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Die Stimme · 1953-06-01 · Heft 75 (Juni 1953) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1953
Issue
Heft 75 (Juni 1953)
Date
1953-06-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 75 DIE STIMME Seite 3 Bewußte Lügen Der berüchtigte antisemitische „Wiener Montag“ vom 8. Juni d. J„ bringt in seiner Rubrik „Der Montag meint“ eine Notiz unter der Schlagzeile „Wiedergutmachungswiinsehc“. Wir drucken diese Infamie im vollen Wortlaut ab, mit der Absicht, die Schreiberlinge der Verachtung aller anständigen Menschen preiszugeben: „Die österreichische Bundesregierung hat vor kurzem bekanntgegeben, mit den Vertretern der jüdischen Vieltorganisationen (sie haben merkwürdigerweise alle amerikanische Namen) in der zweiten Hälfte Juni in Besprechungen über dieWicdcrgutmachungswünsche der Judenscliaft cinzugehcn. Es ist zu hoffen, daß die Regierung die Ziele und Ergebnisse der kommenden Verhandlungen in aller Ocffentlichkeit darlcgt. Unter dem Titel der Wiedergutmachung wurden nämlich bisher viele Leistungen von Oesterreich gefordert und leider auch erbracht, die Unrecht an österreichischen Staatsbürgern schufen und einer ungerechtfertigten Ausplünderung des Landes gleichkamcn. Damit muß es einmal ein Ende haben, und es ist von den maßgeblichen Stellen in Oesterreich zu wünschen, daß sie in diesen Fragen sich endlich auf die Festigkeit des Hechtes und ihres eigenen Rückgrates besinnen.“ Wer ist der Mann, der sich spekulativer Irreführung seiner Leser und Besudelung der Juden schuldig macht: Dieser Schreiberling war bis zum Jahre 1938 Sozialdemokrat, Angestellter der „Arbeiter-Zeitung“ und gehörte dem Redaktionsstab an. Als die Nazi im Jahre des Unheils 1938 in Oesterreich cinbrachcn, beging der Schreiberling vom „Wiener Montag“ Verrat an der Idee des Sozialismus und wurde Nationalsozialist. Da er nach dem Zusammenbruch der Barbarei arbeitslos war, setzte er seine antisemitische Tätigkeit fort und landete in der Redaktionsstube der Arisourc. Der Nazi, welcher während der Hitlcrzeit für die rücksichtslose Ausplünderung Oesterreichs unentwegt eintrat, schreit jetzt, daß ein Unrecht an österreichischen Staatsbürgern geschaffen werde und ungerechtfertigte Ausplünderung des Landes cinträte. Jedermann weiß cs, daß die Riickstcllungswcrber entweder Oesterrcicher sind, oder von den ftazis vertrieben, die österreichische Staatsbürgerschaft aufgeben mußten. Den lumpigen Schreiberling vom „Wiener Montag“ belehren wir, daß er sich der gemeinen Hetze gegen Juden schuldig macht, weil es ihm bekannt sein muß, daß die Naziopfer keine Vermögenswerte von der österreichischen Republik verlangen, sondern die Rückgabe dessen, was seinesgleichen, — die Naziariseurc — geraubt haben. Der österreichische Staat muß aus eigenem Vermögen nichts hergeben, sondern nur die Ariseure veranlassen, wenigstens einen Teil des Raubgutes herauszugeben. Der nazistische Schreiberling leistet sich Gemeinheiten, daß man „paff“ wird. ttUaUtk II. Am 2. Juni wurde Königin Elisabeth II. in der Wcstminster-Abtci in London gekrönt. Die Krönungszeremonie knüpft an alte biblische Vorbilder an. Die Krönung ist nämlich eine sakrale und keine weltliche Handlung, was schon daraus hervorgeht, daß ihr eigentliches Kernstück nicht etwa die Annahme der Krone durch den Monarchen ist, sondern die Salbung mit dem heiligen Oel. Es ist die gleiche Symbolhandlung, die der Prophet Samuel an Saul vollzog, um ihn zum König zu machen und später an David wiederholte, den er damit zum König designierte, während Saul noch lebte. Der Prophet handelte dabei in göttlichem Auftrag. Zolilreie LieliesgalipaliEitf! aaoh Ungarn und der GSR, auch Medikamente KELEN'LTD., WIEN '•» essling&asse nr. 2/5 ' TELEPHON U 29-0-57 Abonnieret die älteste zionistische Zeitschrift DU Stint* 6 aufeinanderfolgende Nummern . S 10.— 12 aufeinanderfolgende Nummern . S 20.