Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1953
- Issue
- Heft 77-78 (August 1953)
- Date
- 1953-08-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 77/78 DIE STIMME Seite 3 In Genf fagfe der Jüdische Der Zionistische Landesverband m Oesterreich lud seine Mitglieder zu einer außerordentlichen Sitzung am 26. August ein, bei welcher der Präsident unseres \ erbandes. Herr Dr. W ill' I lerzberg über die Vollversammlung des .Jüdischen Weltkongresses in Genf Bericht erstattete. Dieser Bericht erschien uns so interessant und instruktiv, daß wir ihn im Auszug w iedergeben: Vorweg möchte ich unterstreichen, daß ich von den Vorbereitungen und den Einrichtungen dieser allweltliehen Konferenz überrascht und aufs tiefste beeindruckt war. Es war zunächst keine leichte Aufgabe, 271) Delegierte und eine große Anzahl von Gästen unterzubringen und sic über die kleinsten Details der in Aussicht genommenen Tagungsaufgaben zu informieren, Es war ebensowenig leicht, im Kongreßgebäude solche Einrichtungen zu trefien, welche jedem einzelnen Delegierten es ermöglichte, über alles informiert zu sein, den Verkehr mit der Außenwelt aufrecht zu erhalten und alles vorzufinden, wus für ihn von Interesse war. Bis in die kleinsten Details war alles vorbei eitet. Der Informationsdienst begann schon im Flughafen in Genf, wo den Delegierten die Hotels zugewiesen und Wegweiser eingchändigt worden sind. Das Kongreßgebäude hatte das Aussehen einer Stadt für sich mit allen Aggredienzien: Informationsstellen aller Art, Post, verschiedene Verkaufsstellen, Schreibstuben auch für Delegierte, ein Buffet, eine ganze Reihe von separierten Zimmern für Beratungen und Besprechungen der einzelnen Landsmannschaften, sowie für die Kommissionssitzungen. Jecler Delegierte hatte vor sich einen Hörapparat so eingerichtet, daß er ihn auf die Sprache einstellen konnte, die er vom Dolmetsch zu hören wünschte. Die Verdolmetschung war treu dem Wortlaut der gehaltenen Heden. Die Eröffnungssitzung bot ein wunderbares und erhebendes Bild. Mit minutenlang andauernden Ovationen wurde Dr. Goldmann, der die Sitzung cröffnete, begrüßt. Seine llede war ein Erlebnis. Zuerst widmete er dem verstorbenen ersten; Präsidenten des Weltkongresses, Dr. Stephen Wise, tiefempfundene Worte des Gedenkens und würdigte seine überaus segensreiche Tätigkeit im Interesse des gesamten Judentums. Sodann besprach er ausführlich die ganze Wcltsituation, wobei er den größten Teil seiner Ausführungen der allgemeinen Lage der Juden außerhalb Israels widmete, und schließlich das Verhältnis zu Israel eindeutig und restlos skizzierte. Den diesbezüglichen Teil seiner Hede, den ich für äußerst wichtig halte, will ich wörtlich wiedergeben: „1. Das jiidisebee Volk hat die tatsächliche Gleichheit mit anderen Völkern erlangt. Zum erstenmal seil 2000 Jahren ist die Stimme eines jüdischen Staates unter den Völkern der Welt vernehmlich. Hechtlich repräsentiert Israel nur seine Bürger und nicht das jüdische Volk als Ganzes. Was immer aber Israel tut, berührt das ganze jüdische Volk. 2. Die Errichtung des Staates hat das jahrhunderte alte tragische Problem der jüdischen Heimatlosigkeit be seitigt. Wenn Juden verfolgt werden oder wenn sie es vorziehen, ein von Grund auf jüdisches Leben zu führen, dann ist Israel da, um sic aufzunehmen, und ein jeder Jude hat das Hecht, in dieses Land einzuwandern. .1. Die Gründung des Staates hat eine neue Möglichkeit für jüdische kolß. Teller WIEN I, SALZTORGASSE 5 TELEFON U 25-4-85 HERREN-, DAMENKLEIDER UND -MÄNTEL MODISCHE SPORT- UND REGENSCHUTZBEKLEIDUNGS¬ FABRIK Icktivi Schöpferkraft geschaffen. Sie bietet dem jüdischen Volk eine Chance, seine eigene Kultur und sein eigenes Leben als Gruppe zu gestalten/; Folgende Probleme standen bei diesem Kongreß zur Diskussion: 1. Hückcrstattung und Entschädigungen, 2. das Schicksal der Juden hinter dem eisernen Vorhang, 3. das Verhältnis des Weltkongresses zu Israel und der Jcwisli Agency, 4. das kulturelle Problem in Israel und m der Golah, 5. Antisemitismus. ad l.) machte er einen kurzen