Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1953
- Issue
- Heft 79 (Oktober 1953)
- Date
- 1953-10-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 79 DIE STIMME UNSERE TOTEN | Oie. Dir katholische Woohonzcitung ..Der \ nlksbntc". nimmt in rinrm Leitartikel gegen (Ins l rhrrhundiichmcn (Irr nazistis( hen Bai b u cnliteratur Stellung und weist mit Recht darauf hin. daß dir ..geistigen" Produkte jener Mann *r. dir dem I litlcrismus. somit dem Sadismus, rrgrhrn waren, für Oesterreich und Deutschland eine tödliche Gefahr bedeuten. Mit diesen gespenstischen Erscheinungen aus einer dunklen Vergangenheit, so schreibt der ..\ olksbote“ weiter, die den staubigen Kellern provinzielirr Versandgeschäfte enlstiömen, feiern auch die Bionik. Brrlnn. Euiinger. Kolbenheyer. Bäunulburg. Willeek. Zöborlein und die übrigen Größen des nazistischen Schrifttums fröhliche. Erstand. Diese obskure Gesellschaft leistet der nazistischen Restauration Vorspanndicn - st:c. indem sie es mit niederträchtigen Winkelzügen und Heucheleien zu Wege bringt, daß geldgierige Händler ihr bevorzugte Plätze in den Schaufenstern einränmen und so mit dazu beitragen, daß die Jugend moralisch verseucht wird. In diesem Zusammenhang bringen wir einen Aufsatz der Schweizer Zeitschrift „Die Nation", der heute aktueller ist denn je. DIE A CUT l ’ IN DA CI ITZ1G Es ist an der Zeit, jene achtundachtzig deutschen Schriftsteller wieder aufzuzählen. die im Oktober 1 sich veranlaßt sahen, ,.vor Ihnen, Herr Reichskanzler, das Gelöbnis treuester Gefolgschaft hiermit feierlichst abzulegcn“. Da leider bereits deutlich genug geworden ist, wie schnell die Namen dieser ganz Unentschuldbaren — unentschuldbar, weil sic wissen mußten und wußten, was sic taten — vergessen werden, seien sie hier lückenlos genannt: E. Alncnhövel. G. Bonn, W. Beumelburg. lind. G. Binding, Wlat. ßloein, M. K. Böttcher, Hans Fr. ßlunck, R. Brandt,1 Arnolt Bronnen, U. Brilcs, A. Brust, K. Bulcke, Herrn. Claudius, Ji. M. Crcmer. Marie Diers, P. Dörfler, M. Dreyer, F. Dülberg, Ford. Eckhardt, Richard Eurin- :ger, Ludw. Finkh, II. Franck, Otto Flake, JI. von GJeichen-Russwurm, Gust. Frcnssen, Fr. Griese, M. Grube, J. Günther, Max Halbe. Ilse Hamei, Agnes Harder. C. Ilaensel. JI. L. Held, K. lleipl, F. W. Herzog, Rud. Herzog, H. von Hülsen, Paul O. Höcker, Rud. Huch, B. W. Jahn, Hanns Johst, M. Jungnickel, H. Knudscn, Ruth Köhler-Irrgang, G. Kolme, K. Lange. J. von Lccrs, II. Lilienfein, 11. Lcrscli, O. Loerke, H. Menzel, G. Menzel. A. R. Meyer, Agnes Nicgel, Walt, von Molo, Börris von Münchhausen, Miillcr- Parlenkirchen, Mühlcn-Schulte, E. von Nasa, Helene von Nosdtiz-Wallwitz, Josef Ponten, Rud. Presbcr, Hofrat Rehbein. Ilse Reicke, Hans Richter, II. Schauwekker, Job. Schlaf, A. Schnack, F. Schnack, R. Schncider-Edcnkobcn, W. von Scholz, Ij. ScJireicr, G. Schmer, W. Schüssen. Ina Seidel, Prof. H. Sohnrey, Dr. W. Seidel, 1). Speckmann, Hans Steguweit. Lulu von Strauß, E. Stucken, Will Vesp^r, J. M. Weimer, Leo Weismantel, B. Werner, llcinr. Zerkaulen, II. C. von Zobeltitz. Mancher wird staunen bei mm- (ejiein Namen. Bereits sind in der Schweizer Presse wieder die Namen von Ludwig Finkh, Ina Seidel. Max Halbe, Grete Urbanitzkv und anderen in einem bejahenden und ehrenden Sinn zu lesen. Ina Seidel hat den .