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Die Stimme · 1953-05-01 · Heft 74 (Mai 1953) · page 3

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Nr. 74 DIE STIMME Seite 3 Im Namen der Künftige.. * 1 ... * " . Als u.i' israelitische K ui tusgcmcmue » icii in der zweiten Haine ues .iunres i:/-r.j linier ininiing dilil jur.siiseiier ncil»»B .><■ es cm.iiai.gc.i v i,..-r. Hsmcnu n iji . mm.in braun me v iTliaiiuiiingeii um neu lu g.ei iingssnneu cmieiuic min wnliinm i iiduenie >m seimige niiieruivnoic, me es der osiei reu nisciien ucpiiuliiv lCiiiu geinaini Hauen, das den juneii geraume und in I lannen \un Uesiei rcienei .i ueiinuin iie \ ermugen zm iieK/.uci siuiuii, si.ei» man beun nunereii Alimsicr lur v\ ieuei giiuiiaenung, Ur. ixraiuunu am unimerw inunciie ocü w icngkeiien. uic v urspracnen beun BunucsKanzicr Ing. Leopold 1igi \eriielen üesnalb ergebnislos, ueil liim der r ragcnkomptev. völlig iremd war und er sien mellt der Mime imicrziclien wollte, die \orgcbruchtcn Argumente zu prulen und die in den Arumen des Kraulandministcriums ruhen - den Akten zu studieren. Dazu kommt, du 15 die Clupic um ivruulund die UevT dalungehend Beeinflußt hat, mit dem jüdischen Vermögen parteipolitische oeschaltc zu maciien. Einerseits die Verständnislosigkeit der österreichischen Machtfaktoren, andererseits die leindscligc Haltung eines großen Teiles der österreichischen Bevölkerung gegenüber den 1 orderuiigen der geschädigten Juden, haben ulle Anstrengungen der Vertreter der österreichischen diitieuscliaft nahezu illusorisch gemacht. Unsere llollinnig aut die Unterstützung der fortschnttiiclien österreichischen Parlumentaricr erwies sich als trügerisch, im Gegensatz zu Deutschland, wo viele Politiker der westdeutschen Bundesrepublik eindeutig, klar, aufrichtig und mutig die Ansprüche der beraubten Juden anerkannt und zweifelsfrei als berechtigt erklärt und fcstgcstellt haben, daß der liaub an Juden die tiefste Verderbnis der JNazizeit war, taten die österreichischen Politiker so, als ob hierzulande nichts geschehen wäre. Die vom früheren Bundeskanzler Ing. Figl öffentlich abgegebenen positiven Erklärungen, haben die politischen Parteien nicht ernst genommen. Sie brachten aber niemals den Mut auf, unsere lUiekstellungsfordcrungen kategorisch abzulehnen. Man betrieb gegenüber den Juden eine Verschleppungstaktik und ebnete, bewußt oder unbewußt, den Ariscuren den Weg zum Angriff auf unsere berechtigten Forderungen. Offen heraus gesagt: Oesterreich muß es endlich zur Kenntnis nehmen, daß seine Baubrilter, die Ariseure, sich nicht um ein Jota barmherziger benommen haben, als ihre reiclisdeutschen Spießgesellen, da sic sich das jüdische Eigentum mit rücksichtsloser Brutalität, gleich Leichenfledderern, angeeignet und jene Juden, die dem Baub nicht zustimmen wollten, der Gestapo ans Messer geliefert. Viele österreichische Ariseure haben den 'Tod von Juden auf ihrem Gewissen. Es ist beschämend, daß die beiden österreichischen Begierungen in Fragen der jüdischen Vermögensrückstellung sich undemokratisch verhalten. Jede von der österreichischen Begierung den Mnzigeschädigten gegebene, auf die Vcrmögensrückstellung bezughabende positive Zusage, wird mit der Amnestierung von belasteten Nazi junktimiert. Während die Nationalsozialisten in den Genuß von vielen Begünstigungen kommen, werden die Juden hingehallcn, ja, Anstalten getroffen, um bereits beschlossene Biickstcllungsgesetze durch Nacli-j trngsgesetze zu verwässern. Aber der Veil erhalt immer mehr \mtneh: Die Abgeordneten l'ieillcr uno htendebaeli beantragen im l'arlainem u.e Uiiibczicliung der liamntvcrineheiu n Volksdeutschen und der deutschen Ataac,- angehorigcn in die österreichische ivricg.