaffen, da cs unserer Gesellschaft unmöglich sein wird. crbl. Geschwister Emil Ilecker und Olga Hecker. Abwescnhcitskurutor FFruu Dr. Angela Thicss, Rechtsanwalt Wien III. Neulinggussc 7. (> A 266 50 Abt. III. am 19. Sept. J958 32 Nach Philipp Schafranck, II, Haidgasse 7,3. am 6. 5. 1942 nach Minsk deportiert. Gesucht Siegmund Scliufrannek und Jakobine Sa.\, geb. Schafranck, Abwesenheit Dr. Walter Frisch, L, Bösendorferstraße 7. 3 A 328 53 Abt. Hl. am 23. Scpt. 1953 7 Nach Anna Struuss geb. Glück, II., Ri>- tensterngasse Nr. 7, am 15. Mai 1942 nach Izbica deportiert, erbl. Bruder Siegfried Glück. Abwesenhcitskurator Dz. Friedrich Gnsböck. Wien II. Tabors trußc 11 a. Personen zu helfen, die die deutschen Einw anderiingsgesetzc mißachten.“ ..\ iclc Tnmsmigruntcn sind nach Deutschland gekommen in der Hoffnung, A isa für l Ybcrsceländer zu erhalten und sind enttäuscht. II1AS warnt alle Personen. die nach l ebcrscolämlcni auswundern wollen, vorerst Visu für die Einwanderungsländcr zu erlangen, bevor sic ihre Aufentliultslünder verlassen.“ Benzion Lazar Sonntag, den 10. Jänner wurde Benzion Lazar zu Grabe getragen. Seit Jahrzehnten widmete er sich der sozialen Tätigkeit, der er eine eigene Note verlieh. An der Bahre sprachen die Herren \ izepräsident der IKG Leitncr im Namen der Kultusgcmcinde, Dr. Wolf Herzbcrg für den Klub der Kultusmundatare, Dr. Josef Schapira für die Zionistische Föderation, Bernhard Braver für die jüdischen Schwerkriegsbeschädigten. Raw Kofler im Namen der Misrachi und Aron Moses Ehrlich im eigenen lind im Namen der Freunde des Verstorbenen. Der überrabbincr Dr. Akiba Eisenberg würdigte in seiner Ansprache das vorbildliche jüdische Leben des Verstorbenen. Alle Redner hoben sein opferreiches Leben hervor, unterstrichen Lazurs Verdienste und geduehten seines Heroismus, als es galt, in der Nazizeit, die Juden vor dem Zugriff der Barbaren zu schützen. Die Geschichte der Juden Wiens wird dem Verstorbenen ein eigenes Kapitel widmen müssen und seine Stellung einer ebenso kritischen wie wohlwollenden Betrachtung unterziehen. Prof. Lazar erwarb sich Verdienste auf dem Gebiete der Organisierung der jüdischen Kriegsinvaliden, Witwen und Waisen, trat in der Wiener Kultusstube mutig hervor, und betreute mit Fleiß und Ausdauer das Heferat für Kultusangelegenheiten. Sein Eintreten für die in der Hitlercpoclic von der Gestapo verfolgten Juden, war eine Tat, die besonders gewürdigt zu werden verdient. K/olf TUcUenUet fCad JUfatstotyec TEXTILIEN, STRICKWARENERZEUGUNG Wien XVI, Kirchstetterngasse 43 Telefon B 38 1 54 L Filiale: Wien XVI, Neulerchenfelderstraße 38 ERBEN GESUCHT THEATERREISE Eine Tournee in die Gemeinselmftssiedlungen hatte ich, obwohl ich lange am Hebräischen Theater Regie führe, noch niemals mitgemucht. Wohl bin ich mit meinen Stücken von Tel-Aviv aus nach Jerusalem, nach Haifa und auch nach underen Städten des Landes zuweilen mitgefahren, aber einen „Sibuw“ — wie es hebräisch heißt — kannte ich noch nicht. Und, um cs gleich vorweg zu sagen, das ist ein Erlebnis, wie man es eben nur in Israel haben kann. Bevor ich von Einzelheiten erzähle, muß, noch frisch, der Eindruck aufgezcichnet werden, den der erste Abend auf mich gemacht hat. Man stelle sich vor: Auf einem sehr großen — sagen wir — Bauernhof ist eine Bühne aufgebaut, wie eine gewaltige Juhnnarkthude, auf Pfähle gerammt, mit Stricken nach allen Seiten befestigt, von mächtigen Scheinwerfern angestrahlt; neben ihr eine im Freien stehende Schalttafel, vor der auf erhöhtem Podest der Beleuchter hantiert: — hinter der Bühne ein großer Gurdcroheraum mit Schminktischen und unzähligen Lampen, in welchem nur von praktikablen Wänden umstellt, sich die Schauspieler unziehen und Maske machen. Es ist schwer zu schildern, wie auf einen Schauspieler, wie mich, der in seinen jüngsten Tlie.aterjalircn dus Wandertheater in Deutschland gut kennengelernt hut, diese Einzelheiten wirken. Gewiß, eines erinnert an dus andere — und trotzdem, dus eine ist grundverschieden vom andern. Das hier — es ist viel optimistischer, viel