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Die Stimme · 1953-07-01 · Heft 76 (Juli 1953) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1953
Issue
Heft 76 (Juli 1953)
Date
1953-07-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 7(i DIE STIMME Seite 3 GLOSSEN zu aktuellen Fragen Acht Jahre nach dem unheilvollen INuziregime, stellt noch immer die Krage der Wiedergutmachung auf der Tagesordnung. W as bisher an Wiedergutmachung geleistet wurde, ist ein Bruchteil dessen, was hätte geschehen sollen, um die primitivsten hechte und Ansprüche der Geschädigten auch nur teilweise zu befriedigen. W'ie das 3. biickstellungsgesetz gchandhabt wird und welche unheilvollen Konsequenzen dessen Auslegung fiir viele Geschädigte nach sich gezogen hat, ist schon in diesem blatte behandelt worden. Durch die ablehnende Haltung gewisser offizieller und halboffizieller Kreise, weigerten sich die Geldinstitute Kredite zur itiick/ahlung an die Ariseure verpflichteten Geschädigten zu gewähren und so ist schon mancher Geschädigte Schuldner des Atiseurs geworden, dem sogar die Möglichkeit gegeben ist, auf das etwa noch vorhandene Kealvermögcn des Itiickstcliuiigiweroers zu greifen. Es lieben sieh noch sehr viele Bcschwerdepunkte anfüf , cn, allein es soll die Harmonie der cii gclcitctcn Verhandlungen mit der Regierung, die allerdings bis Mitte September unterbrochen worden sind, nicht gestört werden. Es ist nur zu wünschen, daß sie zu einem gedeihlichen Ende führen mögen, im Inctrcsse der Geschädigten und nicht weniger des Prestiges und der moralischen Rehabilitierung Oesterreichs, dessen gute Bürger die 220.000 Juden aus der Vornazizeit waren und die auf kaum 9000 reduzierten der Gegenwart. Mit der Anführung obiger Zahlen soll auch das plötzliche Auftreten von zwei Gruppen kurz gestreift werden, die nicht etwa aus eigener Initiative, sondern angeregt durch das Auftreten der Juden oder vielleicht sogar auf Anregung interessierter Widersacher die Wiedergutmachung mit Forderungen an die Regierung zu stellen beabsichtigen. Fern sei von uns auch nur der Gedanke, daß wir irgendwie deren Ansprüche bezweifeln oder bekämpfen. Wir anerkennen voll und ganz das Recht einer jeden Gruppe \on Naziopfern auf Wiedergutmachung. Wir protestieren aber mit aller Entschiedenheit gegen die demagogisch klingende Behauptung dieser Gruppen, sic seien in größerem Maße geschädigt worden als die Juden, ohne diese Behuuptung mii irgendwelcher Statistik oder Argumentation zu untermauern. Wenn man noch hinzunimmt, die in der Deklaration aufgciiommenc, logisch überflüssige Betonung, daß sie gute Christen seien, so wird jeder objektiv Denkende die damit verbundene Absicht heraiislescn und verstehen, daß die oben angedcutetc Inspiration nicht ganz unbegründet ist. Zurückkommend auf die Wicdergutmaclumgsxcrbandlungen, soll hier der Meinung Ausdruck gegeben werden, daß ein Junktim zwischen denselben und den geplanten und sogar schon zum Teil eiligebrachten Gesetzentwürfen über die Entnazifizierung aller Kategorien von Nationalsozialisten. Freigabe der für verfallen erklärten Vermögen der Kriegstreiber, Revision der Kriegsverbrecherurteile etc., die moralische