-.- opi er Versorgung, die Abgeordneten uv. Gsclimtzer de \ P und Dr. ITciller Vdi. beantragen die Ausübung des Gnadenrechtes hinsichtlich der vom Volksgerieni verurteilten I liminlergardc und die l eberpriilung der \ olksgerichtsurteiie. Wir vermuten, daß diese Anträge leider eine günstige Aulnah/ne im I lohen Hause linden werden. Die österreichischen Politiker geben zu, daß die österreichischen Nazis geraubt, geplündert und gemordet haben, aber so oll man auf die moralische Verpflichtung den Opfern gegenüber zu sprechen, kommt, kneifen die Herren aus. Unter dem Vorwand der Befriedung, erhielten die eil tregistrier teil Nationalsozialisten, viele Millionen Schilling aus SteuergeD dern, hingegen wird erklärt, daß die moralischen Verpflichtungen Nazioplern gegenüber nicht so weit gehen dürfen, daß ulle ihre Forderungen „bedingungslos*' akzeptiert werden. Außer dem jüdischen erblosen Vermögen befinden sich in der Hand der österreichischen Ptegicrung Geldwerte, wie HeichfJ lieh tsicuer, Buchwerte, erzielte Beträge aus Zwangsversteigerungen, dutzende arisierte Kunstschätze usw. Acht Jahre sind vergangen, ohne daß es zu einer Verständigung gekommcin* wäre, obwohl cs sich hier keinesfalls um komplizierte Probleme handelt. Wird die österreichische Begierung, der österreichische Nationalität nunmehr bereit sein, den Opfern das zurückzugeben, was ihr Eigentum ist und ihr Besitz war? Oder soll das an uns begangene Verbrechen in Oesterreich verewigt werden;’ Wir erinnern an die Worte des Präsidenten der westdeutschen Republik Prof. Ucuss: „Der vorgebrachte Vorwand, daß von anderer Seite ähnliche Verbrechen begangen wurden, sei verwerflich. Auf Unrecht und Brutalität anderer sich berufen, ist das Verfahren der moralisch Anspruchslosen4’. Es ist bezeichnend, daß cs des Eingreifens der Besatzungsinächte bedurfte, um Oesterreich seine staatspolitischen und moralischen Pflichten erkennen zu lassen. Wir hoffen, daß die zu gcwärligenden Verhandlungen der Wahrheit und der Gerechtigkeit entsprechen werden und daß der Ausspruch Schillers: „Machst immer Anstalten und bist niemals fertig”, in diesem Falle keine Gültigkeit haben wird. Raphael Medan Zum neuen Kanzleileiter des israelischen Konsulates in Wien wurde an Stelle des Herrn Elialiu Tavor, der nach Israel zurückgekehrt ist, Herr Raphael Medan aus Tel-Aviv bestellt. Herr Medau kam in früher Jugend aus Deutschland nach Israel, wo er, nach Beendigung seiner Schulzeit, der damals illegalen llaganah beitrat. Im Befreiungskriegs 11)48—1941) kämpfte er für die Unabhängigkeit unseres Landes in deinen geschaffenen Israel-Armee, in der er den Offiziersrang besaß und wurde nach seiner Demobilisierung im israelischen Außenministerium für den Konsulardienst ausgebildet. Herr Medan hat v or wenigen