Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1953
- Issue
- Heft 77-78 (August 1953)
- Date
- 1953-08-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 77/78 Dom. - Tag der EL AL ISRAEL AIRLINES LTD. FLIEGT WIEDER DIREKT NACH ROM ATIIEIV TEL AVIV BUCHUNGEN BEI ALLEN REISEBÜROS ODER Fl Al WIEN I, HEGELGASSE 21 CI» ML TEL. R 20 0 66 TEL. R 27 1 16 keine nennenswerten Resultate. Demgegenüber ist die merkwürdige Tatsache zu verzeichnen, daß registrierte Nazi unter verschiedenen Vorwänden Entschädigungen erhielten. Die reaktionäre Presse läuft gegen die Rückstcllungsgesetze Sturm, peitscht von neuem die niedrigen Instinkte auf. Die Finsterlinge haben den Antisemit'snuis zu ihrem Evangelium erwählt und keine Macht greift ein. um dem Einhalt zu gebieten! Wie mau an unserem österreichischjüdischen Beispiel sieht, bereitet uns die Gallith viele Sorgen und Kummer, da unsere Probleme mit der Umwelt noch nicht restlos gelöst sind. Israel aber hat dem gesamten Judentum Pflichten auferlegt. die erfüllt werden müssen, weil nun unsere Zeit — wie die Bibel sagt — gekommen ist. Das harte Schicksal hat das jüdische Volk zur ernsten Besinnung gebracht. die die Wirkung zeitigt, daß wir von der Im weit der Diaspora Verantwortungsbewußtsein verlangen, wie wir bereit und willens sind. \ erantwortung zu tragen jenem Lande gegenüber, deren Bürger wir sind. Wir versprechen nicht, daß wir uns bessern werden, weil nicht wir, sondern die andern sich zu bessern haben. jene, die uns das Golgathaschicksal auferlegt haben. Die furchtbarste aller jüdischen Katastrophen, die uns in der letzten Zeit heimgesucht hat. konnte den überlebenden Teil des Judentums nicht zu Boden driikken, weil wir die Vision der nationalen Aufrichtung im Herzen tragen, die seelische \ erbindung mit Erez Israel aufrecht halten, hiefiir geistig gerüstet sind, in die Aktivität traten und eine historische Tut unserer Zeit vollzogen. Die Ströme jüdischen Blutes, die Bäche jüdischer Tränen, vermochten nicht die Hoffnung fortzuschwemmen, die das Judentum aus den Lehren seiner Propheten schöpfte. In einem Talmudsatz (Bereschith) heißt cs: ,,Selbst die Wüsteneien Israels bieten den Bewohnern mehr Sicherheit als die Festungen der Galuth. Sicherheit, Frieden. Wohlstand und frohe Zukunft, wünschen der Zionistische Landesverband und die Redaktion der ,,Stimme” dem Präsidenten des Staates Israel, der Regierung, der Knessth, dem Jischuw, der Sochnuth und allen Juden der Welt. Lcsehanah tnsva tikatewu! Bernhard Braver J \k()R TA NN EN BAI M Die jüdische Weltanschauung, die rcli giösen \ orstellungen über Gott, W elt und Mensch, über das Schicksal des Einzelnen, über Leben und Tod, über Reellt und Moral. über soziale Ordnung, spiegelt sich in seiner Literatur wieder und kommt auch in seinen Festen zum Ausdruck. In keinem aber erscheint das Wesen der jüdischen Weltanschauung so ausgeprägt, wie im Neujahrsfest, das wir mm feiern. Das Neujahrsfest hat vielfache Bedeutung. Es vereinigt die .Motive aller anderen feste in sieh. Im Mittelpunkt dieser Feier steht das Blasen mittels des altehrwürdigen Schofars. (eines der ältesten Blasinstrumente der Geschichte, aus einem Widderhorn hcrgcstcllt, scheinbar noch von der Nomaden- und Hirtenzcit herstammend). Die Bedeutungen des Neujahrsfestes entsprechen den Motiven dieses symbolischen Zeichens. Am Rosch- Haschanah ist die Zwangsarbeit in /Aegypten eingestellt worden (Traktat Rosch- Haschanah, Pa). Das Schofarblascn ist ein Freiheitszeichen, das an dieses wichtige Ereignis erinnern soll (Rcdak zu Psalm 81), also ein nationales .Motiv, wie Pcssach. Dem Neu jahrstag wird auch ein universelles und kosmisches Motiv zugeschrieben. An diesem Tage soll