Seite unserer Bestrebungen ebenso belasten würde, wie die Ablehnung der angestrebten Wiedergutmachung Oesterreich nicht zur Ehre gereichen würde. Niemals darf ein Volk ein K<;llekti\verbrechen, das an ihm begangen wurde, vergessen. Nicht in der Handhabung bestehender Gesetze und deren Anwendung auf Teile unseres Volkes, kann so sehr eine Diskrimination gelegen sein, wie in den geplanten Gesetzen und deren Durchführung. Aber nicht nur von der moralischen Seite her sind diese Entnazifizierungsgesetzc zu verurteilen, sondern auch von der praktischen Auswirkung. Es soll so und so vielen illegalen Nationalsozialisten und SS-Gruppcn ein Freibrief gegeben weiden zur weiteren illegalen, unterirdischen Betätigung. (Wir erinnern: Mord an Rathenau. Mord an Dollfuß, Umtriebe der Nuumanngriippe in Deutschland und Vergiftung von Volkstcilcn durch den Antisemitismus.) Glaubt jemand ernstlich an die seelische und moralische Umkehr dieser Menschen, die den Nazimord nicht nur gutgeheißen, sondern ihn aktiv mitgemacht haben? Während Mittel und Wege gesucht wurden, um die Nazigruppen zu „befrieden“, was unverhältnismäßig hohe Summen verschlang und man bestrebt war und ist, den Volksdeutschen Rechte einzuräumen, werden Juden österreichischer Staatsbürgerschaft mit Lappalien und schönen Redensarten abgespeist, sind hunderte von jüdischen Familien ohne Wohnung, während ein Teil dieser ihnen geraubten Wohnungen noch immer von Nazi besetzt sind, wird noch immer Bewerbern um Gewerbescheine hinsichtlich des Nachweises der Befähigung, Schwierigkeiten gemacht, trotz Aufhebung des Unlcrsagungsgcgctzcs und angeblich cingetretenen Erleichterungen. Dies alles zu dem Zweck, um den Bewerbern die Möglichkeit der Ausübung ihres Gewerbes zu entziehen. Es muß in diesem Zusammenhänge auf die kohektive Amnestierung der schwer belasteten Heimkehrer aus russischer Gefangenschaft hingewiesen werden. Wenn wir auch die menschlichen Gründe gelten lassen, so darf andererseits nicht übersehen werden, daß unter diesen Heimkehrern sich Kapital- und Kriegsverbrecher befinden, deren schandbare Taten durch die Gefangenschaft keinesfalls gesühnt erscheinen. Staatspolitische und Sicherheitsgründe würden die Behandlung solcher Fälle unbedingt rechtfertigen. Dr. W. II. Kaf Tamus-Feiern Aus Anlaß des 20. Tamus, veranstaltete die Zionistische Föderation in Oesterreich am 9. Juli d. J. im Schubertsaal des Wiener Konzerthauses eine Feier zur Ehrung des Andenkens von Theodor Ilerzl, dem Schöpfer des modernen Zionismus und Chaim N. Bialik, dem Erneurer der hebräischen Poesie. Nach der Eröffnungsansprache durch Herrn Isidor Neugröschl, hielt Herr Dr. Guvrin (Dr. Grünbaum), Israel, eine Rückschau über den Kampf um die Verwiiklichung der Ideen Theodor llerzl’s und anschließend sprach Herr Dr. Viktor E. Pordcs über Chaim Nachman Bialik, den Barden der hebräischen Sprache. Im künstlerischen Teil brachte Fräulein Nora Gold wasser aus Israel, hebräische Lieder zu Gehör und erntete reichen Beifall. Burgsehauspielcr Hclmuth Kr nuss rezitierte Gedichte von Bialik, die ebenfalls auf die Zuhörer tiefen Eindruck machten. ★ Anläßlich des Todestages Theodor Iler/Fs. veranstaltete der llerzl-Klub am