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Die Stimme · 1953-11-01 · Heft 80 (November 1953) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1953
Issue
Heft 80 (November 1953)
Date
1953-11-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 80 HIE STIMME Seite 5 WIR GEDENKEN Chaim Weizmann Alfred Klee Zum ersten Mul jährte sieh am 80. Oktober 1058 der I ödestog des ersten Präsidenten Israels, Dr. Ghaim \\ cizmnmi, dessen wir heute ehrlurehts\oll gedenken. ln einem seiner Aufsätze schrieb Martin B u her: „Israel ist seiner Berufung ausgewielien, und es ist dafür in die Verknechtung geschickt worden. Aber verheißen ist ihm, daß es, von seiner Verfehlung geläutert, heimkehren soll. Nicht bloß zu einem Lunde, einer Selbständigkeit, einer Unabhängigkeit, sondern zur wahren Freiheit. die es einst innegehabt und vertan hat; der Freiheit, mit der Erfüllung seiner Berufung beginnen.“ Weizmann fiel die Ehre zu, an der Spitze des Judentums, mit der Erfüllung der Berufung zu beginnen. Er war das Musterbild des jüdischen Leistes, der verwurzelt war in der großen Vergangenheit und in der realen Gegenwart, dazu berufen, sein Volk heimzuführen zur wahren Freiheit, die in der Erfüllung seiner geschichtlichen Berufung gipfelt. Nächst llerzl die bedeutendste Persönlichkeit dieser Generation, war Weizmau der pater patriae, der den Weg zur Heimat geebnet hat. Zeit seines Lebens blieb er seiner unerschütterlichen Leberzeugung treu, daß ein Staat nicht durch Dekrete, sondern durch Aufgebot der starken immanenten Kräfte des Volkes, entstehen kann. ln diesem Sinne lehrte Weizmann das jüdische Volk, daß Erez Israel nur mit der Hände Arbeit erobert werden muß, auf daß es Wirklichkeit werde. Sein Ausspruch lautet: „Es ist nicht unser Ziel, lediglich den Hunger zu stillen, sondern neue Werte zu sehafefn, auf der Grundlage unserer nationalen Vergangenheit.“ Ghaim Weizmann war innerhalb des Zionismus der Praktiker, der Dogmen abgelehnt, sieh der gegebenen Situation meisterhaft angepaßL und den Blick immer auf die Wiederaufrichtung der Nation gerichtet hat. Es war ihm daher vergönnt, in gemeinschaftlicher Arbeit mit Sokolow, dem Zionismus neue Impulse zu geben und große Erfolge zu erzielen, wozu die Durchsetzung des Basler Programms gehört. Weizmann darf aber nicht nur als Praktiker aufgefaßt werden: er gab hohen Idealen die Priorität. Er schritt ziclbewußt von praktischen Erkenntnissen zu hohen Idealen, dem jüdischen Volke voran, widmete dem Judentum seine Arbeit und der Menschheit im allgemeinen seine wissenschaftlichen Erkenntnisse. Die Medinat Israel, die hebräische Universität in Jerusalem und das Forschungszentrum in llechowoth, sind Monumente, die kundtun, daß Weizmann das Schönste seiner Nation geschenkt hat. Es beeinträchtigt nicht die Bedeutung Weizmanns, daß er, nach seiner Wahl zum Staatspräsidenten, den politischen Einfluß nicht genügend auszuüben vermochte. Sein Habitus war jederzeit erhaben, seine Leistungen erreichten den Gipfel. Weizmanns Geist reckte sich zu gigantischer Größe auf und sein Namen bleibt verewigt in den Annalen unserer wunderbaren Geschichte. Der Epoche Weizmann gehören Jizchnk Ben Zwi und David Ben Gurion an: UDietter ^url|ljau0 Adolf Reiss Erben & Co. Tuchgroßhandel und eigene Sehafwollwaren - Manipulation Wien 1., Rudolfsplatz 6 l! 24 5 18, U 24 5 19 sie werden das Vermächtnis des ersten Staatspräsidenten \ollstreckcn und Ghaim Weizmanns Intentionen treu bleiben! B e r n h o r d II r n v e r Dr. Leo Motzkin Vor 20 Jahren verstarb der äußerst beliebte, in der zionistischen Welt fühlende. um das Judcnutm hoeh\erdiente Dr. Leo Motzkin. In Bußland geboren, in einer gelehrten jüdischen Familie aufgewachsen, ging er, nach V ollendung der Mittelschule nach Berlin, wo er Philosophie studierte und erwarb an der Berliner l ni\ersität den Doktorhut. Auf den Zionistischen Kongressen ragte seine Persönlichkeit hervor und zog auf sieh die Vufmerksamkcit ob seiner Fälligkeiten, die schw irrigsten Probleme zu analysieren und einer günstigen Lösung ziizufiiliren. In der nächsten Nummer „Die Stimme” werden wir eine Würdigung des großen Toten aus der Feder unseres Mitarbeiters Dr. Einkclstein bringen. Br. Max Reinhardt Die Witwe Mn.