Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1953
- Issue
- Heft 76 (Juli 1953)
- Date
- 1953-07-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite (> DIE STIMME Nr. 7(> Zionismus — einst und jetzt Aus einem Brief von Dr. Isidor Klabcr, Tel-Aviv \|;iii spricht derzeit \iel noii Restitution. \\ icdergutmachiuig. besonders ui Kreisen österreichischer .Juden und berufene und unberufene Verfechter melden sich. Ich will die Notwendigkeit und Berechtigung »Her Forderungen nicht bestreiten. aber hei uns seihst ist eine W icdergutmacluing der Gesinnung nötig, so wie wir einst s» oft das Wort um der lliickkehr zum Judentum Nor der Rückkehr ins Judenland gebraucht haben. Die Schwere der Zeit, die soziale Not. hat siel soll jener Gesinnung zerstört, die die ersten Kämpfer des Zionismus erfüllt hat. Man sag-’ nicht immer, es war die ..romantische” Zeit und die Zeit der Verwirklichung erlaube keinen Idealismus. Niemals hätte unsere Jugend den Kampf bestehen können, wenn sie nicht den festen Glauben, das Ideal, des zu schaffenden Judenstaates gehabt hätte. Es ist nicht meine Aufgabe, all diese wunderbaren Taten nochmals aufzuzählen: aber das Werk dieser Jugend wird gefährdet durch ..fremde Götter”. Man versucht durch einen falsch verstandenen Internationalismus die Jugend iirezufiihren und sie von jenem wahren Patriotismus und von der Liebe zum eigenen \olk zu entfernen, oder sie zu nationalen Chauvinisten zu machen. Beides ist gefährlich. Wesentlich ist die Verbindung IV. Makkabiade l eber 1000 jüdische Leichtathleten und Sportler aus 27 Ländern werden an der IV. Makkabiade teilnehmen, die am 20. September 1953 im Tel Aviver Stadion eröffnet werden Nvird. Die erste Makkabiade wurde im Jahre 1932 in Palästina abgehalten, die ziveite im Jahre 1935. \n der dritten Olympiade, der ersten groben internationalen jüdischen Sport- \eranstaltung in Israel, nahmen im Jahre 1950 500 jüdische Sportler aus 20 Ländern teil. An erster Stelle stand bei der Bewertung der Ergebnisse der III. Makkabiade Israel mit 708 Punkten, gefolgt von England mit 328 und Süd- Afrika mit 240 Punkten. Nazismus führt ins Verderben Ein Kreis von Menschen wagt die Behauptung. daß die Auseinandersetzung mit dem verbrecherischen Erbe des Nazismus, nicht mehr aktuell sei. Sie ist aber ein ncrhängnisvoller Irrtum. Die wahre geistige und moralische Auseinandersetzung mit dem Nazismus und dem Antisemitismus, hat auf der Ebene der geschichtlichpolitischen Aussage erst begonnen. Es gilt die Zusammenhänge mit dem totalen, raffiniert durchdachten, mit allen Finessen durchgeführten Mord, Kaub, Erpressung, Verleumdung. Nötigung, Brandstiftung klar aufzuzeigen, die vom Nazismus geschaffenen liassengesetze einer Analyse-; zu unterziehen, die Helfershelfer und Kollaborateure zu brandmarken und die nächste Generation zu lehren, daß der Nationalsozialismus keine politische, sondern Nielmehr eine unmoralische Erscheinung ist, die unweigerlich zum V erderben der Menschheit führen kann. Iliefiir zeugen aufrechte Männer des deutschen V olkes, die sich gegen den llitlerismus aufgelehnt haben, jedoch das Ziel nicht erreichen konnten, das Leben lassen muhten, weil grobe 'Peile der Deutschen irregeführt, moralisch verseucht und zu Denunzianten herabgesunken waren. Sdnif (steiler und W issenschaftler ringen nun um die wahren und gültigen Aussagen über die jüngste Barbarei (Ls Dritten Reiches und einige Verlage Deutschlands und Oesterreichs brachten in letzter Zeit lesenswerte Bücher heraus, deren interessanter Inhalt die l um •nsclilichkeit des vom Hitlerismus herbeigeführten Ghaos in der WT-lt aufzeigt. mit den Juden in der Galutli: wir benötigen sic und sie uns! Diese Verbindung wird aber nur dann .segenbringend für •die, wenn das jüdische Volk in Israel auf jüdischer Erde. W erke eigener Arbeit schafft. Aller Anfang ist schwer: aber der Anfang ist