Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1953
- Issue
- Heft 74 (Mai 1953)
- Date
- 1953-05-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite t) DIE STIMME Nr. 74 lüdistUes JMtn «t Hl&ciUa M. ML M Das jüdische und zionistische Leben in Mexiko könnte \iel größeren jüdischen Jischuw im als Beispiel dienen. /.. B. würde trän es wünschen, daß der jüdische Jischuw in Lrankreieli mit seinen 300.000 Seelen eine Delegation nach Mexiko scliikken sollte, um die Organisierung des jüdischen und zionistischen Lehens des \iel kleineren mexikanischen jüdischen Jischuw mit 20.000 Seelen zu studieren. I eher die Menschen, die die jüdische Gemeinde Mexikos organisiert haben, kann man nur mit Stolz und Anerkennung reden und es ist nicht die Aufgabe des \ erfassers eines Zeitungsartikels, sondern eines jüdischen Historikers diese Pionierarbeit zu würdigen und als Beispiel hinzustellen, damit andere Gemeinden. kleinere und größere, daraus ihre Lehre ziehen. Die Herren Dulcin. Gitlin. der xerstorbene Sam Bosen und andere, die das Schulwerk des Chinuch gegründet haben, haben heute Genugtuung daß 85 bis 90 Prozent der jüdischen Kinder diese Schulen besuchen und \;tn Kindergarten bis Prcparatorio eine reit: jüdische Erziehung genießen. Die erste Generation, die in diesen Schulen aufgewachsen ist, hat dafür gesorgt, daß die erwachsene Jugend nicht gezwungen sein soll unter die Feinde zu gehen. Man hat ein Sportzentrum — Deportivo — gegründet, auf einem Gelände von zehndlingcn von Aeekern mit Kegel - sälen. Schwimmbassin. Tennisplätzen etc., das die Kinder in ihrer freien Zeit aufnimmt und beschäftigt. In der Leitung findet man die Gründer selbst. Ing. Schmerl. Dulcin. Gitlin. etc. Ind so ist es kein W under, daß in Mexiko keine Gefahr der Assimilation besteht. Es ist zum Beispiel selbstverständlich und gehört zum guten Ton, daß Jungverheiratete Frauen gesellschaftlich tätig sind. Daher gibt es auch eine sehr aktive Wizo, die sehr gut arbeitet, unter der Präsidentin Flau Bella Gitlin, eine sehr aktive Gruppe der Pionierfrauen unter der Leitung von Frau Pusehkar geborene Kessel. deren .Mutter Präsidentin des W iz >- Bazar-, ist Herr Kessel ist ein Mezän wie es nur ein litauischer Jude sein kann. Er hat viele zehntausende Dollars für Bauten im Sportzentrum gespendet, einm Fonds für literarische Preise geschaffen und man brauchte einen besonderen Artikel. um die Wohltaten von Kessel zu beschreiben. So hat er es sich auch nicht nehmen lassen. Herrn Sprinzak, dem Vorsitzenden der Knesseth. der zur Eröffnung des Magbith in Mexiko erwart t wird, sein Haus zur Verfügung zu stellen. Die Aktivität ist in Meixko eine allgemeine. Es ist also eine der wenigen Inseln und die einzige in Zentral-Amerika, w i das jüdische Leben und der jüdische Geist voll pulsiert. Schlichim werden gar nicht gebraucht, obzwar es an dieser W arc auch in Mexiko nicht fehlt, zumindest ist das die Meinung der Juden in Mexiko und darin unterscheiden sie sich überhaupt nicht von den übrigen Juden der Welt. ln Mexiko gab es auch eine gute Tradition, die eigentlich bis zu einem gewissen Grad bis heute existiert. Es gibt sehr viele Juden, die den Zionismus kennen, aber keine Parteien und es gibt Frauen, die in allen Frauenorganisati >- nen — Pir riierfrauen, Misrachi Frummgruppe und revisionistische Fruuengruppe — Mitglieder sind. In den letzt m Jahren hat sich aber diese ideale Situation etwas geändert. Die Kevisionisten haben eine eigene Organisation aufgebaut und trotz der Proteste der Zionistischen ()iganisation, ihre eigenen