\ lleinhurdt’s Helene Thimig-Kcinlmrdt hat den größten Teil des künstlerischen Nachlasses ihres, vor 10 Jahren in der Emigration \erstorbenen Mannes der Wiener Nationalbibliothck geschenkt, die Ende Oktober eine „Itcin- Iiardt-Gedäclitnisslätte” eröffnet hat. In diesem Nachlaß befinden sieh kostbare Bcgicbücher mit handschriftlichen Anweisungen Max Reinhardts. Im Theater in der Josefstadt fand eine eindrucksvolle Gedenkfeier statt, bei welcher Minister Dr. Kolb den großen Toten als Erzieher, Hof'rat Dr. Ernst Lothar als Regisseur und Friedrich Sclireyvogei als Dramatiker würdigten. Paula Wessely brachte die wundervolle Rede Max Reinhardt’s an die jungen Schauspieler in unnachahmlicher Einlacblieit zum Vortrag. Zu Worte kamen noch Helene Tliimig. Ernst I läussermann. Leopold Rudolf und Ernst Deutsch. Leideivermißten wir auch nur den kleinsten Hinweis darauf, daß Max Reinhardt Jude war, daß er deshalb flüchten mußte und lern von seinem Lebenswerk starb. p. J\l. Dieses Gedieht stammt von einem 15jährigen Schüler der I lasinoneti-Grummar-School (Orthodox-jüdische Schule) in London — Lebersetzung aus dem Englischen. Nach der Lektüre des Poems schrieb Max Broil die folgenden Zeilen: f 10. November 1048 bis 10. Nov. 1058 Alfred Klee (geboren 1875 in Berlin — gestorben 1943 im holländischen Lager W < sterbork) war ein Schüler von Theodor llerzl, dem er sieb gleich angeschlossen hatte, um für die hohe Idee zu kämpfen, ln Deutschland war das schwerer als im Osten. Hier versuchte Klee. Assimilanicn. „dem Judentum schon halb verlorene kulturjmlrn”, für den Zionismus zu gewinnen. Er gründete zionistische Vereine, organisierte Ortsgruppen und begeisterte Studenten für die neue Bewegung. Alfred Klee erschien auf dem 8. Zionistenkongreß (Basel 1899). und seit dieser Zeit hörte man oft seine Stimme als Vertreter der deutschen Zionisten. Er wird Mitglied des zionistischen Aktionskomitees, Sekretär des Kongreßpräsidiums. und wenn er sprach, so lauschte man mit Interesse. Er war ein politischer Zionist, der gleichzeitig Verständnis für „Gegenwartsarbeit“ hatte, und war ein Gegner des Acliad llaamisimis, obzwar er gleichzeitig Mitgründer einer Beihr von Institutionen für Erziehung und Kulturarbeit wurde. Die jüdische Jugend betrachtet ihn als Lehrer und Wegweiser. Alfred Klee kam nach Wien, um seinem großen Lehrer die letzte Ehre zu erweisen. In der bewegten Trauerkundgebung verkündete Dr. Alfred Klee, daß einst der Tag kommen werde, da man llerzls Gebeine vom Döblinger Ericdhof nach Palästina überführen werde, „wie die Gebeine Josefs, als Israel auszog aus Mizraim in die alte Heimat unseres Volkes“. Alt Hitler zur Macht kam, blieb Dr. Klee in Deutschland, mn weiter für seine Brüder zu arbeiten. Im Jalnc 1938 mußte er das Ilitlcrland. verlassen, hielt sieh in Amsterdam, Haag und Utrecht auf, und überall versuchte er, für den llerzl-Zionismus und für die Rechte der Juden einzutreten. Lud sogar im Lager Wcstcrbmk vergaß er nicht seine Pflichten als treuer Führer seines Volkes. Er hatte Mut und starb wie ein Soldat auf seinem Posten. East 50 Jahre diente er dem Zionismus, und sein Name wird in der