Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1953
- Issue
- Heft 80 (November 1953)
- Date
- 1953-11-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 80 DIE STIMME Seite 3 MAX BROD: Der Staat Israel - Vision und Hirhlichheit im Rahmen der Kulturveranstaltungen Her Zionistischen Köderation in Oesterreich, sprach der Dichter Ma\ Brod am 20. Oktober 1053 im überfüllten Mozart - saal /um rrhcm.*i: ..Der Staat Israel. Xision mul Wirklichkeit *. Die Wiener Judenschuft empfing immer ihre hervorragenden Brüder mit großem Enthusiasmus u. zollte ihnen für ihre Lehren und Leistungen besonderen Dank. Groß war daher die Begeisterung, uls wir \ernahmen, daß der weltbekannte in Israel lebende Dichter Mav Brod nach Wien kommt und vom Bednerpult aus. uns Botschaften aus Israel verkünden w ird. Es ist. um die Worte des Konsuls Eshel und die des Vorsitzenden Präs. Lcitner. zu gebrauchen, zweifellos ein besonderes Vorrecht des Wiener Judentums und der Zionistischen F öderation, in ihrer Mitte einen großen Juden begrüßen zu können. Ks ist ein besonderer Vorzug, Mav Brod nicht nur als einem Mann der israelischen Kultur, sondern auch der Kultur der gesamten Menschheit huldigen zu dürfen. Mav Brod. der große Denker unserer Generation, hat den Weg gemacht, an den alle Juden geglaubt haben, an den er selbst innigst glaubt, von dem er geträumt hat, ist ein großer Sohn unseres Volkes unrl wir glauben seiner Intention am ehesten zu entsprechen, wenn wir auszugsweise seine Darlegungen nachstehend wiedergeben: ,,Wie Sic wissen, bin ich kein Politiker. Ich bin Schriftsteller, als solcher Beobachter einer kulturellen Entwicklung, die sich in einem Land vollzieht, das ich mit bebender Glücksempfindung als das meine, als meine Heimat bezeichnen kann, in Israel. Die Vision eines vollkommenen Staates, einer Ltopic, wird nicht dadurch widcilegt, daß die Wirklichkeit weit hinter ihr zurückbleibt. Die Vision ist ein Ideal und uls Ideal unerreichbar. Dennoch ist sic kein leeres Wort, dennoch muß und soll die Wirklichkeit immer am Ideal gemessen werden. Ich frage mich oft, ob das völlige Ausgemerztsein einer hohen Kultur und eines Volkes nicht besser ist als unser Schicksal. Wir sind halb vernichtet, halb untergegangen. Die eine Hälfte unseres Volkskörpcrs sieht zu, sieht nachts in bangen Träumen immer noch, wie die andere Hälfte dieses Körpers gefoltert und hingcschlachtct wird. Und doch ist uns zugleich ein Trost geworden — nueliamu nachamu ami. tröstet mein Volk, sagt der Prophet — uns ward als Mittelpunkt neuer Bemühungen, als Anfang, nicht als Ende, der Staat Israel. Es war gerade diese Stadt Wien, in der der neue Prophet der Rückkehr nach Zion, Jlcrzl. aufstand zum ewigen Ruhme dieser Stadt und die politische Bewegung in die Wege geleitet hat. die. unterstützt von allen Seiten wie der Hauptstrom von seinen Nebenflüssen, endlich das gewünschte Ziel erreicht hat. Bei ullen unseren Großen und Propheten ist die Idee des Judentums immer verbunden gewesen mit der Liebe zur ganzen Menschheit. Schon unser Stammvater Abraham sprach die Worte: „Du sollst zum Segen werden an den Menschen'*, und dies war immer die jüdische Grundidee. Wie ist es mit den Völkern? Haben die Völker irgend etwas