die Weltschöpfung. die Entstehung des .Menschen vollendet worden sein (Traktat Rosen Haschanah, Ha). Der Zweck der Schöpfung, das Erkennen und die Anerkennung des Schöpfers durch ein vernunftbegabtes Wesen, war erreicht. Der Neujahrs tag ist somit sozusagen ein Krönungsfest, an dem man, als Zeichen der Huldigung in die Posaune zu stoßen pflegte (Malchujoth). Mit dieser Idee eng verbunden ist eine weitere Vorstellung, die der Idee de?i Vcrsohnungslages gleich ist: Der Gerichtstag (Jom Haddin). Es ist die Zen- Iralvorstellung des Neujahrsfestes, wodurch es, gemeinsam mit dem Jom Kippur den Charakter eines Schicksalsbestimmenden Tages annahm. Die Schicksalsfrage stand von jeher im Mittelpunkt des Denkens und Trachtens der Menschen, sie ist auch heute noch ein ungelöstes Rätsel. Dem menschlichen Streben und Wollen sind immer und überall unüberbrückbare Schranken gesetzt. Der Mensch wird in eine Welt hineingestellt, in der eherne, harte Gesetze walten, auf die er keinen Einfluß hat. Er findet seine Nahrung nicht frei vor, sondern muß sie der Natur abringen. Die Babylonier lehrten die Abhängigkeit des Schicksals von den Gestirnen. Der Talmud vertritt die astrologische Weltanschauung: „Leben, Brot und Kindersegen hängen vom Masel ab” (Moed Katan 28). Der Ausdruck Masal, der gewöhnlich mit Glück übersetzt wird, bedeutet in seinem eigentlich. Sinne nichts anderes, als Sternbild. Charakter, wie Geschick jedes Menschen weiden von der Konstellation der Gestirne um Tage der Geburt determiniert (Subbath 156 b). Auch am Neujahrstag,* der zur Tages- und Nachtglciche fällt, die Sonne in das Sternbild der Waage cintritt. wird das Schicksal der Menschheit für dis nächste Jahr bestimmt. Der Grund, daß der llerbstmonut 1’isch ri für das Neujahrsfest bestimmt wurde, hängt mit der astralen Weltanschauung zusammen. Möglich auch damit, daß damals die Regenzeit in Palästina begann! Astrologischer Fatalismus widerspricht aber dem reinen Aloiioteismus! Es wurde daher die Schicksalsmacht Gott untergeordnet, die Sterne als Mittelursaehcn betrachtet. Die Bestimmung des Schicksals erfolgt mm nach einem moralischen Prinzip, wenn auch die Grundregel dieses Prinzips uns unbekannt sind! Alle Handlungen der Menschen im vergangenen Jahre werden am Neujahrstag überprüft. abgewogen, in ein Buch verzeichnet und nach den gcgcnübergcstelltcn guten und schlechten 'Paten das Urteil gefällt, das am Versühnungstage unterzeichnet wird. (Antropomorphismcn die bildlich zu verstehen sind.) Das Neujahrsfest ist demnach ein Pag der Besinnung auf die im vergangenen Jahr vollzogenen Handlungen (.Jom Uasikkaron). Die Erfahrung, daß das Glück nicht im kausalen Zusammenhang mit den Taten der Menschen steht, daß die Güter der Erde nicht nach Verdienst und nach einem Gereehtigkcitsprinzip verteilt sind, führte zu dem Gedanken eines Gerichtstages in der fernen Zukunft, am Ende der Page, wo eine ausgleichende Gerechtigkeit stuttfinden wird. Eine andere Lösung des Schicksal-Problems wird in der Idee der l »Sterblichkeit gegeben. Durch diese Form des Schicksalsglau - bens gewann das Judentum jene große Bedeutung als ethische Religion, wie sie keine /.weite zu beanspruchen vermag. Trotz Weltordnung und Gesetzmäßigkeit der Natur besitzt der Mensch als Vcrnunftweseii nach dem Glauben des Judentums, die Kraft, über seine physische Natur zu herrschen, (Willensfreiheit) und wird deshalb für seine Taten verantwortlich gemacht („.Alles wird vorausgeschaut, dem Menschen ist aber die Freiheit zum Handeln gegeben1'. (Avoth, 3). Die Neigung zum Bösen kann nac h den Lehren des Judentums nicht der Wirkung einer persönlichen, bösen Macht zugcschrieben werden, sondern als eine der Natur der Dinge (der Materie) innewohnende Erscheinung betrachtet werden, die aber die Freiheit des Willens nicht aufhebt. Die Tage zwischen Neujahr und A ersölmungstug dienen daher der Rückkehr und Buße. Die Propheten eiferten gegen oberflächliche Buße und gegen den Glauben an die Möglichkeit der Erreichung einer Vergebung der Sünden durch bloßes Fasten und die Ausübung äußerlicher Zeremonien (Jesaja, 1, 11-19). Der Talmud erklärt ausdrücklich, daß demjenigen, der eine Sünde mit dem Bewußtsein begeht, daß sie ihm am Versöhnungstag vergehen weiden wird, keine Sühne erreicht: Fasten und Beten nur für kultische, religiöse Sünden eine Versöhnung erwirken, Vergehen gegen das Recht und die Moral aber bei Gott nur dann Verzeihung er- WIENER INTERNATIONALE MESSE VERBlUlGTE FAHRTEN NACH WmM ANMCIOUNGCN Bd RCISCBURO CAPRI ">'"< rcft%l0oo I KOSC 111. H E K < C ll E „ELSE” PARFÜMERIE WIEN 1, STEINDELGASSE 1 (beim Turhlauben-Kinu) TELEFON U 21 3 6-1 DIE JÜDISCHE PARFÜMERIE SÄMTLICHE SPEZIALITÄTEN AUS U. S. A. FRANKREICH, SCHWEIZ, DEUTSCHLAND Wir schicken offiziell Pakete mit Parfümerien und Seifen nach Israel I Besinnung reichen, wenn Wiedergutmachung des verursach len Schadens und Abbitte hei Beleidigungen und Vcrlüumdungcn geleistet wurde. Die mystisch - romantische Weltanschauung war es, die das jüdische Volk durch die Jahrhunderte der Galuth am Lehen erhielt, seine zerstreuten Teile zu einer Einheit verband. Seit der Emanzipation und der Aufklärungszcit wurden durch die Wissenschaft und den Einfluß der westlichen Zivilisation immer größere Teile des Volkes dem väterlichen Glauben entfremdet. Mit dem Glauben verloren auch viele die Moral und ihr Volkstum. Der Existenz des Judentums drohte ernste Gefahr. Da schuf der Genius des Volkes den Judcnsatut. Ihm liegt es oh, alle zerstreuten Glieder durch neue Sinngebung und Belebung des Gedankengutes der Väter wieder zu einer Einheit zusammenzufassen. Das Schicksal des Volkes in Vergangenheit und Gegenwart hängt vom Schicksal der ganzen Menschheit ab. Der einzige Wunsch des Volkes ist Frieden (Schulom). Möge auch im Jahre 5714 der Friede der Welt erhalten bleiben! Möge cs der Medinath Israel den Frieden mit seinen arabischen Nachbarn bringen, damit es den Aufbau des Landes mit größerer Intensität fortsetzen kann und in die Lage versetzt werde, alle Juden aufzimchmen, die sieh nach ihr sehnen, insbesondere alle Juden jener Länder, denen die Gefahr droht, durch den Einfluß der Eingebung dem Judentum verloren zu gehen! Möge cs allen Juden Glück Segen bringen, Versöhnung und Verständigung unter den Völkern! Wie wir aus informierter Quelle erfuhren, werden die während der Sommermonate unterbrochenen Verhandlungen wegen der Wiedergutmachung mit den österreichischen Regier ungs Vertretern Mitte September aufgenommen. Zu diesem Zweck trifft Dr. Nahum Goldmann am 14. September in Wien ein und wird mit dem österreichischen Bundeskanzler Besprechungen abhalten. Man nimmt an, daß als erster Punkt die Frage des erblosen Vermögens behandelt uerden wird. Für gesunde Politik 20 führende ehemalige Revisionisten- Zionisten sind der Partei der Allgemeinen Zionisten beigetreten, ln einem Aufruf, der von Baruch Weinstein und Moshe Rosen borg unterzeichnet ist, werden die Parteimitglieder in Israel .und in der Diaspora aufgefordert, der Partei der Allgemeinen Zionisten beizutreten mit dem Bemerken, daß gerade diese Partei einen breiten Rahmen für eine gesunde politische Tätigkeit in Israel und in der Diaspora bietet. Bemerkenswert ist, daß diese Aktion unter Führung von Mcir Großmann stellt. STOFFE KLEIDER FÜR DAMEN HERREN UND KINDER Sut und preiswert vom Jiaufhaus Bcüdec Uafa* Wien VII, MarlahllfaratraBa 90 ^836530560 199581