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Die Stimme · 1953-11-01 · Heft 80 (November 1953) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1953
Issue
Heft 80 (November 1953)
Date
1953-11-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Nr. 80 I) 1 E STIMME ZO faUet fafyC4*dcdifaU Seite 1 DIE BIBEL .1 \K()i: TWNFNBAl m 1. Fortsetzung Der ethische Monotheismus. Die Bibel wird auc li in liberalen Krei - ,■11. d Je jede Rel igi on verneinen. als ..MMl.ä l/.barcs killt u r historisches D' okuin eilt i gewürdigt, dt T hohe Wert de s Allen 1\ ■stainentes v< >in ästhetischen tmd literar - historischen G esieli tspimkt aus v ..llauf anerkannt. .Die negative Kinstellui. g bezieht sie h nur auf den Anspruch "der Bibel. ab s offenhartes Wort Gottes zu gelten.) Die große kultiii •hi storisehe Bedei Litung uer bi ucl hege dan Ul, daß in ihr, w ie ui Keinem zweucn ßueli der Weltliteratur, nie hmw leklung des menschlichen Geisies. die Gesemehtc der religiösen Anschauungen \on den niedrigsten Aniüngen bis zur höchsten Stufe, uein etlnsclien, universellen Monotheismus, zum lebendigen Ausdruck kommt, liier spielt sich der Kampl zweier W eltunsehauungen ab, nie sich auch heute noch mit derselben x härte und Intensität gegeniiberstehen, iv ie zur Zeit der Bibel. Auf der einen Seite steht die naturalistische, animistische Richtung, die die maiiiglaltigen Dinge der Welt als Erscheinungsformen, oder \erkürperungen einer kollektiven GotÜieit sich vorstellt Polytheismus, Panpsychismus, Pantheismus; diese Gottheit aber besitzt keinen bewußteu \\ illen, sondern wirkt blind, mechanisch, iiaturnotwendig. Bewußtsein erlangt sie nur, wenn sie von einem individuellen Wesen Besitz ergreift, besonders im Menschen, ln allen Erscheinungen der Natur offenbart sieh also nur ein Teil dieser Gottheit, die jenseits von Gut und Böse steht. Das \ erhältnis des .Menschei. zu der Gottheit kann daher auch nur ein natürliches und kein sittliches sein. Bei dieser Anschauung kann von Freiheit des menschlichen Willens, seine natürlichen Triebe zu beherrschen, keine Bede sein. Die andere Richtung lehrt die Existenz eines über der Natur unendlich weit hinausragenden und höher stehenden Wesens, eines schöpferischen Geistes, der mit Bewußtsein und gutem freien Willen ausgestattet ist und die Natur beherrscht (Monotheismus, Supranaturalismus, Transzedentismus). Auch der Mensch besitzt, kraft seines göttlichen Geistes, freien Willen und vermag, über die Natur zu herrschen, welches auch seine Aufgabe im Leben ist. Die erste Weltanschauung vertrat im Altertum das Heidentum, die zweite das Judentum. Innerhalb des Judentums gab es in seiner langen Geschichte auch Vertreter des Naturalismus, in allen seinen Formen. Der ethische, universelle Monotheismus ist erst das Ergebnis einer jahrhundertelangen Entwickiung. Der Ursprung des Monotheismus ist aber in Dunkel gehüllt. Nach Darstellung der Bibel war Abraham der W iederhersteller eines Lrmonotheismus, von dem die Menschheit abgefallen war. ln Aegypten übernahmen die Hebräer zum Peil den ägyptischen Polytheismus, gegen den Moses nach dem Auszug aus Aegypten einen schweren Kampf zu führen hatte. Diesem heidnischen Aberglauben verfiel das Volk besonders nach der Eroberung Kanaans (Palästina;, durch den Einfluß der Kenaunnäer. Es übernahm den Baalkult mit seinem Orgiasmus und allen seinen amoralischen Auswüchsen. Es kam zu einem religiösen Sy nkretismus, den die herrschende Oberschicht aus politischen und sozialen Gründen unterstützte und