zionistischen Geschichte verewigt bleiben. Josef Fra c n k1 „leb habe dieses Gedicht mit großem Interesse gelesen, es zeugt von einer Seele die ringt und ehrlich ist, die sieh ein objektives unbeeinflußtes Urteil zu bilden sucht. Bravissimo 1 29. X. 1953 Max Brod GEDICHT v on Georg B rcucr- \V e i 1, L. V. CI. Ach, des Lebens Jugend endet in der Ferne, In dem Land des Krieges, Schreckens und des Blutes; Wie ein Blatt, mit einem Schwertstreich abgeschlagen, Fließt ihr Herzblut bin als schwellender Strom. Wurden sie denn geboren, ihr Leben nur hinzugeben, Für erz’ne Kugeln, Geschosse und Messer, Kür Verzweiflung in verlassenen Elcndgruben, In die sic gebettet nun sind, im Feld der Fehde V Kannten sie doch alle Freuden der Natur, Sonne, Wolken, liegen und den Mond. Neugefundene Lieb! der Knaben und der Mädchen, lud der Heimat, die sie nicht mehr wiedersehn! Doch, wird ihr Fleisch zu Staub und modert ihr Gebein, Nie wird ihr Name je vergehn in aller Ewigkeit! Es wüten die Schluchten, die Kugeln vergießen Der l nsclmldigen Blut für llceht und Gerechtigkeit Gemordet werden sic, die andere töten, In ewig-unseligem Fluch des Krieges! Soll dies der einzige Sinn sein der Jugend, l ulieil zu tragen in die Verbundenheit Fremder? Im Kampf für die Wahrheit, wie sie sie meinen. Die doch der Feind als Lüge verdummt? Liegt doch das Beeilt nur im eigenen Lager! Denn, was der Kämpfer fühlt, es bleibt ungehört. Lud während mit Falschheit ihr Recht sie vertreten, Rnmdmarken sie selbst sieb als Agressoren. Verschiedenheit der Meinungen: stets w erdet ihr der Grund zu neuen Kriegs schrecken sein! MIT United States Lines NACH NORDAMERIKA Der neue Schnelldampfer „UNITED STATES' 53.330 BRT und Schnelldampfer „AMERICA 33 532 BRT ABFAHRTEN von BREMERHAVEN, SOUTHAMPTON, LE HAVRE, COBH. PASSAGIERBEFORDERUNG auch mit modernen FRACHTDAMPFERN WÖCHENTLICHE ABFAHRTEN von HAMBURG, BREMERHAVEN, LE HAVRE, ANTWERPEN, ROTTERDAM Auskünfte bei allen Reisebüros und bei UNITED STATES LINES WIEN I, KÄRNTNERRING 3 R 23 0 38, R 25 2 71, R 25 4 42 Dem unbekannten jüdischen Märtyrer Ein Denkmal für den Unbekannten Jüdischen Märtyrer soll in Paris errichtet w erden. Dem vorbereitenden Komitee gehören der französische Staatspräsident Auriol, Königin Wilhelmine von Holland, Winston Churchill, Elleanor Roosevelt, Marsch all Tito und andere führende Persönlichkeiten an. Der Granit für das Denkmal wird vom jugoslawischen Staat gestiftet. Mit dem Bau des Denkmals soll schon Anfang November begonnen werden. Seine Fertigstellung wird für Ende des Jahres 1953 erwartet. Wiener Mahnmal Bei einer Ansprache aus Anlaß der rrauerkundgebung für die Opfer des 10. November kündete der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Dr. Maurer die Errichtung eines Mahnmales an, welches am Jüdischen Zentralfriedhof auf dem Boden der zerstörten Zeremonienhalle aufgestellt werden soll. So sehr wir diese Anregung begrüßen, möchten wir doch Vorschlägen, daß dieses Denkmal an einem, auch Nichtjuden zugänglichen öffentlichen Platz errichtet werde, denn nur so wäre der Zweck des Mahnmals richtig erfüllt und das menschliche Gewissen wacligcrüttelt! Sicherlich kann ein Platz gefunden weiden, auf dem vor 1938 ein Tempel gestanden und von den Nazis gesprengt worden ist. F. M. Uecbub ScUetzu der Generalvertreter der Finna K. Jos. Otlen, Tuchfabrik in Hohenems, Vorarlberg, teilt uns mit, daß sieh die Repräsentanz dieser Firma ab 18. November im Trattnerliof 2 befindet. Die neue Telcphoimummer lautet R 24-3-15. ^umäe^imfier^a WIEN i., HABSBURGERGASSE 14 Feine Juwelen Handgearbeiieter Goldschmuck Silberwaren Bestecke und Chanuca- Leuchter

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