gut und das Beginnen bedeutet Freude. Die Juden aus Oesterreich waren W egbereiter der zionistischen Bewegung und unsere Lehrer, von llcrzl beginnend über Krcmcnczki. Chajes. Böhm. Stricker. Friedmann. Ehrlich. Michael Eg tn Zweig. Körner. Plasehkcs und die Nielen anderen, die heute nicht mehr sind, waren Baumeister des Judenstaates und sollen nicht vergessen werden. Juden aus Oe> (erreich leben heute in grober Zahl in Israel, sie sind in Dörfern, Kibbuzim, in den Städten in fast allen Berufen tätig und dank ihrer zionistischen Vergangenheit auch wahre Patrioten in viel zu grober Bescheidenheit. Es gibt aber auch e ne Reihe von Nichtjuden, die verständnisvoll unsere Arbeit gefördert haben und fördern. In Tel Aviv wirkt als österr. Generalkonsul Herr Dr. Härtel, der weit über seinen Pflichtenkreis hinaus sieh mit dem J adenschieksal befahl, es versteht und hilfreich die Hand bietet. ln einer der ersten Nummern der Jugend-Zeitschrift ..l nscre Hoffnung" Nach monatelaiigen Vorbereitungen ist es jetzt gelungen, (VI jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland und Oesterreich (auf Oesterreich entfallen acht) eine neue Heimat in Norwegen zu bieten. Es handelt sieh durdiNvegs um 'Tuberkulosekranke oder ausgeheilte Fälle, die einer Nachbehandlung bedürfen. Ihr Leiden haben sie sieh in den Konzentrationslagern zugez.ogen. Dab das Lagcrlebeu in Oesterreich, das den Flüchtlingen besehiedcn war, nicht zur Besserung der Krankheit bcigctrageii hat, ist wohl sclbslnersländlich, obwohl besonders die Wohlfahrtsorgaiiisation American Joint Distribution Committee alle nur erdenkliche medizinische Hilfe geleistet hat und den Leidenden auch materielle l nterslützuiig angedeihen lieb. Eben den Bemühungen dieser Organisation ist es zu danken, dub am 23. Juli die wohlNorbereitete Aktion mjt der Abschricb llcrzl: ..Der Zionismus, den ich einmal ein unendliches Ideal genannt habe. wird auch nach Besitznahme Palästinas durch die Juden, nicht aufhören aktuell zu sein für soziale und Nvirlschaftlichc Probleme...” Der Judenstaat, den wir erleben durften, zeigt die Weisheit llcrzl’s. Es gibt Erscheinungen, denen man nicht blind gegenübertreten darf: Grobe Massen der Neueinwanderer, die nach Staatsgründung ins Land kamen, haben keine zionistische Vergangenheit, ja Nicle keinerlei jüdische Erziehung. I nscre Geschichte kennt diesen Typ: lesen wir doch in der Bibel nach, wie die Generation der Versklavten aus Aegypten sich immer wieder gegen Moses empört, entweder aus Angst noiden nachstürmenden Aegyptern oder weil es kein Fleisch gab. kein Wasser in der Wüste. Auch wir sind das Geschlecht der Wüste und leben in der l ebergangszeit zu jenem Judenstual. der aus sich selbst heraus. das neue Geschlecht hervorbringen wird, von dem dann auch für die Juden der Galutli das Wort gelten wird: ..Von Z:on geht aus die Lehre”. Leber die materielle \Y iedergutmachung hinweg Nvollen wir der Erneuerung wahrer zionistischer Gesinnung nicht Ncrgessen. reise aus München verwirklicht werden kann. Dieser nüchternen Tatsache ist jedoch eine Fülle von Kleinarbeit vorangegangen. Zunächst inubten Verhandlungen mit der Norwegischen Regierung grfrn werden. führt, die Auswahl der Kranken getrof- Dem ebenfalls vom Krieg schwer lieimgesuchlen Norwegen gebührt besonderer Dank, da es gerade mit der Aufnahme von Kranken, bisher sind 130 Tuberkulose aus Europa in diesem nordischen Land, das lieiNorragende Spitäler und Heime zur Behandlung der Tuberkulose aufweist, unlergebraehl worden, seine Verbundenheit mit dc|n Opfern des letzten Krieges und nicht zuletzt seine aufrechte demokratische Gesinnung bewiesen bat. Die jetzt abreisenden Kranken werden je nach ihrem Gesundheitszustand vollständige medizinische Betreuung genießen Chaim Arlosoroff Zwanzig Jahre sind in diesen 'Pagen n ergangen, seit Chaim Arlosoroff am Strand noii Tel Aviv von wilden