Tel Ghaj Büchsen eingeführt. Dies konnte noch?;L unwichtig hingestellt werden, aber di- Zionistische Organisation, welche die Autorität und Macht darstellte, ist in (hm letzten Jahren durch mehr persönliche als ideologische Differenzen geschwächt worden. Sic stellt jetzt unter der Führung einer Gruppe Allgemeiner Zionisten. mit dem sehr fähigen Lewi Dulcin au der Spitze, der der zweiten Generation demexikanischen jüdischen Jischuw augeliöit, während die zweite Gruppe von Hesnikoff. Kutscher, Idol, Epstein, d,e während der ganzen .Jahre die ziomsti- '-ehe Arbeit geleistet haben, heute orgunisatoi iseh außerhalb stellt. Und es ist zu bedauern, daß Dr. Abba Hilel Silver, den die Zionistische Organisation anläßlich seines 00. Geburtstages iiacu Mexiko eogeiadin hatte, stark uaimmcr genuin, Hai. r.s wäre der i'ersoiuiciiKen von r>uver viel w inniger gewesen, wenn uicsei oesucii ment von einer Kiemen oruppe organisiert worden wäre, sondern wenigstens von der ganzen ziomsuseium raiiniie. l> ist ein l, >ü lur die zionisuscne ramme, uui.s üei tlcm Bankett lur Ur. oiiver im elegantesten Hotel Brauos ail diejenigen anwesend waren, die tur ein Vjcucck lUO Pesos, d. ii. JUU bcliillmg bezahlen konnten. Man san ua die Leauer Kictzi und Pusehkar, ausiiiuk, und auch die progressiven allgemeinen /nemsieu hesniKon, Simunowuz, u. a. w ie atien die Revisionisten und Jiddiscinsten. Ls ist aber kein Kompliment tur die \ crunstalienden, daß der V oisitzende uex Keren llajessod, Kletzel — mul der Vorsitzende des KKL, itesnikoff, ein lungjälii iger rreimd Ur. ouvc.v-, m. i der Vorsitzende der Sepharden, Ben David, keine Platze um prusiUiumiiMu angewiesen bekommen haben. Es zeigt uueh, uaß tue \ craiistaltciiucn non .. .... vers eien überparteilichen Ghuruktcr ge nonunen haben Aach längerer Üiskussi »n, Gat der Isracl-Elircnkonsul Dr. rustiieii ja einen Platz im Präsidium bekomme.i, aber uni lallend war es, daß man ihm das \\ ort nicht erteilt hat, weil Dr. Fastliclit nicht zum i* Ijägel der herrschenden Gruppe innerhalb der Organisation g;- liört. Die Tatsache, duß L)r. Silver zum mexikanischen Außenministerium gegangen ist, und zwar nicht in Begleitung des Israel-Konsuls, sondern mit einem privaten Bankier (vielleicht weil der Bankier amerikanischer Bürger ist), hat in jüdischen Kreisen Mißfallen hervorgerulen. Dies soll aber den zionistischen W e;-t des Besuches von Dr. Silver nicht verkleinern, sondern eine Lehre sein, solche \ erkommnisse in der Zukunft zu vei meiden, weil der Besuch einer solch übei ragenden Persönlichkeit wie Dr. Silver liir die Massen ein Erlebnis bedeutet. Im Deportive versammelten sich ca. 2500 Menschen (Mexiko Gity hut etwa 17.UUU jüdische Seelen), um Dr. Silv r zu hören. Bei dem Besuch Silvers in der jüdischen Schule, wo 1200 Kinder lernen, und in der Tarbut Schule, wo 300 Kinder leinen, waren auch seinvie'e Eltern anwesend. Dr. Silver wurde begleitet von dem sehr rührigen Vorsitzenden des Tarbuth und früheren Vorsitzenden der Zion. Organisation Bachnu •! W ischnievvitz. Silvers Bede war eine gtne zic ms tische Propaganda, dem Ernst d :r zionistischen Lage und der jetzigen Situation angepaßt. Er sagte, daß ein Plan für einen Hausbau noch kein erbaut s Haus ist und eine Landkarte noch kein Staat. Er rief die Juden auf, Gelder zu investieren. Vom zionistischen Standpunkt war der Besuch auch eine gute Propaganda, weil die Gegner dir führenden Gruppen in Israel gerude auf die Werte Silvers seinhörten. Eli n darum ist es bedauerlich, daß Dr. Silver — wie muri gerüchtweise behauptet, auf Ansuchen seiner Freunde — für den Magbith nicht gesprochen hat, obzwar man ihn darum gebeten haben soll, wo es doch bekannt ist, duß er für den l JA immer zur Verfügung steht wie auch dem KKL für den er sogar eine Beise nach Süd-Afrika unternommen ha!. Der Magbith soll in den nächsten Tagen ei öffnet werden und man erwurtet die Ankunft von Herrn Sprinzuk, da aber nach der Eröffnung hier cintreffcn wird. Die Campagne beginnt mit einer schwachen Position der Zionisten, erstens weil statt einer Israel-Campagne ein.