pflegte. Gegen diesen religiösen und moralischen Verfall zogen die Propheten ins Feld. Mit den Propheten treten ganz neue Führer der Menschheit auf die Bühne der Geschiehtc. Sie sind die Stifter einer ganz neuen Religion, einer Religion der Sittlichkeit und Humanität. Durch sie ist die Religion aus der Sphäre der Natur in die des Geistes gehoben wurden. Religion ist gleich Moral. Ein Hingegebensein an ein sittliches ideal. Moral ist aber keine zufällige, geschichtliche Erscheinung, sondern ein Urphänomen, eine kosmisihe, dem Weltgrund inhärente Eigenschaft, ein Reflex des Weltgeistes, dessen wesentlichstes Attribut die Sittlichkeit ist. Gott ist die Quelle alles Guten. aus der dieses Gute in die ller/en der Edlen und Guten fließt. Doch ist der Weltgrund nicht nur ein moialisihe* Prinzip, sondern auch ein schöpferisches Wesen, ein Prinzip der Ordnumt und der Gesetzmäßigkeit, Schön - heit mul Harmonie und diese göttlichen Ideen verkörpern sieh in der Natur und streben nach ihrer vollen Verwirklichung. Der ethische Monotheismus bildet den größten Fortschritt in der Geschiehte uer Religion. Der Gottesbegriff der Bibel erfuhr durch die Propheten eine solche Läuterung und Deutung, wie sie schöner und klarer nicht gedacht werden kann. Gott ist nunmehr nicht identisch mit der blinden, willenlosen, unbewußten Natur, sondern ein lebendiger Geist, ein denkender, freier Wille, zu dem die Menschen in geistige Beziehung treten können. (W enn auch nicht jeder die Fähigkeit dazu besitzt.) Gott ist aber nicht nur übernatürlich, cxü amundun (außerw eltiich), der die W elt, wie ein ,,deus ex muchinu" von außen her bewegt, sondern Gott ist auch immanent (innei weltlich). Er wohnt nicht auf Bergen, in Tälern, in Tempeln, oder im Himmel, sondern überall, besonders aber und am lebendigsten im Herzen der guten, edlen Menschen. Er ist kein bloßer National- oder Lokalgott (Partikularismus), sondern ein Gott aller Völker, der \ ater aller Menschen (Lniversulisimis). Er ist kein Schutzgott seines auserwähltcn Volkes, der mit ihm steht und fällt, wie die Patronatsgötter der Heiden, sondern er kann auch sein Volk vernichten, wenn es nicht nach Recht und Gerechtigkeit lebt. Gott ist kein launiges Wesen, dessen Zorn man durch Opfer und Geschenke besänftigen kann, sondern ist der Inbegriff alles VV alire^i*, Schönen und Guten! „Voll ist die ganze Welt seiner Herrlichkeit" (Jesaia, (>, 3): „Der Himmel und des Himmels Himmel können dich nicht fassen, gar nun dieses Haus!" (I. Könige, 8, 27); „Seine Werke si nd W ahrheil und Gerechtigkeit" (Ps. 101, 7); „Esse ich denn der Stiere Fleisch und trinke ich der Böcke BlutV" (Ps. 15, 13); „ln Schönheit und Pracht hast du dich gekleidet, hüllest dich in Lieht, wie in einem Kleide" (Ps. 104, 1 f).; „W inde sind seine Boten, seine Diener — das lodernde Feuer" (Ps. 104, 4); „Er deckt die Höhen mit Wolken, spendet der Erde den Kegen, läßt auf Bergen Gras sprießen'" (Ps. 147, 8); „Er schuf das Ali für alle Ewigkeit, ein unwandelbares Gesetz. Feuer und Hagel, Schnee und Nebel Wind und .Sturm verwirklichen seinen Willen“ (Ps. 148, 8). Diese wenigen Zitate, die noch um ein Vielfaches vermehrt werden könnten, beweisen, daß der Gottesbegriff der Bibel nicht mir ein theistischer in dem Sinne ist, daß Gott ganz von der Welt getrennt wäre, sondern, daß er durch seine Gedanken ihr auch innewolmt: Der Gotlesbegiiff der Propheten ist eine Synthese von Theismus und Pantheismus! Fortsetzung folgt Im Zusammenhang mit einer Geldaktion. die das Komitee der Freunde der