„Führer“ in einer gar nicht mißzuverstehenden Weise besungen; Walter von Molo hat die Unverschämtheit gehabt, das Wort kritisch an Thomas Mann zu rieh- Ottilie Gröbel \m Grabe Ottilie Grob Ls sprach der Präsident des Zionistischen Landesverbandes, Dr. I lerzberg. folgende Abschiedsw orte: Wieder ist mir die schwere und traurige Aufgabe auferlegt, ein prominentes Mitglied des Vorstandes des Zionistischen Landesverbandes mit Abschicdsvvortcn zu Grabe zu geleiten. Die Frau, deren entseelter Körper der Erde und die Seele der Ewigkeit übergeben wird, war von einem außerordentlichen Optimismus beseelt und von einer besonderen Liebe für Zion im Sinne unserer Tradition, der Lehren der Thora erfüllt. Sie betätigte diesen Idealismus von der frühesten Jugend bis zum letzten Atemzug mit einer Begeisterung sondergleichen. Sie war Mitbegründerin und erste Präsidentin der zionistischen Frauenorgan isation WIZO. Kaum aus dem Konzentrationslager zuriickgekchrt, widmete sie sich der Wiedererrichtung der Wizo. Als ihre physische Kraft nicht inehr ausreichte, um den schweren Aufgaben zu obliegen, wurde sie, in Anerkennung ihrer Verdienste, einhellig zur Ehrenpräsidentin gewählt. Aber nicht nur der zionistischen Frauenbewegung hat sie sich zeitlebens gewidmet, sondern auch begeistert dem Allgemeinen Zionismus. Der Zionistische Landesverband in Oesterreich verliert in Ottilie Gröbl ein wertvolles Vorstandsmitglied und eine prachtvolle Weggenossin. Wir werden der verehrten Dahingeschiedenen ein ehrenvolles Angedenken bewahren. Dr. Hedwig Herzka Am 3. Oktober 1953 verschied unsere Chawcrah. die Präsidentin des MAPAM und des „llasehoiner flazair“ in Oesterreich. Sie erreichte ein Alter von 65 Jahren. brau Dr. Ifcrzka, eine äußerst populäre allseits beliebte Persönlichkeit, widmete sich in erster Reihe der Förderung der zionistischen Jugend, insbesondere brachte sie dort Hilfe, wo es die soziale Not erheischte. Ihre Weltanschauung, Zionismus und Sozialismus, war für sie ein identischer Begriff. Aul dem Gebiete unseres praktischen und sozialen Lebens betätigte sie sich als teil, statt sich in Scham zu verkriechen. All diese Verräter am Geist, an sauberer Gesinnung und ehrenhafter Haltung, von denen jeder sich ganz klar darüber war. welcher Banditcnregicrung er öffcnlich seine Stimme gab. haben sich damit eindeutig als Förderer eines Verbrechersystems bekannt, mit dessen Liquidierung sie selber aus dem deutschen Schrifttum für alle Zeiten zu verschwinden haben.“ (Die Nation - Bern) unermüdliche Helferin und ergriff bei allen Gelegenheiten aus freien Stücken die Initiative, xun die Lücken im Sektor der nationalen Erziehung möglichst zu füllen. Ihr Lebensinhalt war von Selbstlosigkeit im wahrsten Sinne des Wortes diktiert, da sie ihr eigenes Schicksal zum Woble der Gemeinschaft hintaiisetztr. Das Hinscheiden der mit edlen Eigenschaften ausgestatteten Frau bedeutet einen unersetzlichen Verlust für den gesamten Zionismus, aber noch mehr Hu die chaluzische Jugendbewegung. 1 nscre weitere Tätigkeit wird auf große Schwierigkeiten stoßen, weil uns Frau Dr. llerzka auf Schritt und Tritt fehlen wird. Worte, die von einer 16-jährigen Chawerah unserer Bewegung geschrieben wurden, gelten als Abschied von unserer teueren Verbliebenen: „Kein Opfer war zu groß, keine Arbeit zu schwer, wenn cs galt, der zionistischen Jugend zu hol - fcn.“ Als Vizevorsitzende des Keren Kaycmcl und Leitungsmitglied des „Mugbith“, erwarb sie sich unvergängliche Verdienste. Ein Vorbild an Güte und Treue, hinterließ uns Chawcrah Dr. Herzka ein Vermächtnis, das wir immer treu behüten werden. Die WIZO-Wicn beklagt den Verlust ihrer wertvollen Mitarbeiterin Frau Dr. Hedwig Herzka, die Zeit und Kraft der zionistischen Frauenbewegung unermüdlich geopfert hat. Jakob S c h ö n f c1d Berthold Viertel Berthold Viertel, der vor wenigen Tagen im Alter von 68 Jahren in Wien gestorben ist. begann in seiner Heimatstadt als Dramaturg des „Volkstheaters“. Er stand dem Kreis um Karl Kraus nahe und paßte eigentlich niemals ganz in jene Theateratmosphäre, in