“ Mauthausen Inter Eiihning des \ i/.epräsidcnlcii der Israelitischen kulUisgemenKle W ien, Herrn Gustav Lei liier, begab sich Dienstag, den ö. Mai 1!Jo6 eine Delegation, die aus etwa 30 Personen bestand, nach Muuthuuscu, um am Jahrestage iler Befreiung unserer Brüder und ncliw estern, die den Märt) rertod erlitten haben, zu gedenken. Nor dem Tor der einstigen von den Nazis errichteten Todcsstaiie Matilhauscii empfing der Konimandant, ein russischer Oberst, die iratiergastc aus W ien und entbot ihnen seine Grüße. Hierauf brachte Herr Leitner den Dank dafür zum Ausdruck, daß die russische Macht heroische Anstrengungen maeüte, um die Menschheit, somit auch die Juden, von der gigantischen Barbarei zu befreien. Uic Truuerfeicrlichkeitcu begannen mit der ISiederlcgung eines Kranzes um Denkmal des von den iNazis in Mauthausen gruusum gepeinigten und ermordeten russischen Generals. Im lloic des Lagers, wo die israelitische Kultiisgemeinde Wien im Vorjahre eine Gedenktafel angebracht hatte, legte die Delegation Blumengebinde nieder. Der Vertreter des Staates Israel, Konsul Arie Eshel, war mit seiner Gattin erschienen, und legten als erste einen Krunz nieder. Der Kantor, Herr Both, sprach, begleitet vom Chor des Wiener Studttempels, das Totengebet, worauf der Oberrabbiner vei einte Campagne stattfindet laut Fiederung, die von einem Häuflein TN ich - zionislen im JNumcn der „\olksmassen' geäußert wurde. Es gibt einige Mensch -o, die in der Vergangenheit eine oder einige Campagnen mit Erfolg durchgeliilirt luben, wiv Teddy Resnikoff, Bachmi i Wischnievvitz, Gregurio Sciiimaiiow i tz mi i Arturo Wolfowitz. Der Letztere st hi jetzt an der Spitze des Bond- Drive, \\ ischnievvitz wollte das Amt des \ >rsitzenden des Magbith nicht übernehmen, weil Dobkin ihn bei seinem letzten Besuch ignorierte; es blieben als Kandidaten die zwei früheren Vorsitzenden tl Magbith, Schimanowitz und ResnikoF, die beide dem linken Flügel der Allgemeinen Zionisten angeboren, also in der jetzigen Zionistischen Organisation in Mexiko nicht vertreten sind, wodurch die Zionistische Organisation gegen die Kandidatur der beiden Herren war. Die Gefahr bestand, daß die Nichtzionisten einen Vorsitzenden stellen werden mul es ist noch eine gute Verlegcnheitslösung, duß Baw Buffelin, der wenigstens eine zionistische Vergangenheit hut, Präsident der Cuinpagne geworden ist. So gibt es sogar in diesem guten Mexiko genug Schattenseiten. Es gab Optimisten, die gehofft hatten, daß mit Silvers Besuch und wegen dem Ernst der Zeit vielleicht irgend ein Hausfrieden hergestellt werden kann, leider ist aber von keiner Seite der Versuch dazu gemacht worden. Wäre dies geschehen, so wäre der Besuch Silvers ein historisches Ereignis in Mexiko geworden. Es ist sehr schade, daß in einem Lunde wie Mexiko, wo alle Voraussetzungen für eine gute konstruktive zionistische Arbeit vorhanden sind, durch persönliche Zerwürfnisse und künstlich konstruierte ideologische Meinungsverschiedenheiten, dieser positive Jischuw — der für alle Länder