empfunden von den gewaltigen Verwandlungen, die in der Struktur des jüdischen Volkes durch die Sinaisgründung vor sich gegangen sind? Diese Krage kann bejaht werden. Ohne die Sympathie und ohne die Gerechtigkeitsliebe großer Völker hätte ja der Staat Israel gar nicht entstehen können. Wir haben bei der Begründung unseres Staates Dankesgefühle empfunden, andererseits haben wir leider bald bemerken müssen, daß der Antisemitismus nicht verschwunden ist. Er hat sich in seiner Struktur etwas verändert, aber verschwunden ist er nicht. Die Gründung unseres Staates und auch die Wcitere.vistenz haben wir zu verdanken dem Gerechtigekitsgefüh! vieler einzelner Staatsmänner, dem Gerechtigkeitsgefühl Großer in anderen Völkern und ganzen Regierungen. Aber es gibt immer Regierungen, die am Antisemitismus in einer besonderen Korm fcstbaltcn. Wir unsererseits wollen Kricd.cn mit unseren Nachbarn haben. Auf der anderen Seite hören wir, wie zum Beispiel vor einigen Tagen in einer ganz neutralen Zeitung zu lesen war, daß der Diktator von Syrien erklärt hat, er würde niemals die gegenwärtigen jüdisch-arabischen Streitigkeiten anders schlichten als dadurch, daß er den jüdischen Staat von der Landkarte wegwischt. Was soll man einem solchen entschiedenen Vernichtungswillen gegenüber, machen? Was würde ein anderer Staat tun. der an seiner Grenze einen solchen Nachbarn oder solche Nachbarn hätte, die nur darauf warten, ihn zu überfallen mul u inzubringen? Was würde ein anderer Staat sagen, zum Beispiel Oesterreich, das seine W asserkräfte ausbaut, wenn ein Nachbar käme und sagte: indem du dieses machst — ich gebe zu, daß du zunächst einmal friedliche Absichten hast —, stärkst du dein Land, und da cs stärker wird, ist es eine Bedrohung. Meine Worte gelten vor allein den Juden in der Diaspora, also auch euch, meine Damen und Herren. Ihr müßt helfen, das Werk muß schneller vor sieh gehen, es muß aus der Gefahrenzone, in der cs sieh befindet und die es jeden Tag durch Uebcrgriffe immer noch tiefer hincingeraten kann, heraus in jene Sphäre der Sicherheit und des Kriedcns zurückgebracht werden, was nur möglich ist, wenn das Judentum der ganzen Diaspora einsieht: Mea res agitur — es geht um meine eigene Angelegenheit! Ich möchte statt allgemein zu sein, lieber zwei konkrete Werte herausheben, die zeigen, daß die Gründung dieses Staatcs; abgesehen von den Sicherheits- und Gerechtigkeitsgründen auch eine kulturelle Knicht zu tragen imstande ist. Und das ist die neue jüdische Musik und das junge, das neue jüdische Theater. Auch hier, wie an allen Punkten der jüdischen Jvulturfront, erheben sieh Mißverständnisse, und man leugnet sie. Einmal habe ich das Scherzwort gesagt: Ich bin nur deswegen nach Palästina ge gangen, um den ewigen Debatten über jüdische Musik zu entgehen. Leider war diese Hoffnung trügerisch. Auch in Palästina wird darüber debattiert, oh es eigentlich eine jüdische Musik gibt. Nun. es gibt sie. Die Komponisten haben mm versucht, wie ich glaube mit Erfolg versucht, aus diesem jüdischen Volkslied zur Kunst vorzuschrcitcii, ganz ähnlich, wie zum Beispiel Verdi aus dem neapolitanischen Gesang und dem übrigen Volksgesang der Italiener eine Musik geschaffen hat, die gleichzeitig