Tätern erschossen wurde. Die zionistische Bewegung und ihr Nachfolger, der Staat Israel, haben den V erlust dieses liocbbeaablen Mannes bis heute nicht verwunden. Das zeigt sieh mit aller Deutlichkeit bei den Gedächtnisfeiern, die anläblieh der zwanzigsten Wiederkehr von Vi l »soroffs Todestag abgelialten wurden. Vm Grabe Arlosoroffs auf dem alten I* riedhol in Tel Aviv versammelten sieh am .Jahrzeittag mehrere hundert Menschen aus Stadt und Land, an ihrer Spitze der V orsitzende der Knesset))!, Josel Sprinzak. lerncr Vertreter der Gcnosseiisehaf tsl)CN\ cgung und der Kollektiv- Siedlungen. In allen Ansprachen, die anläßlich des Gedenktages gehalten wurden, kehlte das Thema der Einheit der Arbciterbewung und der Synthese von Sozialismus und Zionismus w ieder. Beides hat seit Arlosoroffs I liiiseheideii schweren Schaden gelitten. Sehr zu bedauern ist!, dab auch die Bemühungen um eine jüdisch-arabische \ erständigung. deren V rnkämpfer er war. seitdem keinen Fortschritt zu verzeichnen halten. Arlosoroff war das vielseitige Genie, dem nur wenige Persönlichkeiten in Israel ebenbürtig waren. Seine politisch« Konzeption, seine soziale Begriffsprägung beeinflußten entscheidend die Gestaltung An die Schwestern der WIZO Der Abend in unserem W’zoclub der uns anläßlich der „Tagung der Exekutiv e” festlich vereinte, hat uns allen \iel gegeben — vor allem die Freude der Begegnung — und das Gefühl inniger Verbundenheit, das nur möglich ist, bei Gleichgesinnten — die ihrer Pflicht bewußt — vereint den Weg der Arbeit gellen für ein Ideal. Die natürliche Bindung durch den Glauben, Religion und Stammeszugehörigkeit zu unserem Volike, das durch Jahrhunderte gewandert ist ohne Hc:mat mit der ewigen Sehnsucht nach Heimaterde und einer sicheren Bleibe — wozu uns der Zionismus den Weg gewiesen — dies alles hat uns zusammen geschmiedet. ) lud min haben Nvir es erreicht. Wir haben ein Land — einen Staat und wissen was Heimat ist und wenn auch viele noii den l nsrigen noch in anderen Ländern leben, sind doch Eure Gedanken bei uns und Ihr habt Teil an der Freude, am Aufschwung und dem Aufbau und dein bis nun Geschaffnen und Ihr wollt mitlun auf daß es gedeihe und wachse. W ir Frauen als Teil des Volkes, uns ist das hohe Glück und die Pflicht gegeben, müzuwirken an dem großen Werke, auf daß wir würdig werden, dein Vorbild der Frauen aus unserer Vergangenheit. Güte und Liebe. Helfefreudigkeit und Menschlichkeit, das sind unsere friedlichen Waffen, zu kämpfen gegen Not mul Elend und für Frieden und Fortschritt. Nützet sie und werdet nie müde, zu helfen und zu dienen. Geben und wieder geben aus dem Reichtum des jüdischen ITauenherzens: und Ihr solltt ein Segen sein. Nehmt diese Worte als Gruß mit und als W misch, von einer der Aellesten von Flieh, die ich bin. Erna Patak und nach ihrer Ausheilung die Möglichkeit erlniten. im Lande zu arbeiten und die Staatsbürgerschaft zu erwerben. Audi die Familienangehörigen können ihre kranken Angehörigen begleiten. Wenn mail mit den aus Oesterreich kommenden „Auscrwäliltrn", die bisher in den Lagern Asten, llallein und Salzburg- Parseli, sowie in Wien wohnten, spricht, gewinnt man den Eindruck, daß alle froh sind, endlich ihr Wanderdusein beenden zu können und in Norwegen, das ihnen so großherzig die Hand zur Rettung bietet, eine friedvollere Zukunft aufzubauen. SoUuUfakik Walter KOPPEL Wien VI, Mariahilferstr. 101 Telefon B 20214, B 24276 Spezialerzeugnisse: Damen-Pelzschuhe, Apres-Ski, Damen-Galanterieschuhe, Sandaletten und California ISRAEL Ihr nächstes Reiseziel ISRAEL erwartet Sie im Herbst 1953 bei drei besonderen Ereignissen /ieUc Iflaccukiü'dc *' Ausstellung: „tMAvcütoty d&i U/iUit" ,, HcuiaUcsfe^tUcUUtäeh>'f für Pauschalreisen — Einzelreisen empfiehlt sich ÖSTERREICHISCHES VERKEHRSBUREAU WIEN 1. FRIEDRICHSTRASSE 7 / TELEFON B 27 500 Jüdische Flüchtlinge fahren nach " . 59