als Beispiel dienen könnte — zerschlagen werden soll. Dr. Eisenhcrg. eine tiefempfundene, zu Herzen gehende Predig! hielt, die von hohem Geiste getragen war. Nachdem Herr Leitner das Kaddischgehct verrichvichtcl halle, trat er vor das Auditorium und mit trünencrslicktcr Stimme schilderte er, der seihst das bittere! \lärt\rcrlebcn in Maulhausen fristen mußte, die unendlichen Leiden und Todesqualen unserer Brüder, deren Andenken wir bis zum letzten Atemzug liochliallen werden. Gunskirchen Sonn lag. den 10. Mai 1953, fand im Walde von Gunskirchen bei Wels, an den Giäbern der dort ruhenden, von den Nazis ermordeten jüdischen Brüder eine Gedenkfeier statt, an der eine htmdertköpfige Delegation, unter Führung des Präsidenten der IKG in Linz, Schwager. tcilnahm. Der Überrabbiner von \\ ien, Dr. Eisenberg, verriebtetc die Toteiigebetc und ehrte in einer Bede unsere au I Kidduseh Huschern umgekommenen Brüder. Nach dem Uberrabbiner, dessen Bede der Trauergemeinde tief zu Herzen ging, trafen folgende Herren vor: De.- Gendurmeriekommundant von Wels, der selbst im hitlcrischcn KZ Schweres zu erdulden hatte, Präsident Herr Schwager, Linz, Kultusvorsteher aus W ien. Herr Bernstein, als Bepräsentant des österreichischen Zionismus Redakteur Braver und fiii die KZ-ler Ing. W iesental, Linz. Die Worte aller Bedner gippfelten in dem Gelübde, das ihre dazu beizutragen, den Prinzipien der Freiheit, der Ethik und der Menschenwürde zu dienen und gaben der Hoffnung Ausdruck, daß der Ungeist des Nazismus niemals mein die anständige menschliche Gesellschaft befallen werde. Dies ist das Vermächtnis unserer Märtyrer, das wir treu behüten wollen! V on Gunskirchen aus. begab sieh die Traiiei gemeinde unter Führung des Präsidenten der IKG Salzburg, Herrn Einziger, des Präsidenten der IKG Linz, Herrn Schwager, des Oberrubbiners Dr. Eiscnherg und des Redakteurs Braver in den bercitgestcllten Autobussen nach Ehensee, wo auf einem neuerrichteten Märtyrer! ricdhol, unsere todgepeinigten Brüder aller Konfessionen zur letzten Buhe gebettet sind, liier verharrten die Erschienenen im stillen Sehmer/, während Herr Oberrubbiiier Dr. Eiscnherg die Gehele verrichtete. SS in Aegypten Die deutsche Bundesregierung forderte alle deutschen Nazis, die als Militärncrater der ägyptischen Regierung in Kairo ihr Unwesen treiben auf, sich im Falle eines Konflikts in der Suezkunalzone jeder direkten oder indirekten militärischen Tätigkeit zu enthalten. Diese Warnung ist im besonderen an jene militärischen Berater gerichtet, deren Kenntnisse hei der eventuellen Ausarbeitung von Opcratioiispläiien durch den ägyptischen Generalstab gehraucht werden könnten. I liczu ist zu bemerken, daß der ägyptische Gcncralsatl) als fiktive Institution bestellt und anI die militärischen Operationen Aegyptens keinen Einfluß zu nehmen vermag. Die Neugestaltung der ägyptischen Armee obliegt ausschließlich den dcutM-hcn Landsknechten, die aus SS-Stähcn I litlerdeutsehliuuls hervorgegaiigen sind. Die Leibstandarte Hitlers ist der bestimmende Faktor im ägyptischen Generalstah, der die aggressive P »- litik treibt und England beharrlich provoziert. Das ist ebenso den deutschen wie den englischen Politikern gut bekannt, weshalb man nicht aus dem Staunen lierauski mint, daß einerseits die deutsche demokratische Republik heuchelt andererseits die englischen Staatsmäniuer in uiibcgn iflieher Zurückhaltung dem Treiben der deutschen Nazi in Aegypten, nicht Einhalt gebietet. Oft kopiert Nie erreicht Jttokatti** SCHUH-FABRIK Wien III., Münztfa»se 5 Telephon U 19 408