Jmo-mlilijali eben jetzt hier durelifiihrt. fühlen wir uns verpflichtet, das jüdische Publikum mit den Problemen und Tal- ' e heu der •!ognubt!i jah vertraut zu machen. Die Idee der .Jugendali jah entstand 1032. als führende Zionisten in Deutschland die Gefahr fiir die Zukunft der jüdischen Jugend \oraussahen. Die Frau eines Rabbiners in Berlin, lieeha Freier, (sie lebt heule in Israel und ist eine wichtige Persönlichkeit auf dem Gebiete der Erziehung; war die Initiatorin der Idee der Jugendulijuh und zusammen mit anderen organisierte sie die erste Gruppe von bO Jugendlichen, die bereits 1032 in den Kibbuz Ein Gharud zur Erziehung kamen. Bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges kamen ca. 5UÜ0 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren, hauptsächlich aus Deutschland und Oesterreich, dank dieser Organisation, zu uns. Seither erweiterte die Jugendulijuh ständig ihre Tätigkeit. Bis 104o kamen ca. 25.000 Kinder im Rahmen der Jugendulijuh nach Palästina, seit der Staatsgründung nahm Israel noch ca. 31.000 dieser Jugendlichen auf. Während die ersten 30.000 Kinder aus europäischen Ländern kamen, beträgt der Anteil der orientalischen Jugend an der seitherigen Einwanderung mehr als 70 Prozent. Heute haben wir cu. 13.800 Kinder in unserer Obhut, du die Zahl der Neuankömmlinge sieh etwa die Waage hält mit der Zahl derjenigen, die unterdessen ins Leben hinaustreten. Die entscheidende Bedeutung dieses Werkes für das Land liegt nur darin, daß es viele Tausende von europäischen Kindern vor der Vernichtung bewahrte und jetzt Tausende, die aus den nordafrikanischen Slums nach Israel kommen, moralisch rettet, sondern darin, daß es die Erziehung dieser Kinder übernimmt. Das Ziel dieser Erziehung ist das alte zionistische Ideal: Aus den Kindern gesunde Juden zu machen, mit der Erde verwachsen, unsere Bauern von morgen, die wii so dringend brauchen. Heute, wo die Einwanderung von rhaluzisi her Alijuli sehr klein ist, kommt die Wichtigkeit der Jugendali jah noch mehr zum Ausdruck. Während die Kinder, die als Opfer des I litlerregimes zu uns kamen, zum größten Feil Waisen, uns vor das Hauptproblem stellten, wie man ihnen am besten die Möglichkeit bietet, sieh physisch und psychisch zu erholen und aus gehetzten, zerlumpten und verhungerten und mißtraischeu Wesen wieder Menschen zu machen, die Vertrauen in die ZukuuL haben sollten, stellt die Eingewöhnung der aus Nordafrikn zugewumlerten Jugend uns vor völlig andere Schwierigkeiten. Sie kommen aus übervölkerten Ghettos, wissen kaum von Fürsorge und Liebe, die meisten mußten schon im frühen Kindesalter fiir sich seihst sorgen, zum Feil kamen sie bereits mit dem Kriminulgesetz in Berührung, nicht wenige leiden an Tuberkulose und Augenkrankbriten sic kommen zu uns, mißtrauisch und wild. Diese Jugend, die vielleicht infolge ihrer frühen Selbständigkeit, sieh durch besondere Viifafssungsgabe und Intelligenz aii1-zeichnet, konnte nach vielen Mühen. nachdem sie ausgelieilt wurden und man sie in einer normalen Hingebung sich von ihrer Vergangenheit loslüsen ließ, erfolgreich in den Rahmen der Jugendali jah eingcorduct werden. Im Laufe der Jahre wurden in Israel eine ganze Reihe von Jugenddörfern in der \rt von Schulgemeinden gegründet, von denen jedes in der Nähe bereits bestehender aller Siedlungen angelegt wurde. Dadurch ermöglicht man den Kindern den ständigen Kontakt mit den eingesessenen Siedlern, die zum Teil auch als Instruktoren der Jugendulijuh fungieren. Die Kinder arbeiten einen liulbcn