Samstag, den 4. Juli d. J. im Festsaale der Israelitischen kultusgemeindc, eine Gedenkfeier. Stnf Das Präsidium und der Vorstand des Zionistischen Landesverbandes begrüßte den Präsidenten der Sochnutb und des Jüdischen Weltkongresses Dr. Nahum Goldmann am IC». Juni auf dem Flugplatz von Schwechat. Der Präsident des Landesverbandes, Dr. Wolf Herzberg, hieß den hohen Gast herzlich willkommen und stellte ihm die erschienenen Vorstandsmitglieder vor. Am 17. Juni empfing Präsident Dr. Nahum Goldmann die Vertreter der Zionistischen Föderation in Oesterreich. Nach der Begrüßung durch den Präsidenten der Föderation Gustav Leitner, erstattete Dr. Wolf Herzberg dem Gast einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit der Zionistischen Föderation und der einzelnen Fraktionen. ¥ Am folgenden Tage erschienen die Vorstandsmitglieder des Zionistischen Landesverbandes beim Präsidenten des American Jewisli Congrcss und führenden Allgemeinen Zionisten, Herrn Dr. Israel Goldstein. Dr. Goldstein interessierte sich insbesondere für die Tätigkeit der Allgemeinen Zionisten in Oesterreich und war über das Gehörte sehr befriedigt. Er erklärte sich bereit, den Wunsch des Präsidenten Dr. Herzberg zu unterstützen und einen engeren Kontakt zwischen den Allgemeinen Zionisten Oesterreichs und Amerikas herzustellen. Der Zionistische Landesverband in Oesterreich lud den Altbürgermeister von Jerusalem, Daniel Auster, ein, im Rahmen eines gemütlichen Beisammenseins, ein kurzes Referat über die Lage der Allgemeinen Zionisten in Israel zu halten. Der Bürgermeister kam diesem Wunsche eine nach und wurde von den orstandsmitglicdern des Zionistischen Landesverbandes herzliehst begrüßt. Er wußte uns viel Interessantes über unsere Freunde in Israel zu berichten. Anläßlich seiner Anwesenheit in Wien, besuchte Bürgermeister Auster, in seiner Eigenschaft als Mitglied des Direktoriums des Keren Kajemet in Jerusalem, das Wiener Büro des Keren Kajemet und ließ sich über dessen Tätigkeit eingehend berichten. Bürgermeister Auster zeigte für die Berichterstattung außerordentliches Interesse und gab seiner Befriedigung Ausdruck über die mustergültige Führung des Büros, über die planmäßige Arbeit und über die Erfolge, die bisher erzielt wurden. Leon Stachel Der Zionistische Landesverband trauert wegen des großen Verlustes, den er durch das Hinscheiden seines hervorragenden Mitgliedes und Mitarbeiters, Herrn Leon Stachel, erlitten hat. In den Reihen der Wiener Judenschaft und des Zionismus klafft nunmehr eine Lücke, die sehr schwer zu schließen ist. Unser Beileid gilt der schwergeprüften Witwe und deren Kindern. Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden. Herrn Dr. Gelles, hielt Herr Dr. Viktor E. Pordcs die Gedenkrede, die nicht nur rhetorisch sondern auch sachlich eine Glanzleistung war. Die Feier war getragen von Würde und entsprach der alten Tradition des Wiener Zionism us. 13. Teilet Ifl WIEN 1, SALZTORGASSE 5 TELEFON U 25-4-85 SINGER STOFFE HERREN-, DAMENKLEIDER UND -MÄNTEL IN DIR ROTINTURMSTR 19 MODISCHE SPORT- UND REGENSCHUTZBEKLEIDUNGS¬ FABRIK REINWOLLENE DAMEN- U. HERRENSTOFFE KAMMGARNE TWEEDE IN NEUESTEN MODEDESSINS SEIDENNOUVEAUTfiS