Wochen in Wien seinen ersten Auslandsposten im israelischen diplomatischen Dienst übernommen. Wir wünschen ihm viel Erfolg. Am 10. Mai 1933 verbrannten die Nationalsozialisten auf den öffentlichen Plätzen Bücher von Autoren, die sie verfolgten, ächteten und aus dem Buch des Lebens strichen. Im Namen der Geistlosigkeit sollte Her Geist lur alle Zeiten vernannt werden; un Zeitalter des Bizeps mußte die beele anbei- Landes gehen; im Interesse des von Nazi-iland vorbereiteten und gewollten Krieges durfte nicht leben, wer dem frieden gedient hatte. Vor zwanzig Janren begann das heute noch Unlaßbare, das über die (Stationen Synagogenverbrennung und Konzentrationslager dorthin führte, wo der Tod seine Arbeit kaum mehr bewältigen konnte: in den fürchterlichsten aller Kriege, von Nazi gew oll t. ln einer Minute des Schweigens wollen wir den ermordeten Dichtern und Schriftstellern versprechen, daß wir sic nicht vergessen werden! Ach, wir können nur einige nennen — und es waren so viele, die auf barbarische Weise ausgelöscht wurden. So verbeugen wir uns vor Georg Hermann, Erich Mühsam, Arno Nadel, Carl Ossietzki, Arthur Silbergleit, Theodor Wolff, Adam Kuckliolf, der unmittelbar vor dem Gang zur Richlstätle für seinen Sohn Ule die Worte schrieb: Mein lieber Sohn, du großes, spätes [Glück, so lasse ich dich vaterlos zurück? Ein ganzes Volk — nein, das ist viel zu [klein, das Menschenvolk wird dir dein Vater sein! Auch die Verbannten, Vertriebenen und Heimatlosen, von denen viele einen selbst gewählten Tod einem unfreien Leben vorzogen, dürfen nicht vergessen sein. Auch hier können nur einige Namen für viele stehen, für sehr viele! Die Dichter in der großen Finsternis, auf deren Tischen Tintenfaß und Giftbecher standen, hießen: W alter Benjamin, Egon Friedeil, Walter llasenelcv er, Ernst Toller, Kurt Tucholsky, Ernst Weiß, Stefan Zweig, der an Verzweiflung starb, daß es einen llitlerismus gab. Stefan Zweig erzählt in der wundervollen Legende „Die Augen des ewigen Bruders*4 die Geschichte Viratas, den sein Volk rühmte mit den vier Namen der Tugend, die Geschichte jenes großen Mannes, der in Armut und Verlassenheit, in Einsamkeit und Not den letzten Weg beschreiten mußte. Dort heißt es: „Als aber auch seine Jahre erfüllt waren und Virata starb und eingescharrt ward in der Kehrichtgrube der Knechte, besann sich keiner im Volke mehr dessen, den das Land einst gerühmt mit den vier Namen der Tugend. Seine Söhne verbargen sich und kein Priester sang den Sang des Todes an seinem abgelebten Leibe. Nur die Hunde heulten zwei Tage und Nächte lang, dann vergaßen auch sie Vjj-atas, dessen Namen nicht eingcschricbei^^t in den Chroniken der Herrscher uncT flicht vcizeichnet in den Büchern der Weisen.” Diejenigen, die nicht von frecher Hand ermordet wurden und nicht freiwillig in den Tod gingen, erwartete meist ein trauriges Geschick, ln der Emigration, im Exil aßen sie das Brot der Gnade. Von diesen Entrechteten starben neben vielen anderen, fern der alten Heimat: Hermann Broch. Albert Ehrenstein, Bruno Frank, Stefan George, Jakob llaringer, Ma\ 1 lerrmann-Ncisse, Magnus Hirschfeld, Arthur I lolitscher, Georg Kaiser, Otto Krille, Heinrich Mann, Valeriu Marcu, Alfred Momhcrt, Mynona, Rudolf Olden, Josef Roth, Anselm