Rückblick aut das Cebereinkommen mit tJeutschland, widmete sich dann kurz neu \v letiergutmacnungsN ernandlungcu mit Oesterreicn, wobei er betonte, naß die Verhandlungen Ende September fortgesetzt werden und daß ein lixes Uebcrcinkommen zustandegekommen ist, die Gleichstellung der Juden im Ausland betreffend, selDst wenn sic ausländische Staatsbürger geworden sind, inbezug aut I laftentsciiüdigung, etc. Schließlich betonte er, daß auch mit anderen Ländern, z. B. Griechenland, diesbezügliche Verhandlungen gepflogen werden. Er beschäftigte sien sodann mit der Lage der Juden ninter dem eisernen Vorhang und stellte unter anderem folgendes lest: Obwohl Humänien und Ungarn sich im Friedensvertrag in Paris verpflichtet haben, Entschädigungen aller Art den vom Hitler-System Betroffenen zu gewähren, haben diese Länder bis heute nichts unternommen, um dieser völkerrechtlichen Verpflichtung zu entsprechen. Ebenso verweigert Ost-Deutschland irgendwelche Art von Wiedergutmachung. Aufgabe des Weltkongresses wird es sein, nach dieser Richtung hin ununterbrochen auf die Erfüllung dieser moralischen Pflicht zu drängen. Er besprach auch unter besonderer Aufmerksamkeit der Kongreßteilnehmer die sonstige Lage der Juden hinter dem eisernen Vorhang, denen jede Möglichkeit einer kulturellen Entwicklung entzogen wird, lnsbesonders betonte er, daß die jüdischen Bürger nicht die Möglichkeit haben, nach Israel zu ziehen, wodurch die Freiheit und der Freiheitsgedanke vergewaltigt werden. Auch nach dieser Richtung hin werden die Bemühungen zur Verbesserung der Lage dieses Teiles der Judenheit fortgesetzt und es wird keine Gelegenheit außeracht gelassen werden, daß zumindest der Jugend die Erlaubnis erteilt werde, nach Israel zu ziehen. Was das Kulturproblem betrifft, so sei hier ganz kurz die These Goldmann.s skizziert, daß die kulturellen Leistungen Israels sicherlich auf das Wcltjudcntuni einwirken werden und daß nach dieser Richtung hin eine gemeinsame Plattform dr.ngcnd notwendig sei. Insbesondere sei Israel dazu berufen — dies kam in der Kulturkommission zur Geltung — die entsprechenden Hilfsmittel für kulturelle Zwecke der Galuth und zwar Lehrer, Bücher, etc. zur Verfügung zu stellen. Der Kampf gegen den Antisemitismus und Nazismus bildete einen Großteil seiner Rede und selbstverständlich auch in der Generaldebatte und in den Debatten in den diversen Kommissionen. Was Oesterreich betrifft, ist ja dio vom Weltkongreß gefaßte Resolution bekannt. Ich möchte nur noch auszugsweise die den Antisemitismus und Nazismus betreffenden Stellen der Rede Dr. G >ldmunn's wiedergeben, weil sie gleichzeitig ein Memento für uns Juden enthalten: „Es ist eine gefährliche Illusion Weltkongreß zu glauben, daß heute, weil die Nazis besiegt wurden, kein jüdisches Problem mehr bestellt und daß die Position der Juden daher gesichert sei. Wir werden ständig von Gefahren bedroht sein, ln unsicticren Zeiten werden naturgemäß die Juden die ersten Opfer und die bequemen Prügclknubcn sein/,; Nicht unerwähnt darf bleiben eine der israelischen Delegation gewidmete Sitzung, in welcher zunäctist Dr. Israel Goldstein betonte, daß der Staat Israel Gelegenheit habe, die Synthese zwischen dem euten Nationalismus und dem wahren l'nivcrsulismus des Alten Testamentes zu verwirklichen und ein Staat des Lichts unter den Völkern zu sein. Der gewesene Minister Zalman Shazar forderte das Judentum der Welt auf, Israel als eine Quelle der Insipration und der geistigen Erneuerung zu betrachten, Bei dieser Sitzung widmete Dr. Goldinann tiefempfundene Worte des Gedenkens unserem unvergeßlichen Chaim Wcizmann. wobei seiner Gattin Vera Wcizmann, die als Gast den Verhandlungen des Kongresses beiwohnte, mit fast nicht endenwollenden Ovationen gehuldigt wurde. Abschließend möchte ich noch Folgendes sagen : 1. Die Bedeutung des Weltkongresses und dieser allwelthchen Konferenz liegt in erster Linie darin, daß aus allen Teilen der Welt Menschen verschiedener Welt- und Lebensanschauung Zusammentreffen und eine Einheit des Weltjudentums darstellen. Die