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Die Stimme · 1953-06-01 · Heft 75 (Juni 1953) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1953
Issue
Heft 75 (Juni 1953)
Date
1953-06-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 75 Wiener in Israel — Die Ärzte Von Dr. Z. F. FINKELSTEIN, Jerusalem 7. Fortsetzung siehe auch Nr. (>2, 64, 83, öb, 70, 71/72. Wien, Wien, nur du allein.... Ach, wve ein wüster i'ruum dünkt uns diese Zeit, du uns dieses tcucht fröhliche Lied irgendwie eine herzinnige Verbundenheit mit dem W lenertum \ orgaukelte. Uic Sturzwelle der braunen besticn-Flut zerriß allzu jäh die träume der Seßhaftigkeit in der fremde und gerade Juden smd's, die Blitzlichter einer Wiener Glanzepoche in ihre Lrheimat hinüber zu retten \ermoehten. Dieser Epoche der \\ iener medizinischen W lsscnscliaft, zu deren W eltruf die Namen w ie Siegmund I' r e u d, Prof. F r e u n d, Prof. iN c u - m a n n, Prof. G o 111 i e b, Prof. E r d - h e i in, Prof. S c li u r, Prof. Mandl und \iele andere reichlich beigetragen haben. Allerdings, verklärt duren die Eigenart Israels und getragen vom hehren Bewußtsein, daß es nunmehr gilt, für das eigene Volk bleibende Werte an Kunst, Wissen und Literatur zu schaffen. Die Glanzepochc der einstigen Wiener Medizin, fand vielleicht am ehesten ihren Niederschlag in Israel. Schwer hatten es allerdings die aus Wien eingewanderten Aerzte unter der Mandatszeit. Eine Art numerus clausus hemmte ihren Fortgang und viele hervorragende Diagnostiker und Spezialisten mußten oft jahrelang warten, bis ihr Turnus herankam und sic zur Praxis zugelassen wurden. Erst mit der Staatsgründung wurde freie Bahn dem Tüchtigen eröffnet und heutzutage gibt es fast kein Spital und kein Institut, wo man nicht Wiener Aerzte an träfe. So gilt das Röntgeninstitut der Hadassa in Jerusalem, das von Prof. Druck - m a n n geleitet wird, als das bedeutendste im mittleren Orient. Prof. Druckmann ist Schüler und Schwiegersohn von Dr. I s a k R o b i n s o h n, der hier das erste Röntgeninstitut noch im Jahre 1920 gründete, das auch von einem seiner Schüler, dem Wiener Doz. Dr. Josef Freud, bis zum Jahre 1925 geleitet wurde. Dr. Freud starb hier als Opfer seines Berufes und Prof. Druckmann ist sein Nachfolger. Ein zweites Röntgenologisches Institut im Tcl-Aviver Hadassa-Spital wird von Doz. Robert Lenk, einem ehern. Assistenten Prof. Holzknechts geleitet. Aehnlich ist die pathologische Anatomie in Israel noch Ende der zwanziger Jahre von dem bedeutenden Wiener Forscher Prof. Jakob Erdheim in Israel angeregt und von seinem Schüler Dr. Karp l u s einschlägige Institute in Jerusalem und Tel-Aviv geschaffen worden. Dr. karplus leitet derzeit ein großes Institut der pathologischen Anatomie in Tel-Litwinski und dieser medizinische W issenszweig gemahnt bereits heute an die Glanzzeit der W iener Spitäler. Auch das Fachgebiet der Neurologie ist in Israel auf den Wiener Prof. M a rtin Pappenheim zurückzuführen, der als Schüler Prof. Wagner-Jaureggs hier die ersten Hirntumore diagnostizierte und bis zu seinem frühzeitigen Tode unter der