Tag, den anderen halben Tag lernen sic. Im Allgemeinen absolvieren sie ein volles G\mnasiumpensum. Nach Beendigung der Ausbildung, die ca. 3 bis 4 Jahre dauert, wird die Gruppe mit irgend einer anderen chaluzischcn Gruppe zu einer,,Kerngruppe" zusummcngeschlosscn, um entweder eine neue Siedlung zu gründen, oder in eine bereits bestehende cinzutrctcn. Audi die landwirtschaftliche Pioniertruppe des Militärs übernimmt diese Gruppen in geschlossenen Einheiten. Die Jugendali jah übernimmt die Kinder, ohne nach Parteizugehörigkeit zu fragen. Sämtliche jüdische und zionistische, Parteien, wie auch unsere nationalen Institutionen, unterstützen dus Werk der Jugendulijuh, Das einzige Moment, auf das Rücksicht genommen wird, ist das religiöse. Ein Kind, das uus frommem Hause kommt oder das religös erzogen werden will, kommt in Heime der Jugcndalijah, die von Misraehicrzichern oder anderen Orthodoxen geleitet werden. Im Moment befinden sieh in diesen Heimen ea. 530/(1 der gesumten Zahl der Zöglinge. Der letzte zionistische Kongreß betonte in einem Beschluß die Wichtigkeit der Jugendulijuh und forderte sämtliche zionistischen Organisationen und Frauenbewegungen auf, das W erk der Jugendulijuh zu unterstützen. Die erweiterte zionistische Exekutive faßte in ihrer Sitzung vom Juli 1P53 den Beschluß, daß die Jugendalijah vom Ende der großen Magbilli des Keren llajessod bis zu Beginn der neuen das Recht hat, in sämtlichen Ländern Gclduktionen durchzuführen. Sie darf dus ganze Jahr hindurch diese Sammlungen bei Nichtjuden durchführen. Die Leitungen der Gesandtschaften und der Zionistischen Organisationen sind von diesem Beschluß in Kenntnis gesetzt worden. Die finanzielle Hauptlast für die Jugendulijuh trägt zu 70% die Hudussa iu Amerika. Zu 30% werden die Gelder in Europa aufgebracht und es gibt keinen Grund, warum sich Juden in Oesterreich nicht an diesem vornehmen Werk beteiligen sollten. In diesem Jahr feiert die Jugendulijuh ihr 20jähriges Jubiläum. Sic feiert damit zugleich die Persönlichkeit von Henriette Szoltl, einer amerikanischen Jüdin, die zu uns nach Israel kam, um sieh vollkommen der Arbeit der Jugendulijuh zu widmen. Sie war bis zu ihrem Tode die Seele dieses grandiosen Werkes. Die bisherigen erzieherischen Ergebnisse der Jugendulijuh sind außerordentlich ermutigend. Die auf diese Weise erzogene Jugend ist gesund und aufopfcrungsfreudig und bildet zusammen mit der in Israel geborenen Jugend unsere nationale Zukunft von morgen. Nachschrift: Im Zusammenhang mit dem 20jährigen Jubiläum der Jugendaliajli bringen wir zu Glmnnuka unter dem Protektorat des Konsulates des Staates Israel einen Film über Jugendulijuh, der mit der Problematik dieses Werkes vertraut machen wird. Dus Komitee für die Freunde der Jugendulijuh“ ,PcU diene," Diesen Grundsatz stellen wir unserem Wirken stets voran. Seit mehr als 75 Jahren dienen wir der großen Gemeinschaft der Mitglieder 150.000 Menschen genießen bei Krankheit, Spitalaufenthalt oder Operation unseren Versicherungsschutz. Verlangen auch Sie Auskunft über unsere Leistungen und Beiträge. Wir beraten Sie gerne und ohne jede Verbindlichkeit für Sie. WIENER WECHSELSEITIGE KRANKENVERSICHERUNG Wien, I., Canovagasse 5 Telephon U 47-5-74 Serie Heilkosfenversicherung für jedermann Zusafzversicherung für pflichtversicherte Gewerbetreibende, Angestellte und Arbeiter Gemeinschaftsversicherung zu besonders günstigen Bedingungen tür Dienstnehmer in Betrieben, Ämtern und Dienststellen

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