Ruest, Helene Stöcker, Jakob Wassermann, Franz WTrfel, Alfred Wolfenstein, Paul Zech, Hcrmynia Zur Mühlen und viele, viele andere Große. Die Ermordeten und jene, die an ge- B. Teilet tfl WIEN 1, SALZTORGASSE 5 TELEFON U 25-4-85 SlltGFR ■ STOFFE HERREN-, DAMENKLEIDER UND -MÄNTEL IM DIR R01 INItlRMSIR 19 MODISCHE SPORT- UND REGENSCHUTZBEKLEIDUNGS¬ REINWOLLENE DAMEN- U. HERRENSTOFFE KAMMGARNE FABRIK TWEEDE IN NEUESTEN MODEDESSINS SEIDENNOUVEAUTfiS TEL. U 21-3-88 Geistlosigkeit.. . brochonem Herzen starben, hielten bis zum Ende die Treue dem Wort und ihrer humanen Gesinnung. Und da stehen nun wir, die Leberlebendcn, und wissen kaum, wie groß unsere Verpflichtung ist, das kostbare Erbe zu verwalten und darüber zu wachen, daß nie mehr ein 10. Mai 1933 möglich sein wird. S. E. („Allgemeine“ Düsseldorf) ITALIENISCHE SCHIFFAHRTSLINIEN "EIN MARE- GRUPPE I T \ I. I A SCHIFFAHRTSGESELLSCHAFT GENUA | NORDu. SÜDAMERIKA - MITTELAMERIKA NORDu. SÜDPAZIFIK LLOYD TRIESTI1NI0 SCHIFFAHRTSGESELLSCHAFT TRIEST ASIEN - AFRIKA - AUSTRALIEN \ D R I \ T I C A 1 SCHIFFAHRTSGESELLSCHAFT VENEDIG ÄGYPTEN - ISRAEL - LIBANON SYRIEN CYPERN - TÜRKEI SCHWARZES MEER - GRIECHENLAND T I R R E N I \ SCHIFFAHRTSGESELLSCHAFT NEAPEL LYBIEN - TUNIS - SIZILIEN - SARDINIEN KORSIKA - MALTA - MARSEILLES SPANIEN - NORD EUROPA Auskünfte und Buchungen bei der Zweigstelle in WIEN I. Kärnterring 6, Tel. U 47 5 60 Serie, bei der Filiale in GRAZ, Annenstrafje 10, Tel. 67 01 sowie bei allen Reisebüros. Frachtenabteilung: WIEN I. Kärntnerstrafje 33 (Eingang Johannesg. 1) - Tel. R 24 5 60 Serie. Mörder unter uns Das Schwurgericht in Bremen verurteilte am 6. Mai den ehemaligen Obersturmführer der SS und Leiter der Zwangsarbeitslager von Droliobycz und Boryslaw, Fritz Hildebrand, wegen Beihilfe zum Mord und wegen Totschlags zu 8 Jahren Zuchthaus. Der ehemalige SS-Obersturmfünrer wurde für mitschuldig am Tode von mehr als tausend Juden befunden. Bei diesem Prozeß war der Amtsdirektor der Israelitischen Kultusgemeinda Wien, Wilhelm Krell, als Zeuge geladen. Wir bringen einen Auszug aus seiner Zeugenaussage, die sich auf eine Selektion bezieht, die im Juni 1943 in einem der beiden Lager stattfand: „Ein Kapo verlas morgens um 5 Uhr die Namen der Lagerinsassen. Wer rechts heraustreten durfte, war gerettet. Die übrigen Juden wußten, daß cs bald mit dem Leben vorbei sein würde. Eine Mutter war mit aufgerufen worden, ihre beiden Kinder aber nicht, llildcbrand herrschte die Mutter an, „Sie können wählen!”. Nur eines der beiden Kinder durfte bei ihr bleiben! Das andere Kind erfaßte, was geschehen würde, es schrie jämmerlich, aber die Mutter konnte, durfte nichts daran ändern.” Nach dieser Erklärung des Zeugen, trat im Saal Stille ein. Der genannte Zeuge bat, folgende Erklärung abgeben zu dürfen: „Ich lasse mich nicht von Gefühlen des Hasses leiten, ich habe zuviel gesehen und erlebt, billige Bache bedeutet mir nichts. Ich kam nach Bremen, um der W ahi heit zu dienen, das bin ich den vielen Opfern schuldig.“ Erstklassige Stolle und ZugeKör, sowie beste Verarbeitu bilden dl der b e TELLERKLEIDUNG die Grundlage jewäkrten ■> i/i cim iwr; ///. Htäßhlr&ntM-9° U16 2 02013053020201020102013002010002

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