Mandatsregierung als Lehrer und Praktiker bedeutenden Ruf genoß. Auf diesem Gebiete ist auch der Wiener Doz. Dr. Carl Gross als Psychiater tätig. Eine hervorragende Rolle auf diesem Geltet spielt ein junger Arzt, der Schwiegersohn Dr. Dcsider Friedmanns. Es ist dies Dr. Erich G o 1 d s e h 1 ä g e r, der als Student der Wiener Fakultät nach Einbruch des Nazismus nach Israel kam, hier Polizist wurde, gleichzeitig studierte, promovierte in Beyruth und spezialisierte sich als Psychiater. Derzeit ist Dr. Goldschläger Leiter eines der größten Krankenhäuser für Geisteskranke ui Akko. wobei als administrativer Leiter ebenfalls ein W iener, Sohn des gewesenen Ersten Sekretärs des Wiener 1 landelsgrcmiums E r n s t Je h u d a M ii 1 1 e r, tätig ist. Auch die Zahnheilkunde und Pharmakologie erreichte in Ercz durch die Erfindungen und Schöpferkraft Prof. Gottliebs, der einige Zeit hier gewirkt hatte. eine im weiten Ausland anerkannte Höhe. Prof. Göttlich begründete auch eine der größten pharmakologischen Fabriken in Haifa, die derzeit von einem führenden Zionisten Wiens Dr. Jakob W ein e r verwaltet wird. Als einer der letzten Mohikaner des W iener Profcssorenkollegiums wirkt noch unermüdlich der Dermatologe Prof. Koni g s t e i n als Konsiliararzt in der weit verzweigten Arbeiter-Krankenkasse (Kupatli Cholim). Die Augenheilkunde gehört fast zur Domäne der Wiener Schule. Aus ihr ging vor allem Dr. Tieho hervor. Als Bahnbrecher auf diesem Gebiete eröffnete er in Jerusalem noch vor Jahrzehnten die erste Augenklinik. Zu ihm strömten als Patienten alle Fürsten und Veziere aus dem Abendland und Tieho erfreut sich als Operateur und Heilkünstler eines internationalen Rufes. Auch der Vorstand der Augenklinik der Hadassa in Jerusalem, Prof. Feigenbaum und dessen Assistent DozcntDr. Landau, kamen aus der Wiener Schule der berühmten Professoren Sachs und Drimincr. In Jerusalem ist ebenfalls ein Wiener Augenarzt, Dr. F 1 e i s c h e r, und in Haifa Dr. Mas chic r als Aerzte der Kupath Cholim tätig. Das Gebiet der Pädiatrie (Kinderheilkunde) wird, nach dem vorzeitigen Tode des D o z. F r i e d jung von einem Schüler Prof. Knöpflmachers, Dr. Tazner, der in Tel-Aviv für die Wizo tätig ist, vertreten. An eine Leuchte der Wiener Schule auf dem Gebiete der Urologie, Prof. Otto Zuckerkandl, erinnert dessen ehemaliger Assistent Dr. Richard G 1 a s s, der jetzt als Abteilungsvorstand der Tel-Aviver Hadassa wirkt. Als 1 lerzspczialisten seien Dr. Robert Fischer, der seinerzeit die Ilerzstation in Wien leitete, genannt, ferner als junger Nachwuchs, der Grazer Dr. Karl Braun, der als erster Assistent des Prof. II a c h m i 1 e w i c z, an der Jerusalemer Hadassa zu den Bahnbrechern moderner Herzchirurgie gehört. Zum erfolgreichen Nachwuchs der Wiener Schule gehört auch Dr. Schieber, der früher Vorstand des Beilinsonsspitals war, später als Major beim britischen Militär diente und derzeit als Vorstand des Gesundheitsministeriums einen entscheidenden Einfluß auf das Gesundheitswesen in Israel ausübt. Daß ein ehemaliger Jugendführer in Wien, Dr. Dolfi Brunn er, in Israel bis zum Range