universal und italienisch ist. Hier zeigt sieh in der Musik, wie überhaupt der transzendente Spiegel alles Irdischen ist, daß es keine Phrase ist. wenn man sagt, die Pflege des Volkstums ist gleichzeitig die Pflege des Humanismus. Man hat entdeckt — es waren einige Korscher wie ldelson. Rosowski u. a. — daß gerade die jüdische Gehetmelodie einen Originalsehatz enthält, der noch immer nicht uusgeschöpft ist: Die Nigtinim. mit denen im Tempel die 5 Bücher Mosis gelesen werden und viele andere Schriften. Aehnl’ich wie in der Musik, ist es meiner Meinung nach, mit dem hebräischen Theater bestellt. Ich werde oft gefragt: V is spielt ihr in der Habimah. deren Dramaturg ich zu sein die Ehre habe. I ud nachdem ich auseiimndergesetzt habe, daß wir Shakespeare spielen, sagte man: Das spielt ihr hebräisch? Man wimderl sich darüber und glaubt, daß das Hebräische vielleicht stehen gehliehen ist in der archaischen Korm. daß es sich nicht wciterentwickelt hat. Wenn man Kinder sprechen hört und erlebt, daß diese Kinder schon ihre eigenen Worte aus dem lebendigen Sprachgeist ergründen, wenn man hört, wie sich schon ein Slang entwickelt, dann dünkt uns auch die vor kurzem für unlöslich gehaltene Aufgabe, Shaw, Ncstroy und Raimund zu übersetzen, nicht mehr als unausführbar. Die llahimah ist nicht allein, sie hat eine junge Bühne neben sieh, das Kammerthculer, das jetzt seine größten Triumphe mit Shaws Heiliger Johanna feiert. Das Konzertlcbcn ist außerordentlich entwickelt. Die Musiklicbe, die Musikbcgeistcrung geht so weit, daß die philharmonischen Konzerte neun- bis zehnmal vor ausverkauftem Haus wiederholt werden müssen. Es sind junge Kräfte auf die Bühne gekommen, und zwar sowohl als Regisseure wie auch als Schauspieler. Heute werden Stücke aufgeführt, wo der Regisseur jung ist und von den Schauspielern von zehn ungefähr neun Leute jung sind und mit dem ganzen Ungestüm ihrer beglückten Jahre an die großen Aufgaben he cangehen.’* 2um 10. VUM&n&U Zum 15. Mal jährtc sieh der Gedenktag der Verbrennung der Wiener Tempel. Aus diesem Anlaß veranstaltete die Wiener Israelitische Kultusgemcinde am!). November auf den Trümmern der Zeremonienhallc des Jüdischen Zentralfriedhofes eine Trauerkundgebung. Der Chor des Wiener Stadttcmpels sang in feierlicher Weise das El-Mole-Rachamin, der Präsident der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Emil Maurer, sprach zu Herzen gehende Worte des Gedenkens, die darin ausklungcn, daß die Juden gegenüber dem anderen Volksteil Oesterreichs nicht schlechtere Behandlung erfahren dürfen. Wir sprechen nicht dagegen, daß man die Heimkehrer aus Rußland amnestiert und ihnen alle Vorteile bietet, aber wir verlangen, daß alle Bürger gleiche Rechte genießen, und daß den Juden das zurückgcgcben wird, was Nazi gerauht hüben, sagte Präs. Maurer. Der Trauerfeier wohnten u. a. bei der persönliche Vertreter des Bundeskanzlers, Soktionschef Chaloupka, der Konsul ch"t Staates Israel. Arie Eshel. der Bürgermeister der Stadt Wien, Jonas, Laiultagspräsident Marek, Polizeipräsident lloiauhek. V ertreter der Altkatholischen mul Ev angelisehen Kirehengemeinde, Delegationen der Israelitischen Kultusgemeinden aus Graz, Salzburg und Linz, Vertreter aller jüdischen