Delegierten aller Länder haben die verschiedenen Verhältnisse in den einzelnen Ländern gesehil i dert, das Herz sich gegenseitig ausgeschiittet und Bedürfnisse und Sorgen bekanntgegeben, was zu einer Gesamtstellungnahme beigetragen hat. 2. Die Weltkonferenz nahm auch Stellung zu Fragen, die die ganze Menschheit berühren. Sie hat die Geschlossenheit und Entschlossenheit ihres Gesamtwillens für allgemeine Menschenrechte, Freiheit des Gedankens, Freiheit in der Pflege der Kultur, der Religion, kundgetan, fußend auf der Grundidee des Judentums, dessen Friedensstiftung zwischen Mensch und Mensch und zwischen allen Völkern der Welt Gebot ist. 3. Der Weltkongreß hat in eindeutiger Weise deklariert, daß das Judentum der Welt das höchste Interesse an der Existenz des Staates Israel, an dem Aufbau desselben in kultureller und wirtschaftlicher Beziehung hat und sich gleichzeitig verpflichtet, ihn moralisch und materiell so zu unterstützen, daß seine Existenz gesichert sei. 4. Er hat den ernsten Entschluß gefaßt, die Wiedergutmachung in den in Betracht kommenden Staaten weiterhin zu betreiben und an das Gewissen der Welt und der beteiligten Staaten zu appellieren, daß endlich das himmelschreiende Unrecht aus der Welt geschafft werde. Für mich persönlich hat der Staat Israel und die zionistische Weltorganisation den Primat. Als konsequenter Zionist würde ich lieber sehen, daß die zionistische Weltorganisation die alleinige Vertretung des ganzen Judentums sei. Aber ich muß ohne Rücksicht auf meine Ansichten und Uebcrzcugungen den Erfordernissen der Zeit Rechnung tragen. Heute ist die Existenz des Weltkongresses ein dringendes Bedürfnis, weil die Juden diese großartige Institution nicht missen können, weil er auch kulturelle Probleme des Judentums zu lösen auf sieh genommen und diese Probleme mit dem Staat Israel verknüpft hat. Der Begriff Zion ragt geschichtlich weit über alle Begriffe menschlicher Kultur hinaus. SINGER STOFFE' IN DIR ROT [HUI UM SUt 19 REINWOLLENE DAMEN- U. HERRENSTOFFE KAMMGARNE TWEEDE IN NEUESTEN MODEDESSINS SEIDENNOUVEAUTfiS TEL. U 21-3-88 Touristen^^^ * Flugpreis nach i London jetzt nur Ui 3o2o.- Sch. (Hin it zurück. IJahr-gultig) Seit 16 August werden auf f^ß allen Elizabcthan-Kursen. ai&ifah nebst den üblichen Imbissen amMorgcn und Nachmittag, wieder warme Hauptmahl- Zeiten verabreicht. Flieg mit BEA BRITISH EUROPEAN AIRWAYS Gebetstunden im Stadttempel Wien I, Seitenstetteng. 4 vom I. bis 30. September 1953 Freitag abends: 4. 9. 18.30 Uhr 11. 9. 18.30 Uhr 18. 9. 17.50 Uhr Erew J. K. 25. 9. 18.00 Uhr Sabbath: 5. 9. 9 Uhr früh, 19 Uhr abends 12. 9. 9 Uhr früh, 18.45 Uhr abends 19. 9. Jom Kippur 8.30 früh 26. 9. 9 Uhr früh, 18.15 Uhr abends Wochentags: morgens: 7 Uhr abends: vom 30. August bis 8. Sept. 19 Uhr vom 13. Sept. bis 17. Sept. 18.30 Uhr vom 20. Sept. bis 29. Sept. 18 Uhr Sonntag, den 6. Sept. (1. Tag Selichoth) und Mittwoch, den 9. Sept. (Erew Rosch- Hasehana) beginnt der Morgengottesdienst um ’/o? Uhr. Kosch-Haschana: Mittwoch, 9. Sept. Erew Rosch-Haschan i 6.30 Uhr früh, 18.15 Uhr abends Donnerstag. 10. Sept. 1. Tag Roscn- Haschana 8.30 früh, 18.15 Uhr aoen Js Freitag, 11. Sept. 2. Tag Rosch-Haschana 8.30 Uhr früh. 18.30 Uhr abends Jom Kippur: * Freitag 18. Sept. Erew Jom-Kippur 7 Uhr früh, 17.50 Uhr abends Samstag, 19. Sept. Jom-Kippur 8.30 früh S u k k o t h : Mittwoch, 23. Sept. Erew Sukkoth 7 Uhr früh, 17.45 Uhr abends Donnerstag, 24. Sept. 1. Tag Sukokth 9 Uhr früh, 17.45 Uhr abends Freitag, 25. Sept. 2. Tag Sukkoth 9 Uhr früh, 18 Uhr abends Mittwoch, 30. Sept. Hosehana-Raba i Uhr früh, 17.30 Uhr abends Donnerstag, 1. Okt. Sch’tnini Azereth (Maskir) 9 I hr früh, 17.30 liben!s Freitag, 2. Okt. Simchat-Thora 9 Uhr früh, 17.45 Uhr abends. Donnerstag, den 1. Oktober, Seh’min Azereth: 2 Maskir-Andachten im Stadium pel. Beginn dieser Gottesdienste : 7 und 9 Uhr morgens. Erstklassige Stolle und Zugehör, sowie beste Verarbeitu bilden die G d TELLERKLEIDUNG bilden die Grundlage N^Ss-A der btwihrlen VV tcm cd io ciniiMr, N ///. HaßpftfraiTcM- 90 U16 2 f6