eines Stationsleiters eines Regicrungsspitals in Jaffa vorrükken kann, gehört ebenfalls zu den Wundern, die die aus Wien vertriebene jüdische Jugend nur in Israel zu schaffen \ermag. Eine ähnliche Stellung bekleidet auch ein W iener, Dr. B r a n d s t ä 11 c r, der als Vorstand einer internen Abteilung im Begicrungsspital in Haifa wirkt. Auf dem Gebiete der Bekämpfung der Tubcikulo.sc ist in hervorragender Weise ein ehemaliger Arzt des Sanatoriums W ienerwald, Dr. L i c h t w i t z, tätig. Aus dem serologischen Institut Wiens, ging ein sehr erfolgreicher Chemiker und Scrologe, Entdecker einer Variation der Wassermann - Reaktion und Vorstand des Tcl-Aviver Hadassa-Laboratoriums, Dr. Fritz Rapaport hervor. Er erhielt erst kürzlich einen Preis der Stadt Tel- Aviv (gleichzeitig mit einem anderen Wiener, Dr. Hugo Bojko, der endlich gebührend anerkannt wurde!) für seine wissenschaftlichen Leistungen. Es erübrigt sich noch in die Reihe erfolgreicher Mediziner, die aus der Wiener Schule hervorkamen und in Israel zum Segen des jüdischen Volkes wirken, die praktischen Aerzte zu nennen, deren Fülle geradezu beglückend für den jungen Staat ist. Wer kennt nicht hier den altjungen Dr. Siegfried P 1 a s e h k c s, der den Spruch Nothnagels über den guten Arzt und guten Menschen in einer gesegneten Tagcsfrohn jahraus, jahrein verwirklicht. Ein Mensch von tiefem sozialem Gefühl verbindet er Ernst, Wissen und seine überaus erfolgreiche ärztliche Praxis mit der sozialen Tätigkeit als Vorstand der Aerztegcsellschaft und Verfasser eines prachtvollen Vademekums durch alle Städte und Kurorte in Israel. Gleichermaßen erfolgreich ist Dr. Markus Frey, der sich als Internist eines schier unendlichen Kreises sein echtes jüdisches Herz im Wohltun zu verströmen pflegt. Als Dritter der jungen zionistischen Gilde ist wohl Dr. Isidor K 1 a b e r, einstiger Kultus\orstcher Wiens, zu nennen. Emsig in seinem Berufe als praktischer Arzt tätig, verbindet er diese mit einer politisch-Vortragenden und agitatorischen Tätigkeit im Rahmen der Allgemeinen Zionisten. Der ewig mit Energie geladene sprühende Klaber, gehört wohl zu dem Typ der Juden, denen Idee ein Springbrunnen ewiger Jugend bedeutet... Städtische Sommerbäder XXI., Strandbad Giinsehüufel XIV., Hütleldorferbad XXL, Strandbad Alte Donau XIV., Hadersdorf-W'eidlingau XXL, Angelibad XXII., Strandbad Stadlau XIX., Krapfenwaldl XXIII., Himberg XIX., Hohe Warte XXI\., Liesing XVL, Kongreßplatz XXV., Mödling XVI., Ottakringerbad XXV., Gumpoldskirchen XIL, Theresienbad XXVI., Strandbad Klosterneuburg XIV., Baumgartnerbad XXVI.. Slrombad Kritzendorf jß. Teilet „ELSE" PARFÜMERIE WIEN I, STB IN D ELG ASS E l (beim Tuelilauben-Kino) WIEN I, SALZTORGASSE 5 TELEFON U213 64 TELEFON U 25-4-85 DIE JÜDISCHE PARFÜMERIE HERREN-, DAMENKLEIDER UND -MÄNTEL SÄMTLICHE SPEZIALITÄTEN AUS U. S. A. MODISCHE SPORT- UND REGENSCHUTZBEKLEIDUNGS¬ EHANKHEICH, SCHWEIZ, DEUTSCHLAND FABRIK Wir .schicken offiziell Pakete mit Parfümerien und Seifen nach Israel! In Tel-Aviv wirkt noch unermüdlich der gewesene Leiter und Gründer des Wiener Palästina-Amtes, Dr. Karl