TEL. U 21-3-88 Unverfroren Der ..Wiener Montag“, der unentwegt in Antisemitismus macht, hat es für richtig und notwendig gefunden, uns vor den Straf rieh (er zu zitieren. Die Verhandlung gegen uns findet am I. September d. J. um 1 _,9 Ihr im Landesgericht für Strafsachen. Wien. Ilenialscr Gürtel, statt Wir dürfen dem Spruch des Richters nicht vorgreifen und werden nach .stattgehabter \ erhandlung auf diese Affaire zurückkommen. ADRIATICÄ" .CHIFFAHRTSGESELLSCHA FT-VENEDIG LUXUS-EXPRESSDIENST nach ÄGYPTEN (Alexandrien) und LIBANON i Beirut) Von Triest am: 18. VII., 31. VII., 14. VIII. usw. mtt M/S „ESPERIA“ Von Venedig am: 19. VII., 1. VIII.. 15. VIII. usw. mit M S „ESPERIA* Von Genua am: 26. VII., 8. VIII., 22. VIII. usw. mit M S „ENOTRIA“ EXPRESSDIENST nach GRIECHENLAND, ZYPERN, ISRAEL tvla Korinth) Von Triest am: 15. VII.. 29. VII., 12. VIII. usw. mit M S „MESSAPIA“ Von Venedig am: 16. VII., 30. VII., 13, VIII. usw. mit M/S „MESSAPIA“ Von Genua am: 22. VII., 5. VIII., 19. VIII. u«w. mit S S „GRIMANI“ EILDIENST nach GRIECHENLAND und ISTANBUL (via Korinth) Von Triest am: 23. VlL, 6. VIII., 20. VIII. usw. mit M/S „BARLETTA“ Von Venedig am: 24. VII , 7. VIII., 21. VIII. usw. mit M/S „BARLETTA“ Von Genua am: 16. VII., 30. VII., 13. VIII. usw. mit S/S „ABBAZIA“ MONATLICHE LEVANTE-, FRACHT- und PASSAGIERLINIE TRIEST, VENEDIG. ÄGYPTEN, LIBANON, RHODUS, TÜRKEI, GRIECHENLAND, VENEDIG Von Triest am: 27. VII., 27. VIII., circa usw. mit T/S „CHIOGGIA“ Von Triest am: 24. VII., 21. VIII., 18. IX. usw. mit S/S „CAMPIDOGLIO“ Von Venedig am: 28. VII., 28. VIII., circa usw. mtt T/S „CHIOGGIA“ Von Venedig am: 25. Vll., 22. ViIL, 19. IX. usw. mit S/S „CAMPIDOGLIO“ Abfahrtsdaten können Änderungen erfahren 1 Überdies zahlreiche Warenlinien nadi ÄGYP¬ TEN, GRIECHENLAND, TÜRKEI, ZYPERN, LIBANON und SYRIEN Auskünfte und Buchungen bei der Zweigniederlassung ln WIEN I., Kärntner Ring 6, Telefon U 47 5 60 Serie bei der Filiale In GRAZ, Annenstraße 10 Telefon 67 01, sowie bei allen Reisebüros Frachtenabteilung: WIEN I, Kärntnerstraße 33 (Eingang Johannesgasse 1) Tel. R 24 5 60 Serie Salzburg Die Israelitische Kultusgemeinde Salzburg teilt uns mit: „Bekanntlich ist während der Nazizeit auch unser jüdischer Friedhof zerstört und s:nd die meisten Grabsteine abgetragen worden. Ebenso sind sämtliche Mutriken und Friedhofsbücher nicht mehr auffindbar gewesen, so daß wir nicht Zollfreie Liebesoatienpakete nach Ungarn und der GSR, auch Medikamente KFI Fll-I TD WIEN I., ESSLINGGASSE NR. 2/6 TELEPHON U 29-0-57 wußten, wer dort beerdigt ist und in welchen Grabstätten die Toten ruhen. Nach langen Bemühungen ist es uns jetzt gelungen, das frühere Friedhoisbuch zu linden, so daß wir nun in der Lage sind, die Namen der Toten und deren Grabstätten am jüdischen Friedhof in Salzburg-Aigen genau festzustellen. Wir werden den Friedhof auf Grund des Buches rekonstruieren und sind gerne bereit, Auskünfte über Grabstätten oder eventuelle Neuaufstellung von Grabsteinen zu geben.” Erstklassige Stolf und Zugehör, sowi beste Verarbeitun bilden die Grundlage der bewährten TELLERKLEIDUNG ///. Hfiüph-trAttt 88- 90 U16 2 86

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