gemeinsamer. Ich stund lange vor diesem Lastwagen, der seinen improvisierten Schminktisch in die dunkle Nacht präsentierte, ebenso amüsiert wie auch ergriffen — zweifach ergriffen: erstens, weil ich denken mußte, zwischen damals — 1911 etwu — und heute liegt eine sogenannte Karriere, und nun mündet cs da wieder ein, wo es einmal anfing (und scheint doch nur so!), w ei teils, w ie sonderbar, wie übermütig fast alles wirkt. Rings die kahlen Berge des nächtlichen Galiläa mit ihrer gigantischen Gewalt. Landschaft nur insoweit, jüdischer Hände sie gesehuffen hut — als die unermüdliche willensvollc Kraft und nun mitten in dieser grandiosen Verlassenheit stehen Bühne und Schminktische unter dem offenen blauen Sternen - liimnu-I! Sinnbild des menschlichen Willens zur Freude. Aber ulles das ist noch nichts gegenüber dem Eindruck, der mich überfiel, uls die Vorstellung begann, sie spielte sieh in der großen Zelthüline nach den genauen Gesetzen ihrer Inszenierung uh, in dem völlig gleichen Dekorationshau wie in Tcl-Aviv, und überhaupt gänzlich unverändert, sie wärmte — uls der Vorhang sich öffnete — vom ersten Moment an, in ihrer gefälligen Spielfarbigkeit. Aber meine Inszenierung, die in langer sorgfältiger Probenarbeit geschah, mußte sich scbuuivoll verkriechen gegenüber der gewaltigen Wirkung, die mich überfiel, als ich einen Blick ins „Parkett“ wurf. Etwa dreitausend Menschen saßen, standen, säumten den riesigen Platz ein. Großartige Gliederung in atemloser Stille! Müsse Mensch, ohne jegliche disponierende Absicht, schön und zweckmäßig gruppiert: vorne saßen uuf dem Fußboden (auf Strohmutten) etwus fünfzehn Reihen Kinder. Es war pruehtvoll, wie zufällig die aufmerksamen Kinderköpfe von den beiden mächtigen Scheinwerfern rechts und links noch mit erwischt wurden. Alle Körper nuch oben gereckt — die Köpfe zurückgeworfen in den Nukken, ein strahlender „Kinderteieh“. Dahinter hegunn cs nun mit Bänken, das heißt, auf Strohbiinde waren riesengroße Bretter gelegt, fünfzig Reihen etwa, auf denen saßen die Großen. An den Rändern zwanglos noch Unzählige, die keine Sitzplätze mehr gefunden huüen, und überragt wiederum, waren die — rings um die ganze Arena — von mächtigen Lastautos und Traktoren, uuf denen, dichtgedrängt, still und gebannt noch Hunderte stunden, die von den umliegenden kleineren Kibuzim herangefahren waren, ihre Wagen gur nicht verließen und um Schluß wieder mit mächtigem Getöse in die Nacht hinausrutterten. Diese säumenden hohen Fahrzeuge, auf denen sieh die Mensehen munchmu! übereinander türmten, gaben dem Bild nun wieder in seiner atemlosen Aufmerksamkeit etwas von einem riesigen gespenstischen Heerlager. Der Wille, zu schauen, sich zu freuen — eingefangen in einer solch gewaltigen Menschenzahl — ist in der Tut imposunt. Neben diesen vielen Eindrücken konnte ich aber noch eine andere höchst angenehme Betrachtung unstcllen. Dus wunderbare, völlig kameradschaftliche Einvernehmen zwischen künstlerischem und technischem Personul des „Ohel“-Theaters ist in der Tut etwas Seltenes. Wir reisten diesmal mit zehn Schauspielern, ihrem Regisseur, fünf Musikern und vierzehn technischen Arbeitern und Bcumten. Das Bühnenpersonul arbeitet in zwei Schichten zu je sechs Mann. Nachts nach der Vorstellung wird die Dckorution v on der Bühne ubmontiert, verluden und nach der nächsten Siedlung abtransportiert. Die Schicht der Arbeiter, die dus besorgt, begibt sich uuf dus Bankett, feiert mit und geht dünn schlafen. Indessen beginnt die zweite Schicht zu arbeiten: sic montiert dus ganze Bühnenzelt ub, vcrpuckl cs u'nd fährt mit ihm nach dem nächsten Spielort — dus geschieht meistens morgens etwu um fünf Uhr, dünn ruht uucli diese zweite Schicht, sio beginnt etwu gegen Mittug das Zelt wieder aufzuhauen, indessen sind die Schauspieler und die Dekorationsarbeiterschieht auch bereits im neuen Ort eingetroffen, und ah vier Uhr mittugs beginnt man wieder mit dem Einbuu der Dekoration — so geht das fort, mitunter zwanzig Tage hmg.

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