der er leben mußte: denn er war im Grunde ein Dichter. Sein erster Band Gedichte hieß »Die Spur“ und erschien 1918. Unvergessen bleibt seine Gründung der „Truppe“ in Berlin, eines Theaters, das sich bemühte, der neuen Dramatik eine Plattform zu geben; hier wurde z. B. Georg Kaisers „Nebeneinander“ iiraufgefiihrt. Nach dem braunen Unglück ging der Verstorbene nach London, wo er Filme inszenierte. Sein Schwager Josef Gielen kam aus Südamerika, um das Burgtheater in Wien zu übernehmen und hatte ihm angeboten, dort als Regisseur zu arbeiten. Obwohl er menschliche und politische Bedenken hatte, zog ihn die Biilmenarbeit in deutscher Sprache an; Viertel siedelte mit seiner zweiten Gattin Elisabeth Neumann nach Oesterreich über. Er übersetzte die neuen amerikanischen Dramatiker und inszenierte einige unvergeßliche Aufführungen. ln Viertel stellte sich die ganze tragische Problematik des geistigen Menschen dar, der an die Sprache gebunden war und durch Hitler in die Emigration getrieben wurde. Er war ein wundervoller Mensch, ein warmherziger Dichter und aufrechter Jude. Idotf TiscUenket $tacfnöu*it Jtad Jte&ecsozpu „WIWEG" WIENER WASCHE GES. M. B. H. TEXTILIEN, STRICKWARENERZEUGUNG vorm. H. Sternberg Jn. Herrenhemden, Pyjamas Wien XVI, Kirchstetterngasse 43 Smoking und trackhemden |t„ liilwf.uL.-. M. ,1 l;;li , 1 lil L Telefon B 38134L ln m nrenaen rlodegeschalfen erhältlich Filiale: Wien XVI, Neulerchenfelderstraße 38 gesoN unen Die Idealsten Schulterauflagen aus Watte, beste Paßform, für Damen-, Herren- und Klnder- Bekleidung „HAPO” Achselpolster- Erze ugung RU DICH & Co. Wien //, Aspernbrückeng. 4 Telephon R 45 5 63 „Wertvolle Mitbürger" \. .i der I cbcrlieferung. soll IVipst Julius'iJI. ir''1Scn(,c,) Sat/' Scl,räSt: XY. , , Mcbt, mein Sohn, mit „weißt du denn .. \\ci( regiert wie wenig Verstund n.. wird?“ den In einem Ehrenbeleidigtingsprozeß,. Minister Helmer gegen das OeVP. Blatt „Merk’s Wien” angestrengt hatte, verwahrte sich der Rechtsanwalt des Miiaeh Ungarn und der C8R, auoh Medikaments KELEÄ- LD.. WlEN ltMLHMBAWE Hü. 2/5 ’ TELEPHON ü 29-8-57 ses Blatt ausgesprochen hatte, daß das Innenministerium einen belasteten Nazi namens Friede, der nach Deutschland zuständig ist. in sein Heimatland abschieben wollte, lliezu schreibt die „Arbeiterzeitung“ vom 23. September 1953 folgendes: „Der Verteidiger Minister Helmers, Dr. Wilhelm Rosenzweig, wies diese Anschuldigung zurück: die Alliierten hätten in den ersten Nachkriegsjahren auf die Repatriierung aller nationalistisch belasteten Deutschen und Volksdeutschen nach Deutschland bestanden und nur dem Innenministerium, das die Ausführung dieser Weisungen immer wieder hinauszuschicben verstand, danken es viele Betroffenen und nicht zuletzt Friede selbst, daß sie in Oesterreich bleiben konnten, bis sich die Besatzungsmächte zu einer nachsichtigeren Haltung entschlossen.“ Durch den Mund seines Rechtsfrcimdes gab der Innenminister der Republik Oesterreich unumwunden zu, daß das von ihm geleitete Innenministerium, nicht nur logische und nützliche Weisungen der Alliierten sabotiert, sondern belastete Nazis, die den Hitlerkrieg mit verschuldet und Oesterreicher in die Konzen trutions- und Todeslager gebracht haben, geschützt lind die gegen die Nazis gerichteten Restimmungen ad absurdum geführt hat. Dies fällt um so schwerwiegender ins Gewicht, als Herr Minister llelmer zu den Spitzen der alten Führung der sozialdemokratischen Partei gehörte und für einen Vorkämpfer des demokratischen Gedankens gellalten wird. Wxmn dnrfjfjans Adolf Reiss Erben & Co. Tuchgroßhandel und eigene Schafwollwaren - Manipulation Wien 1., Rudolfsplatz 6 U 24 5 18, U 24 5 19 85582