und zionistischen Organisationen Wiens. Oberrabbiner Dr. Eisenberg sprach zum Schluß das Kaddischgebet, worin die Trauernden eins tim m teil. I T A L I A EXPRESSDIENST nach'NORDAMERIKA und CANADA: (Genua — Neapel—HALIFAX - New York) M/S „Saturnla“ am 5. XII., 28.1.1954, 5. III. uaw. S/5 „Co*te Blancamano" am 7. XII. 1953 T/S „Andrea Dorla* am 12. XII., 23. I., 16. II. u«w. M S „Vulcanla“ am 6. I. 1954, 11. II., 19. III. usw. EXPRESSDIENST nach SÜDAMERIKA: (ab Genua) S/9 „Confe Grande“ am 3. XII., 23. 1. 1954, 9. III., 22. IV. usw. M/S „Augustui“ am 8. XII., 16. I. 1954, 25. II. uaw. M/S „Glulio Ceaare" am 29. XII., 9. II. 1954, 21. III. EILLINIE nach SÜDAMERIKA: (ab Triest und Genua) M/S „Paolo ToscanelH“ von Triest 3. I. 1954 9. III. 1954 10. V. 1954 von Neapel 7. I. 1954 13. III. 1954 14. V. 1954 von Genua 8.!. 1955 14. III. 1954 15. V. 1954 ZENTRALAMERIKA und SUDPAZIFIK: M/S „Marco Polo“ am 5. II. 1954, 23. IV. usw. M/S „A. Vespucci“ am 13. XII., 4. III. 1954, 18. IV. M/S „A. Usodlmare“ am 4. I. 1954, 18. III., 8. VI. Drei Sonderfahrten nach Zentralamerlka (Venazuela, Curacao und Columbien: mit S/S „Conte Blancamano“ ab Genua am 15. II. 1954, 27. III. und 4. V. 1954 ZENTRALAMERIKA und NORDPAZIFIK: Monatliche Abfahrten (ab Triest und Genua) nach Venezuela, Columbien, Panama, Costarlca, El Salvador, Guatemala, Los Angeles, San Francisco, Vancouver via Panama Monatliche Warenllaieu nach SÜDAMERIKA: von Triest nach Rio de Janeiro, Santbs, Montevideo und Buenos Alrts Auskünfte und Budiungen bei der Zweigniederlassung ln Wien I, Kärntner Ring 6, U 47540Serle, bei der Filiale ln Graz, Annenstraße 10, Tel. 6701, sowie bei allen Reisebüros Frachtenabteilung ln Wien I, Kärntner-Straße 35 Tel. R 24 5 60 Serie Ein Wiener Chefredakteur namens Josef Pav Leber Empfehlung unseres Rechtsunwaltes. Herrn Dr. Ernst Brande, sehen wir von der in der vorigen Nummer unserer Zeitschrift angekündigten Veröffentlichung ab. um dem schwebenden Gerichtsverfahren in Pressesachen. nicht vorzugreifen. Zollfreie Liebesgalipakete ■aoh Uniirn uid dar C8R, auch Msdikinenti KFI EN.I Tn WIEN I., ESILINMttSE KR. 2/6 MLEHLIU., - Dr. Riegner in Wien Das Mitglied der Exekutive des Jüdischen Weltkongresses, Herr Dr. Riegner. sprach über Einladung der Vereinigung Jüdischer Hoehschiiler zu dem Thema ..Israel und die Diaspora**. Nach einer hochinteressanten Darstellung der .lischuw im außerhalb Israels, unter besonderer Berücksichtigung der weitaus größten jüdischen Gemeinde von New V ork. sprach der Redner über die Erfolg versprechenden Möglichkeiten für Akademiker im neuen Israel und forderte die anwesenden jüdischen Hoehschiiler auf. Kenntnisse und Erkenntnisse zu sammeln, um sic dann unserem Lunde zur Verfügung /.u stellen. Die Ausführungen Dr. Rieg'iiers fanden großen Beifall. E. VI. Sonntag, den 29. November 1953 um 10.30 Uhr vormittags, Kreuz-Kino, Wollzeile 17 Karl Ney-Nowotny: ,,Leben und Sterben des großen Sängers JOSEF SCHMIDT“ Anschließend der Josef Schmidt-Film: ,,Ein Lied geht um die Welt" Sichern Sie »ich Ihre Eintrittskarten (von S4.— bis S 10.—) Im Zionistischen Landesverband, Wien IX, Universitätsstraß® 4, A 26 4 73 Der Reingewinn dient dem Ausbau unserer Jugendgruppe Hanoar Hazioni