S t e i n, dessen gynokologischc Klinik zu den ältesten des Landes gehört. Eine besonders erkleckliche Zahl Wiener Aerzte übt ihre Praxis in Jerusalem aus, darunter altbekannte Zionisten Wiens, wie Dr. Natan Korn, Dr. M. Doll, Dr. M a r g a 1 i t s c li (der gewesene Hausarzt Prof. Ghajes), Dr. Rosen, Dr. Sucher, Dr. Thalheim (als Psychounulitikcr), Zahnarzt Dr. Schali t (Sohn des Dr. Isidor Sehalit), Kin - d e r a r z t Dr. A b e 1 e s (Sohn des gew. Redakteurs der Wr. Morgenzeitung Dr. Otto Abelcs) und viele andere. ln Jerusalem der Stadt der hebr. Universität und der neugeschaffenen Fakultät, ist der Einfluß der Wiener medizinischen Schule offenkundig. Zuckerkandl, Nothnagel, Rokitanski, Neumann, Schur und die vielen anderen, sind noch immer Lehrmeister und Wegweiser der Jungen, ln der „Hadassa“, die als Zentrum medizinischer Wissenschaft und Praxis gelten kann, wirken bereits Schüler der Wiener Schule und so spinnt sich Tradition einer zuletzt feindlichen Welt in Wissen, Hilfsbereitschaft in Israel aus. Wien, Wien, nur du allein...? Kein w ii ster T raum ist e s, wenn man mit dem Stigma des Barbarentums geflüchtet ist und unter der herrlichen Sonne Israels das einstige Wienertum in schöpferische Werke wahrer Kultur und Nächstenliebe neu zu gestalten vermag. Dr. Leo Baeck Der in der ganzen Weit populäre Gelehrte, Rabbiner Dr. Leo Baeck, hat in London, wo er nunmehr ständig lebt, seinen 80. Geburtstag gefeiert. Mit den Juden vieler Länder neigen wir uns vor dem Mann, der wohlverdient den Gipfel hoher Ehren erreicht hat. Rabbiner Baeck steht an der Spitze des liberalen Judentums und war vor dem zweiten Weltkrieg die maßgebende Persönlichkeit innerhalb der Gemeinschaft der deutschen Juden. Viele Zeitungen von Rang huldigten Dr. Baeck und hoben seine Bedeutung als Kulturmensch hervor. Er gilt als warmer Freund des Zionismus und nahm früher aktiven Anteil an den Arbeiten der Jewish Agency. ln der nuzistischen Zeit stund er der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland tatkräftig bei, wich nicht von seinem Posten und trotzte den Gefahren, die ihm täglich und stündlich drohten. Im Jahre 1942 wurde Baeck von den Nazis gefangen und nach Theresienstadt deportiert. Hier galt er als die hervorragende Leuchte. An Baeck haben sich die schwer gepeinigten Menschen im Lager erbaut und seiner Tätigkeit hatten sie es zu danken, daß wir die Hoffnung schöpfen durften, daß die Finsternis verlöschen und das Licht uns noch leuchten werde. B. Braver 7}o*epU Schmidt *. A. Wir bitten jene Personen, die in den Jahren 1941 oder 1942 Gelegenheit hatten, mit dem Verstorbenen in Verbindung zu sein, uns ihre Adresse bekanntzugeben. Ebenso erbitten wir Kaufangebote von Schallplatten (religiöse Gesänge) und von anderen Andenken des großen Künstlers. Im Auftrag der rumänischen Verwandten: Gertrude Nowotny, Wien 15., Ilollcrgassc 48/15. Täglich von 15 bis 20 Uhr. Erstklassige Stolle und Zugehör, sowie / beste Verarbeitung* bilden die Grundlage der bewährten TELLER-KLEIDUNG X — ///. Strasse 88- 90 U16 2 86

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