— Einzahlungen erbeten auf Scheckkonto 134.292 (Zionistischer Landesverband) Ghetto Theresienstadt HoMpceifi&cäpcc &U& Loewi - 60 Jaku Prof. Otto L o e w i, der weltberühmte Pharmakologe, der in den Vereinigten Staaten von Nordamerika lebt und wirkt, empfing vor kurzem die Wünsche des österreichischen Unterrichtsministers zu seinem achtzigsten Geburtstag. Prof. Loewi hat auf dem Gebiete der Medizin eine Entdeckung gemacht, die die ganze Welt aufhorchen ließ und Oesterreichs Wissenschaft Ruhm brachte. Aber die österreichische Republik verhielt sich Prof. Loewi gegenüber, wie zu einem Fremden, obwohl er in Oesterreich eine Forschertätigkeit entfaltete, die die österreichische Schule bereicherte und er als Oesterreichcr den Nobelpreis erhielt. Es bedurfte erst der Mahnung des britischen Nobelpreisträgers Dale, damit Oesterreich sich seines ehemaligen Hochschullehrers, Forschers und Nobelpreisträgers Otto Loewi erinnere und ihm, so nebenbei, Wünsche zum achtzigsten Geburtstag übermittle. Es ist sonst nicht die Gewohnheit unserer Regierungshäupter, eines würdigen Oestcrreichers — wenn er auch im Ausland lebt — zu vergessen. Es ist immerzin aufklärungsbedürftig, weshalb das offizielle Oesterreich sich des großen Gelehrten und Juden nicht rechtzeitig erinnert hat. Bürgt für qualIIÄI von Zdenek Lederer Das bei Eduard Goldston u. Sohn in London erschienene Buch mit diesem Titel ist kein verspäteter Beitrag zu der' sogenannten Märtyrerliteratur. Auch das so oft mißbrauchte Wort „historisches Dokument“ wollen wir nicht darauf anwenden. „Ghetto Theresienstadt“ ist ein ohne jede Leidenschaft nüchtern und sachlich geschriebenes Buch über eine Station des Vernichtungskampfes, den der deutsche Nazismus der Hitlerzeit gegen das jüdische Volk geführt hat. Diese Station erstreckt sich über die Jahre 1941 bis 1945 und behandelt jüdisches - „Leben“ in einer kleinen ehemals österreichischen Festung in diesen Jahren. Während im Jahre 1940 die Bewohnerschaft der Stadt 3700 Seelen zählte und eine Garnison von 3500 Soldaten dort stationierte, womit die Wohnkapazität der Stadt erschöpft war, betrug die Zahl der ein Jahr später dort gefangen gehaltenen Juden weit über 60.000. Das Buch ist sogar ein Kulturdoku ment, wenn man in den Begriff der „Kultur“ auch die Unkultur mit einbezieht. Wie der Verfasser selbst sagt, ist seine Darstellung geeignet „Theresienstadt“ zu zeigen, wie es war: nicht als bloße Verwirklichung eines sadistischen Traumes, sondern als typisches Produkt des Nazisystems: Eine hilflose und macht- Oft kopiert Nie erreicht stHokassü* SCHUH-FABRIK Wien III., MQnzgasse 5 Telephon U 19 408 lose Gemeinschaft, beherrscht von Furcht und niedergehalten von gefühllosen sadistischen und verrückten Tyrannen. Fünf Jahre können nicht ausschließlich aus positiven oder negativen Höhepunkten bestehen und es mutet gespenstisch an, über das tägliche Leben im Ghetto darin zu lesen, wenn zum Beispiel ein Kapitel überschrieben ist: „Leben und Kunst im Ghetto“. Das letzte Kapitel allerdings handelt vom „Letzten Kapitel“, von den Deportationen in die Todeslager und den erbitterten Kampf um eine Galgenfrist, um die große „Vergünstigung“, in Theresienstadt bleiben zu können. Tatsächlich war Theresienstadt das größte Durchgangslager, von dem aus das zentral europäische Judentum in die Todeslager des Ostens besonders nach Auschwitz transportiert wurde. ln der deutschen Propaganda und für das Ausland galt Theresienstadt als Stadt, die der „Führer“ den Juden geschenkt hat. Die Deutschen machten in Propagandafilmen Bilder von Musikkapellen, trauten Familienszenen, Kinderspielplätzen, netten Häusern, Blumengärten und allen Zeichen von Wohlstand und Freiheit. Wir werden aus diesem Buch, welches der Verfasser „Denen, die nicht zurückgekehrt sind“ gewidmet hat, mit Erlaubnis des Verlages, ein Kapitel abdrucken. Dr. II. B. EH-lLLUYD TR1ESTIN0 TRIEST Regelmäßige Passagierexpreß- und Warendlensfe nach: INDIEN, PAKISTAN, AUSTRALIEN, AFRIKA und FERNER OSTEN Nächste Abfahrten: , Nach SÜDAFRIKA von TRIBST mit: ♦ M/S „AFRIKA” am J2.VI., 17.VIII., 12. X. usw. ♦ M/S „EUROPA” am 20.VII., 14.IX., 16.XI. usw. S/S „SPUMA" am 22. VI. Nadi AUSTRALIEN von GENUA mit: 'M/S „NEPTUNIA” am 19.VI..4.IX..20.XI usw. * M/S „AUSTRALIA” am 10.VII., 25. IX., ll.XII. *M/S „OCBANIA” am 7. VIII., 23. X. usw. Nadi INDIEN PAKISTAN und dem FERNEN OSTEN von GENUA mit: ♦M S „VICTORIA” 30,VI.,30.VIII.,30.X.,30.XII. •M/S „ASIA” am 30. VII., 30. IX., 30. XI. usw. * Eilsdbiffe Nadi GIBUTI, MOGADISCIO, MOMBASA von Neaffel mit: S/S „DIANA” am 27. VII., 27. IX. usw. Nach WESTAFRIKA, KONGO, ANGOLA Von Genua: Monatliche Abfahrten (von Triest mit Umladung In Genua) Regelmäßige Frachtdienste nach INDIEN/PA¬ KISTAN und dam FERNEN OSTEN/JAPAN von TRIEST Auskünfte und Buchungen bei dar Zweigniaderlassung In WIEN I., Kärntner Ring 6, Telefon U 47 5 60 Serie bal der Filiale In GRAZ, Annenstraße 10 Telefon 67 01, sowie bei allen Reisebüros Fraehtenabtellung: WIEN I, Kärntnerstraße 33 (Eingang Johannesgasse 1) Tel. 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